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Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 29. Februar 2020…

So., 16. Feb · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Bombenkrieg: Nürnbergs Untergang

Im Bombenkrieg der Alliierten wurden viele Städte des deutschen Reiches völlig zerstört. Nürnberg, die Stadt der Reichsparteitage der NSDAP und der Nürnberger Rassengesetze, hatte für die Alliierten hohen Symbolcharakter. Mit ihren Angriffen auf Nürnberg wollen die Briten und Amerikaner das Herz der deutschen Identität treffen. Der Film zeichnet die Bombennacht des 2. Januar 1945 nach und dokumentiert die Zerstörung dieses ikonenhaften Orts. Es ist die Stadt Albrecht Dürers und der Meistersinger. Ein in Europa einmaliges Kleinod mittelalterlicher Baukunst, mit Fachwerkhäusern, malerischen Gässchen und darüber der mächtigen Burg – weltweit bekannt als Inbegriff deutscher Romantik. Es ist aber auch die Stadt der Reichsparteitage, in der Adolf Hitler sein Ideal einer deutschen Stadt feiern lässt. Für die Alliierten ebenso wie für die Deutschen ist Nürnberg ein wichtiges Symbol. Dennoch bleibt die einzigartige Altstadt bis kurz vor Kriegsende weitgehend unversehrt. Bei insgesamt 14 Angriffen wird nur vergleichsweise geringer Schaden angerichtet. Gleichzeitig ist der Himmel über Nürnberg am 30. März 1944 Schauplatz des größten Desasters in der Geschichte der Royal Air Force: In jener Nacht verlieren die Briten über 90 Flugzeuge, 545 Besatzungsmitglieder sterben, 159 geraten in Kriegsgefangenschaft. Für Kommandant Harris wird die Zerstörung Nürnbergs, jenseits strategischer Überlegung, zu einer persönlichen Angelegenheit. Der Film zeichnet die Bombennacht des 2. Januar 1945 nach und dokumentiert die Zerstörung dieses ikonenhaften Orts. Zeitzeugen schildern, wie sie die Bombardierung, den Feuersturm und schließlich den Einmarsch erleben: Schwestern, die sich tagelang in den Ruinen suchen, Hitlerjungen, die Leichenteile aus den Trümmern bergen müssen, einer der letzten Piloten des britischen Bomber Commands und die Jüdin Herta Gosser, die dank der Zerstörung der Gestapo-Akten der Deportation entgeht. Als um 20.13 Uhr Entwarnung gemeldet wird, sind 1.850 Menschen tot, 4.553 Wohnhäuser zerstört, 100.000 Menschen obdachlos. Der Stadtkern ist zu 95 Prozent zerstört. In den Ruinen lassen die Alliierten ihre juristische Abrechnung mit dem Dritten Reich stattfinden. Ein weiteres Mal gehen Bilder aus Nürnberg um die Welt. Die zerstörte Altstadt, die Trümmer des Reichsparteitagsgeländes – Hitlers Niederlage wird hier bildlich erfahrbar.

So., 16. Feb · 23:40-01:20 · MDR
Familie Brasch – Eine deutsche Geschichte

Die berühmt-berüchtigte Familie Brasch versucht mit ihren vier Kindern nach der Zeit im Exil und dem Zweiten Weltkrieg in Ostdeutschland Fuß zu fassen. Regisseurin Annekatrin Hendel widmet ihr hundert Minuten Dokumentarfilm. In den Jahren nach 1945 sind die Braschs eine perfekte Funktionärsfamilie, die in der sowjetisch besetzten Zone den deutschen Traum vom Sozialismus lebt: Horst Brasch, ein leidenschaftlicher Antifaschist und jüdischer Katholik, baut die DDR mit auf, obwohl seine Frau Gerda darin nie heimisch wird. Sohn Thomas wird zum Literaturstar, er träumt, wie sein Vater, von einer gerechteren Welt, steht aber, wie die jüngeren Brüder Peter und Klaus, dem real existierenden Sozialismus kritisch gegenüber. 1968 bricht in der DDR wie überall der Generationenkonflikt auf. Vater Brasch liefert den rebellierenden Sohn Thomas an die Behörden aus – und leitet damit auch das Ende der eigenen Karriere ein. Nach 1989 sind sozialistische Träume, egal welcher Art, nichts mehr wert. Regisseurin Annekatrin Hendel porträtiert in ihrem neuen Film drei Generationen Brasch, die die Spannungen der Geschichte innerhalb der eigenen Familie austragen – zwischen Ost und West, Kunst und Politik, Kommunismus und Religion, Liebe und Verrat, Utopie und Selbstzerstörung. „Familie Brasch“ ist ein Zeitpanorama, das Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht, ein Epos über den Niedergang des „Roten Adels“, die „Buddenbrooks“ in DDR-Ausgabe.

