Zum Tod von Otto Dov Kulka

Ein weiterer Zeitzeuge ist gegangen. Am Freitag verstarb der Historiker und Schoa-Überlebende Otto Dov Kulka im Alter von 87 Jahren…

1933 in der damaligen Tschechoslowakei geboren wurde Kulka 1942 mit seiner Mutter nach Theresienstadt deportiert, ein Jahr darauf nach Auschwitz. Otto überlebte. Er folgte nach der Gründung des Staates Israel der intensiven Erinnerung an die Erzählungen einer Tante über das Land. Im Land der Orangen ging er zunächst in einen Kibbutz, später zog er nach Jerusalem, studierte an der Hebräischen Universität und unterrichtete dort über Jahrzehnte. Obwohl seit 1999 emeritiert, arbeitete Kulka noch täglich in seinem Büro, stets von klassischer Musik begleitet.

Kulka forschte und schrieb seit seiner Dissertation über die „Judenfrage im Dritten Reich“ über Verfolgung und Vernichtung der Juden. Sein autobiographisches Werk „Landschaften der Metropole des Todes. Auschwitz und die Grenzen der Erinnerung und der Vorstellungskraft“ erhielt 2013 u.a. den Geschwister-Scholl-Preis.

Für den Dokumentarfilm „Die letzte Freiheit“ öffnete Kulka seine Aufzeichnungen und Tagebücher und teilte Gedanken, Träume und Erinnerungen, geprägt von seiner Zeit in Auschwitz. Der Film ist ein sensibles Porträt eines beeindruckenden Menschen, der sein Überleben präzise und doch poetisch zu beschreiben vermochte.

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