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Die neuen Fernsehtipps

Von 16. bis 30. April 2020…

Fr., 17. Apr · 01:00-01:15 · PHOENIX
Vilnius – Spurensuche im Jerusalem des Nordens

Wenn man wissen will, wie die Sowjetunion auf dem jüdischen Erbe herumgetrampelt hat, muss man mit Amit Belaite auf Spurensuche gehen. Startpunkt ist der Sportpalast. Es ist eine Reise auf der Suche nach der verlorenen Zeit. „Und dein Vater hatte dich gewarnt?“ „Und mein Vater hat mich gewarnt: ‚Tritt nicht auf diese Stufen!‘ Und ich habe mich gefragt: Warum?“ Es gibt eine Generation, deren Wissbegier größer ist als der Schmerz. Und es weht ein neuer Wind durch Vilnius: Jetzt werden die Steine gesammelt – und wieder etwas in Ordnung gebracht. Niemand soll mehr auf jüdischen Grabsteinen herumtreten. Vil ist eine Stadt der Denkmäler, und pflegt seine Heroen. Manche werden geehrt wie John Lennon, andere nicht erwähnt, obwohl sie oder ihre Ahnen von hier stammen: Man könnte sich fragen, warum Lennon von den Beatles, der nie hier war, so ein Denkmal kriegt, und andere wie Leonard Cohen und Bob Dylan, deren Wurzeln in Litauen liegen, nicht vorkommen. Der Bürgermeister in seinem Büro, hoch über der Stadt, ist schon einen Schritt weiter. Er versucht ständig, Juden aus aller Welt zu einem Besuch in der alten Heimat zu überreden. Wir fragen: „Halb Hollywood stammt doch von hier. Und ihr früherer Kollege Michael Bloomberg – war er schon hier?“ In allem liegt eine Wehmut und Sehnsucht, etwa wenn Amit durch das frühere Ghetto streift und in die Hinterhöfe schaut. Fast alle litauischen Juden starben, umgebracht von SS-Truppen und einheimischen Helfershelfern: „Ich weiß nicht, wer hier wohnte, vielleicht Deportierte oder Leute, die umgebracht wurden.“ (Amit Belaite) Die Fotos auf der Hauptstraße des früheren Ghettos wurden zwischen den Ruinen gefunden, Szenen einer besseren Zeit: Man sieht glückliche Menschen – und keiner weiß, ob so ein Leben jemals wieder nach Vilnius zurückkehrt. Die einzige Synagoge, die noch in Gebrauch ist: Es reicht auch ein Gotteshaus, für die kleine jüdische Gemeinschaft. Während der Sowjetzeit überlebt es als Lagerhalle für Arzneien: „Vilnius trug den Beinamen ‚Jerusalem des Norden‘. Wir waren mal 250.000 Juden, fast jeder zweite Bewohner von Vilnius war Jude und wir hatten mehr als 100 Synagogen. Jetzt sind wir noch 2500 Leute in der Gemeinde. Wenn wir uns heute in der Siemens-Arena mit 10.000 Plätzen versammeln, dann sieht sie immer noch leer aus.“ (Simas Levinas, Vorsitzender der jüdischen religiösen Gemeinde Vilnius) Amit hat für sich einen Weg gefunden, ihre Familie zu vergrößern, die so klein geworden ist: Großvater und Großmutter waren die einzigen Familienmitglieder, die den Holocaust überlebten, so dachte sie jedenfalls. Sie blättert im Familienstammbaum. Dorf findet sie auch die Schwester ihres Großvaters, die, wie sie erst jetzt weiß, erst vor einem Jahr gestorben ist.

Fr., 17. Apr · 12:00-12:45 · 3sat
Eine fast unmögliche Freundschaft

Der Film begleitet einen Rabbi, einen Pfarrer und einen Imam aus Österreich ins Heilige Land, wo sie gemeinsam die bedeutendsten Pilgerorte ihrer Religionen aufsuchen. Rabbi Schlomo Hofmeister, Pfarrer Ferenc Simon und Imam Ramazan Demir sprechen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Religionen. Ein Film über das nicht immer leichte, aber mögliche Miteinander von Juden, Christen und Muslimen. Zu Route der Reisegruppe gehören die wichtigsten Heiligtümer der drei abrahamitischen Religionen: West- oder Klagemauer und Davidsgrab, Grabeskirche und Tempelberg mit der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom, Bethlehem, Geburtsort Jesu, und Hebron, Begräbnisort des Patriarchen Abraham, auf den sich alle drei Religionen berufen, der Ölberg, wo nach Überzeugung aller entweder am Ende der Zeiten der Messias erscheinen soll – oder schon erschienen ist. Sie gelangen nach Abu Gosch, ein arabisches Dorf in Israel, in dem Araber und Juden weitgehend ohne Probleme zusammenkommen und sich die Benediktinermönche des dort ansässigen Klosters in dieses Miteinander einbringen, und nach Masada am Toten Meer, Ort eines verzweifelten Kampfes der Juden gegen die römischen Besatzer um 70 nach Christus. Gemeinsam besuchen Rabbi, Pfarrer und Imam die Heilige Stadt und die heiligen Stätten der unterschiedlichen Religionen, sie zeigen sich gemeinsam in der Öffentlichkeit, diskutieren untereinander und mit Fremden über religiöses Leben und religiöse Praxis, und sie leben auch die Unterschiede. Dass dennoch das Gemeinsame im Vordergrund steht, ist keineswegs selbstverständlich, sondern sehr brisant – vor allem vor dem Hintergrund des politischen Nahostkonflikts, der auch das Friedenspotenzial der drei Religionen herausfordert. Wie sich auf der Reise zeigt: Dies kann auch der andere akzeptieren – jenes nicht. Diese Grenzen des Dialogs sind zugleich Anhaltspunkte: Hier kann man einhaken, fragen, hinterfragen, einander kennenlernen und besser verstehen. Jeder hat eine ganz eigene Version der menschlichen Geschichte und der Geschichte der eigenen Religion – und der Religion des anderen. Das kann trennen, den Blick auf die Sicht des Nächsten verdecken. Doch indem man es gegenseitig erklärt, eröffnet sich auch eine Möglichkeit, trotz der Unterschiede zusammenzuleben – auch in Europa. Christentum, Islam, Judentum: Die gegenseitigen Begegnungen waren über Jahrhunderte oft von Verdächtigungen und Distanz, Feindschaft und Unterdrückung der jeweils Andersgläubigen und sogar von Krieg geprägt. In vielen Weltgegenden ist das Zusammenleben bis heute mehr als schwierig. Feindschaft und selbst Vertreibungen haben in den vergangenen Jahrzehnten wieder an Brisanz zugenommen. Religion wird für politische Zwecke instrumentalisiert. Zugleich ist Religion in Gefahr, politische Macht für sich zu nützen. Dass es den drei großen monotheistischen Religionen dennoch möglich ist, sich zu verständigen, die Gemeinsamkeiten hervorzuheben und zu einem produktiven Zusammenleben zu kommen, das wollten der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister, der katholische Pfarrer Ferenc Simon und der Imam und islamische Gefängnisseelsorger Ramazan Demir, alle drei aus Wien, beweisen – durch ihre gemeinsame Reise ins Heilige Land.

So., 19. Apr · 13:00-13:30 · NDR
75. Jahrestag der Befreiung

Im April 1945 wurde das Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit. Aus Anlass des 75. Jahrestages der Befreiung war am heutigen 19. April eine Gedenkfeier mit Überlebenden geplant. Aufgrund der aktuellen Situation und den Beschränkungen wegen des Coronavirus gibt es stattdessen eine Kranzniederlegung. In diesem Rahmen sind Ansprachen von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und von Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, vorgesehen. Die 94-jährige Überlebende Anita Lasker-Wallfisch soll in einer Videobotschaft zu Wort kommen.

So., 19. Apr · 15:20-16:50 · One
Das Geheimnis der Freiheit

Wer kennt Berthold Beitz? Immer weniger Menschen. Dabei hat er wie kaum ein anderer die Geschichte Deutschlands geprägt, sei es als führender Industriemanager von Krupp oder als Retter zahlreicher Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus. Ein Jahrhundertleben, das man in großem Bilderbogen erzählen könnte. Doch das fiktionale Porträt von Beitz wird hier als eindringliche Nahaufnahme, als Duell zwischen zwei ungleichen Männern erzählt: Berthold Beitz, Aufsteiger, Macher, Sonnyboy – und Golo Mann, Großbürger, Historiker, zaudernder Melancholiker. Die Begegnungen der beiden in den Jahren 1973 – 1981 im Rahmen eines Buchprojekts, für das der eine den anderen beauftragt, entwickeln sich bald zu einem regelrechten Duell. Wie geht man mit deutscher Vergangenheit, wie mit dem eigenen Erbe um? Beitz und Mann haben eines gemeinsam: Sie sind Nachfolger. Golo Mann als Sohn des Dichterfürsten, mit seinem gebrochenen Verhältnis zum Vater. Berthold Beitz, als Ziehsohn von Alfried Krupp, dem letzten Stahlkönig, den Beitz verherrlicht und dem er durch ein Buch aus Golo Manns Feder ein Denkmal setzen möchte. Doch anstelle von Krupp tritt in der Begegnung der beiden allmählich der Auftraggeber selbst ins Zentrum der Betrachtung. In kaum einer Biografie spiegelt sich die Ambivalenz deutscher Nachkriegsgeschichte deutlicher als in der von Berthold Beitz. Wie kann jemand, der im Nationalsozialismus unzähligen Juden das Leben gerettet hat, in der Bundesrepublik mit den Tätern von damals kooperieren und sie sogar verteidigen? Für Golo Mann ein Rätsel voller Widersprüche, dem er auf den Grund gehen will.

Mo., 20. Apr · 01:45-03:20 · arte
Señor Kaplan

Wie viele andere Juden, die während des Zweiten Weltkriegs aus Europa geflohen sind, hat sich der polnischstämmige Jacob Kaplan im südamerikanischen Uruguay eine neue Existenz aufgebaut. Im hohen Alter reicht ihm das nicht mehr aus. Er möchte einen letzten, bleibenden Eindruck hinterlassen. Bei seiner Familie, seiner Gemeinde – und am besten noch im Bewusstsein der ganzen Welt. Als das Gerücht die Runde macht, ein älterer Deutscher, der in näherer Umgebung ein Strand-Restaurant betreibt, könnte ein Naziflüchtling sein, sieht Jacob Kaplan seine Chance gekommen. Dem Vorbild von Simon Wiesenthal folgend, plant er, den Deutschen zu enttarnen und gefangen zu nehmen, um ihn anschließend nach Israel ausliefern zu können. Unterstützung bei seinem abenteuerlichen Vorhaben erhält er von Wilson Contreras, einem ehemaligen Polizisten mittleren Alters. Tatsächlich überrumpeln die beiden den Deutschen schließlich und entführen ihn auf ein Boot. Dort stellen sie ihn zur Rede – und erfahren die schreckliche Wahrheit. Die Hauptfiguren Jacob und Wilson bilden ein Team wie Don Quijote und Sancho Panza, mit einer eigenen Wahrnehmung der Welt – gewillt, das Richtige zu tun, dabei doch blind, das Falsche zu vermeiden.
Bild oben: © Alvaro Gutiérrez, Jacobo Kaplan (Héctor Noguera) verspürt den Drang, über sich hinauszuwachsen …

Mo., 20. Apr · 16:45-17:30 · PHOENIX
Musste Weimar scheitern?