So., 16. Feb · 23:45-00:40 · arte
Omar Sharif – Aus dem Leben eines Nomaden

Omar Sharif war das prägende Gesicht der arabischen Welt in den 60er Jahren, manche sagten, neben Kleopatra der bekannteste Ägypter überhaupt. Er war Schauspieler, Bridge-Spieler, Nomade, Frauenschwarm und Lebemann. Er selber meinte dazu, er hätte gerne das Leben des Omar Sharif gelebt, das in den Zeitungen beschrieben wurde. Sein Auftritt in „Lawrence von Arabien“ machte ihn über Nacht zum Star, „Doktor Schiwago“ wurde dann die Rolle seines Lebens. In Ägypten war er schon vorher bekannt, vor allem wegen seiner Ehe mit der populären Schauspielerin Faten Hamama; für sie war er auch zum Islam übergetreten. Die Verbundenheit mit seinem Heimatland wurde durch den Film „Funny Girl“ an der Seite der Jüdin Barbra Streisand kurz nach dem Sechstagekrieg mit Israel auf eine harte Probe gestellt. Von Hardlinern als Kollaborateur und Spion beschimpft, kehrte er für längere Zeit nicht wieder nach Ägypten zurück. Als die Rollenangebote weniger wurden, widmete sich Sharif seiner größten Leidenschaft, dem Bridge. Er brachte es zu professioneller Meisterschaft, machte aber auch jede Menge Schulden. Um sie zu bezahlen, nahm er die schrägsten Rollen an – bis zu seinem sensationellen Comeback mit „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“. Das Porträt lässt seinen Sohn, seinen Enkel und enge Freunde zu Wort kommen. Es zeigt einen Mann voller Widersprüche, der die Hälfte seines Lebens freiwillig im Hotel verbrachte. Eigentlich eher unpolitisch, setzte er sich mit Leidenschaft für die Aussöhnung zwischen Palästinensern und Israelis ein und kehrte erst am Ende seines Lebens in sein geliebtes Heimatland zurück.

Mo., 17. Feb · 00:35-01:10 · ZDF
Geraubte Kunst – Jüdische Sammlungen im Nationalsozialismus

Geraubt, zerlegt und verkauft: Jüdische Kunstsammlungen – oft über Generationen zusammengetragenen – wurden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland systematisch enteignet. Anhand ausgewählter Fälle zeigt die Dokumentation, wie der Kunstmarkt nach 1933 von der Zwangslange vieler jüdischer Sammler profitierte und vor welchen Schwierigkeiten die Provenienzforschung bei der Suche nach verlorenen Objekten bis heute steht. Die Dokumentation „Geraubte Kunst“ erzählt unter anderem das Schicksal der Sammlung von Ernst und Agathe Saulmann, die die jüdischen Textilunternehmer in ihrem Privathaus auf der Schwäbischen Alb, dem Erlenhof bei Reutlingen, einst zusammengetragen hatten. Nach ihrer Flucht ins Exil beauftragten sie ihren langjährigen Kunsthändler Julius Böhler mit dem Verkauf der Sammlung. Während Böhler von diesem und anderen Verkäufen jüdischer Sammlungen profitierte, gingen seine Einlieferer leer aus und wurden 1938 im französischen Konzentrationslager Gurs interniert. Nur wenige Objekte der Sammlung Saulmann konnten bis heute restituiert werden. Neben zahlreichen renommierten Provenienzforschern kommen in der Dokumentation auch der Saulmann-Erbe Felix de Marez Oyens zu Wort sowie der Enkel Julius Böhlers, der die Kunsthandlung seines Großvaters bis heute leitet und kürzlich das Firmen-Archiv zur Erforschung an das Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte übergeben hat. Ob sich durch die Digitalisierung dieser wertvollen Quelle weitere Hinweise zum Verbleib verschollener Werke finden lassen, bleibt abzuwarten.

Mo., 17. Feb · 07:30-08:00 · RBB
rbb wissenszeit: Feindbild Jude – Wie antisemitistisch ist Berlin?

Gefühlt passiert es gerade fast jeden Tag: Ein Kind wird in der Schule von Mitschülern verprügelt, weil es jüdisch ist. Ein Mann wird auf offener Straße attackiert, weil er eine Kippa trägt. Die rbb Reporter gehen der Frage nach dem Lebens- und Sicherheitsgefühl von Juden und Israelis nach, die in Berlin ihr Zuhause gefunden haben oder schon immer hier leben. Eine Frau wird in der S-Bahn angegriffen und beschimpft, weil ein Davidstern an ihrer Halskette hängt. Als Reaktion auf solche Übergriffe rät der Zentralrat der Juden inzwischen davon ab, sich öffentlich als Jude zu erkennen zu geben. Es sei zu gefährlich geworden. Allein für das erste Halbjahr 2018 geht die Polizei von rund 80 antisemitischen Straftaten in Berlin aus. Yorai Feinberg lebt schon seit sechs Jahren in Berlin. Der israelische Restaurantbesitzer erhält bis heute Morddrohungen, weil seine Freunde ein Video eines antisemitischen Übergriffs auf ihn in den sozialen Netzwerken veröffentlichten. Der 37-Jährige lebt damit, dass die Polizei alle zwei Stunden vor seinem Restaurant parkt, um Präsenz zu zeigen. Rebecca de Vries lebt nicht offen jüdisch. Doch auch sie hat bereits Judenfeindlichkeit zu spüren bekommen. Die rbb Reporter begleiten die junge Frau zu ihrer Großmutter, einer Holocaust-Überlebenden. Beide Generationen erzählen von ihren Antisemitismus-Erfahrungen in den frühen 30er Jahren und heute, die sich zum Teil nur wenig voneinander unterscheiden.

