- haGalil - https://www.hagalil.com -

Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 31. August 2020…

So., 16. Aug · 12:00-12:55 · arte
Hotel-Legenden: Das Bristol in Paris

Das Pariser Hotel Le Bristol ist eng verbunden mit dem Schicksal seines Gründers Hippolyte Jammet und der Geschichte der Stadt. An der Rue du Faubourg Saint-Honoré, in unmittelbarer Nähe zum politischen Machtzentrum Frankreichs, eröffnet Hippolyte Jammet im April 1925 das erste Luxushotel von Paris. Absolute Diskretion ist von Anfang an sein Credo. Nichts darf nach außen dringen. Das gilt sowohl für Stars wie Josephine Baker, die den Charleston in die Tanzlokale der Stadt bringt und im Le Bristol logiert, als auch für Gäste, für die dieser Mantel des Schweigens überlebenswichtig ist. So hält Hippolyte Jammet während des Zweiten Weltkriegs den jüdischen Architekten Leo Lerman in Zimmer 106 versteckt. Vor der Nase der Besatzer und dennoch für sie unsichtbar renoviert er große Teile des Hotels, so dass es nach dem Krieg in nahezu perfektem Zustand ist. Die Dokumentation aus der vierteiligen Reihe „Hotel-Legenden“ erzählt Geschichte und Geschichten dieses Grandhotels, dessen Diskretion auch Konrad Adenauer, Queen Elizabeth, Angela Merkel oder Leonardo DiCaprio schätzten und schätzen. Die Regisseurin Susanne Brand begibt sich in ihrem Film auf die Spuren des Hotelgründers und sprach mit Pierre Jammet, dem Sohn von Hippolyte, kurz vor seinem Tod über die schicksalhaften Jahre seines ersten Zuhauses – dem Hotel Le Bristol in Paris.

Mo., 17. Aug · 03:10-03:35 · arte
Hitler in der Hölle – Das Vermächtnis des Malers Joseph Steib

Joseph Steib (1898-1966), ein bescheidener, kränkelnder Angestellter aus der elsässischen Stadt Mulhouse, malte während des Zweiten Weltkriegs heimlich zornige Bilder gegen den Nationalsozialismus. Zwischen 1940 und 1945 entstanden 57 Gemälde in der Küche seines Hauses. Er überschrieb sie mit dem sarkastischen Titel „Salon des Rêves“ (Salon der Träume). Es war eine naive und gleichzeitig radikale Vision zwischen Wut und Verzweiflung, Halluzination und Verschwörung. Manche dieser Bilder spiegelten die Besetzung seiner Heimatregion durch die Nazis wider, andere träumten bereits ab 1940 die Befreiung herbei. Aber die meisten richteten sich direkt gegen den Diktator Hitler, gaben ihn – an einem Baum erhängt oder in der Hölle schmorend – dem Spott preis. Die Gemälde des „Salon des Rêves“ wurden zu Steibs Lebzeiten nur ein einziges Mal ausgestellt: während der Befreiungsfeierlichkeiten 1945. Doch niemand wollte das gerade überwundene Grauen mehr sehen. Steibs Bilder gerieten völlig in Vergessenheit und wurden nach seinem Tod in alle Winde zerstreut. Die ersten wurden erst vor wenigen Jahren durch Zufall wiederentdeckt und feiern seitdem Erfolge in bedeutenden Museen wie dem Pariser Musée d’Art Moderne oder dem Guggenheim-Museum in Bilbao. Inzwischen wurden mehr als 30 Gemälde des Salons wieder aufgefunden. Gemeinsam mit François Petry, dem der „Salon des Rêves“ sowohl seine Wiederentdeckung als auch eine angemessene Einordnung in die Kunstgeschichte verdankt, setzen sich in der Dokumentation die Psychotherapeutin Marie Pesenti, der Kunsthistoriker Klaus Gallwitz, der Kunstprofessor Alexander Roob und der Pariser Museumsdirektor Fabrice Hergott mit Steibs Werk auseinander.

Mo., 17. Aug · 20:15-21:50 · arte
Rosen für den Staatsanwalt

Deutschland, 1945: Weil er zwei Tafeln Schokolade auf dem Schwarzmarkt gekauft hat, wird der Wehrmachtssoldat Rudi Kleinschmidt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs vor ein Militärgericht gestellt. Für den Kriegsgerichtsrat Dr. Schramm eine „wehrkraftzersetzende Handlung“, die als „einzig mögliche Strafe“ die Todesstrafe erfordert. Die Vollstreckung des Urteils auf freiem Feld wird allerdings durch einen Tieffliegerangriff verhindert. In der Verwirrung, die das feindliche Flugzeug auslöst, kann der zum Tode verurteilte Rudi Kleinschmidt entkommen. Mehr als zehn Jahre später – das Wirtschaftswunder ist längst in vollem Gange – verdient Rudi Kleinschmidt sein Geld als umherziehender Straßenverkäufer. Unterwegs mit zwei Fernfahrern verschlägt es ihn in eine Stadt in der Provinz, wo er in der Pension seiner alten Freundin Lissy unterkommt. Während einer Verkaufsaktion auf der Straße begegnet er unverhofft dem einstigen Kriegsgerichtsrat Schramm. Der Ex-Nazi ist inzwischen Oberstaatsanwalt und angesehener Bürger der Stadt. Er gibt den aufrechten Demokraten, seine treudeutsche Gesinnung hat er jedoch beibehalten. Der entnazifizierte Spießer der deutschen Wunderzeit tobt seine Herrschsucht zu Hause aus, indem er seine Familie terrorisiert. Beim Anblick Kleinschmidts ist Schramm jedoch schwer verunsichert. Er befürchtet die Aufdeckung seiner dunklen Vergangenheit und setzt alles daran, Kleinschmidt aus der Stadt zu vertreiben. Die Polizei kommt dem Oberstaatsanwalt eilfertig zu Hilfe und beschlagnahmt Rudis Verkaufsartikel. Als der traumatisierte Kleinschmidt im Affekt ein Schaufenster einschlägt, um zwei Dosen Schokolade zu stehlen, kommt es zu einem neuerlichen Prozess, bei dem abermals Schramm die Anklage führt.

