„HJ-Stadt“ Landsberg am Lech und die Lehrer

Der nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB) stand „rückhaltlos zu dem Führer-, Rasse-, Wehr- und Religionsgedanken.“ Wie nicht anders zu erwarten, hatte das Rassendogma, „auf dem alles aufzubauen sei“, oberste Priorität. Das betonte Pg.Hans Schemm, Reichs-Walter des NS-Lehrerbundes auf der Versammlung des NSLB Gau-München-Oberbayern, Ende April 1931. Der angeschlossene Pfarrer-Bund bewies ohne Wenn und Aber nationalsozialistische Solidarität, und Pg. Vikar Gluth meinte, er könne sich „gar nicht mehr vorstellen Geistlicher und Nicht-Nationalsozialist zu sein.“

Von Hermann Kriegl

Die „Nationalsozialistische Lehrerzeitung“ vom Februar 1932 animierte die deutschen Volksgenossen zur Teilnahme an der Reichstagung im Berliner Sportpalast am 2./3. April 1932. In diesem Kampfblatt ist die Rede von Lehrer-Persönlichkeiten wie Universitätsprofessor Dr. Ernst Krieck, der dort unter anderem über „gemeinsame Aufgaben des nationalsozialistischen Lehrers im Ringen um die deutsche Schule“ referieren wollte. Die NS-Lehrer bejahten Alfred Rosenbergs Weltbild. Desgleichen in der „Hitler-Stadt“ Landsberg, wo sich die Gewichte schon längst zu Gunsten der rechtsradikalen Instrukteure verschoben hatten. Entsprechend war der verderbliche Einfluss auf Schulkinder und angehendes Jungvolk. 1933 wurde der Ton schriller. Erschreckend die rassenbiologischen Absichten, und schon im NSV-Kindergarten.

Eugenik und Rassefibeln

1941 begannen da Anthropologen, vielleicht auf Antrag des Dr. med. Julius Oberndorfer mit Kopfvermessungen und machten Porträtaufnahmen der Kinder. Vermutlich eine „Arier“-Kontrolle, um erste Rückschlüsse auf „gutrassigen“ Bestand zu ziehen. Mit Gehorsam, Sauberkeit und Einordnung in die Gemeinschaft fing das Lernen im Kindergarten an. Lob gab es fürs Mitmachen und zum Geburtstag ein Geschenk. Im Zentrum der Unterweisung: Begeisterung für den „Führer“, ins evozierte Grundgefühl des Erhabenen, dessen Wiegenfest am 20. April. In jedem Aufenthaltsraum befand sich „eine große Photographie des Führers, die ihn inmitten seiner Jugend zeigt, der seine Liebe gehört und die ihm allein diese sonnigen, glücklichen Kinderjahre verdankt.“ Man kennt sie, diese Hitler-Bilder, vor allem eins: der „Führer“ mit halbwüchsigen Jungen vor der zerbombten Reichskanzlei, wie er einem zwölfjährigen Hitler-Buben das EK II verleiht. Wenige Wochen vor der deutschen Kapitulation.

Die steigende Aggressivität auf biologisch-mythischer Ebene, entsprach dem Selbstverständnis des braun angestrichenen Lehrkörpers. Nach Meinung eingefleischter Judenhasser eigneten sich besonders zwei Bilder-Bücher aus dem „Stürmer“-Verlag, um die nationalsozialistische Rassenideologie den Schulkindern zu vermitteln:

1) Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid.
2) Der Giftpilz.

Beschämende Akte öffentlicher Judendiffamierung. Didaktisch verwertet und vor der Klasse „richtig“ interpretiert, intensivierte das die rassistische Imagination der Kleinen. Solcherart ekelhafte Textsorten, wie auch der Landsberger antijüdische Protest, beeinflussten merklich, mitursächlich für die Judenverfolgungen waren sie allemal.

