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Was eint und was trennt jüdische und muslimische LGBTIQ?

Ist eine Religionsgemeinschaft Stütze oder Hindernis, um die eigene sexuelle Identität auszuleben? Das war eine der Fragen, um die sich am Mittwochabend (26.02.2020) in der Kalkscheune in Berlin eine Podiumsdiskussion des jüdisch-muslimischen Dialog-Projekts des Zentralrats der Juden in Deutschland „Schalom Aleikum“ drehte. Sowohl unter den Podiumsteilnehmern als auch unter den Gästen kam es zu einer lebhaften Diskussion unter dem Thema „Coming out… jüdisch- muslimisches Gespräch der LGBTIQ“…

Wie eine Abstimmung zeigte, war die queere Community auch im Publikum gut vertreten. Etwa die Hälfte der Zuhörer ordnete sich diesem Label zu. Der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, Daniel Botmann, wertete dies in seiner Begrüßung als deutliches Signal. Mit Blick auf die rechtsextrem motivierten Morde der jüngsten Zeit sagte er: „Hier sind all jene versammelt, die nicht in das Weltbild von Rechtsextremisten passen. Der Zentralrat der Juden hat einen Rahmen geschaffen, damit wir gemeinschaftlich ein Zeichen gegen diesen Hass setzen können. Es ist wichtig, dass sich jeder Mensch nach seiner Facon entfalten kann.“

Einige der Podiumsteilnehmer schilderten, dass sowohl ihre konservativen religiösen Familien als auch die Moschee- oder Synagogengemeinde es ihnen schwergemacht hatten, sich zu ihrer Homo- oder Transsexualität zu bekennen. Zugleich hatten sie später auch Antworten und Halt in der Religion für ihre Identität gefunden. Einzelne sprachen auch über Rassismus in der queeren Community, der Muslime und Juden treffen könne. Die jüdischen und muslimischen Vertreter der LGBTIQ-Community verwiesen zudem auf viele positive Anknüpfungspunkte, die sie zwischen den Religionsgemeinschaften sehen. Sie bewerteten es als sehr positiv, gemeinsam auf einem Podium zu diskutieren. Die Diskussion wurde von Tagesspiegel-Redakteurin Ruth Ciesinger moderiert.

Auf dem Podium waren vertreten: Tugay Sarac, Islamwissenschaftler und Koordinator in der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, Eugen El, Journalist und Kunstkritiker, die transsexuelle Ethnologin Leyla Jagiella und die Kantorin Jalda Rebling. Einblicke in ihre Arbeit gaben zudem der Vizevorsitzende von Keshet Deutschland, Leo Schapiro, und Imam Christian Awhan Hermann.

Die nächste Veranstaltung von „Schalom Aleikum“ findet im April in Frankfurt am Main mit jüdischen und muslimischen Journalisten statt.

Das Projekt „Schalom-Aleikum“ wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Frau Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, gefördert.

Weitere Informationen finden Sie unter www.facebook.com/schalomaleikum oder www.schalom-aleikum.de