Mi., 19. Aug · 23:45-00:30 · RBB
Musste Weimar scheitern? – Gedanken zur ersten deutschen Republik

„Weimar“ war die erste Demokratie auf deutschem Boden. Es war ein Neubeginn voller Emotion und Hoffnung – in schwerer Zeit. Oft wird Weimar vom Ende her betrachtet, von seinem Untergang im Nationalsozialismus. Dabei war es ein großer Aufbruch. Die Deutschen wagten Demokratie. Eine Doku als lebhafte Diskussion über Weimar. Ein Film, der auch fragt: Was kann uns Weimar heute lehren? Der Film von Grimme-Preisträger Andreas Christoph Schmidt zeigt: Nachdenken über Weimar ist immer auch ein Nachdenken über die Demokratie. Vor 100 Jahren, am 6. Februar 1919, trat in Weimar die deutsche Nationalversammlung zusammen. Sie gab dem Deutschen Reich eine moderne demokratische Verfassung. 14 Jahre später kam Hitler an die Macht – die Weimarer Republik war gescheitert. Musste es so kommen, war Hitler unvermeidlich? Es gibt gängige Erklärungen: Die Verfassung war mangelhaft, die Belastung durch den Versailler Vertrag zu groß. Auch die Hyperinflation und die Weltwirtschaftskrise werden oft als Gründe genannt. Im Kern jedoch, heißt es, seien die Deutschen nicht reif gewesen für eine Demokratie. Weimar war ein unerhörter Neuanfang, ein Aufbruch, wurde aber immer vom Ende, vom Scheitern her beurteilt. Der Film ist ein emotionales Plädoyer. Er sucht die Auseinandersetzung und verfolgt dabei das Ziel, jene staatsbürgerlichen Werte, von denen heute oft die Rede ist, greifbar und in ihrem historischen Entstehen verstehbar zu machen. Neue Forschungsergebnisse führen jetzt, nach 100 Jahren, zu einer Neubewertung der Weimarer Epoche. Im Film begründen der ehemalige Verfassungsrichter Udo di Fabio und die Historiker Gerd Krumeich und Wolfram Pyta sowie der Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel ihre neuen Erkenntnisse. Neben der wiederkehrenden wirtschaftlichen Not stand eine ungeheure Gewaltbereitschaft in der politischen Auseinandersetzung, ein verbreitetes Gefühl der Schmach und Demütigung und die – zehn Jahre nach der Niederlage aufbrechende – Verarbeitung des Kriegstraumas.

Do., 20. Aug · 23:15-00:15 · SWR
Rachels Rettungsdienst

Rachel Freier, genannt „Ruchie“, hat beschlossen, gegen alle Widerstände ihrer chassidischen Gemeinde einen eigenen weiblichen Rettungsdienst aufzubauen: Ezras Nashim. Frauen wird die Mitarbeit im Hatzolah, dem größten freiwilligen Ambulanzkorps der Welt, verweigert. In den ultraorthodoxen jüdischen Gemeinden wird von den Frauen erwartet, dass sie sich ausschließlich auf Haus und Kinder konzentrieren. Mit ihrer Initiative riskieren Ruchie und eine engagierte Gruppe mutiger chassidischer Frauen ihren Ruf und buchstäblich auch die Zukunft ihrer Kinder. In den ultraorthodoxen Gemeinden sehen üblicherweise nur die Ehemänner die ansonsten verhüllten Körper ihrer Frauen. Nur in lebensgefährlichen Notfällen darf ein Mann, ein Arzt oder ein Sanitäter, ihre unbedeckte Haut sehen und berühren. Rachel geht es darum, den chassidischen Frauen und Mädchen von Borough Park eine weibliche medizinische Notfallversorgung zu bieten. Und sie will unter Beweis stellen, dass Frauen viel mehr können als Kinder aufzuziehen und den Haushalt zu führen. Parallel zu ihrer Kampagne stellt sie sich einer weiteren großen Herausforderung: Sie kandidiert für das Richteramt am Zivilgericht in Brooklyns 5. Bezirksgericht. Rachel wäre die erste chassidische Frau, die in den USA in ein solches Amt gewählt werden würde. Mit beispiellosem und exklusivem Zugang beobachtet die Filmemacherin Paula Eiselt in ihrem Film die Gründung des ersten weiblichen Sanitätsdienstes Ezras Nashim sowie Ruchies Kandidatur für das Richteramt mit all ihren Höhe- und Tiefpunkten.

