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Syrien und die Syrer im deutschen Lexikon (1897-1949)

In Deutschland lebten gegen Jahresende 2015 insgesamt 762 498 Araber, von denen die Syrer mit 366 556 die größte Gruppe stellten. Fragt man Deutsche auf der Straße nach Syrien oder den Syrern, bekommt man selten etwas anderes als Schlagworte zu Asyl, Flüchtlingen oder Bürgerkrieg zu hören. Somit könnte es für Deutsche, und nicht nur für sie, von Interesse sein noch ein wenig mehr über Syrien und die Syrer zu erfahren… 

Von Robert Schlickewitz

Deutschland ist seit 2015 eines der Länder mit den höchsten Zahlen aus Syrien stammender Menschen geworden. Zwar leben immer noch mehr Syrer und Syrischstämmige in Brasilien oder in der Türkei, jedoch werden uns Syrer in Deutschland in Zukunft immer häufiger begegnen und da kann es sich durchaus bezahlt machen ein wenig über sie und ihr Land zu wissen.

Ab dem 19. Jahrhundert wurden die Syrer von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in Deutschland zunehmend wahrgenommen. Deutsche Nachschlagewerke ebenso wie populärwissenschaftliche Studien zu Länderkunde oder Ethnologie begannen sich immer häufiger auch der Syrer und Syriens anzunehmen.

Das deutsche Bürgertum des 19. und 20. Jahrhunderts verfügte über eine breite Auswahl an allgemeinen (gedruckten) Enzyklopädien und Nachschlagewerken, von denen die Namen Meyer, Brockhaus, Pierer, Herder und Bertelsmann sicherlich die bekanntesten sind.

Warum also nicht einmal anstatt bei Wikipedia, in historischen Lexika nachschlagen, und nachsehen, welches Bild sich unsere Vorfahren einst von diesem Volk aus dem „Morgenlande“ machten?

Unsere Auswahl fiel auf deutschsprachige Enzyklopädien der Jahre 1897 bis 1949, aus denen wir aussagekräftige Auszüge zu Syrern und Syrien wiedergeben.

Einige Vorausbemerkungen:

Dem heutigen Rezipienten der historischen Lexikoneinträge wird auffallen, dass der Begriff „Syrien“ um das Jahr 1900 herum auch Territorien des heutigen Staates Israel mit einschloss, ferner, dass man noch zu Beginn der 1930er Jahre zu „Syrien“ auch den Libanon zählte. Dies sind Fakten, die es sich lohnt im Kopf zu behalten, wenn man sich einmal selbst in alten Büchern auf die Suche nach Informationen zu Syrien, dem Libanon oder Palästina begeben möchte.

Das türkische Wort Wilajet stand ab 1866 für Provinz oder Verwaltungsbezirk im Osmanischen Reich.

Die im südwestlichen Syrien gelegene Landschaft Hauran trug bzw. trägt auch noch andere Bezeichnungen, nämlich Auranitis, Hawran, Houran oder Horan.

Haleb ist das vom aktuellen Bürgerkrieg besonders schwer getroffene Aleppo, für das, je nach Sprache, noch mehrere andere Namen existieren: Halab, Heleb, Halep und in der Antike Beroia.

Bkerke ist ein Kloster in der libanesischen Stadt Jounieh, ca. zehn Kilometer nördlich der Hauptstadt Beirut gelegen.

Von Interesse sind die genannten Zahlen der in Syrien lebenden Juden. Im Meyer von 1897 werden 65 000 Juden angegeben, im Brockhaus von 1934 lediglich 17 200 (unter Kirche). Der eklatante Unterschied erklärt sich aus der Tatsache, dass im älteren Lexikon auch die Juden aus Jerusalem und Umgebung mitgezählt wurden, im jüngeren hingegen nicht.

Moderne deutsche Nachschlagewerke vermeiden aus gewissen historischen Gründen Klassifizierungen gemäß „Rasse“, „rassenmäßig“ und „(rasse-)rein“. Sowohl vor dem deutschen „Dritten Reich“, als auch noch einige Zeit danach waren sie hingegen im Deutschen allgemein gebräuchlich, wie u.a. den hier reproduzierten Passagen zu entnehmen ist.

 

Meyers Konversationslexikon, 5. Auflage, Leipzig und Wien 1897.