„Weimar“ war die erste Demokratie auf deutschem Boden. Es war ein Neubeginn voller Emotion und Hoffnung – in schwerer Zeit. Oft wird Weimar vom Ende her betrachtet, von seinem Untergang im Nationalsozialismus. Dabei war es ein großer Aufbruch. Die Deutschen wagten Demokratie. Eine Doku als lebhafte Diskussion über Weimar. Ein Film, der auch fragt: Was kann uns Weimar heute lehren? Vor 100 Jahren, am 6. Februar 1919, trat in Weimar die deutsche Nationalversammlung zusammen. Sie gab dem Deutschen Reich eine moderne demokratische Verfassung. 14 Jahre später kam Hitler an die Macht – die Weimarer Republik war gescheitert. Mu e es so kommen, war Hitler unvermeidlich? Es gibt gängige Erklärungen: Die Verfassung war mangelhaft, die Belastung durch den Versailler Vertrag zu groß. Auch die Hyperinflation und die Weltwirtschaftskrise werden oft als Gründe genannt. Im Kern jedoch, heißt es, seien die Deutschen nicht reif gewesen für eine Demokratie. Weimar war ein unerhörter Neuanfang, ein Aufbruch, wurde aber immer vom Ende, vom Scheitern her beurteilt. Der Film ist ein emotionales Plädoyer. Er sucht die Auseinandersetzung und verfolgt dabei das Ziel, jene staatsbürgerlichen Werte, von denen heute oft die Rede ist, greifbar und in ihrem historischen Entstehen verstehbar zu machen. Neue Forschungsergebnisse führen jetzt, nach 100 Jahren, zu einer Neubewertung der Weimarer Epoche. Im Film begründen der ehemalige Verfassungsrichter Udo di Fabio und die Historiker Gerd Krumeich und Wolfram Pyta sowie der Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel ihre neuen Erkenntnisse. Neben der wiederkehrenden wirtschaftlichen Not stand eine ungeheure Gewaltbereitschaft in der politischen Auseinandersetzung, ein verbreitetes Gefühl der Schmach und Demütigung und die – zehn Jahre nach der Niederlage aufbrechende – Verarbeitung des Kriegstraumas. Der Film von Grimme-Preisträger Andreas Christoph Schmidt zeigt: Nachdenken über Weimar ist immer auch ein Nachdenken über die Demokratie.

Mo., 20. Apr · 21:00-21:30 · HR
1945 und Ich – Kinder im Krieg

Der Vater oder Bruder im Krieg gefallen, das Haus in Trümmern, von den Eltern getrennt, die Heimat verloren. Die jüdischen Nachbarn im Holocaust ermordet. Trauer, Verlust, Schuld? Welche Spuren hat der Krieg bis heute in hessischen Familien hinterlassen? Und wo berührt das die jüngere Generation? 420 000 Millionen Kinder leben heute in einem Kriegs- oder Konfliktgebiet. Einige davon haben in Hessen Zuflucht gefunden. Sie wissen, was Krieg bedeutet und können davon erzählen. Genau wie unsere Großeltern, die Kriegskinder des Zweiten Weltkrieges. Auch sie wissen, was das heißt. Kindersoldaten und Kriegskinder – wie verändert Krieg das Leben von Kindern? Damals und heute?

Mo., 20. Apr · 23:30-00:15 · Das Erste (ARD)
Getrennt durch Stacheldraht – Jugendjahre im KZ Gusen

Ihre Biographien könnten unterschiedlicher nicht sein: Während der eine deportiert wird, durchläuft der andere die Nazi-Eliteschule Napola und schüttelt sogar dem Führer die Hand. Ihre Lebenswege kreuzen sich im österreichischen Konzentrationslager Gusen, einem Zweiglager des KZ Mauthausen. Der eine kämpft als Häftling täglich um sein Leben, der andere genießt als Sohn des Lagerleiters Privilegien. Zum ersten Mal werden sich die beiden nun nach 75 Jahren persönlich begegnen. Die Dokumentation von Julia Grantner und Robert Grantner erzählt die Geschichten zweier Kinder beziehungsweise Jugendlicher, die sich im österreichischen Konzentrationslager Gusen kreuzen: Dusan Stefancic, geboren in Slowenien 1927, erlebt als 14-Jähriger den Einmarsch der Deutschen Wehrmacht, erledigt Botengänge für den slowenischen Widerstand, wird verhaftet und deportiert. Über die Stationen Dachau, Markirch, Natzweiler und Mauthausen gelangt er schließlich in das Konzentrationslager Gusen in Österreich. Nur einen Steinwurf davon entfernt lebt der zwei Jahre jüngere Walter Chmielewski, 1929 in München geboren. Nach Kriegsausbruch zieht seine Familie nach St. Georgen an der Gusen. Sein Vater ist SS-Hauptsturmführer Karl Chmielewski, der den Auftrag hat, dort ein Konzentrationslager zu errichten. Er wird als der erste Lagerleiter traurige Berühmtheit als „Der Teufel von Gusen“ erlangen. Der Nationalsozialismus und seine Auswirkungen prägen Leben und Schicksal der beiden Protagonisten. Der eine wird seiner Familie entrissen, ist im Lager unsäglichen Schikanen durch die SS-Wachen ausgesetzt und wird zu körperlicher Schwerstarbeit, unter anderem im geheimen unterirdischen Flugzeugwerk „Bergkristall“, gezwungen, ehe er nach vielen Monaten befreit wird. Der andere leidet unter den innerfamiliären Spannungen zwischen dem Münchner Großvater, einem überzeugten Sozialdemokraten, und dem linientreuen nationalsozialistischen Vater, durchläuft die Ausbildung in der NS-Eliteschule Napola, zieht nach Österreich und lebt dort jahrelang wohlbehütet und privilegiert in unmittelbarer Nähe zu Stacheldrahtzäunen und Häftlingsbaracken. Die Dokumentation erzählt aus der Perspektive der beiden Jungen: Walter und Dusan schildern ihre ganz persönliche Sicht auf die jeweils „eigene“ Seite des Lagerzauns. Sie lebten monatelang nur einen Steinwurf voneinander entfernt, aber unter extrem verschiedenen Umständen. Bislang sind sich die beiden noch nie persönlich begegnet. Nun werden sie erstmals aufeinandertreffen, und sich nach 75 Jahren in die Augen sehen. Sehr unterschiedlich verliefen auch beider Lebensläufe nach Kriegsende und der Befreiung des Konzentrationslagers durch die Amerikaner am 5. Mai 1945: Dusan Stefancic gelang es, unmittelbar danach zurück nach Slowenien zu reisen. Nur zwei Wochen nachdem er das Lager verlassen hatte, musste er in der Heimat schon wieder die Schulbank drücken, als wäre nichts gewesen. Walter Chmielewski hingegen war kurz vor Kriegsende noch eingezogen und an die Front geschickt worden. Nach seiner Gefangennahme landete er ausgerechnet im KZ Gusen, welches die Amerikaner mittlerweile als Kriegsgefangenenlager nutzten. Erst jetzt wurde ihm das ganze Ausmaß der furchtbaren Geschehnisse der vergangenen Jahre klar. Der Sohn des „Teufels von Gusen“ musste eigenhändig tausende Tote in Massengräbern bestatten, die durch die Hand und auf Veranlassung seines Vaters ermordet worden waren. Die Lebensgeschichten der beiden Jungen werden in den zeithistorischen Kontext eingeordnet; eine zentrale Rolle spielt dabei die Aufarbeitung der Historie des KZ Gusen. Hierbei stützt sich die Dokumentation auf die Erzählungen der Zeitzeugen, aber auch auf Aussagen von Experten wie Prof. Bertrand Perz, Leiter des Instituts für Zeitgeschichte in Wien, Dr. Gregor Holzinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Mauthausen-Archivs mit dem Schwerpunkt „Täterforschung“ und Rudolf A. Haunschmied, Autor und Heimatforscher aus St. Georgen an der Gusen.

Mo., 20. Apr · 23:55-01:40 · HR
Die Kinder der Villa Emma

Nach wahren Begebenheiten erzählt das bewegende Drama „Die Kinder der Villa Emma“ von einer gefährlichen Flucht, die sich während des Zweiten Weltkriegs zugetragen hat. 1942/1943 war das italienische Dorf Nonantola tatsächlich Zufluchtsort von 73 jüdischen Kindern, die sich auf ihrem Weg ins „gelobte Land“ Palästina dem gnadenlosen Zugriff der Nationalsozialisten entziehen wollten. Regisseur Nikolaus Leytner schildert die gefährliche Reise als spannende Bewährungsprobe, dargestellt von einer talentierten jungen Besetzung. Angesicht des Schicksals von Kindern und Jugendlichen, die heute unbegleitet vor Kriegen auf der Flucht sind, entfaltet die historische Geschichte eine besondere Aktualität. Wien, im Frühjahr 1941: Die Nazis haben die Stadt besetzt, Juden sind nicht mehr sicher. Auf Veranlassung ihres besorgten Vaters findet sich die 14-jährige Betty (Sophie Stockinger) in einer Gruppe jüdischer Kinder wieder, die von einer Hilfsorganisation nach Palästina geschleust werden soll. Betty verliert alles: ihr Zuhause, ihre Familie und ihre beste Freundin. Auf dem beschwerlichen Weg findet die Gruppe in einem Landhaus bei Zagreb kurzzeitig Unterschlupf. Als ihr Begleiter Georg (August Zirner) erschossen wird, müssen die Kinder, nun angeführt vom jungen Josko (Ludwig Trepte) und dessen Helferin Helga (Nina Proll), ganz auf sich gestellt ihre Flucht fortsetzen. Schließlich erreichen sie das italienische Dorf Nonantola und beziehen dort eine leerstehende Villa. Für einen Moment können die Jungen und Mädchen wie andere Gleichaltrige sein: Freundschaften finden sich und romantische Gefühle kommen auf. Schon bald werden die Flüchtenden von der harten Realität des Kriegs eingeholt. Auf ihrer gefährlichen Reise ins Ungewisse müssen sie erneut weiterziehen.

