Ilse Herlingers Geschichten für jüdische Kinder

Die 1929 veröffentlichen Geschichten um Mendel Rosenbusch liegen in einer schön gestalteten Neuausgabe im Gans Verlag vor…

Ilse Herlinger wurde 1903 in Mähren geboren. Sie schrieb Geschichte, Lyrik und Dramen in deutscher Sprache, übersetzte aus und ins Tschechische und wurde in den späten 1920er Jahren als Autorin für Kinder bekannt. Ihren Lebenslauf stellt Annegret Völpel in einem ausführlichen Nachwort vor, das auch einen Teil der in Theresienstadt entstandenen Gedichte zitiert. Ilse Herlinger wurde nach Auschwitz deportiert und dort am 6.10.1944 gemeinsam mit ihrem Sohn Tommy ermordet.

Die Geschichten von Mendel Rosenbusch, der die besondere Fähigkeit hat, sich unsichtbar zu machen, waren schon in ihrer Ersterscheinung für jüdische Kinder, aber auch für Kinder, die entweder assimiliert oder in christlichen Elternhäusern aufgewachsen waren, gedacht. Herlinger gibt stets die nötigen Kontextinformationen, so dass die Geschichten auch ohne jüdischen Hintergrund gut zu verstehen sind.

Auch wenn Mendel Rosenbusch, der uralte weißhaarige Mann, der eine besondere Münze besitzt, die ihn unsichtbar macht, an den Propheten Elijahu erinnert, die Themen der einzelnen Geschichten bleiben allgemein gültig. Neugierige und mutige Kinder stehen im Mittelpunkt, aber auch Ungerechtigkeiten von Erwachsenen, immer greift Mendel Rosenbusch ein, unerkannt wie ein jüdischer Superman.

Die elf Abenteuer- und Wundergeschichten im deutschen Original wurden um eine vollständige Übersetzung ins Hebräische erweitert. Damit sind Ilse Herlingers Geschichten erstmals auch in Hebräisch zu lesen, was auch für die Forschung interessant sein wird. Neu in dieser Edition sind zudem die begleitenden doppelseitigen Grafiken von Özgür Erkök Moroder.

Ein wunderschönes Buch, das eine heute fast vergessene Autorin mit ihren zeitlosen Geschichten wieder zugänglich macht.

Ilse Herlinger, Mendel Rosenbusch. Geschichten für jüdische Kinder. Übersetzung ins Hebräische von David Abramov, Grafiken von Özgür Erkök Moroder, Nachwort von Dr. Annegret Völpel, 192 S., 18,90 €, Bestellen?

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