Sa., 22. Aug · 05:32-05:35 · SWR
Planet Schule: Faces (12)

Seit der sechsten Klasse wurde Idan gemobbt, weil er Jude ist und viele dachten, er sei schwul. Idan fühlte, dass er irgendwie anders war als die anderen Kinder. Er wollte schon immer Schauspieler werden. Als Idan einer Freundin ein Gesangsmemo schickte, um sie nach ihrer Meinung zu fragen, reichte sie es in der Schule weiter: Alle machten sich darüber lustig. Erst nach einem Suizidversuch wurde Idan klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Er besuchte eine Theatergruppe und heute absolviert er eine Ausbildung zum professionellen Schauspieler.

Mo., 24. Aug · 20:15-21:45 · arte
Die Verfolgten

Paris, 16. Juli 1942: Der junge Paul erfährt von Kommilitonen von einer geplanten Razzia im Viertel Saint-Paul in Paris. Polizisten aus der Provinz werden in Stadtbussen hergebracht, um alle Juden, die dort wohnen, festzunehmen und zunächst im Wintervelodrom zu internieren. Der idealistische Student Paul mit Sympathien für die Kommunisten will so viele Leben wie möglich retten; da er kein Jude ist, kann er sich frei bewegen und streift den ganzen Tag durch das Viertel, in dem an jeder Ecke Polizisten lauern. Flüsternd spricht er jüdische Mitbürger an, in der Metro, auf der Straße. Er versucht, sie zu überzeugen, ihren Stern zu lösen und mit ihm wegzulaufen. Er könnte eine Frau und ihr Kind aus dem Viertel schleusen, doch ein weiteres Mal schlägt ihm Unglauben entgegen. Die Nichtjuden, Augenzeugen erschütternder Abschiedsszenen, schimpfen leise, verfluchen die Nazis und die französische Kollaboration andere haben nichts Besseres zu tun, als gleich den Hausstand der Deportierten mitgehen zu lassen. Entmutigt trifft Paul schließlich auf Jeanne, deren so gar nicht jüdischen Namen er erst ganz am Ende des Films erfahren wird. Doch auch sie muss er erst überzeugen, mit ihm zu fliehen und ihre jüdische Familie im Stich zu lassen. Augenzeuge Roger Boussinot verewigte seine Erlebnisse, die als „Razzia des Wintervelodroms“ in die Geschichte der Judenverfolgung eingingen, in seinem Roman „Les Guichets du Louvre“, der 1974 verfilmt wurde. Die Razzia fand am 16. und 17. Juli 1942 statt; die Massenfestnahme durch die französische Polizei führte Tausende Juden in die Konzentrationslager Osteuropas.

Di., 25. Aug · 20:15-21:45 · arte
Durch Mord zur absoluten Macht – Hitler dezimiert die SA

Die dreitägige Mordaktion der Nationalsozialisten vom 30. Juni bis 2. Juli 1934, um Gegner und Konkurrenten in den eigenen Reihen und im bürgerlichen Lager auszuschalten, sollte als „Nacht der langen Messer“ in die Geschichte eingehen. Um sich die uneingeschränkte Macht im Reich zu sichern und seine Visionen von der deutschen Vorherrschaft über Europa voranzutreiben, musste Hitler die Schlagkraft der SA brechen, denn die Sturmabteilung war mit 3,5 Millionen Mitgliedern um ein Vielfaches größer als die 100.000 Mann starke Reichswehr. Röhm forderte eine „zweite nationale Revolution“ mit einer radikalen sozialen Umgestaltung. In „seiner“ SA sah Röhm den Kern einer neu zu gründenden „Volksmiliz“, der er auch die Reichswehr einverleiben wollte. Hitler wollte keinen erfahrenen Militärführer neben sich haben. Er beschloss, den Stabschef der SA auszuschalten. Ernst Röhm war sein Waffenbruder, Duzfreund und Vertrauter, den er bewunderte und fürchtete. Mit gezückter Pistole stürmt Hitler am Morgen des 30. Juni das Hotel Hanselbauer in Bad Wiessee am Tegernsee, in dem Ernst Röhm und weitere SA-Funktionäre logieren. Ihn als Verräter beschimpfend verhaftet der Reichskanzler seinen alten Kampfgenossen persönlich. Alle im Hotel zum Teil noch schlafenden SA-Führer werden von der SS verhaftet und in die Strafanstalt München-Stadelheim gebracht. 19 werden von einem Exekutionskommando der SS sofort erschossen. Das letzte Opfer ist am 1. Juli 1934 Ernst Röhm. Im Zuge der Aktion wurden vor allem in Bayern unter Hitler und in Berlin unter Göring und Himmler, aber auch im restlichen Reich insgesamt etwa 200 Menschen von SS, SD und Gestapo liquidiert: innerparteiliche Gegner, Mitarbeiter des Vizekanzlers von Papen, deutschnationale Politiker, der General und letzte Reichskanzler der Weimarer Republik Kurt von Schleicher und dessen Frau, General von Bredow, Hitlers linker Opponent Gregor Strasser, der Katholik Erich Klausener und auch einige SS-Leute. Die nationalsozialistische Propaganda stellte die Morde als präventive Maßnahme gegen einen bevorstehenden Putsch der SA unter Röhm – den sogenannten Röhm-Putsch – dar. In Wirklichkeit handelte es sich um eine Säuberungsaktion. Die Erschießungen wurden post factum per Gesetz zur sogenannten Staatsnotwehr erklärt: „Die zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 30. Juni, 1. und 2. Juli 1934 vollzogenen Maßnahmen sind als Staatsnotwehr rechtens.“ Die „Nacht der langen Messer“ gebar ein Monster mit zwei Gesichtern: Nach dem Brudermord zeigte sich Hitler als zu jeglichem Verbrechen fähig. Im Deutschen Reich nahm die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten ihren Lauf. Der Rechtsstaat war beendet. Der Dokumentarfilm rollt die Ereignisse chronologisch auf und lässt zahlreiche Historiker aus Deutschland und Frankreich zu Wort kommen.