Di., 21. Apr · 23:15-00:50 · HR
Wunderkinder

Ein geheimnisvoller Umschlag konfrontiert Star-Geigerin Hanna Reich (Brigitte Grothum) kurz vor ihrem Abschiedskonzert mit lange zurückliegenden Erinnerungen: Es sind die Noten zur Freundschaftspartitur. Tief bewegt erzählt Hanna ihrer Enkelin Nina (Mathilda Adamik) von den Ereignissen um diese Partitur im Kriegsjahr 1941. Eine Geschichte, die von tiefer Freundschaft, Todesgefahr, Zivilcourage und der leidenschaftlichen Liebe zur Musik handelt. Hanna (ebenfalls Mathilda Adamik) lebte damals mit ihren Eltern, Brauereidirektor Max Reich (Kai Wiesinger) und Helga (Catherine Flemming), in Poltava in der Ukraine. Dort gibt es nur ein Thema: die jüdischen Wunderkinder Abrascha (Elin Kolev) und Larissa (Imogen Burrell), Stars an Violine und Klavier. Sie spielen vor der Partei-Elite und vor Stalin selbst. Und erhalten sogar eine Einladung, in der New Yoker Carnegie Hall zu konzertieren. Auch Hanna, die selber Geige spielt, besucht ihr Konzert. Dieser Konzertbesuch wird zur schicksalhaften Begegnung. Fortan hat Hanna nur den Wunsch, mit den beiden zu musizieren und ihre Freundin zu werden. Der gemeinsame Unterricht bei ihrer Lehrerin Irina Salomonowa (Gudrun Landgrebe) und die Liebe zur Musik verbinden die Kinder schließlich. Gemeinsam schreibt das Trio an der Freundschaftspartitur und besiegelt den Freundschaftspakt. Doch ihr Leben ändert sich jäh: Hitler erklärt Russland den Krieg, die Deutschen werden zu Feinden. Hanna, Abrascha und Larissa sehen, wie der Krieg Familien auseinanderreißt und tödliche Gefahren bringt. Und zur Mutprobe für ihre deutsch-jüdische Freundschaft wird. Als Hannas Eltern der Spionage verdächtigt werden, verstecken Abraschas und Larissas Familien sie im Wald. Doch mit dem Einmarsch deutscher Truppen ändert sich alles erneut – jüdische Familien erleben nun die Schrecken des Pogroms. Jetzt können die Reichs, wieder zu Ansehen gekommen, ihren Rettern helfen. Aber die geplante Flucht misslingt – und die Reichs hoffen, durch den Kontakt zu SS-Standartenführer Schwartow (Konstantin Wecker) die Freunde vor dem Lager zu bewahren. Schwartow, nach außen hin generöser Kulturliebhaber und vom Talent der Wunderkinder angetan, lässt diese zu Himmlers Geburtstag ein Konzert geben. Sein perfider Plan: Gelingt es ihnen, fehlerfrei zu spielen, verspricht er ihnen und ihren Familien die Freiheit. Während der sadistische Offizier nur auf einen Fehler wartet, spielen Abrascha und Larissa um ihr Leben. Die dramatischen Ereignisse aus Sicht der Kinder zu erzählen, berührt besonders tief und verdeutlicht die Schrecken des Krieges umso stärker. Gewidmet ist der Film unter der Regie von Marcus O. Rosenmüller den 1,5 Millionen ermordeten jüdischen Kindern.

Mi., 22. Apr · 21:45-22:15 · HR
Engel fragt: Wie schützen wir uns vor dem Hass?

Was ist los in Deutschland? In Hanau ermordet ein Rechtsextremist zehn Menschen, in Volkmarsen rast ein Mann in einen Faschingsumzug und verletzt über 60 Menschen, in Kassel wird der Regierungspräsident auf seiner Terrasse erschossen. Auch sonst scheint der Hass kaum noch Grenzen zu kennen. Kommunalpolitiker bekommen regelmäßig Morddrohungen oder werden aufs Übelste beschimpft, in den sozialen Medien werden Minderheiten verunglimpft und beleidigt, und die Demokratie wird verächtlich gemacht. Selbst im Freizeitsport, dort, wo man sich eigentlich trifft, um Spaß zu haben, fliegen die Fäuste. Schiedsrichter werden k.o. geschlagen und Rettungssanitäter und Notärzte während ihrer Einsätze beschimpft und bespuckt. Wie kann sich jeder Einzelne von uns diesem zunehmenden Hass entgegenstellen? Wie können wir verhindern, dass er unser Leben vergiftet? Wie viel Mut braucht es, um einzuschreiten? Und wie gefährlich ist Zivilcourage mittlerweile? Philipp Engel macht sich auf die Suche nach Antworten. Auf Fußballplätzen, in einem Selbstverteidigungskurs für Rettungssanitäter, er trifft „Social-Media“-Aktivisten und nimmt an einer Schulung in Sachen „Zivilcourage“ teil.

Do., 23. Apr · 00:40-02:25 · BR
Eine offene Rechnung

Bewegender Agententhriller von John Madden aus dem Jahr 2010 mit Oscar-Preisträgerin Helen Mirren in der Hauptrolle. Der Film ist eine Neuverfilmung des 2007 erschienenen israelischen Films „Der Preis der Vergeltung“ von Assaf Bernstein. 1965 erhalten die jungen Mossad-Agenten Rachel (Jessica Chastain), David (Sam Worthington) und Stephan (Marton Csokas) den Auftrag, einen Nazi-Kriegsverbrecher in Ost-Berlin aufzuspüren und nach Israel zu entführen, um ihn den Prozess zu machen… Israel, im Jahr 1997. Die ehemalige Mossad-Agentin Rachel Singer ist eine nationale Ikone. Ihr Name steht für eine spektakuläre Geheimmission im Jahr 1965: die Entführung des „Arztes von Birkenau“, Dieter Vogel, in Ost-Berlin. Zwar misslingt der damals 25-jährigen Rachel und ihren Helfern David Peretz und Stephan Gold die Überführung des Naziverbrechers nach Israel. Doch seine Verfolger geben an, Vogel auf der Flucht erschossen zu haben. Die Nachricht macht die drei Agenten bei ihrer Rückkehr zu Helden. Als ihre Tochter Sarah Gold nun ein Buch über die Mission veröffentlicht, muss Rachel die Geschichte aufs Neue erzählen. Eine bisher nur dem israelischen Geheimdienst bekannte Meldung droht jedoch ihre Glaubwürdigkeit infrage zu stellen. In der Ukraine behauptet ein alter Mann, der totgeglaubte Nazi-Arzt von Birkenau zu sein. Für Rachels damaligen Kollegen und späteren Ehemann Stephan Gold ist klar: Die Ex-Agentin muss in die Ukraine reisen, um ihren Mythos zu retten.

Do., 23. Apr · 23:05-23:35 · MDR
Lebensläufe – Das Erbe der Gret Palucca

„Ich will nicht hübsch und lieblich tanzen!“, ist die Parole der jungen Gret Palucca. Sie trainiert zuerst als Rollschuhtänzerin, dann als Sportlerin, bis hin zur Akrobatin. Ihr Markenzeichen ist ihre unglaubliche Gelenkigkeit und Elastizität sowie ihre einzigartige Sprungkraft. Ihr Tanzen strahlt pure Lebensfreude aus – mit Temperament, grotesken Elementen, akrobatischen Einlagen, die Leichtigkeit im Schweben. 1925 eröffnet sie eine eigene Schule für modernen Tanz in Dresden. Lehrt fast sieben Jahrzehnte lang – durch alle privaten und politischen Turbulenzen hindurch – ihre neuartige Form des Ausdruckstanzes. Sie knüpft Kontakte zu vielen Bauhauskünstlern. Für Moholy-Nagy ist Palucca die einzige Tänzerin, die die neue Ästhetik des Bauhausgedankens gestaltet. Später distanziert sie sich von den Bauhäuslern, um unter den Nationalsozialisten nicht anzuecken. Sie nimmt mit Leni Riefenstahl an der Olympiade-Eröffnung 1936 teil, verleugnet ihre jüdische Herkunft. Später in der DDR, nach dem Zweiten Weltkrieg, gelingt es der Tanzpädagogin, im ausgebombten Dresden wieder zu unterrichten. Sie eröffnet ihre Schule neu, in der sie ihren Schülerinnen und Schülern vor allem Kreativität, Eigenständigkeit, Spontaneität und Verantwortungsbewusstsein für den eigenen Weg vermittelt und in den internationalen Sommerkursen, die seit 1957 in Dresden stattfinden, Kontakte auch zu westlichen Tänzern ermöglicht. 1949 wird die Palucca-Schule Dresden verstaatlicht. Trotz Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen mit den Kulturfunktionären der DDR bleibt Gret Palucca in Dresden und schafft sich inmitten des sozialistischen Realismus eine künstlerische Insel. Wenn sie der DDR-Bürokratie grollt, zieht sie sich auf Hiddensee zurück und droht mit Abwanderung in den Westen. Aufgrund der Verquickung von privaten und öffentlichen Begebenheiten zeigt sich ein hochspannendes und widersprüchliches Bild einer Persönlichkeit, das ein Jahrhundert deutscher Geschichte aus einer besonderen Perspektive spiegelt.

Sa., 25. Apr · 05:05-05:50 · PHOENIX
Schatten über München – Der Aufstieg Adolf Hitlers

Wieso wird ausgerechnet München zur „Hauptstadt der Bewegung“? Wo liegen die Ursachen für den aufkommenden Nationalismus und den sich kontinuierlich ausbreitenden Antisemitismus? Welche gesellschaftliche, religiöse und vor allem politische Konstellation machen München zur Wiege des Nationalsozialismus? Fragen wie diese möchte die Filmautorin beantworten und anhand der Erlebnisse und Erinnerungen jüdischer Mitbürger die fatalen Veränderungen widerspiegeln. Bereits in den 1920er-Jahren zeichnen sich in München jene Strömungen ab, die später zum Dritten Reich und in den Zweiten Weltkrieg führen. Lange bevor Hitler in Berlin die Macht „ergreift“, findet er an der Isar den perfekten Nährboden für seine persönliche Weiterentwicklung und auch für seine „Bewegung“. Vor allem in der Zeit nach der Räterepublik und während der Weimarer Republik verändert sich das Klima in München fundamental von einer weltoffenen, liberalen Grundhaltung zu einer immer reaktionärer werdenden, konservativen Gesellschaft, die mehr und mehr nach einer starken, führenden Kraft verlangt. Reaktionäre Kräfte gewinnen mehr und mehr an Einfluss und Macht, die rechten Schlägertrupps verbreiten Angst und Schrecken. Gleichzeitig werden Hitler und seine Ideen für eine breite Schicht salonfähig. Zunehmend werden auch jüdische Mitbürger zu Ausgegrenzten und Verfolgten, darunter auch der Nobelpreisträger Richard Willstätter, der Anwalt Max Hirschberg und der Schriftsteller Lion Feuchtwanger, der in seinem Roman „Erfolg“ sehr eindrucksvoll schildert, wie die Stimmung im München der 1920er-Jahre kippt. Angelehnt an reale Personen und Ereignisse beschreibt Feuchtwanger die Veränderungen im jüdischen Leben in München in den Jahren vor der „Machtergreifung“.