Mo., 17. Feb · 13:45-15:30 · arte
Lauf Junge lauf

Srulik ist neun Jahre alt, als ihm gerade noch rechtzeitig die Flucht aus dem Warschauer Ghetto gelingt. Um den deutschen Soldaten zu entkommen, flieht er in ein riesiges und unwegsames Waldgebiet. Auf sich allein gestellt muss er lernen, in der Wildnis zu überleben. Da er von einem unerschütterlichen Überlebensinstinkt getrieben wird, übersteht er die ersten Monate seiner Flucht. Aber die eisige Kälte des Winters und die unerträgliche Einsamkeit treiben den Jungen in die Zivilisation zurück. Doch es ist schwierig, die Menschen zu erkennen, denen er trauen kann. Als er eines Tages an die Tür der Bäuerin Magda Janczyk klopft, deren Mann und Söhne sich den Partisanen angeschlossen haben, lernt Srulik die wohl wichtigste und zugleich schmerzlichste Lektion, um zu überleben: Magda bringt ihm bei, seine Religion und damit auch seine Identität zu verleugnen und sich fortan als katholischer Waisenjunge Jurek auszugeben. Auf seiner dreijährigen Flucht durch das besetzte Polen bleibt die Angst vor Entdeckung sein ständiger Begleiter. Nur dadurch, dass Srulik immer stärker mit seiner falschen Identität verschmilzt und seine wahre Herkunft immer mehr verdrängt, gelingt ihm das Unmögliche: den Wahnsinn dieser Zeit zu überstehen. „Lauf Junge lauf“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Jugendromans des israelischen Autors Uri Orlev, basierend auf dem Schicksal von Yoram Friedman, der heute in Israel lebt. Mit großer erzählerischer Kraft zeichnet Pepe Danquarts so erschütterndes wie lebensbejahendes Kriegsdrama ein Kinderschicksal in einer unmenschlichen Zeit.

Mo., 17. Feb · 23:30-00:15 · Das Erste (ARD)
Geheimmission Tel Aviv – Wie Fußball die Geschichte veränderte

Ausgerechnet während einer Serie von antisemitischen Terroranschlägen wollen die Bundesliga-Profis von Borussia Mönchengladbach im Februar 1970 zu einem Freundschaftsspiel gegen die israelische Nationalelf nach Tel Aviv fliegen – auf Initiative der Trainer Hennes Weisweiler und Eddy Schaffer. Der Film erinnert an das hoffnungsvolle Fußballspiel, bei dem die Männerfreundschaft der beiden Trainer einen einzigartigen Akt der Völkerverständigung ermöglichte. Die Zuschauer in Tel Aviv jubelten trotz fulminanter Niederlage der Israelis „Vivat Germania!“: „Hoch lebe Deutschland!“ – der Start für einen Stimmungswechsel auf diplomatischer Ebene. Private Super-8-Aufnahmen, das einzig existente Video-Dokument, zeigen diese unglaubliche Reise. Interviews etwa mit Günter Netzer, Hans-Jochen Vogel und Charlotte Knobloch lassen bundesdeutsche Geschichte und die Nachkriegs-Beziehungen zu Israel lebendig werden.
Bild oben: Israels Fußball-Legende Mordechai Spiegler (l) auf einem Markt in Tel Aviv, © WDR/Gebrüder Beetz Filmproduktion.

Di., 18. Feb · 09:30-10:25 · arte
1939/40, ein „Feldzug“ nach Frankreich (1/2) Der „Sitzkrieg“