So., 23. Aug · 23:15-00:45 · MDR
Wildes Herz

Jan „Monchi“ Gorkow, Anfang 30, 120 Kilogramm schwer, tätowiert an Armen und Beinen. Aufgewachsen in Jarmen, Mecklenburg-Vorpommern. Sänger und Frontmann der Punkband Feine Sahne Fischfilet, die im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommerns bereits als staatsfeindlich eingestuft wurde. In seiner Jugend Fußballhooligan, mittlerweile engagierter Antifaschist. Warmherzig, aber wütend, überwacht und dennoch frei. Für sein Langfilmdebüt hat Schauspieler Charly Hübner, ebenfalls aus Mecklenburg-Vorpommern, Jan „Monchi“ Gorkow drei Jahre lang mit der Kamera begleitet. Er hat mit der Band, mit Freunden, mit seinen Eltern und ehemaligen Lehrern gesprochen und Videomaterial aus der Vergangenheit gesichtet. Entstanden ist der aufregende Dokumentarfilm „Wildes Herz“, ein Film über einen jungen engagierten Antifaschisten aus dem äußersten Nordosten der Republik, der gemeinsam mit seinen Bandkollegen in Songs und mit Aktionen zeigt, wie Widerstand gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus jeden Tag aufs Neue gelebt werden kann. „Wildes Herz“ zeigt außerdem den Konflikt zwischen dem Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern und dem Menschen Gorkow. Denn neben dem linksradikalen Antifaschisten kann man in Monchi auch einen humanistischen, lebensfrohen, aber zeitkritischen Geist erkennen, der sich Zeit seines Lebens mit der Propaganda und Lebenskultur neonazistischer Gruppen und Parteien auseinandersetzen musste, einfach weil sie den Lebensalltag im Osten Mecklenburg-Vorpommerns prägend bestimmen. Natürlich geht es in „Wildes Herz“ auch um Musik. Um Monchis steten kreativen Austausch mit seinen Bandkollegen. Außerdem um Monchi und seine Familie, die ihm in seinem Leben immer Rückhalt geboten hat. Es geht um seine Wut auf die Ungerechtigkeit, auf die Intoleranz und die Ausgrenzung von Andersdenkenden, nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern. Und schließlich geht es auch um das Meer, für Monchi Symbol seiner Heimatverbundenheit. Wasser, Wellen, alles in Bewegung, alles korrespondiert und kommuniziert und lebt miteinander, demokratisch sozusagen: Diese Vision ist Monchis innerer Wegweiser. Im Verlauf des Films wird klar, dass Monchi im Herzen ein zutiefst demokratisch denkender Mensch ist, ein Freund des Miteinanders und des Gemeinsinns. Gleichzeitig lernt man auch seine radikalen Seiten im Kampf gegen den Faschismus kennen, den er nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten führt. Am Ende steht Monchi als Beispiel da, als ein Mensch, der den bürgerlichen Schutzraum verlassen hat, um Haltung zu zeigen. Der sich für eine freie und tolerante Welt engagiert und bereit ist, dafür zu kämpfen.

Di., 25. Aug · 21:45-22:45 · arte
Fritz Bauer – Generalstaatsanwalt. Nazi-Jäger

Fünfzehn Jahre des unverhofften Wirtschaftswunders gingen ins Land, bis eine bundesdeutsche Staatsanwaltschaft erstmals systematische und umfassende Ermittlungen gegen SS-Personal des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau einleitete und im Rahmen eines Sammelverfahrens den Versuch unternahm, den Verbrechenskomplex Auschwitz aufzuklären. Auf Antrag des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer hin fanden ab April 1963 in Frankfurt die sogenannten Auschwitzprozesse statt, bei denen Befehlsgeber und Handlanger der NS-Vernichtungspolitik im KZ Auschwitz-Birkenau verurteilt wurden. Fritz Bauer, der sich als Humanist und Demokrat verstand, wusste nur zu gut, dass viele der einstigen Täter nach dem Krieg wichtige Positionen in Staat und Gesellschaft eingenommen hatten. Sein entschiedenes Eintreten für die juristische Aufarbeitung der Nazizeit zwang die Bundesrepublik, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Bauer begann die Ermittlungen im Frühjahr 1959 auf der Basis von authentischen Dokumenten, die gezielte Tötungen von Auschwitz-Häftlingen durch SS-Leute belegten. Im April 1963 konnte gegen 23 SS-Angehörige und einen Funktionshäftling Anklage erhoben werden. Wenige Tage vor Weihnachten 1963 begann die Hauptverhandlung schließlich gegen 22 Angeklagte. Der Prozess umfasste insgesamt 183 Verhandlungstage bis August 1965, in deren Verlauf 360 Zeugen vernommen wurden. Mit den Verfahren gegen jene, die an der Planung und Ausführung der „Endlösung“ beteiligt waren, wollte Bauer zum einen erreichen, dass Schuldige verurteilt werden, zum anderen aber den Deutschen auch die Verbrechen vor Augen führen, die im Dritten Reich in ihrem Namen begangen worden waren. Der jungen Generation gab Bauer eine Botschaft mit auf den Weg, die zu einer radikal neuen Haltung führen sollte: Dass es in einem Unrechtsstaat eine moralische Pflicht ist, Widerstand zu leisten.