Sa., 25. Apr · 07:15-08:05 · arte
Filmstar mit Charakter – Simone Signoret

Sie war mehr als nur ein schönes Gesicht auf der Kinoleinwand, sie war ein Stück Frankreich: Simone Signoret. Unter dem Namen Simone Kaminker wurde die Tochter einer Französin und eines Polen jüdischer Herkunft am 25. März 1921 in Wiesbaden geboren. Ihr Plan, in Paris Jura zu studieren, scheiterte an den Kriegswirren. Nach Bürotätigkeiten begann sie ihre Karriere als Komparsin – bis zu ihrem Durchbruch 1950 mit Max Ophüls‘ Film „Der Reigen“. Rund 50 Filme realisierte sie in 40 Jahren, darunter die „Die Teuflischen“, „Die Katze“ oder „Goldhelm“. Ein wesentlicher Grund ihres Erfolgs war, dass Signoret sich den Luxus leistete, nur die Rollen zu spielen, die ihr wirklich zusagten. „Ich will tun, was mir gefällt. Und alles lassen, was mich langweilt und anödet. Aber das gilt nicht nur für die Karriere, das gilt für das ganze Leben“, sagte sie. Als ein Höhepunkt ihrer Karriere gilt der Film „Der Weg nach oben“, für den sie den Oscar erhielt, den Darstellerpreis von Cannes sowie den Preis der deutschen Filmkritik. Entschlossen verweigerte sie sich dem Hochglanzimage der Filmwelt. Noch in den 70er Jahren spielte sie in zahlreichen Filmen, unter denen vor allem „Madame Rosa“ hervorragt. Darin spielt sie eine alternde ehemalige Prostituierte, die in einem schäbigen Pariser Mietshaus verlassene Kinder von anderen Dirnen betreut. Kaum eine andere Darstellerin bekannte sich so zum Älterwerden wie sie. Im französischen Kino stand sie für eine bestimmte authentische Art, Frauen zu filmen. Sie hat nie versucht, die Spuren vergehender Schönheit zu konservieren. Gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann Yves Montand gehörte Signoret lange zu den kommunistischen Linksintellektuellen und dem Kreis um den Philosophen Jean-Paul Sartre und sympathisierte eine Zeitlang mit der KP. „Im Film wie in der Wirklichkeit stand sie als Kämpferin gegen die Verletzung der Menschenrechte unter allen Regimen stets an der Spitze“, würdigte der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang Signorets politisches Engagement. Wegen ihrer herzlich-rauen Art wurde Signoret auch die „Löwin“ genannt. Ein Beiname, den ihr wohl ihre Kämpfernatur eingebracht hatte. Nie waren ihre Rollen gekünstelt, sie spielte immer sich selbst: „Eines Tages habe ich zwischen liebreizend und interessant gewählt und mich für interessant entschieden“, sagte sie.

Sa., 25. Apr · 11:00-11:30 · ARD-alpha
Echtes Leben – Wie schützen wir uns vor dem Hass?

Was ist los in Deutschland? In Hanau ermordet ein Rassist zehn Menschen, in Volkmarsen rast ein Mann absichtlich in einen Faschingsumzug und verletzt über 80 Menschen, in Kassel wird der Regierungspräsident mutmaßlich von einem Neonazi auf seiner Terrasse erschossen. Andere Menschen bekommen den Hass täglich verbal zu spüren, Kommunalpolitiker müssen mit Morddrohungen leben oder werden aufs Übelste beschimpft. In den sozialen Medien werden Minderheiten verunglimpft und beleidigt, und die Demokratie wird verächtlich gemacht. Selbst im Freizeitsport, dort, wo man sich eigentlich trifft, um Spaß zu haben, fliegen die Fäuste. Schiedsrichter werden k. o. geschlagen, es wird rassistisch beleidigt, und in Stadien zeigen Fans Transparente, auf denen ein Sponsor im Fadenkreuz zu sehen ist. Auch Rettungssanitäter, Feuerwehrleute und Notärzte können aufzählen, wie oft sie während ihrer Einsätze beschimpft und bespuckt werden. Wie kann sich jeder Einzelne diesem zunehmenden Hass entgegenstellen? Wie können wir verhindern, dass er unser Leben vergiftet? Wie viel Mut braucht es, um einzuschreiten? Und wie gefährlich ist Zivilcourage mittlerweile? Für die Reihe „Echtes Leben“ macht sich Philipp Engel auf die Suche nach Antworten: auf Fußballplätzen, in einem Selbstverteidigungskurs für Rettungssanitäter, bei einem „Sozial-Media“-Aktivisten und in einer Schulung in Sachen „Zivilcourage“.

Sa., 25. Apr · 20:15-21:45 · ARD-alpha
Überall war Tod – Vom Leiden und Sterben im KZ Flossenbürg

Die Dokumentation zeichnet die Geschichte dieses Konzentrationslagers nach, das Jahrzehnte lang vergessen war. Und der Film gibt den Überlebenden des Terrors eine Stimme. „Ich habe Flossenbürg verlassen, aber Flossenbürg hat mich nie mehr verlassen“, sagt Jack Terry. Als der jüdische Junge aus Polen 1945 hier befreit wurde, war er 15 Jahre alt und wog 34 Kilo. Überall war Tod: Im Steinbruch, in den Baracken, auf dem Appellplatz, in der Krankenstation. Häftlinge wurden zu Tode gequält, geprügelt, erhängt, erschossen. „Vernichtung durch Arbeit“ war das „Motto“ des KZ-Flossenbürg. Der Granit ist der Grund, warum die SS 1938 in dem oberpfälzischen Ort ein Konzentrationslager errichtet. Häftlinge müssen in den Steinbrüchen unter furchtbaren Bedingungen als billige Arbeitssklaven Granit für die geplanten Prachtbauten des NS-Staates gewinnen. Später wird das KZ Flossenbürg zu einem wichtigen Rüstungsstandort. Ab1943 produziert hier die Firma Messerschmitt Flugzeuge. Das KZ wird zudem die Zentrale eines weitverzweigten Systems von Außenlagern. In den beiden größten, in Hersbruck und in Leitmeritz, arbeiten, leiden und sterben ebenfalls Tausende für absurde Rüstungsprojekte des untergehenden Reiches. Als die Lager im Osten evakuiert werden und Transporte auch Flossenbürg erreichen, drängen sich 15.000 Menschen unter katastrophalen Umständen in einem Lager, das für 3000 Häftlinge geplant war. Das tragischste Kapitel von Flossenbürg sind schließlich die Todesmärsche. Wegen der heranrückenden US-Armee werden die Häftlinge in Richtung Dachau getrieben. 7000 Gefangene sterben – Tage, oft nur Stunden vor der Befreiung. Die Dokumentation „Überall war Tod – Vom Leiden und Sterben im KZ Flossenbürg“ zeichnet die Geschichte des Lagers nach, das Jahrzehnte lang vergessen war. Und der Film gibt den Überlebenden des Terrors eine Stimme. Sie berichten von ihren grauenvollen Erfahrungen im KZ Flossenbürg, von ihrem tagtäglichen Überlebenskampf. Sie erinnern sich, was sie am Leben gehalten hat, obwohl sie schon mehr tot als lebendig waren. „Ich wurde nicht befreit, ich habe mich selbst befreit“, sagt der Italiener Vittore Bocchetta, dem es gelungen war, auf dem Todesmarsch zu fliehen.

Sa., 25. Apr · 22:30-23:20 · ARD-alpha
Die zweite Hinrichtung des Georg Elser – Der schwierige Umgang mit einem Aufrechten

Der Film dokumentiert das Bombenattentat des Schreiners Georg Elser gegen Hitler am 8.Nobember 1939 im Münchner Bürgerbräu-Keller. Er untersucht gleichzeitig, warum dieser Tod in die kollektive, deutsche Erinnerungskultur keinen Eingang gefunden hat und warum Elser Opfer einer Rufmord-Kampagne wurde. „Ich habe den Krieg verhindern wollen“, sagt Georg Elser beim Verhör durch die Gestapo. Am 8. November 1939 hat der schwäbische Kunstschreiner versucht, Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller mit einer Bombe zu töten. Das Attentat misslingt. Georg Elser wird an der Schweizer Grenze festgenommen und gesteht die Tat. Die Führungsclique um Hitler ist erschüttert, als klar wird, dass Elser als Einzeltäter gehandelt hat. Hitler persönlich vermutet den britischen Geheimdienst hinter dem Anschlag. So wird Elser für einen Schauprozess nach dem Krieg in KZ-Haft genommen. Kurz vor Kriegsende wird der Attentäter im Konzentrationslager Dachau ermordet. Warum aber hat dieser Widerstandskämpfer bis heute keinen Eingang in die kollektive deutsche Erinnerungskultur gefunden? Nach Kriegsende beginnt eine unwürdige Debatte um die Tat des aufrechten Schwaben. Ihm wird unterstellt, für die Nazis gearbeitet zu haben. Dieses Gerücht verbreitet u.a. der langjährige KZ-Häftling und spätere Kirchenpräsident Martin Niemöller. Er erklärt, sein Mithäftling Elser sei ein Mann der SS gewesen. Weitere Gerüchte über Elsers Hintermänner kursieren. Als 1964 die Verhörprotokolle entdeckt werden, ergibt sich eindeutig, dass Elser als Einzeltäter gehandelt hat. Doch es dauert Jahrzehnte, bis das Opfer einer Rufmordkampagne in der Öffentlichkeit rehabilitiert wird. 1999 spricht ihm ein Politologe in seiner Antrittsvorlesung die Legitimation zu einem Attentat gegen Hitler ab und der Streit um Elser bricht von neuem aus. In ihrer Dokumentation geht Jutta Neupert der Frage nach, warum das Attentat vom Bürgerbräukeller bis heute diskreditiert und geschmäht wird, warum der Widerstand eines einfachen Schreiners aus der Provinz über Jahrzehnte totgeschwiegen oder anders bewertet wurde als der Widerstand der Offiziere. Verkörpert Elser nicht auch die unbequeme Alternative zum sorgsam gepflegten Selbstbild vieler gehorsamer Volksgenossen, die nichts wussten und nichts wagten? Ein Film, der Fragen stellt zum Umgang der Deutschen mit einem Aufrechten.

