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Neues Denkmal für Deportierte in Würzburg

Am 29.Oktober 2020 wurde in der Spiegelstraße in der Stadtmitte von Würzburg ein weiteres Denkmal der Öffentlichkeit übergeben: Jetzt erinnert ein Koffer mit Inhalt an die Deportation und Ermordung der unterfränkischen Juden in NS-Deutschland…

Von Israel Schwierz

Der „DenkOrt Deportationen“ vor dem Würzburger Hauptbahnhof wird dadurch immer mehr zum zentralen Punkt eines großen Netzwerkes von Gedenkstätten in ganz Unterfranken. Die am Bahnhofsplatz als Denkmal aufgestellten Gepäckstücke sollen an fast 2100 jüdische Männer, Frauen und Kinder erinnern, die zwischen 1941 bis 1944 von den Nationalsozialisten in die Vernichtungslager des Ostens deportiert wurden.

Jeder dort heute zu sehende Koffer und Rucksack  – gegenwärtig sind es 47, es sollen aber noch eine große Zahl weiterer hinzukommen – steht für eine der 111 unterfränkischen jüdischen Gemeinden, aus denen die Opfer kamen. In einigen Kommunen steht inzwischen bereits ein identisches Gegenstück als eigenes Mahnmal, so z.B. in Rimpar, Würzburg-Heidingsfeld und Würzburg-Stadt.

Der Würzburger Koffer steht an einem stark frequentierten Ort in der neuen Fußgängerzone Spiegelstraße und erlaubt einen Blick in sein Inneres: Ein Teddybär, eine Zahnbürste und ein Tagebuch mit einigen Sätzen des damals zwölfjährigen Helmut Mai erinnern symbolisch an das Schicksal von 202 jüdischen Kindern, Frauen und Männern, die sich am 26. November 1941 an der Schrannenhalle einfinden mussten, um von dort aus von den Nationalsozialisten in den Tod geschickt zu werden. Im Transparenten Koffergriff steht ein Stück Stacheldraht für die Konzentrationslager, die das Ziel der Deportation waren. Entworfen wurde der Koffer von Schülerinnen und Schülern des Matthias-Grünewald Gymnasiums.

Direkt neben dem ehemaligen Standort der Schrannenhalle, auf dem Kardinal-Faulhaber-Platz, kamen am 27.10.2020 ca. 40 Menschen zusammen, um das Mahnmal offiziell einzuweihen. Wegen der Corona-Pandemie waren alle mit Mundschutz versehen und achteten auf den erforderlichen Abstand zueinander.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt erklärte: „Insgesamt drei Denkorte in unserer Stadt sind ein wertvoller Beitrag zur vielfältigen und lebendigen Würzburger Erinnerungskultur. Wegen der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands sei es wichtig, die Erinnerung an den Völkermord der  Nationalsozialisten wach zu halten“: „Wir sind es den Opfern schuldig alles zu tun, damit es nie wieder zu einer solchen Herrschaft des Unrechts und zu solchen grauenhaften Verbrechen kommt.“ Marat Gerchikov, Mitglied des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken sieht es genauso: „ Was wir aktuell erleben zeigt, dass wir solche Mahnmale brauchen. Viele Menschen sind vergesslich oder bequem geworden. Deshalb  müssen wir uns immer wieder neue erinnern“, sagte er in seinem Grußwort.