Mi., 26. Aug · 00:45-02:35 · arte
Der Verrat von München

Er war ein echter Bohemien aus Böhmen. Er liebte die Frauen, das exzessive Nachtleben der 20er und frühen 30er Jahre und durchaus auch die Drogen. Doch als Sohn des ersten Staatspräsidenten der Tschechoslowakei, Tomas Garrigue Masaryk, muss Jan Masaryk seiner Heimat bald als Diplomat dienen. 1938, als Hitler gerade ansetzt, die sudetendeutsche Frage als Vorwand für die Besetzung des Nachbarlandes zu nutzen, ist Masaryk bereits Botschafter in London. Verzweifelt versucht er die beiden Schutzmächte Großbritannien und Frankreich an ihre Pflicht, seine Heimat zu schützen, zu erinnern. Doch nach und nach verschließen sich vor ihm alle Türen: Am 29. September 1938 verhandeln die europäischen Großmächte aus Angst vor der Eskalation ohne ihn mit dem Deutschen Reich und Italien. Das Ergebnis: das Münchner Abkommen. Bereits am 1. Oktober besetzt die Wehrmacht dann Teile, Mitte März 1939 schließlich den Rest des Landes. Masaryk erleidet daraufhin einen Zusammenbruch. In einem Sanatorium in Neuengland versucht er seiner Depression Herr zu werden, wobei sich ausgerechnet Doktor Stein, ein deutscher Arzt im Exil, des prominenten Patienten annimmt. Es gelingt ihm letztendlich Masaryk dazu zu ermutigen, in die Exilregierung in London einzutreten und über die BBC zu seinen Landsleuten zu sprechen. Und auch der ersten Nachkriegsregierung tritt Masaryk bei, bis er 1948 aus dem Fenster seines Büros in den Tod stürzt. Man geht mittlerweile von Mord aus.

Mi., 26. Aug · 20:15-22:00 · arte
Foxtrot

Tel Aviv: Eines Morgens stehen ein Offizier und ein Arzt vor der Tür von Michael und Dafna Feldmann und teilen ihnen mit, dass ihr Sohn Jonathan bei der Ausübung seines Militärdienstes ums Leben kam. Ein strenges Protokoll beginnt, das den Eltern Halt und die Möglichkeit geben soll, sich mit dem Tod ihres Sohnes auseinanderzusetzen. Fünf Stunden später kehren die Soldaten zurück und erklären, dass es sich um eine Verwechslung handele. In Wahrheit fiel ein Namensvetter ihres Sohnes. Michael drängt darauf, dass Jonathan nach Hause beordert wird. Doch Jonathans Einheit kontrolliert in einem abgelegenen Niemandsland an der Grenze Israels Reisende. Und bis die Armeebürokratie ihn freistellt und zurückholt, geschieht tatsächlich noch eine Tragödie. Regisseur Samuel Maoz, dessen vielfach prämierter Film „Lebanon“ bereits seine Erfahrungen in der israelischen Armee kritisch beleuchtet hatte, löste mit „Foxtrot“ in seiner Heimat Israel einen politischen Sturm aus. Die konservative Kulturministerin Miri Regev drohte, der Filmförderung und anderen öffentlichen Institutionen Gelder zu entziehen, weil sie den Film finanziell unterstützt hatten, beziehungsweise ihn zeigen wollten. „Foxtrot“ zeichnet in der Tat ein unschmeichelhaftes Bild der israelischen Armee und wie sie bis tief in den Alltag hinein die Gesellschaft prägt. Doch vielleicht war es gar nicht das, was den Furor der konservativen Kreise Israels auslöste. Sondern dass der Film fast beiläufig eine Gesellschaft zeigt und kritisiert, die die eigene nationale Geschichte nach der Schoah zu einer Abfolge heroischer Siege verklärt.
Bild oben: © Foxtrot/Giora Bejach

