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Jüdisch-muslimisches Gespräch über journalistischen Alltag heute

Digitaler Austausch von jüdischen und muslimischen Journalisten bei Veranstaltung von „Schalom Aleikum“…

Zu einem lebhaften und authentischen Austausch über Gesellschaft, Politik, über Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit sowie über biographische Erfahrungen von jüdischen und muslimischen Journalisten ist es am Mittwochabend (22. April) bei einer von Shelly Kupferberg (RBB) moderierten Online-Veranstaltung gekommen. Auf Einladung von „Schalom Aleikum“, dem jüdisch-muslimischen Dialog-Projekt des Zentralrats der Juden in Deutschland, diskutierten vier Journalisten unter dem Motto „Good News. Jüdisch-muslimisches Gespräch über journalistischen Alltag heute“. An dem Live-Stream auf Facebook und Youtube beteiligten sich mehr als 1.000 Zuschauer.

Bei der Gesprächsrunde, die ursprünglich in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt/M. geplant war, wegen der Corona-Pandemie aber nur online stattfinden konnte, nutzten die zwei zugeschalteten und zwei anwesenden jüdischen und muslimischen Journalisten die Gelegenheit, ihre publizistischen und persönlichen Erfahrungen zu schildern. Angesprochen wurden auch die Corona-Krise und ihre Auswirkung auf die Arbeit der Journalisten und die Themenauswahl in den Redaktionen.

Harry Schnabel, Mitglied im Präsidium des Zentralrats der Juden und im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, betonte, es gehe darum, sich „vorurteilsfrei und vorbehaltlos in einer kultivierten Kontroverse zu begegnen“. Aufgrund der Pressefreiheit seien gerade in Deutschland die Rahmenbedingungen gut, um sich über die Beziehung von Juden und Muslimen sachlich auszutauschen.

Die Journalisten sprachen über ihre Identität und die Rollenzuschreibungen als Juden und Muslime bei der Arbeit. Hatice Kahraman, Volontärin bei Correctiv, stellte fest, dass in ihrer Redaktion viel Sensibilisierung stattfand und sie nicht ausschließlich auf islamische Themen reduziert werde. Filipp Piatov, Leiter der Meinung und Debatte bei BILD, meinte, eine Reduzierung auf das Jüdischsein finde in einer Springer-Redaktion nicht statt, da der Kampf gegen den Antisemitismus zur DNA des Hauses gehöre und daher viele Kollegen Kompetenz für dieses Themenfeld hätten. Die freie Journalistin Canan Topçu (Hanau) äußerte sich zum Attentat in Hanau und den gesellschaftlichen Folgen in der Stadt. Abschließend formulierte die Autorin und Kolumnistin Linda Rachel Sabiers den Wunsch, dass der jüdisch-muslimische Dialog auch mehr im alltäglichen Leben stattfinden und die Menschen aufeinander zugehen sollten.

Das Projekt wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Frau Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, gefördert. Die nächste Veranstaltung wird im Juni folgen. Thema sollen Erfahrungen jüdischer und muslimischer Sportler sein.