So., 26. Apr · 13:45-15:15 · One
Belle & Sebastian

Zweiter Weltkrieg, 1943: Frankreich ist fest in deutscher Hand. Sogar das entlegene Dorf in den Savoyer Alpen, in dem der siebenjährige Waisenjunge Sebastian (Félix Bossuet) bei dem alten Schäfer César (Tchéky Karyo) lebt, ist besetzt. Dort soll der deutsche Leutnant Peter (Andreas Pietschmann) verhindern, dass Juden bei der Flucht in die nahe Schweiz geholfen wird. Die Dorfbewohner unterstützen die Verfolgten heimlich, doch sie müssen sich nicht nur vor den Deutschen hüten: Fieberhaft suchen sie nach einer Bestie, die Nacht für Nacht ihre Schafe reißt. Als Sebastian eines Tages einem verwilderten Pyrenäenhund gegenübersteht, weiß er sofort: Diese Streunerin, die von ihrem früheren Besitzer gequält wurde, ist kein Monster. Weil ihr graues Fell nach einem Bad im Fluss schneeweiß glänzt, nennt er sie liebevoll ‚Belle‘. Doch von seiner neuen Gefährtin darf niemand wissen, denn die Dorfbewohner wollen sie töten. Bei einer Treibjagd wird die Hündin angeschossen, nur mit knapper Not kann Sebastian ihr das Leben retten. Dabei werden die beiden in ein weiteres Abenteuer verstrickt: Eine jüdische Familie, die von deutschen Soldaten verfolgt wird, braucht ihre Hilfe. Mit Belles Spürsinn gilt es, einen Weg über den verschneiten Hochgebirgspass zu finden. Regisseur Nicolas Vanier gelang mit ‚Belle & Sebastian‘ ein atemberaubender Kinder- und Jugendfilm. Der Franzose verlegte die Geschichte, die auf einem Kinderbuch von Cécile Aubry basiert, von den 1960er Jahren in den Zweiten Weltkrieg. So verbinden sich in der Geschichte zwei Stränge: die angefeindete Freundschaft zwischen dem Waisenjungen und einem vermeintlichen Monster sowie die Not der vor dem Holocaust flüchtenden Juden. Für Vanier, der schon mit ‚Der letzte Trapper‘ und ‚Der Junge und der Wolf‘ sein Gespür für eindringliche Naturbilder unter Beweis gestellt hat, ist die Berglandschaft auch diesmal mehr als nur eine imposante Kulisse: Bereits als Hauptdarsteller Félix Bossuet in der ersten Szene an einer Steilwand abgeseilt wird, ist zu spüren, dass die erhabene Bergwelt ein Teil der mitreißenden Geschichte sein wird.

So., 26. Apr · 17:30-17:59 · Das Erste (ARD)
Echtes Leben – Jung, schwul, gläubig

Vorbehalte, Ressentiments, im schlimmsten Fall Ausschluss aus der Religionsgemeinschaft: Viele junge, gläubige Schwule und Lesben machen diese Erfahrungen, wenn sie sich outen. Wie vereinbaren homosexuelle Christen, Juden und Muslime in Deutschland Glaube und sexuelle Ausrichtung in oft repressiven und konservativen Religionsgemeinschaften? Wie kämpfen sie für Anerkennung und Gleichberechtigung, und haben sie Erfolg damit? Der Film erzählt die Geschichte von drei jungen Menschen, die sich entschieden haben, Glauben und Homosexualität nicht mehr als Widerspruch hinzunehmen. Alle drei sind Mitbegründer von Selbsthilfegruppen, die Betroffenen ein Sicherheitsnetz geben wollen. Die Reportage „Jung, schwul, gläubig – Geht das für Christen, Juden und Muslime?“ zeigt deren Kampf um Akzeptanz. Leo Schapiro ist Mitbegründer von „Keshet“. Keshet ist Hebräisch und heißt Regenbogen. „Keshet“ ist der erste queere jüdische Verein in Deutschland. „Wir möchten gemeinsam dafür sorgen“, sagt Leo, „dass offen queeres Leben und auch queere Familien in den jüdischen Gemeinden selbstverständlich werden.“ Tugay Sarac kämpft für die Rechte queerer Muslime – und wird deshalb bedroht. Tugay, schwul und gläubig, ist einer der paar wenigen deutschen Muslime, die öffentlich zu beidem stehen. Timo Platte ist Grafikdesigner in Wuppertal. Die kleine, fromme Freikirche, in der er aufwuchs, war seine ganze Welt. Doch seine Homosexualität war dort Tabu. Als er sich entschloss auszubrechen, fand er in der Organisation „Zwischenraum“ Gleichgesinnte. Mit deren Unterstützung entstand sein Buch „Nicht mehr schweigen“.

Mo., 27. Apr · 01:40-03:03 · Das Erste (ARD)
45 Minuten bis Ramallah

Rafik (Karim Saleh), ein Palästinenser aus Ostjerusalem, hat keine Lust, sich von seinem autoritären Vater tyrannisieren zu lassen. Lieber arbeitet er als Tellerwäscher im fernen Hamburg. Nur der Mutter zuliebe kommt er zur Hochzeit seines kleinen Bruders Jamal (Navid Navid) nach Israel. Auf der Familienfeier gerät er prompt wieder in einen Streit mit seinem alten Herrn, der für ihn eine Ehe arrangieren will. Als sich Rafik vehement weigert, fällt der zornige Vater tot um. Sein Letzter Wille sorgt dafür, dass die Probleme für Rafik nicht abreißen: Der Verstorben hat verfügt, in seinem Geburtsort Ramallah beigesetzt zu werden. Kein leichter Auftrag für die zerstrittenen Brüder, die dafür den Leichnam über schwer bewachte Grenzübergänge ins palästinensische Autonomiegebiet schmuggeln müssen. Aus der kurzen Fahrt wird eine irre Odyssee für Rafik und Jamal: Erst wird ihr Wagen samt Leiche geklaut, dann geraten sie in die Hände rivalisierender Dschihadisten und schließlich werden sie wider Willen als Selbstmordattentäter rekrutiert. Unerwartete Hilfe kommt von der schönen Prostituierten Olga (Julie Engelbrecht).

Mo., 27. Apr · 12:45-13:20 · 3sat
Krakau, da will ich hin!

Krakau gilt als die heimliche Hauptstadt Polens – die Stadt an der Weichsel hat eine lange Geschichte und war tatsächlich 500 Jahre lang Landeshauptstadt. Architektur von Mittelalter bis Moderne prägt das Gesicht von Krakau. Die Stadt ist reich an Kunstschätzen und Museen, und sie hat eine lebendige, junge Kulturszene. Ein Glück, dass Krakau im Krieg kaum zerstört wurde. Moderatorin Simin Sadeghi erkundet das Königsschloss auf dem Wawelhügel und besucht den Türmer von Krakau hoch oben in der Marienkirche. Im jüdischen Viertel Kazimierz nimmt sie an einem Sabbatgottesdienst teil und lernt viele Orte jüdischen Lebens kennen. Auch im Stadtteil Podgorze liegen Vergangenheit und Gegenwart dicht beieinander. Im früheren Krakauer Getto entstand ein neues Szeneviertel – viele Cafés, Clubs und Galerien haben sich dort angesiedelt.

Mo., 27. Apr · 22:45-23:30 · Das Erste (ARD)
Tödlicher Hass – Der Mordfall Walter Lübcke

Der Schuss fiel aus nächster Nähe. Auf der Terrasse seines Wohnhauses wird der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke in der Nacht zum 2. Juni 2019 getötet. Vor Gericht wird demnächst die Tat verhandelt, aber es geht um mehr. Die Recherchen zu diesem Film zeigen, der Hauptverdächtige Stephan E. und sein mutmaßlicher Komplize Markus H. waren fest mit der rechtsextremen Szene verbunden. Die Dokumentation “ Tödlicher Hass – Der Mordfall Walter Lübcke“ leuchtet die Vorgeschichte der Tat und die Reaktionen darauf aus. Sie gibt Einblick in die Biografie des Hauptverdächtigen, stellt drängende Fragen: Warum war der mutmaßliche Täter vom Radar der Verfassungsschützer verschwunden, während er offensichtlich Teil der extrem radikalen Kasseler Neonaziszene war? Wie sehr steht der Mord am Politiker Walter Lübcke für eine Stimmung in der Gesellschaft, in der Hemmschwellen sinken und zunehmend rote Linien überschritten werden? Der Film spürt der Frage nach, wie der mutmaßliche Lübcke-Mörder, aber auch die Täter von Halle und Hanau sich ermutigt fühlen konnten von rechten Netzwerkern, die ihre Verschwörungstheorien von der Bedrohung der „weißen Rasse“ verbreiten und vor „Umvolkung“ warnen. Das Netz dient ihnen als Resonanzraum für Hass und Hetze. Den Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke brandmarkten Neonazis und Rechtspopulisten dort als „Volksverräter“. „Die Bedrohung von rechts ist nicht neu, sie hat sich allerdings verändert“, so beschreibt BKA-Präsident Münch die Sicht der Ermittler auf die Eskalation rechter, rassistischer Gewalttaten. Die rechte Szene finde heute Akzeptanz und Anknüpfungspunkte bis in die Mitte der Gesellschaft. Der Mord am Regierungspräsidenten Walter Lübcke wird vor Gericht verhandelt. Die ARD-Dokumentation richtet den Blick auch auf die Mitverantwortung jener, die nie vor Gericht stehen werden.