Mi., 26. Aug · 22:15-23:45 · RBB
Krieg der Träume 1918 – 1939, 2/3

Arbeitslosigkeit und Not prägen die frühen 1920er Jahre. Moskau ist Treffpunkt für alle, die vom Kommunismus träumen. 1923 besetzt Frankreich wegen ausbleibender Reparationszahlungen das Ruhrgebiet. In Deutschland wirft die Regierung die Notenpressen an und löst eine Hyperinflation aus. Reichtum für alle verspricht der Konsumentenkredit, eine amerikanische Erfindung, die ab 1927 Europa erreicht. Pola Negri feiert in Deutschland große Erfolge als Filmstar. Wegen ihrer polnischen Herkunft wird sie jedoch angefeindet. Da erhält sie ein Angebot aus Hollywood. Marina Yurlova erreicht San Francisco, wo sie als Flüchtling unwillkommen ist. Die Ex-Soldatin kämpft mit körperlichen und psychischen Problemen. Dennoch will sie Tänzerin werden. Aus Protest gegen die Hinrichtung der Anarchisten Sacco und Vanzetti in den USA baut May Picqueray einen Sprengsatz, der in der US-Botschaft in Paris explodiert. Als Dolmetscherin begleitet sie kurz darauf eine Delegation Gewerkschafter nach Moskau, wo sie Leo Trotzki begegnet und ihn öffentlich kritisiert. Hans Beimler wird wegen angeblicher Vorbereitung eines Sprengstoffattentats zu 14 Monaten Haft verurteilt. Wieder in Freiheit, stürzt er sich erneut in den Kampf für eine bessere Welt und verliebt sich in eine junge Genossin. Soziale Unruhen erfassen Silvio Crespis Textilunternehmen. Er glaubt, dass nur die Faschisten unter Benito Mussolini Italien retten können. Mit Hilfe hoher Kredite baut Crespi sein Imperium aus. Doch die Aufwertung der Lira lässt die Exporte einbrechen. Nach der Auflösung der Freikorps wird Rudolf Höß Landarbeiter in Mecklenburg. Für den Fememord an einem angeblichen Verräter kommt er 1923 ins Zuchthaus. Er setzt alle Hoffnung auf Adolf Hitler, den Führer der NSDAP. Marcel Jamet eröffnet in Paris das Edelbordell „OneTwoTwo“, bald ein Treffpunkt für Politiker, Militärs und internationale Stars. Als sich einer seiner Geldgeber das Leben nimmt, muss er mit dem Geheimdienst kooperieren, um das Haus durch die Wirtschaftskrise zu bringen. Edith Wellspacher ist eine der ersten Frauen, die in Wien Medizin studiert – angefeindet von Mitstudenten und Professoren. Der jüdische Assistenzarzt Max Wachstein steht ihr zur Seite.

Do., 27. Aug · 01:45-03:25 · SWR
Eine offene Rechnung

Israel, im Jahr 1997. Die ehemalige Mossad-Agentin Rachel Singer (Helen Mirren) ist eine nationale Ikone. Ihr Name steht für eine spektakuläre Geheimmission im Jahr 1965: die Entführung des „Arztes von Birkenau“, Dieter Vogel (Jesper Christensen), in Ost-Berlin. Zwar misslingt der damals 25-jährigen Rachel (Jessica Chastain) und ihren Helfern David Peretz (Sam Worthington) und Stephan Gold (Marton Csokas) die Überführung des Naziverbrechers nach Israel. Doch seine Verfolger geben an, Vogel auf der Flucht erschossen zu haben. Die Nachricht macht die drei Agenten bei ihrer Rückkehr zu Helden…

Do., 27. Aug · 23:15-00:55 · SWR
Familie Brasch

Die berühmt-berüchtigte Familie Brasch versucht mit ihren vier Kindern nach der Zeit im Exil und dem Zweiten Weltkrieg in Ostdeutschland Fuß zu fassen. Regisseurin Annekatrin Hendel („Anderson“, „Fassbinder“, „Vaterlandverräter“) widmet ihr hundert Minuten Dokumentarfilm. In den Jahren nach 1945 sind die Braschs eine perfekte Funktionärsfamilie, die in der sowjetisch besetzten Zone den deutschen Traum vom Sozialismus lebt: Horst Brasch, ein leidenschaftlicher Antifaschist und jüdischer Katholik, baut die DDR mit auf, obwohl seine Frau Gerda darin nie heimisch wird. Sohn Thomas wird zum Literaturstar, er träumt, wie sein Vater, von einer gerechteren Welt, steht aber, wie die jüngeren Brüder Peter und Klaus, dem real existierenden Sozialismus kritisch gegenüber. 1968 bricht in der DDR – wie überall – der Generationenkonflikt auf. Vater Brasch liefert den rebellierenden Sohn Thomas an die Behörden aus und leitet damit auch das Ende seiner eigenen Karriere ein. Nach 1989 sind sozialistische Träume, egal welcher Art, nichts mehr wert. Autorin Annekatrin Hendel porträtiert in ihrem neuen Film drei Generationen Brasch, die die Spannungen der Geschichte innerhalb der eigenen Familie austragen – zwischen Ost und West, Kunst und Politik, Kommunismus und Religion, Liebe und Verrat, Utopie und Selbstzerstörung. Sie trifft die einzige Überlebende des Clans, Marion Brasch, sowie zahlreiche Vertraute, Freunde und Geliebte, unter ihnen die Schauspielerin Katharina Thalbach, den Dichter Christoph Hein, die Liedermacherin Bettina Wegner und den Künstler Florian Havemann. „Familie Brasch“ ist ein Zeitpanorama, das Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht – ein Epos über den Niedergang des „Roten Adels“, die „Buddenbrooks“ in DDR-Ausgabe.

Sa., 29. Aug · 07:00-07:30 · SWR
Planet Schule: Ich und die anderen. Plötzlich ist man wer: Neonazi!

Felix ist jung, klug, kommt aus gesicherten Verhältnissen und war jahrelang aktiver Neonazi. Heute will er verhindern, dass andere den gleichen Weg einschlagen und leistet politische Aufklärungsarbeit. Auch Heidi, Benedikt, Gunnar und Klaus waren als Jugendliche in der Neonazi-Szene. Musik, Propaganda und Gewalt spielten bei ihrem Einstieg eine wichtige Rolle. Wer nicht in das Weltbild passte, wurde diskriminiert und bedroht. Die Gruppe gab den Mitgliedern das Gefühl, dazuzugehören und wichtig zu sein. Nach strikten Vorgaben wurde zwischen Freund und Feind unterschieden. Für Zweifel war wenig Raum.