Von klein an: „Heil Hitler!“ und „Die Fahne hoch“

Natürlich mussten die ABC-Schützen „erbgesund“ und „rasserein“ sein und zuerst einmal NS-Rituale memorieren, denn das diente der emotionalen Hingabe, im engeren Sinn also der erstrebenswerten Vorbereitung zur soldatisch orientierten HJ-Aufzucht. Die massive politische Indoktrination der Knirpse begegnet einem zudringlich in illustrierten Lesebüchern. Farbige Abbildungen zeigen flatternde Hakenkreuz-Fahnen. JV und HJ mit Hitler-Gruß, Fahnen-Appelle, SA-Aufmärsche und kämpfende „Helden“. Alles eindeutig konditioniert auf „Führer“, NS-Volksgemeinschaft, Soldaten, Krieg und Heldentod.

Das erziehungspolitische Ziel: Der deutsche Knabe – körpertüchtig, wehrbereit, Hitler-hörig, und gehorsam, ohne zu jammern. Wenn jemand es noch bezweifeln würde, dass die nationalsozialistische Jugenderziehung militant-aggressive Züge trug, liefern ihm Exerzier- und Dienstreglements sowie militärische Ehrenbezeigungen genügend Beweise. Die „Landsberger Neueste Nachrichten“, das HJ-Infoblatt“, druckte bereits im April und Mai 1933 eine Unmenge von Gefolgschafts-und Aufmarschbefehlen, Exerzierübungen, Anleitungen zum Dienstverhalten, Erläuterungen von Kommandos, die dem Konzept für Infanterie ziemlich gleichen. Neben dem Zurechtfinden im Gelände, Kompass und Kartenlesen, gab es noch weltanschauliche Heimabende: da plauderten die Ausbilder über Gesundheitsregeln und rassische Qualitäten der „Arier“, aus derlei ideologischen Quellen die Jungmannen über das Militärische hinausgehende Energien schöpften.

Wie dankbar die Volksgenossen visuelle Reize absorbierten, äußerte sich vornehmlich in der preußisch-zackigen Brillanz bei feierlichen Anlässen. Das deutsche Zeremoniell weckte Assoziationen an Adolf Hitler, für jedermann erkennbar, auf zutiefst völkische Art. Das bewegte die deutschen Gemüter und wurde verschärft durch idealtypische Mystik, die Landsberg fanatisch in den Dienst der „Hitler-Stadt“ stellte.

Wer sich über seine Grußpflicht hinwegsetzte, den traf der braune Bannstrahl, vor allem in der „Hitler-Stadt“ Landsberg, wo man dem Deutschen Gruß übertriebene Wichtigkeit beimaß. Der Hitler-Gruß, 1933 obligat im nationalsozialistischen Tagesablauf, gewann sofort auch für nicht organisierte Schulkinder an Bedeutung. Das deckte sich mit den folgenreichen Denk- und Handlungsschablonen des NSLB. Manch
einer kann darüber aus eigener, unangenehmer Erfahrung berichten.

Schulleiter Pg. Karl Greiner, Kreisamtsleiter des NSLB, stand öfters vor dem Schultor und genoss das Defilee der Volksschüler. Von Kindesbeinen an Unterordnung und Schliff gewöhnt, mussten selbst ABC-Schützen „ihren“ Rektor „deutsch“ grüßen. Entledigte sich ein Schüler diesem Gebot nachlässig, verabreichte der Pädagoge seinen Zögling zumindest eine schallende Ohrfeige. Wie schmerzhaft eine solche
Verbindlichkeit sein kann, erfuhr der Verfasser als Erstklässler am eigenen Leibe. Beim Vorbeimarsch flog wahrscheinlich der rechte Arm nicht zackig genug nach vorn, da schlug der „Rex“ so brutal zu, dass einem Hören und Sehen vergingen.

Der Lehrer, fest eingebunden an seine Erziehungsmission auf dem braunen Trampelpfad, forderte: „Ein deutscher Junge weint nicht!“ Von wenigen Einsichtigen abgesehen, schärften die propagandavernebelten Schulmeister den Opfersinn der Aspiranten: „Wer auf die Fahne des Führers schwört, hat nichts mehr, was ihm selber gehört.“ Die NS-Phrasendrescher wurden von einem fatalen Vaterlandsfieber gepackt, das seit dem Ersten Weltkrieg mit hoher Temperatursteigerung einherging. Das damalige Bonmot des Arbeiterpoeten Heinrich Lersch – „Deutschland muss leben, auch wenn wir sterben müssen“ – übernahm die HJ in eigene Verantwortung. Äußerst plausibel für NS-Lehrer, deren Mitgliedschaft im NSLB nicht so harmlos war, wie die Betroffenen nach 1945 vor der Spruchkammer beschwörend pointierten.