Ausschließlich mit Hilfe von Material aus Kino-Wochenschauen der damaligen Zeit erzählt der zweiteilige Dokumentarfilm die Ereignisse, die sich in den zehn Monaten bis zum Sieg Hitlers – von der Kriegserklärung Englands und Frankreichs an Deutschland am 1. September 1939 bis zur vorläufigen Besiegelung des Schicksals Frankreichs im Juli 1940 – abspielten. Die Bilder zeigen, was die Menschen damals in diesen dramatischen Zeiten sahen, aber auch, was sie glauben sollten oder nicht wissen durften. In Deutschland war nicht nur die offizielle Propaganda, sondern praktisch auch jeder Wochenschaubericht – selbst zu unbedeutendsten Themen – von der Ideologie des Regimes geprägt. In Frankreich waren die Wochenschau-Produzenten wegen der gemeinsamen Grenze mit dem Deutschen Reich vorsichtiger. Außerdem wirkte das Trauma des Ersten Weltkriegs noch nach. Deshalb schlugen die Wochenschauen einen eher zurückhaltend-pazifistischen Ton an. Dagegen war in den englischen Wochenschauen – die Insel hatte seit fast tausend Jahren keine Invasion mehr erlebt – deutlich schärfere Töne zu hören, obwohl die Briten in Wirklichkeit sehr schlecht auf den Krieg vorbereitet waren. Für die Menschen, die die Kino-Wochenschauen in ihren Ländern sahen, bebilderten sie die Wahrheit. Dabei vermittelte jede Wochenschau nur ihre eigene Wahrheit und war Sprachrohr der Propaganda des jeweiligen Landes. Welche Bilder bekamen die Menschen damals zu sehen und mit welchen Bedeutungsinhalten? Und was wurde nicht gezeigt, was bewusst verheimlicht? Neben Aufnahmen von erfolgreichen Kämpfen und aktuellen Frontverläufen sollten auch die Bilder vom Leben hinter den Fronten Hoffnungen, Gedanken und Befindlichkeiten der Menschen offenbaren. Die Dokumentation von Jean-Christophe Rosé entschlüsselt die propagandistische Bildersprache des damaligen Nachrichtenmediums Film-Wochenschau.

Di., 18. Feb · 22:00-23:35 · arte
An vorderster Front – Die Wahrheiten des Robert Fisk

Robert Fisk ist kein typischer Journalist. Die New York Times hat ihn einst den „wohl berühmtesten britischen Auslandskorrespondenten“ genannt. Sein erster Einsatz als Vollzeitkorrespondent für die London Times führte den jungen Journalisten damals gleich nach Belfast, mitten in den Nordirlandkonflikt. Er berichtete über die Nelkenrevolution in Portugal und nahm bald darauf den ersten Auftrag im Nahen Osten an.Seit 1976 lebt Fisk in Beirut, er spricht und liest arabisch. Sein Spezialgebiet ist und bleibt der Nahe Osten. Seine Reportagen sind von einer Landeskenntnis geprägt, die anderen Berichterstattern häufig fehlt, wenn sie nicht vor Ort recherchieren.Er hat als einer der wenigen ausländischen Reporter über das Massaker von Sabra und Schatila berichtet und war der erste Reporter aus dem Westen, der nach dem Giftgaseinsatz 2018 aus dem syrischen Duma berichtet hat. Robert Fisk schreibt über illegalen Waffenhandel oder die israelische Siedlungspolitik, immer mit dem unabdingbaren Anspruch, die Wahrheit zu finden. Die Dinge mit eigenen Augen sehen, aus erster Hand erfahren und den Schwachen, den Opfern eine Stimme geben – das ist sein Antrieb. Damit sorgt Robert Fisk in seinem unermüdlichen Streben nach der Wahrheit und seiner Entschlossenheit, zu sagen, was andere nicht zu sagen wagen, immer wieder für Kontroversen.In der Zeit der Fake-News, in der Journalisten häufig als „die Feinde des Volkes“ bezeichnet werden, ist Fisks Entschlossenheit, die Realität zu dokumentieren, zu einem obsessiven Kampf um die Wahrheit geworden. Der Film „An vorderster Front – Die Wahrheiten des Robert Fisk“ von Yung Chang ist eine hochspannende Auseinandersetzung mit dem Selbstverständnis eines – häufig umstrittenen – Journalisten und mit der Methodik von Berichterstattung und journalistischer Ethik.

Do., 20. Feb · 00:10-00:55 · WDR
Heil Hitler und Alaaf!

„Wir haben uns nie mit den Nazis eingelassen!“ Das behaupten manche Karnevalisten bis heute. Doch neue historische Forschungen belegen: Der Karneval am Rhein hat sich schon früh in die nationalsozialistische Denk- und Lebenswelt eingeordnet. So begannen die Sitzungen der großen Gesellschaften oft mit Hitlergruß und Horst-Wessel-Lied, in den Sälen hielten Jecke und Volksgenossen „die Reihen fest geschlossen“ und in der Bütt wurden antisemitische Witze gemacht – das Publikum war begeistert. Die Autoren Carl Dietmar und Thomas Förster haben mit Zeitzeugen, Historikern und Funktionären des Karnevals in Köln und Düsseldorf gesprochen. Im Film sind zahlreiche historische Aufnahmen von Rosenmontagszügen und Sitzungen der 1930er-Jahre zu sehen, darunter einige noch nie im Fernsehen gezeigte Dokumente. Der Film ist die dokumentarische Aufarbeitung des karnevalistischen Tabuthemas schlechthin, „Karneval unterm Hakenkreuz“.