So., 30. Aug · 06:40-07:35 · arte
Stanislaw Lem – Der literarische Kosmonaut

Stanisław Lem wird 1921 in Lemberg geboren, das zu dieser Zeit zu Polen gehört. Der Sohn einer polnisch-jüdischen Arztfamilie beginnt 1940 ein Studium der Medizin in dem nun sowjetisch besetzten Lemberg. Als Folge des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion im Jahr 1941 ist Lem gezwungen, sein Studium abzubrechen. Er verschleiert seine jüdische Herkunft mit gefälschten Papieren und kann als Schweißer für das deutsche Unternehmen „Rohstofferfassung“ arbeiten. Gegen Ende des Krieges setzt er sein Studium in dem nun wieder von der Roten Armee kontrollierten Osten Polens fort. Da Lemberg 1946 von der Sowjetunion annektiert wird, geht Lem nach Krakau, wo er sein Studium fortsetzt und als Forschungsassistent arbeitet. Gleichzeitig beginnt er, erste Texte zu verfassen. Als er das Medizinstudium abschließen will, lässt ihn die Prüfungskommission durchfallen, da er sich weder der stalinistischen Ideologie unterwirft, noch bereit ist, sich als Militärarzt einsetzen zu lassen. Wie überlebte Stanisław Lem den Holocaust? Wie stand er, der sowohl Propagandawerke schrieb als auch in illegale Oppositionstätigkeiten verwickelt war, tatsächlich zum Kommunismus? Wie konnte er technische Entwicklungen detailgetreu beschreiben, obwohl er in einer Krakauer Vorstadt lebte, hinter dem Eisernen Vorhang und unter einem repressiven Regime, das nicht vor Zensur zurückschreckte? Und warum schrieb er als bekennender Atheist für die katholische Wochenzeitung „Tygodnik Powszechny“? Stanisław Lem gilt heute vor allem als einer der größten Vordenker und Schriftsteller der Nachkriegszeit, der das Genre Science-Fiction erst richtig salonfähig gemacht hat. Seinen Welterfolg feierte er 1961 mit dem Science-Fiction-Roman „Solaris“, der mehrmals verfilmt wurde, unter anderem von Andrej Tarkowski und Steven Soderbergh.

So., 30. Aug · 10:05-10:35 · 3sat
„Eine blassblaue Frauenschrift“ – Franz Werfel bei den Festspielen Reichenau

Mit einer Bühnenfassung von Nicolaus Hagg nach Franz Werfels Novelle „Eine blassblaue Frauenschrift“ eröffneten 2019 die Festspiele Reichenau. Der Film blickt hinter die Kulissen. Die Geschichte einer verratenen Liebe, das Psychogramm eines Opportunisten, ein Dokument über den latenten Antisemitismus: Die 1940 entstandene Erzählung „Eine blassblaue Frauenschrift“ von Franz Werfel ist ein zeitlos gültiges, berührendes literarisches Werk. Der Historiker Christian Rapp und die Schriftstellerin Isabella Feimer erklären in dem Film von Karina Fibich die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe jener Zeit sowie Roman und Person Franz Werfels. Die Bedeutung von „Eine blassblaue Frauenschrift“ in unseren Tagen wiederum beleuchten die Intendanten der Festspiele Reichenau, Peter und Renate Loidolt. Er hat auch das Bühnenbild der Produktion gestaltet, sie ist eine anerkannte Werfel-Expertin. Dazu geben Gespräche mit den Hauptdarstellern Joseph Lorenz, Fanny Stavjanik und Stefanie Dvorak Einblicke in deren Rollenauffassungen: Wie haben sich Frauen und Männer in ihren gesellschaftlich festgelegten Positionen im Wien der 1930er-Jahre gefühlt? Schließlich beschreibt Regisseur Julian Pölsler, der mit dieser Inszenierung sein Reichenau-Debüt gibt, was er dem Publikum vermitteln möchte – und wie sich seine Sicht auf den Roman seit 1984 verändert hat. Damals war er nämlich Assistent des unvergessenen Axel Corti bei dessen filmischer Auflösung von „Eine blassblaue Frauenschrift“. Nicht zuletzt begibt sich die Dokumentation auch auf die Spuren, die Franz Werfel in der Semmering-Rax-Region hinterlassen hat: Der Schriftsteller hat in Breitenstein am Semmering viel Zeit mit seiner großen Liebe Alma Mahler verbracht. Die Landschaft der Wiener Alpen inspirierte ihn wie so viele andere Schriftsteller auch. In blassblauer Schrift ist jener Brief geschrieben, der Leonidas, den erfolgreichen Sektionschef im Unterrichtsministerium im Wien des Jahres 1936, aus seiner gewohnten Alltagsbahn wirft: Verfasst von Vera Wormser, Philosophin, Jüdin, kurzzeitige Geliebte von einst – und 18 Jahre hindurch verheimlichte Liebe seines Lebens. Sie bittet, ohne zu wissen, an wen sie sich da wendet, um Unterstützung für einen jüdischen Schüler. Der nämlich bekommt im bereits antisemitisch geprägten Deutschland keinen Platz im Gymnasium mehr. Ist dieser junge Mann sein Sohn? Mit einem Mal lebt Leonidas‘ Vergangenheit wieder auf: Die sechs Wochen währende Liebesaffäre mit der früheren Studienkollegin in Heidelberg, als er beruflich von seiner reichen Frau Amelie Paradini getrennt war. Die falschen Versprechen über eine gemeinsame Zukunft, bevor ihn der Opportunismus zurück an die Seite der Millionenerbin und in höchste Wiener Gesellschaftskreise geführt hat. Das darauf folgende jahrelange Leugnen der Vergangenheit.

