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Renovierung an der Laubhütte der früheren Gemeinde in Zell/Main

Zell/Main

Im Markt Zell/Main, ganz nahe bei Würzburg links des Maines auf dem Wege nach Karlstadt gelegen, existierte von 1818 bis ca. 1908 eine eigenständige Jüdische Kultusgemeinde, deren weltliches und geistliches „Oberhaupt“ von 1818 bis 1860 Raw Mendel Rosenbaum war. Er war es, der mit Hilfe seines Freundes, des Würzburger Oberrabbiners Bing, den späteren weltberühmten „Würzburger Raw“, Rabbiner Seligmann Bär Bamberger nach Würzburg brachte…

Von Israel Schwierz

Die Zeller Jüdische Gemeinde besaß eine Synagoge bzw. einen Betsaal, ein Schulzimmer, eine Rabbinerwohnung , eine Mikwe im Keller des gleichen Hauses und davor eine Laubhütte (Sukka). Die Gemeinde war in dem heute noch existierenden „Judenhof“ – einem kleinen Getto im säkularisierten Kloster Unterzell untergebracht. Außerdem gab es in Zell früher auch einen jüdischen Friedhof, der aber heute nicht mehr auffindbar ist. (Er soll sich auf dem heutigen Kleeacker rechts der Steinbrücke in halber Höhe der sog. „Neuen Straße“ – im Kataster mit dem Namen „Judenfriedhof“ geführt – befunden haben. Der 1927 verstorbene Oberlehrer der Volksschule Zell erzählte dem inzwischen ebenfalls schon verstorbenen Heimatforscher Eduard Kohl, er habe als Kind noch zwischen den Grabsteinen gespielt).

Von der früheren Kultusgemeinde sind bis heute noch mehrere Zeugnisse erhalten geblieben: so beispielsweise der Name „Judenhof“ mit den Spuren der Mesusot (= jüdische Türpfostensymbole) an beiden Toren des einstigen Gettos – dem vorderen an der Hauptstraße und dem hinteren (Wiesen-)Tor am Main. Erhalten geblieben ist auch das Haus, in dem sich Betsaal, Wohnung , Schulsaal und Mikwe (im Keller) befanden – auch hier sind Spuren der Mesusa zu erahnen. Sehr gut erhalten ist ferner die Original-Bausubstanz der Sukka, ebenfalls mit Spuren der Mesusa an der Eingangstür.

Mesusa am Torrahmen, Zell/Main

Diese sehr gut erhaltene Sukka, die wohl bis 1908 als Laubhütte der Kultusgemeinde diente, wird gegenwärtig renoviert, damit sie in Zukunft als Informationspunkt für jüdische Kulturgeschichte und als Zeugnis der kulturellen und religiösen Vielfalt der Marktgemeinde Zell genutzt werden kann. Damit soll auch das fast 100jährige Wirken der Familie Rosenbaum zur Zeit der Judenemanzipation dokumentiert werden. Im Juli 2017 hatte die Marktgemeinde Zell die Bewilligung eines Zuschusses aus dem Bayerischen Städtebauförderungsprogramm in Aussicht gestellt bekommen. Im Oktober 2017 begannen dann die notwendigen Renovierungsarbeiten an dem geplanten Informationspunkt für Besucher bei der Sukka. Das Sanierungsprogramm beinhaltet neben den baulichen Maßnahmen am Äußeren der Sukka auch die Wiederherstellung der Wandmalereien im Inneren sowie die Sichtbarmachung des noch im Original erhaltenen Laubrostes und der Dachöffnungskonstruktion. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts ist im Sommer 2018 geplant.

Zell/Main

Wegen der Renovierungsarbeiten , aber auch wegen anderer Umstände sind alle erwähnten Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Zell/Main – außer den beiden Toren am Ein- und Ausgang des „Judenhofes“ – gegenwärtig für Publikum nicht zugänglich.

Fotos: (c) Frank Stößel