Syrien (türk. Suria), ein Land der asiatischen Türkei an der Ostküste des Mittelländischen Meeres; bezeichnete ursprünglich den gesamten Umfang des assyrischen Reiches bis der Name in abgekürzter Form  durch die Griechen auf die Gebiete westlich des Euphrat beschränkt wurde; heute versteht man darunter alles Land zwischen dem Euphrat und der Arabischen Wüste im Osten und dem Mittelmeer im Westen, dem Taurus im Norden und der Grenze Ägyptens im Süden, d. h. das heutige Wilajet Suria, die südwestliche Hälfte von Haleb (Aleppo), das Wilajet Beirut sowie die selbständigen Sandschaks Libanon und Jerusalem (…).

Infolge des Parallelismus seiner von N nach S streichenden Gebirge, welche, wenn auch von tiefen Querspalten durchschnitten, den Taurus im N mit dem von NNW nach SSO ziehenden Küstengebirgen des Arabischen Meerbusens verbinden, ist das Land von ziemlich gleichförmiger Oberflächenbildung.

Ihrer Ausdehnung und mittleren Höhe nach stehen die syrischen Gebirge zwar hinter den großen ostwestlich gerichteten Systemen Asiens zurück, bewirken aber infolge ihrer nordsüdlichen Ausrichtung eine sehr ungleiche Verteilung des Regens. Da im Mittelmeerbecken die Westwinde vorherrschen, so ist nur der Westabfall des Landes reich an Regen; dagegen sind die östlichen Abdachungen und inneren Hochebenen sehr arm an Niederschlägen, Quellen und Flüssen und bilden zum größten Teil vegetationsarme Steppen oder kahle Wüsten.

Beirut ist wegen des darüber aufragenden Libanon reicher, Gaza und noch mehr das Jordanthal ärmer an Regen als Jerusalem.

Während von der Küste weit landeinwärts die Gebirge vorwiegend aus Kalksteinen der Kreide- und Eocänformation bestehen und nur stellenweise, wie in der Spalte des Jordanthals, vulkanische Gebilde zu Tage kommen, treten die selben weiter ostwärts und bis tief in die Wüste hinein, namentlich in der Mitte von S, zwischen 32 und 34 Grad nördl. Breite, in Hunderten von Basalt- und Trachytkegeln einzeln oder in größeren Gruppen und von der verschiedensten Höhe auf (im Dschebel Hauran bis 1839 m) …

Die größte, als nackte Felsen über die Waldregion ansteigenden Erhebungen der Kalkgebirge finden sich im N: der Amanos der Alten (Gjaur Dagh), über 1600 m hoch, der Kasios (Dschebel Akraa), 1767 m, der Libanon, 3063 m; landeinwärts der Hermon (Dschebel el Scheich), 2759 m, und der Antilibanos, 2760 m.

Die südliche Fortsetzung des Libanon und des Antilibanos (…) steigt nirgends zu mehr als 1000 – 1200 m Höhe an; ihre meist abgerundeten Gipfel und Scheitelflächen sind daher bis oben hinauf angebaut, und dasselbe gilt von den östlich sich anschließenden Hochflächen (die alten Landschaften Hauran und Baschan, 500-800 m hoch) und um Damaskus (690 m), die zum Teil aus sehr ergiebigem Boden bestehen.

Bei dieser Beschaffenheit der Oberfläche sind die Flußthäler (von dem nur als Grenzfluß in Betracht kommenden Euphrat abgesehen) zum größten Teil kurze Querthäler, in denen nur aus den höheren Küstengebirgen (…) eine größere Wassermenge mit starkem Gefälle unmittelbar dem Meere zufließt.

Die wenigen längeren Flüsse verlaufen in nordsüdlichen Längsthälern  zwischen den Parallelketten des Kalkgebirges und zwar in entgegengesetzter Richtung nach N und S, weil die bedeutendste Bodenanschwellung gerade in der Mitte Syriens unter 34 Grad nördl. Breite liegt. Dort steigt das breite Thal zwischen dem Libanon und Antilibanos (jetzt Bekaa genannt, im Altertum Bukka) zu fast 1100 m an und entsendet nach N den größten syrischen Strom, den Orontes (El Asi), nach Süden den Lita (Litani), welcher zuletzt scharf nach W umbiegt und in einem kurzen Querthal das Meer erreicht, und in einer östlichen Parallelfalte den Jordan(…).

(Klima, Pflanzen und Tierwelt). Von Anfang Mai bis Ende Oktober ist die regenlose Zeit, mit vorherrschenden Nordwestwinden; gegen Ende Oktober bezeichnen Gewitter den Beginn der Zeit, wo Südwest- und Südwinde Regen bringen. Beirut Regenmenge 92 cm (Nov. bis April 90 Proz.), Jerusalem 55 cm (Nov. bis April 96 Proz.).