So., 30. Aug · 11:30-12:15 · SWR
Tel Aviv – Hier tanzt Israel

Ohne die Anbindung ans Meer wäre Tel Aviv nie entstanden. Einst war die Stadt der rettende Hafen für Jüdinnen und Juden aus der Diaspora, heute reißt der Strom freiwilliger Zuwandererinnen und Zuwanderer nicht ab. Jerusalem betet, Haifa arbeitet und Tel Aviv tanzt. Lifestyle, Kreativität und Individualität sind die Visitenkarte von Tel Aviv. Ohne die Anbindung ans Meer wäre Tel Aviv nie entstanden. Einst war die Stadt der rettende Hafen für Juden aus der Diaspora, heute reißt der Strom freiwilliger Zuwandererinnen und Zuwanderer nicht ab. Jerusalem betet, Haifa arbeitet und Tel Aviv tanzt. Lifestyle, Kreativität und Individualität sind die Visitenkarte von Tel Aviv. Die SWR Doku zeichnet ein facettenreiches Bild von Israels zweitgrößter Stadt, deren Name so viel wie „Hügel des Frühlings“ bedeutet. Tel Aviv wurde buchstäblich auf Sand gebaut, nachdem jüdische Familien 1909 mit Muscheln vom Strand die Parzellen ausgelost hatten, auf denen sie die ersten Häuser errichteten. Nazi-Verfolgung, stalinistische Bedrohung und Anfeindungen in arabischen Ländern machten Tel Aviv fortan zum Zufluchtsort für Jüdinnen und Juden unzähliger Nationalitäten. Wer hier mithalten will, nimmt sich einen Personal Trainer, wie Maria Pomerantz. Die Bodybuilderin erzielt Spitzenhonorare, obwohl sie mit ihren Kundinnen und Kunden an deren körperliche Grenzen geht. Die Sicherheitsstandards der immer wieder von terroristischen Anschlägen bedrohten Stadt sind hoch. Dennoch gibt der Film von SWR Autor Thomas Wartmann Einblick in den War-Room, ein multimedial ausgerüstetes Krisenzentrum drei Stockwerke unter der Erde, und begleitet den städtischen Sicherheitschef David Aharony. Um die alltäglichen Sorgen der Tel Aviverinnen und Tel Aviver kümmern sich etwa die „Gassi Geher“ von DogMen, einem Start-Up, das den rund 80.000 Hunden einen allumfassenden Service bietet. Der neueste Trend ist die vegane Küche. Als die Restaurantchefin Nanuchka Shrier Fleisch von ihrer Speisekarte verbannte, prophezeiten ihr viele das Aus. Aber bis heute wird im „Nanuchka“ jeden Abend auf den Tischen getanzt.

So., 30. Aug · 22:15-23:15 · arte
Lee Miller – Supermodel und Kriegsfotografin

Bekannt für ihr Selbstporträt in Hitlers Badewanne, war Lee Millers Leben so außergewöhnlich wie ihre Fotos. Als Model der „Vogue“ und Muse der Surrealisten verzauberte sie die Männer durch ihre Schönheit. In der Gesellschaft von Man Ray und Pablo Picasso konnte sie sich leicht behaupten. Miller entschied sich, ihr Leben nach ihren eigenen Regeln zu leben. Bald nahm sie die Kamera selbst in die Hand und war während des Zweiten Weltkriegs eine der wenigen Kriegsfotografinnen in Europa. Heute wird sie als eine der wichtigsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts gefeiert. Von New York zog es sie nach Paris, von Ägypten nach England, von den Schlachtfeldern Europas in ein Landhaus in Sussex – Lee Miller war für rasche Entschlüsse und überraschende Kehrtwendungen in ihrem Leben bekannt. Über sich selbst schrieb sie einmal: „Aus irgendeinem Grund möchte ich immer lieber woandershin.“ Wenn es in der Geschichte des 20. Jahrhunderts sowohl um die Emanzipation der Frauen als auch um ihre fortgesetzte Ausbeutung ging, dann fassen nur wenige Leben diese Widersprüche besser zusammen als das von Lee Miller. Die Dokumentation erzählt die bewegte und bewegende Lebensgeschichte einer Pionierin und Ikone, die ihresgleichen sucht. Zusammen mit Millers Sohn Antony Penrose, der Modejournalistin Marion Hume, dem Model Karen Elson, der Kriegsfotografin Lynsey Addario und anderen erkundet die Filmemacherin Teresa Griffiths Lee Millers bahnbrechendes Werk, erforscht ihren radikalen Geist und feiert ihren Mut und ihre Bereitschaft, jedes Tabu zu brechen, sowohl als Künstlerin als auch als Frau.