Mo., 27. Apr · 23:30-00:15 · Das Erste (ARD)
Kinderraub der Nazis – Die vergessenen Opfer

Es ist ein Verbrechen, das bis heute weitgehend unbekannt ist: Die Nationalsozialisten verschleppten während des Zweiten Weltkriegs Zehntausende Kinder und brachten sie in deutschen Familien unter. Die meisten der Kinder stammten aus Polen. Ihre Identität wurde verschleiert, um sie als „deutsche Kinder“ in die Volksgemeinschaft einzufügen. Sie wurden illegal aus Waisenhäusern fortgebracht oder direkt aus ihren leiblichen Familien gerissen. Nach Kriegsende mussten viele der geraubten Kinder zurück in ihre Heimat, die ihnen oft fremd geworden war. Einige dieser Menschen leben noch heute, zerrissen und ohne Wurzeln. Noch immer treibt es Jozef Sowa Tränen in die Augen, wenn er von der Tragödie seines Lebens erzählt. Seine Eltern wurden 1943 in Polen von Wehrmachtssoldaten ermordet, er und seine Geschwister nach Deutschland verschleppt. Seine Schwester Janina wurde zur Adoption freigegeben und lebt bis heute dort. Dieser Kinderraub war kein Zufall. Heinrich Himmler wies 1941 an, „besonders gutrassige kleine Kinder polnischer Familien zusammen zu holen und von uns in besonderen Kinderheimen zu erziehen.“ „Er wollte damit das deutsche Volk aufstocken“, erklärt Professorin Isabel Heinemann. Seit Jahren forscht die Historikerin zu den geraubten Kindern, von denen es nach ihrer Schätzung europaweit etwa 50.000 gibt. Die größte Gruppe stammt aus Polen. Kinder ohne den Schutz leiblicher Eltern gerieten über das „Rasse- und Siedlungshauptamt der SS“ in deutsche Familien, ihre wahre Identität wurde verschleiert. Nach dem Ende des Krieges kamen diejenigen, deren Herkunft rekonstruiert werden konnte, zurück in ihre Heimat. Ein oft fremd gewordenes Land, in dem die Identität als deutsches „Hitler-Kind“ die Wiedereingliederung erschwerte. Die Verantwortlichen für die Verschleppungen wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Der Film begibt sich auf Spurensuche der polnischen Kinder, die ihr Leben lang Suchende zwischen zwei Welten blieben.

Di., 28. Apr · 03:45-03:50 · HR
1945 und Ich – Weiterleben nach dem Holocaust

Mit 16 Jahren nach Auschwitz deportiert, kein Lebenzeichen mehr von Eltern und Geschwistern. Nach der Befreiung strandete Ruza Orlean in einem DP-Lager in Zeilsheim, nahe Frankfurt. DP stand für „Displaced Person“. Menschen, die entwurzelt waren, die alles verloren hatten. Zwanzig DP-Lager gab es kurz nach dem Krieg in Hessen. Mit welchen Ängsten, mit welchen Hoffnungen blickten Holocaust-Überlebende 1945 in die Zukunft? Im Land der Täter? Viele Holocaust-Überlebende blieben in Deutschland, halfen eine neue jüdische Gemeinde mit Leben zu füllen. Welche Gefühle löst die politische Entwicklung in Deutschland heute bei ihnen und ihren Familien aus?

Di., 28. Apr · 20:15-21:00 · ZDF
Wir im Krieg: Privatfilme aus Hitlers Reich

Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes 1945 bietet die Dokumentation mit privatem und teils unveröffentlichtem Filmmaterial neue Einblicke in das Leben während des Zweiten Weltkrieges. Was macht der Krieg aus den Menschen in „Hitlers Reich“ – an der Front und in der Heimat? Welche Spuren hat diese Zeit in den Biografien hinterlassen und mit welchen Folgen – bis heute? Die Doku erzählt mit seltenen Privatfilmen die Geschichte von Menschen im Krieg. Regisseur und Autor Jörg Müllner hat in Stadtarchiven, Landesbildstellen und privaten Sammlungen recherchiert und erstaunliche Filmschätze zutage gefördert: etwa Aufnahmen einer Unternehmerfamilie aus Stuttgart, deren Firmensitz als einziges Gebäude auf dem zentralen Marktplatz einen schweren Bombenangriff überstand. Es zeigt die Angehörigen beim Versuch, ihr Haus mit einem Tarnanstrich zu schützen, aber auch in der Freizeit, bei scheinbar unbeschwerten Ausflügen ins Grüne. Oder Farbfilme eines Zahlmeisters der Wehrmacht, der seinen Einsatz in der Ukraine filmte und Zeuge von Hinrichtungen wurde. Seine Aufnahmen bergen auch ein lange gehütetes Familiengeheimnis. „Die Privataufnahmen sind denkwürdige Zeugnisse einer Zeit, die mit Propagandabildern geradezu überschüttet wurde“, sagt Stefan Brauburger, Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte. „Bewusst oder unbewusst geben die meisten Filmemacher preis, wie sie trotz der katastrophalen Lage an der Front und der Zerstörungen in der Heimat weiter hinter dem NS-Staat stehen. Doch gibt es auch Ausnahmen, bei denen kritische Distanz zum Ausdruck kommt. So tragen die Filme dazu bei, unser Bild von der NS-Zeit zu ergänzen und zu differenzieren.“ Für die Dokumentation „Wir im Krieg“ wurden die teils über 75 Jahre alten Aufnahmen noch einmal neu in 2K- beziehungsweise 4K-Auflösung abgetastet und aufwendig bearbeitet. Solche Materialien für künftige Generationen zu sichern, ist ein Beitrag zur Erinnerung an die NS-Zeit – im Zeichen von Diktatur, Krieg und Verbrechen.

Di., 28. Apr · 20:15-21:00 · RBB
Im Land der Täter 1/2

Es waren keine professionellen Wochenschaukameramänner, die die Bilder vom Alltag im „Dritten Reich“ festhielten, es waren Hobbyfilmer, die das normale Leben, jenseits der offiziellen NS-Propaganda, mit ihren kleinen Kameras abbildeten: auf 8- oder 16-mm-Film und oft sogar in Farbe! Mehr als 70 Jahre lagen die Aufnahmen unentdeckt auf Dachböden oder ungenutzt in den Archiven. Jetzt hat der Filmemacher Jan N. Lorenzen aus mehr als 100 Stunden ausschließlich farbigen Amateuraufnahmen einen Film destilliert, der einen beispiellosen Einblick in das Alltagsleben der Menschen während der NS-Zeit gibt: Familienfeiern, Ausflüge mit Freunden: alles wirkt in Farbe greifbarer, authentischer, näher, als wäre es gestern erst passiert. Harmlos wirken die Bilder nur auf den ersten Blick. Immer wieder offenbaren die Aufnahmen vielmehr, wie tief der Nationalsozialismus in die deutsche Gesellschaft eindrang, wie sichtbar für alle das Regime jüdische Mitbürger aussonderte und politische Gegner ausschaltete, wie freudig, wie bereitwillig viele Deutsche jubelten, mitmachten und selber zu Tätern wurden. Teil 1: Leben in der Wohlfühldiktatur Es sind verstörende Bilder, die sich in den Aufnahmen der Hobbyfilmer finden: Eine Braut lacht glücklich in die Kamera. Ihr Ehemann trägt statt eines Hochzeitsanzuges die schwarze Uniform der SS. Ein junger Mann kommt nach erfolgreich absolvierter Grundausbildung nach Hause. Stolz und zärtlich streicht seine Mutter über die neue Uniform mit der Hakenkreuzbinde. Eine Familie versammelt sich am Morgen zum Appell unter der Hakenkreuzfahne. Auch ein offensichtlich behinderter, junger Mann steht dabei. Wird er dem Euthanasieprogramm der Nazis zum Opfer fallen? Die Menschen wirken fröhlich, sie lachen. Noch ahnen sie nicht die selbstverschuldete Katastrophe: Noch hat der Krieg nicht begonnen, doch die Remilitarisierung schafft Arbeitsplätze. Der „Anschluss“ Österreichs löst Euphorie aus. Mit Urlaubsreisen auch für Arbeiter und kleine Angestellte gewinnt das nationalsozialistische Regime die Sympathie der Massen. Deutschland scheint in diesen Jahren eine Diktatur zum Wohlfühlen, zumindest dann, wenn man nicht selbst Opfer des NS-Regimes wird, sondern beispielsweise als „arischer“ Deutscher von der Verfolgung der jüdischen Mitmenschen profitiert.

Di., 28. Apr · 21:00-21:45 · RBB
75 Jahre Kriegsende – Schlachtfeld Berlin

Es war die letzte Schlacht des Zweiten Weltkrieges auf europäischem Boden. Es war die letzte große Schlacht in Europa überhaupt. Niemals zuvor und niemals seither wurde eine Millionenmetropole so – Haus für Haus und Straße für Straße – verteidigt und erobert. Am 2. Mai 1945 kapitulierte Berlin. Zeitzeugen erinnern sich an jene Tage. Es war die letzte Schlacht des Zweiten Weltkrieges auf europäischem Boden. Ja, es war die letzte große Schlacht in Europa überhaupt. Sie begann am 16. April 1945 mit der sowjetischen Großoffensive an der Oder. Auf deutscher Seite wurde sie von einem zusammengewürfelten Haufen geführt. Ein letztes Aufgebot: kümmerliche Reste der Wehrmacht, eine auf wenige hundert Mann zusammengeschmolzene Waffen-SS, minderjährige Luftwaffenhelfer, alte Männer und kleine Jungs in Hitlers Volkssturm. Zahllose Zivilisten harrten in den Kellern, unter den Ruinen ihrer Häuser aus, suchten Schutz in Trümmern, irrten zwischen den Fronten umher. Frauen, Kinder, Alte; Nazis und Verfolgte. Niemals zuvor und niemals seither wurde eine Millionenmetropole so – Haus für Haus und Straße für Straße – verteidigt und erobert. Nie zuvor waren Frauen und Mädchen in so großer Zahl zur Beute ihrer Eroberer geworden. Was die Berliner in diesen Tagen durchmachten, trugen sie ein Leben lang mit sich. Die meisten blieben allein damit, sprachen kaum darüber. Und wenn sie es heute tun, dann ringen sie oft mit den Tränen. „Die prägendste Zeit in meinem Leben.“ – „Man wird es nicht los.“ – „Das vergisst du nicht.“ „Ich sehe noch wie heute vor mir …“ – keinen Satz hört man öfter, wenn man mit Überlebenden der letzten Kriegstage in Berlin spricht. Am 2. Mai 1945 kapitulierte Berlin, die Waffen schwiegen.