Sa., 22. Feb · 18:05-18:20 · arte
Mit offenen Karten: Jordanien – Ein diskretes Land im Nahen Osten

Seit 20 Jahren wird Jordanien von dem Königspaar Rania und Abdullah regiert. Das Haschemitische Königreich ist ein Hafen des Friedens und der Stabilität in einer krisengeschüttelten Region. Jordanien grenzt an Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete, aber auch an Syrien, den Irak und Saudi-Arabien. Seit langer Zeit gelingt es dem Königreich mit viel Geschick, sich aus den Konflikten in der Region herauszuhalten und diskret im Hintergrund zu bleiben. Doch nun steht König Abdullah II. vor mehreren Herausforderungen: Was wird aus seinen Beziehungen zum Nachbarland Syrien, das immer noch von Baschar al-Assad regiert wird – und was aus den Beziehungen zu Israel? Jordanien wird vielleicht schon bald aus dem Schatten heraustreten müssen …

So., 23. Feb · 00:30-02:10 · ARD-alpha
Habermann

Der junge Unternehmer August Habermann lebt Anfang der Dreißigerjahre als angesehener Bürger in einem kleinen Dorf im Sudetenland. Seit vier Generationen betreibt seine Familie dort das größte Sägewerk im Umkreis. Als er seine bildhübsche Frau Jana heiratet, freut sich jeder mit dem Paar. Aber die friedlichen Zeiten enden jäh als die Deutschen das Sudetenland „heim ins Reich“ holen. Anfangs zeigt sich nur Augusts jüngerer Bruder Hans vom Nationalsozialismus begeistert, doch schon bald geht ein tiefer Riss durch die gesamte Gemeinde. Der intrigante Sturmbannführer Koslowski herrscht im Dorf mit einer perfiden Mischung aus Willkür und Gewalt. Er bedrängt Jana, die auch noch jüdische Vorfahren in ihrem Stammbaum entdeckt, massiv. Der unpolitische Habermann gerät unversehens zwischen alle Fronten – den Nazis gilt er als Tschechenfreund, für die Tschechen ist er plötzlich kein Mitbürger mehr, sondern ein verhasster Besatzer.

Di., 25. Feb · 00:45-01:55 · arte
Lieber sterben als sterben

Aby Warburg (1866-1929) war ein deutscher Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler, der sich im Laufe seines Lebens mit der Kultur der Hopi-Indianer, mit Astrologie und Sternenkunde sowie mit dem Grauen des Ersten Weltkriegs befasste. Er begründete 1926 die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg, eine Sammlung von 60.000 Büchern, unzähligen Broschüren, Zeitschriften sowie einer großen Menge an Fotos und Zeitungsausschnitten zum Ersten Weltkrieg. Nach Ende des Ersten Weltkriegs 1918 verfällt er in eine schwere Psychose. Da er droht, sich und seine Familie umzubringen, wird er in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Natasha Nisics Dokumentarfilm nimmt den erzählerischen Faden auf, indem er schildert, wie Warburg sich während einer Halluzination bei den Hopi-Indianern widerfindet, deren Kultur er bei einer Reise nach Arizona im Jahr 1895 erforscht hatte. Der Film begibt sich auf die Spuren des Ersten Weltkriegs, indem er zwei Geschichten, zwei Zivilisationen und zwei ganz eigene Wahrnehmungen einer Epoche und ihrer Leiden in den Blick nimmt. Einerseits sind da die Indianer Nordamerikas, insbesondere die Hopi, die sich überwiegend freiwillig bei den Alliierten einreihen und 1917 und 1918 in der Picardie und an der Somme kämpfen. Und andererseits die Beschreibungen des täglichen Leidens, die sich in den Aufzeichnungen des Psychiaters Ludwig Binswanger zu seinem Patienten Aby Warburg wiederfinden. Aby Warburg ist Erbe einer jüdischen Bankiersfamilie aus Deutschland. Er hat seinen Teil des Erbes jedoch bei seinem Bruder gegen das Versprechen eingetauscht, alle Bücher zu bekommen, die er für die Bibliothek Warburg benötigt. Während der langen Kriegsmonate sammelt Warburg Tausende Bilder und Texte für seine kulturwissenschaftliche Bibliothek, anhand derer er die ideologischen Grundlagen eines todbringenden Krieges zu begreifen versucht – und darüber den Verstand verliert. 1933 wurde die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg nach London verschifft, um sie vor den Nazis zu retten. Alle Karteikästen der Sammlung – bis auf vier, die in Deutschland geblieben sind – werden bis heute neben Warburgs Kriegstagebüchern in London aufbewahrt.