Ideologische Scharfmacher

Rektor Karl Greiner, NSDAP-, NSLB-, und SA-Mitglied, Kreisamtsleiter des NSLB, Blockleiter, ferner im RKB, VDA, DRK, NSV, RLB, KdF, jeweils von 1933-1945. Die Zahl der anvertrauten Parteiämter und seine nazistisch imprägnierte Pädagogik beweisen das exzessive Ausmaß seiner Erfassungsmethoden. Damit die Schulzucht funktionierte, vollführte der linientreue Lehrer seine Berufstätigkeit impulsiv, roh und handgemein. Rassistisch verstiegen, arrogant und unfähig sich in andere Mentalitäten hineinzuversetzen, prägte der sture Nazi das Denkvermögen von jungen Menschen. Die Knabenschule am Spitalplatz vergaß nie die Machtübergabe an Adolf Hitler, Führers Geburtstag, den Tag der Wehrmacht, Erntedank, den 9. November und das Winterhilfswerk., Ergänzend noch nächtliche Fackelzüge zum Krieger- und Schlageter-Denkmal, dort religiös-pathetische anmutende Feiern. Nebengeschäftlich informierte Rektor Karl Greiner noch den SD, dazu regelmäßig aufhellende Tätigkeits-, Lage- und Monatsberichte für die Propaganda-Abteilung des NSLB.

Der überzeugte Nationalsozialist wurde vom 3. Mai – 3. Juli 1945 „aus Sicherheitsgründen“ ins Landsberger Gefängnis gesteckt und anschließend nach Moosburg verfrachtet. Die Entlassung erfolgte am 31. März 1947 wegen Überschreitung der Altersgrenze und am 22. April 1948 entschied die Spruchkammer Landsberg: „Der Betroffene ist Mitläufer, Gruppe IV.“ Profiteure der Nazi-Politik, die Lehranstalten zu einem „erd- und bluthaften“ Hort ausgestalteten, logen hinterher wie gedruckt. Nicht alle luden Schuld auf sich, darüber bestehen keine seriösen Zweifel, aber die Akten der Spruchkammer Landsberg sind ein wahrer Fundort von Peinlichkeiten.

Noch ein Mann, der bis zuletzt Nationalsozialismus pur predigte: Dr. Anton Maier, Oberstudiendirektor der Oberschule Landsberg. Pg. seit 1937, Mitglied im NSV, RLB und VDA. Ein radikaler Nazi, der im April 1945 auf provozierende Art noch Durchhalte-Parolen ausgab und ein Volkssturm-Bataillon führte. Danach, vom 26. – 30. Juli 1945, verhört und eingesperrt, am 8. Januar 1946 erneut vom CiC aufgegriffen und
anschließend dem Lager Garmisch zugewiesen. Der vorzeitig entlassene NS-Aktivist konnte sich dann, wie fast alle berufenen NS-Lehrer, als Mitläufer fühlen. Der Gedächtnisschwund des Lehrpersonals stimmt nachdenklich, wenn man berücksichtigt, dass NS-Ideologie und Symbolik zum Schulalltag gehörten, die Pauker ihre Schüler instrumentalisierten und mit deren Idealismus durchwegs Schindluder trieben.

