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Die Bibel – Der unbekannte Bestseller?

Kritik an der neuen Ausgabe der „Herder Korrespondenz“…

Seit 1946 erscheint die katholische Monatszeitschrift „Herder Korrespondenz“. Eine traditionsreiche Veröffentlichung also, die sich aktuellen innerkirchlichen und gesellschaftlichen Fragen stellt. Die jüngste Spezial-Ausgabe unter dem Titel „Die Bibel – der unbekannte Besteller“ hat deutliche Kritik von jüdischer Seite auf sich gezogen.

Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama, der nicht nur Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK), sondern auch Jüdischer Präsident des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-jüdische Zusammenarbeit ist, wandte sich in einem Brief an die Redaktion der Herder Korrespondenz und bezeichnete die Ausgabe als Armutszeugnis. Er und seine Kollegen und Kolleginnen in der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschlands seien sprachlos, denn in der gesamten Ausgabe gibt es keine einzige jüdische Stimme, „kein Wort zum historischen Ertrag der deutsch-jüdischen Bibelwissenschaft, nichts über die aktuelle Forschung und Lehre an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg und an der School of Jewish Theology an der Universität Potsdam. Nichts zur Frage, wie wir Juden die Bibel lesen ‒ und auch nichts zu einem Meilenstein des Verlages Herder: die revidierte Übersetzung der Hebräischen Bibel von Rabbiner Ludwig Philippson, herausgegeben von Walter Homolka, Hannah Liss und Rüdiger Liwak.“

Rabbiner Nachama, selbst Herder-Autor, bedauerte, dass man dem Anspruch der Zeitschrift an „Niveau, Seriosität und Unabhängigkeit“ in dieser Ausgabe nicht gerecht wird.

Tatsächlich erstaunlich, dass zwar in fast allen der 20 Beiträge Themen und Fragen behandelt werden, die durch den Bezug auf das sog. Alte Testament, also den Tanach, auch im Judentum essentiell sind, jedoch kein einziger jüdischer Autor zu Wort kommen kann. Ganz offensichtlich bestand in der Redaktion der Herder Korrespondenz kein Interesse daran, dieser Sicht Platz einzuräumen.

Bild oben: Die kritisierte Ausgabe der Herder Korrespondenz, siehe Webseite