Di., 25. Feb · 20:15-21:55 · arte
Stalins Henker. Das Massaker von Katyn

Im April 1940 wurden im Auftrag des sowjetischen NKWD 4.400 polnische Offiziere im Wald bei Katyn ermordet. Das Massaker wäre niemals an den Tag gekommen, hätten die Nazis das Massengrab nicht 1943 entdeckt und das Verbrechen für ihre antibolschewistische Propaganda ausgeschlachtet.Die Offiziere waren alle durch Kopfschuss getötet worden. Sogar die Nazis waren von der Präzision dieser fließbandartigen Hinrichtung beeindruckt. Die Sowjetunion, die 1943 an der Seite der Westmächte Krieg gegen die Hitlerbarbarei führte, bezichtigte die Nazis des Massakers. Jahrzehntelang bestanden Zweifel über den wahren Schuldigen.In Wahrheit war der Massenmord von Katyn Teil einer viel weitreichenderen Operation zur Sowjetisierung Polens, in deren Verlauf 22.000 Polen insgeheim ermordet und eine Million weiterer in Gulag-Lager deportiert wurden. Erst nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurden die schrecklichen Einzelheiten dieser Operation bekannt.Wer Katyn erzählen will, muss deshalb eine lange fest verschlossene Tür aufstoßen, die in das auch heute noch wenig bekannte Reich der dunklen Machenschaften eines Sowjetstaates führt, dessen paranoide Praktiken bis ins Jahr 1917 zurückreichen. Damals wurde die berüchtigte Tscheka gegründet, die erste politische Polizei der Bolschewiken, deren Nachfolger GPU und NKWD ebenfalls in die Annalen eingingen. Von Anfang an hatten die Tschekisten den Auftrag, alle Regimegegner zu liquidieren und später den sowjetischen Staatsapparat und die gesamte Gesellschaft kontinuierlich zu „säubern“.Das grausame Massaker von Katyn war nur eine der vielen Routineoperationen der Henker des NKWD. Das Ministerium suchte seine Agenten eigens wegen ihrer Kaltblütigkeit aus, und sein Chef Wassili Blochin soll im Laufe seiner Karriere 20.000 Menschen eigenhändig getötet haben.Die Geschichte von Katyn hat mit der Sowjetunion und Polen, mit dem Zweiten Weltkrieg und mit dem Kalten Krieg zu tun.Der Enthüllung des Verbrechens folgte eine 50 Jahre währende Staatslüge. Erst 1990 bekannte sich die Sowjetunion zum Massaker von Katyn – wenige Monate vor dem Zusammenbruch des selbst zum Schutz seiner Staatsgeheimnisse nicht mehr fähigen Regimes.Der Film erzählt die Geschichte von Katyn anhand der Erinnerungen von polnischen Überlebenden des Massakers und des von den Historikern der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial in NKWD-Archiven entdeckten Materials.

Di., 25. Feb · 21:55-23:40 · arte
Der Hitler-Stalin-Pakt

Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt, auch als Hitler-Stalin-Pakt bekannt, stellt einen Wendepunkt in der Geschichte des 20. Jahrhunderts dar. Am 23. August 1939 unterzeichnet, garantierte er dem Deutschen Reich die sowjetische Neutralität im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Polen und den Westmächten. Die Auswirkungen waren verheerend. Hitler hatte mit dessen Unterzeichnung die Sicherheit, nicht in einen Zweifrontenkrieg zu geraten. Rund eine Woche später überfiel er Polen und löste damit den Zweiten Weltkrieg aus. Stalin wiederum besetzte das Baltikum, Ostpolen und einen Teil Rumäniens. Niemand ahnte damals etwas von der Existenz des geheimen Zusatzprotokolls, in dem die beiden Diktatoren Ostmitteleuropa unter sich aufgeteilt hatten. Der schändliche Pakt wird seither auf zweierlei Weise interpretiert. Manche Historiker vertreten die Auffassung, dass eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Tyrannen Hitler und Stalin auf der Hand lag. Andere sehen darin einen Trick Stalins, der Zeit gewinnen wollte, um sich auf den unvermeidlichen Krieg gegen Hitler vorzubereiten. Die Dokumentation zeigt den Hitler-Stalin-Pakt als wahnwitzige Folge eines kollektiven Versagens: Die Weigerung Westeuropas, gegen Hitler Position zu beziehen, die tiefe Feindschaft des kapitalistischen Westens und der kommunistischen Sowjetunion, absurde Entscheidungen, Inkompetenz und Blindheit stürzten die Mächte in eine katastrophale Abwärtsspirale, die auch die weitsichtigsten Politiker wie Iwan Maiski, Maxim Litwinow und Winston Churchill nicht zu stoppen vermochten.