Hernach beanspruchten die Wendehälse uneingeschränkt persönliche Vorteile, das verrät ebenso die Rechtfertigung der angelernten BDM-Führungskraft, Erzieherin Maria Peslmüller. Am 24. Februar 1947 beantragte sie beim Bezirksschulamt Landsberg die Einstufung in Gruppe IV. Dabei ging sie erst gar nicht darauf ein, was damals niemanden verborgen blieb: Die Judenverfolgung. Um die eigene Haut zu retten, vermied sie jedweden gefährlichen Beiklang. Stattdessen schlussfolgernd, als sei es völlig außerhalb ihrer bisherigen Einstellung: „Hier in der Stadt zeigte sich das Treiben der HJ in übelstem Licht.“

Die verkorkste Lehrerschaft sympathisierte frühzeitig mit den Braunen und wusste, was sie dem Nationalsozialismus schuldig war. Wer, wie die geistigen Brandstifter, sich in die politische Arena stürzte, wurde nach 1945 vorübergehend vom Beamtendasein ausgeschlossen, als Entnazifizierte hatten sie alsbald wieder Anteil am beruflichen und politischen Leben.

Wiederholt arbeiteten sich Ehemalige derart hartnäckig am Thema ab, wie es in Landsberg der Fall war. Nirgendwo die Spur politischer Verantwortung. Dergestalt auffällig: Bezirksoberlehrer, Kreispresseamtsleiter und Kreisredner Sebastian Wolf. Parteizugehörig seit 1933, im NS-Lehrerbund Sachbearbeiter für Unterricht und Erziehung. 1936 VDA-Mitglied und als Stabsintendant der Heeres-Standortverwaltung Landsberg überlebte er das Dritte Reich. Zunächst bestand Antrag, den Betroffenen in Gruppe II einzustufen. Der öffentliche Kläger der Spruchkammer Landsberg plädierte am 5. März 1948 für „eine Herabsetzung der Bewährung auf das Mindestmaß im Gnadenweg“. Wo immer man über die NS-Vergangenheit des angezeigten „homo politicus“ redete, wurde blanke Schuldabwehr deutlich. Dazu gesellten sich äußerst beziehungsreiche Nothelfer, die bezeugten, Wolf sei gegnerisch zum Nationalsozialismus eingestellt gewesen. Was auf den ersten Blick grotesk erscheint, wurde durch einige Entlastungspapiere („Persil-Scheine“) gedeckt. Das genügte wohl für die Berufungsverhandlung 1948, und die Haupt-Spruchkammer Weilheim/Obb entließ Wolf als „Mitläufer“, was für Außenstehende nicht mehr ohne weiteres fassbar ist.

Abschließend noch ein Sonderfall „innerer Emigration“. Der Leiter der VDA-Bezirksschulgemeinschaft Landsberg Stadt und Land, schloss sich beizeiten dem neuen Kurs an. Als die Ortschulgemeinde Landsberg, Keimling der „Deutschen Schulgemeinde“, einer „Kampforganisation“ gegen die katholische Bekenntnisschule, am 26 März 1936 den ersten Elternabend veranstaltete, sah man im Konsortium ideologischer Lehrkräfte neben Kreispressewart und Oberlehrer Wolf, Bezirksschulrat Roithmaier und Hauptlehrer Pfitzer auch den Erzieher-Kameraden (Hans Hamberger), der sich aufs Auslandsdeutschtum spezialisiert hatte. Durch die von ihm zusammengestellte Hörfolge ‚Deutsche Soldaten im fremden Waffenrock‘ versprühte er an diesem Abend jede Menge Propaganda-Nebel. Ebenso exemplarisch „unter dem Zeichen des Deutschen Volkstumsgedanken“, das Treffen im November 1938, an dem die gesamte Lehrerschaft des Bezirks Landsberg, Kreisleiter, Bezirksschulrat, Bürgermeister Dr. Linn und höhere Staatsbeamte teilnahmen. Dem hiesigen VDA-Repräsentanten ist die „Vorbereitung“ dieser Versammlung wohlgelungen, und im Rahmen der „gesamtdeutschen Blut- und Kulturgemeinschaft“ hatte er in Landsberg und im Kreis beachtliches Aufsehen erregt.

