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#everynamecounts – eine Initiative der Arolsen Archives

#everynamecounts ist ein Crowdsourcing-Projekt der Arolsen Archives. Mit Hilfe von freiwilligen Helfer*innen auf der ganzen Welt soll das größte digitale Denkmal für Opfer des Nationalsozialismus entstehen: ein Online-Archiv mit Namen und Informationen zu den Menschen, die von den Nazis wegen ihrer Religion, Herkunft, ihres Äußeren, ihrer sexuellen Orientierung, Behinderung, politischen Einstellung oder Kunst verschleppt und in vielen Millionen Fällen ermordet wurden…

Ziel ist es, an die Opfer und Überlebenden des Nationalsozialismus zu erinnern. Die Namen und Lebenswege der Millionen Verfolgten sollen per Online-Suche auffindbar sein; oft sind deren Schicksale noch immer unbekannt, weil sie bisher nicht digital erfasst sind. Angehörige weltweit suchen bis heute nach Spuren.

Gleichzeitig geht es darum, jungen Menschen und zukünftigen Generationen, die keinen direkten Bezug mehr zu dieser Zeit haben, die Einzelschicksale zugänglich zu machen: von Menschen wie du und ich, die während des Naziregimes verfolgt und ermordet wurden. Ihre Geschichten zeigen, wohin Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus führen. Vor diesem Hintergrund setzt das Projekt #everynamecounts in der heutigen Zeit ein aktives Zeichen gegen Hass, Diskriminierung und Rassismus, denn die Motive der Verfolgung sind zeitlos.

Als digitales und partizipatives Erinnerungsprojekt ist #everynamecounts eine neue Form des Gedenkens mit internationaler Bedeutung.

Wie kommen die Namen und persönlichen Informationen in die Online-Datenbank?

Auf Deportationslisten und Dokumenten aus Konzentrationslagern, die in den Arolsen Archives aufbewahrt werden, befinden sich Namen sowie persönliche Daten und Informationen zu den Schicksalen einzelner Verfolgter bzw. Inhaftierter und Ermordeter.

Die rund 30 Millionen historischen Dokumente liegen bereits als Scans vor, doch erst ein Drittel der enthaltenen Informationen sind digitalisiert. Ohne zusätzliche Hilfe würde das Erfassen der kompletten Daten jahrzehntelang dauern. Freiwillige können dabei helfen, auf der Crowdsourcing-Plattform Zooniverse die Informationen auf den Dokumenten manuell einzugeben – eine Arbeit, die aufgrund der Beschaffenheit der Dokumente kein Softwareprogramm zuverlässig erledigen kann.

Die Nutzung der Online-Datenbank ist sehr einfach. Vier Schritte und fünf Minuten reichen aus, damit Freiwillige beginnen können, Namen und ergänzende Informationen einzupflegen: Projektseite öffnen, Dokument auswählen, Hinweise lesen und schon geht es los.  Jede*r kann etwas Zeit spenden: 10 Minuten oder einige Stunden – jede Hilfe ist ein wichtiger Beitrag!

Hier geht es direkt zur Crowdsourcing-Plattform, auf der sich weitere Erklärungen zur Benutzung befinden.

Seit wann gibt es das Projekt #everynamecounts?

2020 war ein besonderes Jahr – auch in Hinblick auf das Gedenken an die NS-Opfer: 1945 befreiten die Alliierten die Konzentrationslager. 75 Jahre später konnten die Menschen aufgrund der Corona-Pandemie nicht persönlich zusammenkommen, um der vielen Millionen Opfer zu gedenken, die von den Nationalsozialisten an diesen Orten unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt, ausgebeutet und ermordet wurden. Mit dem Projekt #everynamecounts entwickelten die Arolsen Archives eine Möglichkeit des aktiven Gedenkens, an der jede und jeder unkompliziert online und auch von zuhause aus teilnehmen kann – zu Zeiten der Pandemie und weit drüber hinaus. Der Startschuss für das Crowdsourcing-Projekt fiel im April 2020. Bei einem Pilotprojekt zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2020 hatten zuvor rund 1.000 Schüler*innen aus Hessen Namen erfasst. In diesem Video berichten die Schüler*innen, warum ihnen das Projekt so wichtig war.

Wie ist der aktuelle Stand?

Schon heute haben sich bei #everynamecounts über 10.000 Freiwillige aus unterschiedlichen Ländern registriert und bereits 2,5 Millionen Dokumente sind erfasst. Es gibt jedoch noch immer Millionen von Dokumenten mit Informationen über Menschen, die bisher nicht in die Datenbank aufgenommen sind – eine Herkulesaufgabe, für die die Arolsen Archives weiter Unterstützung und viele freiwillige Helfer*innen brauchen. Bis 2025 wollen die Arolsen Archives alle Namen in ihrer historischen Sammlung von Dokumenten digitalisieren und somit online recherchierbar machen. Auf diese Weise entsteht in gemeinsamer Anstrengung das größte digitale Denkmal für die Opfer des Naziregimes.

Photo: Arolsen Archives