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Paraschat haSchawua: Dvarim

Das 5. Buches Moses verdient wegen seiner überragenden Bedeutung eine besondere Einführung…

Wochenabschnitt Dvarim; 5. Moses Kap. 1 – 3, 20 Schabbat, 25. Juli 2020

Erzvater Abraham war, wenn man der Bibel folgt, der erste Mensch, der Gottes Existenz erkannte und an ihn glaubte. Maimonides, der vor eintausend Jahren lebte, erklärt den Prozess der Erkenntnis sehr anschaulich: Der junge Abraham staunt über die Wunder der Natur. Mit seinem Intellekt versucht er die Gesetze zu verstehen, die den Gang des Kosmos bestimmen und gelangt mittels seines Verstandes zu der Erkenntnis der Existenz Gottes. Diesen Glauben gibt er weiter an seine Nachkommen. Bis zum heutigen Tag glauben die meisten von ihnen das, was Abraham vor dreitausendachthundert Jahren festzustellen glaubte.

Umfragen unter der jüdischen Bevölkerung in Israel haben ergeben, dass über 60% der säkular eingestellten Menschen an Gott glauben, addiert man hinzu die religiösen Gemeinden, ergibt sich, dass ein beträchtlicher Anteil der jüdischen Nachkommen Abrahams an den Gott glauben, den dieser entdeckt hatte.

Und wie steht es mit der der Religion? Diese ist eigentlich ein Mittel, Gott zu dienen, und dafür gibt es verschiedene Wege. Die Tora erklärt uns, wie man Gott dient. Jedoch ist das nicht so einfach, denn die Welt verändert sich. Die Welt vor dreitausend Jahren war anders als die vor zweitausend Jahren und so weiter. Interessant ist jedoch, dass obwohl der Glaube der Juden an Gott sich nicht verändert hat, der Gottesdienst, d.h. die Religionsausübung sich änderte. Den ersten Schritt in diese Richtung machte das 5. Buch Moses (= Dvarim). Woher stammt aber dieses Buch, welches sozusagen von Moses geschrieben wurde, und welchen Stellenwert hat es?

Im 2. Könige Kap. 22, 23 wird eine wundersame Geschichte erzählt: Einer der Tempelpriester berichtet dem König Josia (7. Jhd v.d.Z.), dass im Tempel ein Gesetzesbuch gefunden wurde.

Und las es vor dem König. Da aber der König die Worte des Gesetzbuches hörte, zerriss er seine Kleider. Und sprach zu den Priestern: Geht hin und befragt den HERRN für mich, für das Volk und für ganz Juda über die Worte dieses Buches, das gefunden ist; denn groß ist der Grimm des HERRN, der über uns entbrannt ist, weil unsere Väter nicht gehorcht haben den Worten dieses Buches und nicht alles taten, was darin geschrieben ist.

Danach ließ der König das Volk in Jerusalem versammeln, und man las ihren Ohren alle Worte aus dem das gefunden war, dem Buch des Bundes, vor. Und der König trat an die Säule und schloss einenBund vor dem HERRN, dass sie dem HERRN nachwandeln sollten und seine Gebote, Zeugnisse und Rechte halten von ganzem Herzen und von ganzer Seele wie auch die Worte, die geschrieben stehen in diesem Buch. Und alles Volk trat in den Bund. Josia setzte einschneidende Reformen durch und gab der Religion eine neue Richtung. Er setzte die Götzenpriester ab, die die Könige von Juda vor ihm eingesetzt hatten in den Städten Judas und um Jerusalem herum; auch die dem Baal und den Himmelsgestirnen geopfert hatten. Das war sozusagen der Beginn einer puren monotheistischen Religion, die nicht mehr an das Land und den Tempel gebunden war. Das ermöglichte dem Volk, an seinen Gott auch außerhalb der Heimat zu glauben und so die Gemeinschaft zusammenzuhalten; so zunächst in der Babylonischen Diaspora (ab -586) Bibelforscher sind der Meinung, dass das gefundene Gesetzbuch das 5. Buch Moses ist.

(Fortsetzung in der kommenden Parascha)

Schabbat Schalom

Dr. Gabriel Miller absolvierte umfangreiche rabbinische und juristischen Studien, war Leiter der Forschungsstelle für jüdisches Recht an der Universität zu Frankfurt am Main, Fachbereich Rechtswissenschaft. Außerdem gibt er die bei den Lesern von haGalil längst gut bekannte Website juedisches-recht.deheraus.

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