Di., 28. Apr · 22:15-22:45 · ZDF
37° – Zum Glück gab’s diese Kuh: Wie Eva Erben den Holocaust überlebte

Eva Erben (89) hat zwei Konzentrationslager, Selektionen von Mengele und durch einen unglaublichen Zufall den Todesmarsch überlebt und sagt, dass sie trotz allem ein glückliches Leben hat. Als Kind jüdischer Eltern wächst Eva in Prag auf. 1941, da ist sie elf, kommt sie mit den Eltern nach Theresienstadt, 1944 nach Auschwitz. Ihr Vater wird getötet, die Mutter stirbt auf dem Todesmarsch, den Eva nur durch ein Wunder überlebt. Da ist sie 14. Eva Erben hatte eine behütete Kindheit in Prag. Mit ihren Eltern lebte sie in einer schönen Villa; Musik, Literatur, all das gehörte zu ihrem Leben. 1941 wird sie mit ihren Eltern nach Theresienstadt gebracht, wo – wie sie sagt – „die intellektuelle Crème de la Crème“ gefangen gehalten wurde. Es gab Theateraufführungen der Häftlinge, Sportveranstaltungen, Fußballturniere. Theresienstadt galt als Vorzeige-KZ. Dort lernte sie Peter, ihren späteren Mann, kennen. Er trainierte die Jungenmannschaft im Fußball. Eva war für ihn ein Kind, das er wenig beachtete. Ihr gefiel er damals schon. 1944 wurde sie mit ihrer Mutter nach Auschwitz gebracht und musste dort brutalste Haftbedingungen, Kälte und Hunger aushalten. Heute glaubt sie, dass sie vieles nur deshalb überstanden hat, weil ihr ihre Mutter immer wieder durch Erzählungen und Geschichten eine Fantasie-Gegenwelt erschaffen hat, in die Eva sich hineinträumen konnte. Während des Todesmarsches stirbt ihre Mutter an Erschöpfung, Eva muss mit den anderen weiter. Eine Nacht sollen die Häftlinge in einem Stall verbringen. Eva kuschelt sich eng an die einzige Kuh, weil es dort warm ist, den Gestank nimmt sie dafür in Kauf. Am nächsten Morgen wacht Eva allein neben der Kuh auf, die anderen sind weitergezogen. Die Hunde der Aufseher haben das Mädchen in dem stinkenden Kuhmist nicht aufspüren können. Bauern finden das erschöpfte Mädchen und verstecken es die letzten Kriegswochen. Nur langsam kommt Eva wieder zu Kräften. Nach Kriegsende kehrt sie nach Prag zurück. Zufällig trifft sie Peter wieder, die beiden verlieben sich. Peter bringt Eva mit dem Schiff nach Israel, und die beiden beginnen ihr gemeinsames Leben. Beeindruckend an Eva Erben ist ihre Vitalität und ihr ungebrochener Optimismus. Sie hadert nicht mit der Vergangenheit, sondern bezeichnet sich sogar als glücklichen Menschen. Glücklich deshalb, weil sie sich – trotz der Quälereien durch die Nazis, trotz des furchtbaren Verlusts der Eltern – immer geliebt fühlte. Erst von Vater und Mutter, später von ihrem Mann und ihren Kindern. „37°“ reist mit Eva Erben nach Prag, besucht die Orte ihrer Kindheit, begleitet sie bei einem Vortrag in Theresienstadt, ist dabei, wenn sie dahin fährt, wo die Bauern ihr damals das Leben gerettet haben.

Mi., 29. Apr · 22:45-23:30 · BR
KL Dachau

2020 jährt sich die Befreiung des KZs Dachau durch die US-Armee zum 75. Mal. In zwei Teilen aus unterschiedlichen Perspektiven wird in „KL Dachau“ in filmisch noch nie da gewesener Detailtiefe die Bestandszeit jenes Lagers nacherzählt, das länger existierte als jedes andere KZ, und das als Blaupause diente für alle anderen Konzentrationslager im Dritten Reich. „Im Lager“ wird erzählt aus der Perspektive von sechs KZ-Häftlingen über Leid, Mut, Rivalitäten und Solidarität im Lageralltag. „KL Dachau“ ist eine zweiteilige historische TV-Dokumentation über das KZ Dachau, die aus unterschiedlichen Perspektiven die Lagerzeit von März 1933 bis Ende April 1945 nacherzählt. Es ist das Konzentrationslager im Dritten Reich, das am längsten ununterbrochen existierte. Unter Führung der SS wurde das KZ Dachau zum Modelllager für alle anderen KZs in NS-Deutschland und den besetzten Gebieten. Am 29. April 1945 wurde es schließlich von der US Armee befreit. „KL“ ist die in offiziellen Dokumenten der SS und im Sprachgebrauch genutzte Abkürzung für Konzentrationslager. In den zwölf Jahren des Bestehens wandelte sich die Funktion des Lagers mehrfach. Zu Beginn ein schnell eingerichteter Ort zur „Umerziehung“ der politischen Gegner, wurde es in den Kriegsjahren zu einer wichtigen Station für die Kriegsproduktion und Zwangsarbeit. Mehr als 200.000 Menschen aus ganz Europa waren im KZ Dachau inhaftiert, mindestens 41.500 von ihnen starben unter den Haftbedingungen oder wurden ermordet. Der Teil „Im Lager“ behandelt die zwölf Bestandsjahre aus Sicht der Gefangenen des Systems. Über ihre Tagebucheinträge kommen die KZ-Häftlinge praktisch selbst zu Wort. Ein fränkischer Rechtsberater und eine Berliner Sekretärin, beide jüdischer Abstammung, ein Münchner Kommunist, ein slowenischer Kriegsgefangener, ein österreichischer Dissident und ein polnischer Priester. Sechs individuelle Biografien berichten über Leid, Mut, Rivalitäten und Solidarität im Lageralltag.

Do., 30. Apr · 00:00-00:45 · BR
Zeuge der Zeit: Eduard Kornfeld

„Kann es einen Gott geben, wenn er Ausschwitz zugelassen hat“? Diese Frage zerreißt den 89-jährigen Holocaust-Überlebenden Eduard Kornfeld bis heute. Als in Bratislava 1942 die Deportation von Juden beginnt, wird der 14-jährige Eduard Kornfeld zusammen mit seinem Bruder von seinen Eltern außer Landes geschickt. Die Brüder werden die Eltern und Geschwister nie wiedersehen. Auf sich alleine gestellt, verstecken sich die beiden Jungen nach ihrer gefährlichen Flucht in Budapest und kämpfen jeden Tag ums Überleben. Hilfe erhalten sie keine. 1944 wird Eduard Kornfeld verhaftet und zusammen mit 400.000 Juden aus Ungarn ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Schnell begreift er das Grauen dieses Ortes. Bereits bei der Ankunft sieht er, wie Frauen und Kinder ins Gas geschickt werden, unter ihnen auch seine Jugendliebe Gitta. Unzählige Male steht er selbst vor Mengele – und überlebt immer wieder mit knapper Not die Selektionen des sogenannten „Todesengels“. „Ich hab keine Angst vor Gott, sollte es ihn geben, hab ich Vorwürfe zu machen! Dort in Auschwitz war er nicht und in keinem Konzentrationslager!“ Und trotzdem überlebt Eduard Kornfeld das schrecklichste Vernichtungssystem der Menschheit. Von Auschwitz wird er als Zwangsarbeiter in die KZ-Außenlager Kaufering und Kaufbeuren verschleppt. Als die Lager aufgelöst werden, wird er in den Todesmarsch nach Dachau gezwungen. Wie durch ein Wunder überlebt er das gesamte Vernichtungssystem der Nationalsozialisten. Mit einer schweren Lungentuberkulose und total entkräftet erlebt Eduard Kornfeld schließlich 1945 die Befreiung. Erst 1949 kommt er in die Schweiz, wo er lange Zeit in Sanatorien verbringt. Hier gründet er schließlich eine Familie und gibt trotz aller inneren Zweifel seine Religion an seine Kinder weiter. Doch bis heute lässt ihn ein Gedanke nicht los: „Ich kann mir nicht erklären, wieso kam ich immer mit dem Leben davon? Welche Zufälle? Ist es der liebe Gott, hab‘ ich Engel? Ich stell mir diese Frage heut auch noch. Ich kann es mir nicht erklären.“

Do., 30. Apr · 00:45-01:30 · BR
Zeuge der Zeit: Max Volpert

Max Volpert wird 1931 in Kaunas, Litauen, in eine angesehene und freie jüdische Familie geboren. Alles ändert sich, als die Wehrmacht im Juni 1941 Litauen überfällt. Zu diesem Zeitpunkt ist Litauen seit einem Jahr von der Sowjetunion besetzt. Es finden grausame Pogrome an der jüdischen Bevölkerung statt. Mit der Wehrmacht zieht das „Einsatzkommando 3“ unter dem SS-Standartenführer Karl Jäger in das Gebiet und treibt die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung massiv voran. Max Volpert erlebt die folgende Zeit unzähliger Selektionen im Ghetto und weiterer Vernichtungsaktionen als zehnjähriger Junge. In wenigen Monaten ermordet das „Einsatzkommando 3“ über 138.000 Juden in ganz Litauen und Karl Jäger rühmt sich in seinem Bericht: „Ich kann heute feststellen, dass das Ziel, das Judenproblem für Litauen zu lösen, vom EK. 3 erreicht worden ist. In Litauen gibt es keine Juden mehr, außer den Arbeitsjuden incl. ihrer Familien.“ Als sich 1944 die Rote Armee dem Gebiet nähert, beginnen gewaltsame Deportationen zu den Vernichtungslagern in Auschwitz und Deutschland. Max Volpert kommt mit seinem Vater in das Außenlager Kaufering und wird bei den sogenannten Mollwerken am Bau des Bunkers für die Messerschmitt 262 nahe Landsberg gezwungen. Er wird nach einem Todesmarsch in Dachau befreit. Er ist 14 Jahre alt. Sein Vater überlebte die unmenschlichen Bedingungen am Bau nicht. Erst Jahre später erfährt Max Volpert, dass seine Mutter und seine kleine Schwester in Auschwitz ermordet wurden. Regelmäßig erzählt Max Volpert in Israel, wo er heute lebt, und in Deutschland von seinen Erlebnissen: „Wir sind ja die letzten Zeitzeugen, die da sind. Wenn ihr Großeltern sein werdet, werdet ihr die Möglichkeit haben euren Enkel zu erzählen, dass ihr vor Jahren einen Häftling gesehen habt, der den ganzen Nazismus überlebte. Wenn das passiert ist, für mich ist das eine sehr wichtige Sache.“

Do., 30. Apr · 01:30-02:15 · BR
Zeuge der Zeit: Abba Naor

Abba Naor, 1928 in Litauen geboren, ist 13, als die Deutschen seine Heimat besetzen. Mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941, zu der damals auch Litauen gehört, beginnt der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung. Abba Naor wird am 2. Mai 1945 auf dem Todesmarsch bei Waakirchen in der Nähe des oberbayerischen Bad Tölz befreit. Er ist 13, als die Deutschen seine Heimat Litauen besetzen. Mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941, zu der damals auch Litauen gehört, beginnt der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung, lange bevor „die Endlösung der Judenfrage“ auf der Wannseekonferenz 1942 beschlossen wird. Abba Naor erlebt 1941 die Massenexekutionen in den Festungen der Stadt Kaunas aus der Perspektive eines Heranwachsenden, der im Ghetto angesichts der alltäglichen Bedrohung zum Freund seiner Eltern wird. Er versucht, seinen kleinen Bruder vor den Selektionen der Deutschen im Ghetto zu beschützen, wenn die Eltern nicht da sind. Doch als sie in das erste Konzentrationslager Stutthof bei Danzig verschleppt werden, muss er kurz darauf durch den Zaun zusehen, wie seine Mutter mit dem kleinen Bruder in einen Transport nach Auschwitz abgesondert wird. Es ist das letzte Mal, dass er sie sieht. Bis heute schmerzt ihn dieses Bild, wenn man mit ihm darüber spricht. In einem langen Interview über sein Leben in dieser Zeit beschreibt er eindrücklich seine furchtbaren Erlebnisse, und wie groß nach der Befreiung der Wunsch war, ein „normaler“ Mensch zu sein, und welche Fragen zum „Menschsein“ ihn deshalb bis heute beschäftigen. Abba Naor arbeitete später für den Mossad und ist heute Nachfolger des jüdischen Überlebenden Max Mannheimer im internationalen Dachau-Komitee und damit eine wichtige Stimme der Überlebenden.

