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Zum neuen Jahr

Das Jahr 2018 hat einiges mit sich gebracht. Einige Anmerkungen zum Jahresausklang…

Viel Schönes gab es 2018, allem voran die Jubiläumsfeiern zu 70 Jahren Israel. Seit dem 14. Mai 1948 gibt es den von Herzl und den Zionisten erträumten „Judenstaat“. Ein Staat, der die Hoffnung für die Überlebenden der Schoa war, deren Anteil an der Staatsgründung wir in einem besonderen Projekt vorgestellt haben. Ein Staat, der auch heute für die meisten Juden in der ganzen Welt eine Lebensversicherung ist. Ein Staat, dessen Vielfalt wir uns bemühen zu zeigen. Ein Staat, der nicht zur Ruhe kommt, wie die Angriffe aus Gaza auch 2018 wieder zeigten, genau wie die Aufdeckung mehrerer Tunnel aus dem von der Hisbollah kontrolliertem Süd-Libanon.

Im Jahr 2018 jährte sich auch die Pogromnacht von 1938, die Auftakt zur Vernichtung der jüdischen Bevölkerung war. Uns war es zu diesem Jahrestag wichtig, noch einmal die Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen. Mit dem Tod von Simcha Rotem, genannt Kazik, dem letzten Überlebenden des Aufstands im jüdischen Ghetto Warschau, vor wenigen Tagen, nähert sich das Ende der Ära der Zeitzeugen. Ein Einschnitt, der uns aufrütteln muss, andere Wege zu finden, die Geschichte zu erinnern. Erst kürzlich wurden die Ergebnisse einer europaweiten Umfrage bekannt gegeben, wonach 40 Prozent der befragten jungen deutschen Erwachsenen im Alter von 18 bis 34 Jahren angaben, dass sie wenig oder gar nichts über den Holocaust wissen.

Die gleiche Umfrage ergab, dass mehr als ein Viertel der befragten Europäer der Meinung ist, dass Juden zu viel Einfluss auf die Geschäfts- und Finanzwelt haben. Fast jeder Fünfte gab an, dass Antisemitismus im eigenen Land eine Reaktion auf das alltägliche Verhalten der jüdischen Bevölkerung sei. Das Wiederaufleben des Antisemitismus war im letzten Jahr ein vieldiskutiertes und präsentes Thema in den Medien. Das ist gut, noch besser sind Initiativen wie Rias, die gerade ihre neu gegründete bundesweite Meldestelle für antisemitische Vorfälle vorgestellt hat. 

Im Bereich Internet hat das Jahr 2018 keinerlei Verbesserung im Kampf gegen antisemitische Hetze gebracht. Das Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken, kurz NetzDG, aus dem vergangenen Jahr braucht dringend Nachbesserungen und vor allem auch eine striktere Umsetzung. Bussgelder mussten weder Twitter noch Facebook bezahlen, und das obwohl antisemitische Postings zuhauf auffindbar sind.

Einen erfreulichen Vorstoß gab es von der Justizministerkonferenz, die die Bundesjustizministerin zur Vorlage eines Gesetzesvorschlags aufgefordert hat, der Lücken in der Strafbarkeit in Bezug auf ausländische Internetseiten schließen soll. Einschlägige rechtsextreme Webseiten werden meist im Ausland gehostet, so dass die Betreiber bisher nicht belangt werden können. Wir hoffen auf einen zügigen Vorschlag aus dem Ministerium.

Das kommende Jahr wird für die Bekämpfung des Antisemitismus kritisch sein. Die Menschen in Deutschland müssen sich entscheiden, in welcher Art Gesellschaft sie leben möchten. Unter Juden gibt es zunehmend Zweifel, ob diese Gesellschaft für sie die richtige sein kann. Wir versuchen optimistisch in die Zukunft blicken!

Bei Ihnen, liebe Leser, wollen wir uns sehr herzlich bedanken! Durch Ihre Spenden für haGalil e.V. können wir unsere Arbeit fortsetzen, Sie erhalten haGalil am Leben und zeigen uns, dass Sie unsere Arbeit wertschätzen. Das ist großartig!

Bitte bleiben Sie uns wie immer gewogen, Gesundheit und Glück für das neue Jahr!

Andrea Livnat und Eva Ehrlich