Mi., 26. Feb · 00:15-01:03 · MDR
Klemperer – Ein Leben in Deutschland, 13/13, Allein auf der Welt

April/ Mai 1945. In der Bombennacht von Dresden hat Victor den gelben Stern abgetrennt. Unbemerkt kann er im Strom der Überlebenden untertauchen, als Flüchtling unter vielen. Doch ohne Eva scheint das alles sinnlos. Auf einem kleinen Bahnhof entdeckt Victor im Durcheinander nach einem Fliegerangriff eine Frau, die vielleicht Eva sein könnte. Er verlässt Hals über Kopf den Flüchtlingszug, und das Wunder wird wahr: Eva steht vor ihm. Während die beiden ihr Glück kaum fassen können, meldet das Radio die Nachricht von Hitlers Tod. Nun kann es nicht mehr lange dauern. Es gilt jetzt durchzukommen, nicht aufzufallen und genügend Nahrung aufzutreiben, bis das Ende wirklich da ist. Vorsichtshalber halten sich Eva und Victor zwischen den immer näher rückenden Fronten. Die Nazis sind nach wie vor eine tödliche Gefahr, und von den Russen wissen sie zu wenig. Die Nazipropaganda jedenfalls lässt Eva nichts Gutes ahnen. Victor ist nur noch von einem Wunsch beseelt. Er will seine Manuskripte und Tagebücher holen. Heimlich schlagen sich die Klemperers bis nach Heidenau durch. Die Russen haben mittlerweile das Krankenhaus übernommen, und Annemarie muss sich wieder einmal geänderten politischen Verhältnissen anpassen. Für Victor aber zählt nur eines: Seine Papiere im Versteck sind unversehrt. Das nächste Ziel ist Dölzschen. Victor und Eva Klemperer sind wieder zu Hause. Aber der Nazi-Terror hat für immer seine Spuren hinterlassen. Vor allem Victor hat sich verändert. „Für diese Art von Mitleid bin ich tot“, antwortet er dem alten Freund Feller, als der ihn um einen politischen Entlastungsbrief bittet. Nachdem Victor schon bald die Lehrerlaubnis zurückerhält, scheint das Leben der Klemperers wieder in normalen Bahnen zu verlaufen. Doch kann man das, was geschehen ist, vergeben und vergessen?

Mi., 26. Feb · 07:35-07:50 · WDR
Planet Schule: Die große Literatour – Joseph Roths Russland

Seine Romane zählen heute zur Weltliteratur: Joseph Roth – ein großer Erzähler und einer der besten Journalisten der Weimarer Zeit. Ein Meister der Beobachtung und Beschreibung. 1926 reist er mit einer großen Sehnsucht in die noch junge Sowjetunion. Mehrere Monate wird er unterwegs sein, Reportagen für die Frankfurter Zeitung schreiben und alle seine Illusionen über den Sowjetstaat verlieren. Roth wurde in Galizien, der heutigen West-Ukraine geboren und führte ein zerrissenes Leben, zwischen jüdischem Glauben und Katholizismus, er lebte in einer Zeit des Umbruchs, in den Zerfall des Österreichischen Kaiserreiches. Er reist über Polen in die noch junge Sowjetunion. Doch die anfängliche Faszination wird schnell der Desillusionierung weichen. Roth bricht als neugierig Hoffender auf und kehrt als ernüchterter Chronist zurück. Nach der Reise gelingt ihm sein Durchbruch als Romancier: seine bedeutendsten literarischen Werke wie ‚Hiob‘ oder ‚Radetzkymarsch‘ erscheinen. „Die große Literatour“ begibt sich auf die Spuren von einigen der spannendsten Reiseschriftstellern der Geschichte, folgt ihren Reisen nach und sieht die Länder aus ihren Blickwinkeln. Eine literarische Zeitreise, die auf einzigartige Weise Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschränkt.

Do., 27. Feb · 22:00-23:30 · arte
Ich werde nicht schweigen

Norddeutschland 1948: Die junge Kriegswitwe Margarete Oelkers bringt sich und ihre beiden Söhne als Modellschneiderin mehr schlecht als recht durch. Die ihr zustehende Kriegswitwenrente erhält sie nicht, weil ihr eine Bestätigung über die Beschäftigung ihres Mannes beim Gesundheitsamt verweigert wird. Als sie deshalb auf dem Fürsorgeamt die Kontrolle verliert, wird sie von Dr. Ahrens, dem ehemaligen Vorgesetzten ihres Mannes, mit der Diagnose Schizophrenie in die Heil- und Pflegeanstalt in Wehnen eingewiesen. Die beiden Kinder kommen zu Margaretes Schwester aufs Land. Ein ganzes Jahr verbringt Margarete in der Anstalt und wird dort „behandelt“. Nach ihrer Entlassung wird sie unter die Vormundschaft eines Nachbarn mit brauner Vergangenheit gestellt. Traumatisiert kehrt Margarete in ihre alte Wohnung zurück und kämpft um ihre Rehabilitierung und das Sorgerecht für ihre Kinder. Sie fordert eine Bescheinigung von den behandelnden Ärzten, nie an Schizophrenie erkrankt zu sein. Doch dazu müsste Dr. Ahrens, Leiter des Gesundheitsamtes und früherer Chef ihres Mannes, eine Fehldiagnose einräumen. Margarete freundet sich mit Antje an, einer jungen Frau, deren Mutter während des Nazi-Regimes in Wehnen verstorben ist. Bald ahnt Margarete, dass in Wehnen mit den Kranken Ungeheuerliches passiert ist. Sie beginnt, die Aufzeichnungen ihres Mannes zu verstehen, der offenbar Vernachlässigung und bewusstes Tothungern ausgewählter Patienten in Wehnen heimlich dokumentierte. Sie sammelt all ihren Mut und stellt Dr. Ahrens zur Rede. Doch Ahrens lässt sich nicht so leicht einschüchtern …