Do., 30. Apr · 02:15-03:00 · BR Süd
Zeuge der Zeit: Rabbi Dr. Henry G. Brandt

„Schuld war eigentlich der rosarote Elefant. Sonst wäre ich vielleicht nie nach Deutschland zurückgekehrt“, sagt Rabbi Dr. Henry G. Brandt. Was er damit meint, und wie sein Kindheitstraum, Trambahnfahrer zu werden, durch eine Abenteuerreise auf einem Schiff nach Tel Aviv ersetzt wurde, davon berichtet der 90-Jährige in diesem Film. Brandt prägte den interreligiösen Dialog und die Wiederbelebung des liberalen Judentums in Europa wie kaum ein anderer. „Wir sitzen hier gemeinsam im gleichen Boot. Ich helfe Dir, du hilfst mir. So wuchsen wir auf. Das war Freiheit.“ Erinnert sich Henry Brandt, wenn er von seiner Ankunft als 12-Jähriger in Tel Aviv im Jahre 1939 spricht. Die Freiheit. Nur kurz zuvor hätte Familie Brandt sie fast verloren. Bis zum letzten Moment wollte Vater Friedrich Brandt es nicht wahrhaben. Seine Heimat Deutschland, für die er im Ersten Weltkrieg als Patriot gekämpft hatte, würde ihn und seine Familie schützen. Aber weit gefehlt. Die beiden Schwabinger Schuhgeschäfte der Familie Brandt wurden enteignet, die geliebte liberale Hauptsynagoge am Lenbachplatz noch vor der Pogromnacht im November 1938 abgerissen. Mit einem der letzten Schiffe nach Palästina gelingt der Familie die Flucht. Für Henry G. Brandt, der damals noch Heinz-Georg heißt, ist es eine Flucht nach vorn. In diesem erstmals so ausführlichen Interview erzählt der heute (2017) 90-jährige Rabbiner Henry G. Brandt von seinen verschiedenen Leben: seinem Kindheitstraum, Straßenbahnfahrer in München zu werden. Seinem leidenschaftlichen Einsatz als junger Hagana-Kämpfer beim Unabhängigkeitsprozess des Staates Israel. Seinem Leben als Marktanalyst bei Ford in England und seiner Berufung zum Rabbiner, die ihn über unterschiedliche Länder zurück nach Bayern führte und zu einem der prägendsten Persönlichkeiten im liberalen Judentum Europas sowie im interkonfessionellen Dialog machte. Was letztendlich ein rosaroter Elefant mit Henry G. Brandts Rückkehr nach Deutschland zu tun hatte – auch davon erzählt der vielfach auszeichnete Rabbiner auf seine kluge, humorvolle und einnehmende Weise in diesem Film.

Do., 30. Apr · 03:00-03:45 · BR
Zeuge der Zeit: Dr. Walter Grein

Wieso wählte der eigene Vater Adolf Hitler? Wie sah das Leben eines Jugendlichen in München während der NS-Zeit aus? Und: Wie konnte man sich inmitten der Nazi-Diktatur eine andere Meinung bewahren? Der 98-jährige Dr. Walter Grein erzählt in diesem Film von seinem abenteuerlichen Leben voller Eigensinn, Glück und Zivilcourage. Walter Grein war 17 Jahre alt, als er in der Nacht vom 8. auf den 9. November 1938 Zeuge des Naziterrors während der Novemberpogrome wurde. In dieser Nacht entschied er, sich vom NS-System abzuwenden. Wie die meisten jungen Männer, wurde aber auch Walter Grein zur Wehrmacht eingezogen. Er wurde an die Ostfront geschickt und erkrankte an einer Amöbenruhr. Das war sein Glück: Von nun an wurde er vom Dienst befreit und studierte in München Medizin – im Umfeld der Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Walter Grein war im Gerichtssaal anwesend, als Sophie Scholl, Hans Scholl und Christoph Probst am 22. Februar 1943 zum Tode verurteilt wurden. „Während des Verhörs hat Sophie Scholl eine Zigarette geraucht. Und da hat der der oberste Richter geschrien: ‚Machen Sie sofort ihre Zigarette aus! Eine deutsche Frau raucht nicht!‘. Dann musste sie ihre Zigarette ausmachen. Dann war die Verhandlung und sie wurden zum Tod durchs Schafott verurteilt. Sie waren unglaublich tapfere Menschen. Ich habe sie einfach bewundert.“ Walter Grein Walter Grein entging mehrmals selbst nur knapp einer Anklage wegen Hochverrats. 1944 rettete er einem von deutschen Flaks abgeschossenen Piloten der US-Armee, den fanatisierte Nazis lynchen wollten. Leben zu retten wurde seine Berufung: Nach Kriegsende wurde er Facharzt für Gynäkologe und Chirurgie, arbeitete als Arzt in Saudi-Arabien und ging für viele Jahre ins westafrikanische Togo, wo er eine Hebammenschule und die Gynäkologie-Station aufbaute. „Wenn ich keine Zivilcourage habe, kann ich auch keine Achtung vor mir selbst haben. Die Selbstachtung bedingt einfach, dass ich der Gerechtigkeit willen auch bereit bin, mich einzubringen. Dann wird auch die Welt anders, wenn ich bereit bin, Verantwortung für andere zu übernehmen.“ Walter Grein

Do., 30. Apr · 03:45-04:30 · BR
Jahre der Verführung – Farbfilme aus Bayern 1931-39

Mehr als 70 Jahre lagen Farbfilmrollen teilweise unentdeckt auf Dachböden oder in Archiven. Die Regisseurinnen Despina Grammatikopulu und Michaela Wilhelm-Fischer haben die Familiengeschichten hinter den Privatfilmen erforscht. Aus vielen Stunden Filmmaterial ist ein Gesamtbild Bayerns entstanden, wie man es selten gesehen hat: ein Blick wie durch ein Schlüsselloch auf den Familienalltag in der NS-Zeit. Im ersten Teil der zweiteiligen Dokumentation „Jahre der Verführung – Jahre des Untergangs“ wird erzählt von einem Reich, das in einem Meer aus Fahnen versinken, und in dem die Verführung über die Menschlichkeit siegen wird. Es sind Amateurfilmer, die unverfälschte Einblicke aus dem Alltag dieses Reiches in der Zeit von 1931 bis zum letzten Tag vor Kriegsbeginn geben. Es sind Familienfilme, die nicht für fremde Augen gedacht waren. Urlaubsbilder aus dem Chiemgau und aus Garmisch oder ein heiterer Faschingsumzug in Nürnberg. Ein verspielter Tanzreigen im Bayerischen Wald oder ein Streifzug durch die Münchner Innenstadt. Viele Bilder wirken harmlos. Doch mit dem Wissen um die sich anbahnende Katastrophe erzeugen gerade die Farbigkeit und die Unbedarftheit der Aufnahmen ein Unbehagen, das in einer Frage mündet: Wo beginnt es, das Böse? Denn in der Diktatur des Dritten Reiches gab es keinen Lebensbereich, der nicht politisiert war. Durch die jubelnde Menschenmenge der Nürnberger Faschingsgesellschaft etwa zieht vor der Kamera unvermittelt ein Motivwagen mit einem Galgen vorbei, an dem Juden aus Pappmaché hängen. Alle haben es gesehen. Die tanzenden jungen Frauen im Bayerischen Wald sind in einem Zeltlager des „Bunds Deutscher Mädel“ und werden auf ihre Mutterrolle für die zukünftige arische Generation vorbereitet. Und in München, der „Hauptstadt der Bewegung“, marschiert die SS zur Mahnwache an dem von den Nazis errichteten Ehrentempel am Königsplatz auf, der zum touristischen Magneten wird. Und so nähert sich „Jahre der Verführung“ der Frage, wie sich die Gleichschaltung der Gesellschaft unter den Nationalsozialisten vollzog, und wie sie die Menschen auf den Krieg vorbereitete. In diesem Bilder-Panoptikum entspinnt sich die Geschichte einer Familie, in der sich die zentrale Frage nach der Schuld spiegelt. Es ist eine Familie wie aus einem nationalsozialistischen Bilderbuch. In der perfiden Rassensystematik der Zeit gilt die Familie als „rein arisch“. Vereint im festen Glauben das Richtige zu tun, sind die Familienmitglieder in der Partei organisiert. Der Vater ist bei der SS, der Sohn in der Hitlerjugend und zumindest die jüngste Tochter im Bund Deutscher Mädel engagiert. Es sind vornehmlich Aufnahmen von der Verlobungsreise dieser jungen Frau, die den schmalen Grat zwischen hoffnungsvoller Zukunftszuversicht und zerstörender Verblendung zeigen. „Jahre der Verführung“ zeigt Bilder aus einem Land, in dem Menschen in blindem Gehorsam in die Katastrophe marschieren.

Do., 30. Apr · 19:40-20:15 · arte
Re: Ultrarechts im Stadion – Bulgariens Fußball-Ultras

Sie sind männlich, rechts und demonstrieren schon vor dem Spiel ihre Stärke. Die „Lauta Army“ von Lokomotive Plovdiv ist eine der härtesten Ultra-Gruppen Europas. Hier organisieren sich etwa 80 Hooligans mit rechter Gesinnung und Vaterlandsliebe für Verein und Nation. Die Reportage begleitet Petar, den Chef der Gruppe, vom Treffpunkt der Ultras bis zum Stadtderby und zeigt das Leben eines Hooligans. Ultras dominieren bei einigen Spielen in Bulgarien das Stadionbild und haben enormen Einfluss auf den nationalen Fußball und auf das Image des bulgarischen Fußballs insgesamt. Im Mittelpunkt der internationalen Berichterstattung stand bisher das Länderspiel Bulgarien gegen England Ende 2019, bei dem Fans die farbigen englischen Spieler mit Affenlauten bedachten und Hitlergrüße zeigten. Auch Vasil ist Ultra. Seine Mannschaft ist „Levski Sofia“. Und auch hier gibt es viele rechte Fans. Doch Vasil versucht seinen Verein ohne rechte Symbolik und Gewaltbereitschaft zu unterstützen.