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Ein Pilgerfest ohne Pilgerreise

Auch die drusischen Gemeinschaft in Israel musste wegen Corona religiöse Feierlichkeiten begrenzen. In diesen Tagen feiern die knapp 140.000 Drusen Ziyarat al-Nabi Shu’ayb, Pilgerreise zum Grab des Propheten Shu’aib…

Von Ruben Gerczikow

Im Jüdischen Staat leben viele Menschen mit unterschiedlichen Konfessionen zusammen. Eine religiöse Minderheit in Israel sind die Drusen. Bei den Drusen handelt es sich um eine Volks- und Religionsgemeinschaft, die sich vor zehn Jahrhunderten vom Islam abgespalten hat. Ihr Glaubensfundament halten sie relativ geheim. Derzeit feiern sie Ziyarat al-Nabi.

Die Feierlichkeiten kreisen um die Pilgerreise zum Grab des Propheten Shu’aib, besser bekannt als Jitro dem Schwiegervater von Moses. Normalerweise pilgern dieser Tage drusische Geistliche aus ganz Israel zu dem, in der Nähe von Kfar Zeitim gelegenen Grab von Jitro. Aufgrund des Coronaviruses können die religiösen und traditionellen Feierlichkeiten in diesem Jahr nicht stattfinden. Premierminister Benjamin Netanyahu beglückwünschte die Drusen in Israel dennoch: „Für unsere Brüder aus der drusischen Gemeinschaft ist der Feiertag Nabi Shuayab ein sehr glücklicher. Ziara Makbula.“

Im Laufe der Jahre hat sich die Beziehung der drusischen Bevölkerung zum Staat Israel intensiviert. Keine andere Minderheit ist so gut integriert, singt die ha-Tikva mit Leidenschaft oder leistet ihren Militärdienst in der IDF. Die gute Beziehung zwischen der drusischen und jüdischen Bevölkerung geht auf den frühen zwanziger Jahren im Britischen Mandatsgebiet zurück. Die guten Beziehungen brachten nicht nur finanzielle und landwirtschaftliche Zusammenarbeit mit sich, sondern auch die drusische Unterstützung beim zionistischen Traum den jüdischen Staat Israel zu gründen. So gründete sich unter anderem im April 1948 eine drusische Kampfeinheit in der paramilitärischen Untergrundorganisation „Haganah“. Seit der Staatsgründung Israels im Mai 1948 traten viele Drusen der IDF freiwillig bei. Im Jahr 1956 traten die politischen Führer der Drusen, an den damaligen Premierminister David Ben-Gurion, mit der Forderung nach einem Pflichtdienst heran. Dieser Gesetzesänderung wurde zugestimmt und seit diesem Zeitpunkt wurden dutzende drusische Männer in die israelische Armee eingegliedert.

Die Drusen machen rund zwei Prozent der israelischen Bevölkerung aus. Sie leben primär im Norden Israels, rund um Haifa. Insgesamt gibt es 13 Siedlungen mit drusischer Mehrheitsbevölkerung unter anderem in Beit Jann, Ir ha-Karmel und Buq’ata. Während die Drusen in und im Umkreis von Galiläa sehr loyal zum Staat Israel fühlen, empfinden die Drusen in den Golanhöhen eine Verbundenheit zu Syrien. Aus diesem Grund haben viele die israelische Staatsbürgerschaft nicht angenommen. In der Regel sind die Drusen loyal dem Land gegenüber in dem sie leben.

Foto: Ein Bild aus besseren Tagen, die drusischen Feierlichkeiten am Prophetengrab, (c) GPO

Ruben Gerczikow ist Vorstandsmitglied der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) und Vize-Präsident der European Union of Jewish Students (EUJS). Neben seinem ehrenamtlichen Engagement arbeitet er als studentischer Mitarbeiter im Deutschen Bundestag.