Fr., 28. Feb · 01:10-02:40 · SWR
Carl Laemmle – Ein Leben wie im Kino

Carl Laemmle, ein oberschwäbischer Jude, gründet Hollywood. Er gilt als bedeutender Filmpionier. Historiker, Filmexperten und Nachfahren sprechen über seine Bedeutung für das Kino von heute. Das Porträt würdigt Carl Laemmle auch als den Menschen, der mit seinen Bürgschaften Hunderte von Juden vor den Nazis rettete. Nach dem Tod der Mutter gibt es für Carl Laemmle, einen armen jüdischen Jungen aus dem schwäbischen Laupheim, kein Halten mehr. Er entflieht der oberschwäbischen Provinz und wandert nach Amerika aus. Dort macht er eine Karriere wie aus dem Bilderbuch. Er kauft eine Hühnerfarm bei Los Angeles und gründet Universal Pictures. Dies ist die Geburtsstunde von Hollywood. Carl Laemmle ist der erste, der die Bedeutung von Leinwandstars für das Kino entdeckt. Filmklassiker wie „Dracula“ oder „Frankenstein“ werden in seinem Studio gedreht, ebenso Meilensteine der Kinogeschichte wie „Im Westen nichts Neues“. Laemmle ist ein fleißiger Schaffer und Strippenzieher, aber auch ein Spieler. Als Universal in die Krise gerät, setzt Lämmle alles auf eine Karte – und verliert. Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Carl Laemmle in den folgenden Jahren Hunderte von deutschen Juden vor den Nazis rettet. Er übernimmt Bürgschaften und sorgt dafür, dass diese Menschen nach Amerika ausreisen dürfen. Die Dokumentation ist eine bewegende Spurensuche an Originalschauplätzen. Wie erinnert seine Heimatstadt Laupheim an den großen Sohn? Welche Rolle spielt Laemmle tatsächlich für das große Kino und was ist von ihm in Hollywood geblieben? Experten äußern sich zu seinen bahnbrechenden Filmen. Seine Nachfahren sammeln heute noch in den USA alles, was an Spuren zu finden ist. Und Sandy Einstein, Sohn eines jüdischen Auswanderers, sagt: „Ohne Carl Laemmle wäre meine Familie ausgelöscht worden.“

Fr., 28. Feb · 02:10-03:40 · Das Erste (ARD)
Zwei Leben

In Norwegen hat die deutschstämmige Katrine (Juliane Köhler) scheinbar ihr Familienglück gefunden. Sie, ihr Ehemann Bjarte Myrdal (Sven Nordin), Tochter Anne (Julia Bache-Wiig), der kleine Enkel und Katrines Mutter Åse (Liv Ullmann) sind fast eine Bilderbuchfamilie. Wobei Katrine und Åse schwere Zeiten hinter sich haben. Aber darüber wird nie gesprochen. Dann fällt die Berliner Mauer. Wenig später taucht der Anwalt Sven Solbach (Ken Duken) bei Katrine auf. Er will Gerechtigkeit für ehemalige „Lebensborn“-Kinder in der DDR und vertritt deren Recht auf Wiedergutmachung vor dem Europäischen Gerichtshof. Katrines ungewöhnliche Geschichte, auf die er bei seinen Recherchen gestoßen ist, interessiert ihn besonders: Als Kind eines deutschen Besatzungssoldaten wurde Katrine einst von den Nationalsozialisten in eines der „Lebensborn“-Heime verschleppt. Jahre später gelang ihr jedoch die abenteuerliche Flucht über die Ostsee, um nach ihrer norwegischen Mutter zu suchen. Ihr Fall ist offenbar der einzige, bei dem Mutter und Tochter sich nach vielen Jahren wiedergefunden haben. Aber jetzt verhält Katrine sich seltsam, und ihre Familie versteht nicht, warum sie Solbach nicht unterstützt und vor Gericht nicht aussagen will. Vor allem Anne, selber angehende Juristin, ist irritiert. Katrines Erklärung: Sie möchte Åse das Leid ersparen, die dramatischen Ereignisse wieder aufzuwühlen. Tatsächlich wurde Åse damals wegen ihrer Liebe zu einem deutschen Soldaten diskriminiert und gab schließlich dem Druck nach, das „Kind der Schande“ zur Adoption freizugeben. Aber der Grund für Katrines Verhalten liegt ganz woanders: Katrine lebt unter einer falschen Identität; sie ist in den 70er Jahren mit der Biografie einer „Lebensborn“-Frau nach Norwegen gekommen: als Spionin der DDR.