Ein Offizier der amerikanischen Militärverwaltung bescheinigte ihm jedoch am 27. Februar 1946 unter anderem: „Es ist hier allgemein bekannt“, dass der parteiamtliche Funktions-Inhaber (Hans Hamberger), „nie aktiv für nationalsozialistische Ideen weder in der Schule noch sonst wo eintrat, weil er ihnen Innerlich fremd gegenüberstand.“

Die agilsten Gemeindeschulzen bekleideten wichtige Ämter und erfüllten prompt, was ihnen die Partei abverlangte, selbst als Boykott-Hetze, Nürnberger Gesetze, Kristallnacht und Konzentrationslager gellend für sich selber sprachen.

„HJ-Stadt“ Landsberg am Lech, der „drittwichtigste“ Ort der Nazis?

Vom 11. – 19. September 1938 arbeitete das Postamt Landsberg wieder mit dem Sonderstempel „Bekenntnismarsch“, noch einmal schickte der Reichsjugendführer Baldur von Schirach auserlesene HJ-Legionäre in die neu geweihte „Stadt der Jugend“, dann war die Herrlichkeit vorbei. Diese ausdrucksstarke Virtuosität war dahin. 1939 ging es talwärts mit dem Gönner Landsbergs, Baldur von Schirach. Wegen politischer Differenzen wurde er 1940 zum Gauleiter von Wien degradiert. Im Klartext: Strafversetzung in eine Metropole, die Adolf Hitler zutiefst hasste. Wer mochte sich da noch entsinnen, was der ehemalige Reichsjugendführer in der „Stadt der Jugend“ einst verzapfte?

Damit hatte der Ehrentitel „Stadt der Jugend“ ausgedient. Zutreffend ist, dass der städtische Kulturbeirat Dr. Fischer versäumt hat, das konkurrenzlose Embleme im Vorwort des Einwohnerbuches 1938 zu erwähnen. Umso mehr verwundert die gar nicht zu übersehende Tatsache, dass bei dem übertriebenen Aufwand der werbewirksame Zuname auf den amtlichen Briefbögen fehlte, was in München und anderen hervorgehobenen Städten undenkbar gewesen wäre. Derart standortbezogene Besessenheit nahm zu in den nationalen Wachstumsjahren, davon zeugen die schmückenden Beinamen von Städten, die wie Landsberg gesinnungsbedingt sich selbst beweihräucherten. Im exklusiven Kreis allzu blinder Führer-Anbeter:

München, Hauptstadt der deutschen Kunst (1933)
München, Hauptstadt der Bewegung (1935)
Nürnberg, Stadt der Reichsparteitage
Berlin, Hauptstadt des Reiches usw.

Gewiss, der Werbeslogan „Stadt der Jugend“ war ein gerissener Marketing-Gag der politischen Ausrüster, allerdings mit kurzer Verfallsdauer. Das Intermezzo „Stadt der Jugend“ , in seiner Prophetie exotisch hoch angesiedelt, ist trotz hiesiger Verrenkungen nicht als „drittwichtigster Ort“ in die Interessensphäre des Großdeutschen Reiches übergegangen. Wahrscheinlich hat der beschlagene Bürgermeister Dr. Linn beim propagandistisch-waghalsigen Sprung nach vorn, die Rangordnung frei erfunden, um die nationalsozialistische Stadt noch mehr aufzublasen. Die Ehrenstadt des Nationalsozialismus, eingereiht in die verdichtete Phalanx hervorstechender „Führer-Städte“, hat sich mit der „Hitler-Zelle“ unsterblich in Szene gesetzt und damit deutschlandweit, insbesondere jedoch international Schlagzeilen gemacht.

Selbst wenn nach 1945 Hitlers Ehrenbürgerrecht erlosch und mentale Baureste in der „Feste“ abgeräumt wurden, gelang es Landsberg bis jetzt nicht, der Vergangenheit mit dem weltbekannten Namen zu entfliehen.

Anmerkung

Teilweise veröffentlicht in, Hermann Kriegl, Die „Hitler-Stadt“, Hass auf Juden, NS-Dynamik – „Endlösung“ (2009)
Hermann Kriegl, in, Vom Wesen der NS-Provinz Landsberg (2012)
Hermann Kriegl, in, Adolf Hitlers „treueste Stadt“ – Landsberg am Lech 1933-1945 (dritte Auflage)