Die Temperaturunterschiede sind bedeutend: im Innern des Landes, in der Wüste und auf den Hochebenen sinkt das Thermometer häufig unter 0 Grad, und in Damaskus, Jerusalem und Aleppo fällt öfters (zuweilen starker) Schnee.

Die Sommerhitze in Damaskus und sonst im Innern ist natürlich bedeutender als an der Küste, wird aber noch sehr von dem Ghor (Tal des Jordan) übertroffen. Temperatur Beirut: Jahr 20, 6 Grad (Januar 12, 9, Juli 37, 8); Jerusalem: Jahr 17, 2 Grad (mittlere Jahresextreme 28, 5 und 0, 8 Grad). Wüstenwinde (Samum) häufig.

Die syrische Küstenlandschaft zeigt völlig das Gepräge der Mittelmeerflora mit Ölbaum, Lorbeer, Oleander und Eichen neben welchen Dornsträucher, Tamarinden und Mimosen vorkommen. Auch die Sykomore (Ficus Sycomorus) und die Dattelpalme gedeiht hier.

Auf der Westseite des Libanon folgt auf eine immergrüne Region in einer Höhe von 500 m eine mächtige Waldregion, zu unterst ein Gürtel von Eichensträuchern, dem dann Kiefernwald (Pinus halepensis) bis zur Höhe von 1300 m und darüber hinaus Bestände von Cypressen (Cypressus horizontalis) und Überreste der Libanonzeder folgen; der beackerte Boden steigt bis 2000 m Höhe an. Darüber hinaus beginnt eine alpine Region.

Der Ackerbau, der Bewässerung bedürftig, ist durch das Bodenrelief wenig begünstigt, doch zeigt die reiche Kulturoase um Damaskus, was günstige Umstände vermögen.

Das von Mesopotamien westlich bis an die Küstengebirge des Mittelländischen Meeres reichende Hochland zeigt Steppencharakter. Sein Humusboden ist mit Graswuchs und aromatischen Kräutern reichlich ausgestattet.

Hinsichtlich der Tierwelt gehört S. zur mediterranen Subregion der paläarktischen Region. Unter den Haustieren spielen die Schafe (meist Fettschwänze) eine große Rolle, nächst ihnen die Ziegen. Das Rindvieh ist klein und wird nur im Libanon geschlachtet.

Der indische Büffel kommt im Jordanthal vor, das Kamel hauptsächlich in der Wüste; auch Pferde, Esel, Hühner sind häufig. Die viel vorkommenden Heuschrecken werden von den Beduinen gegessen.

Die Bevölkerung von Syrien zerfällt der Abstammung nach  in Nachkommen der alten Syrer (Aramäer, Araber, Juden, Griechen, Türken und Franzosen), der Religion nach in Mohammedaner, Christen verschiedener Bekenntnis und Juden.

Die Syrer nahmen zum Teil den Islam und die arabische Sprache an, zum Teil blieben sie Christen. Die Araber zerfallen in seßhafte und Nomaden, letztere äußerlich Mohammedaner, eigentlich aber Sternanbeter. Türken sind nur in geringer Zahl vorhanden.

Von der gesamten, auf etwa 2 Millionen Seelen (14 auf 1qkm) geschätzten Einwohnerschaft des Landes bekennen sich vier Fünftel zum Islam. Unter den Christen überwiegen die fanatischen griechisch-orthodoxen (Patriarchate von Jerusalem und Antiochia); sie sprechen meist Arabisch.

Armenier und Kopten finden sich fast nur in Jerusalem; wichtiger sind die Jakobiten, namentlich im N verbreitet; ihrem Glauben nach Monophysiten.

Die römisch-katholische Kirche besitzt in Syrien zwei Filialkirchen, die griechisch-katholische und die syrisch-katholische, mit gewissen Vorrechten. Zu ihr gehören auch die Maroniten im Libanon, deren Patriarch von Rom bestätigt wird. Protestanten, Bekehrte der amerikanischen Mission, gibt es nur ein paar tausend.

Die Juden, ca. 65 000, zerfallen in spanisch-portugiesische Sephardim und Aschkenazim aus Rußland, Österreich und Deutschland; außerdem gibt es ca. 500 Samaritaner in Nabulus.

Von mohammedanischen Sekten sind aufzuführen: die Drusen im Libanon und Hauran; die Naßairier, welche auf den nach ihnen benannten Dschebel Naßairie ihre Sitze haben; die Ismaeliten, die mit den berüchtigten Assassinen identisch sind, und die Metawile, eine Abart der Schiiten, südlich von den Drusen im Libanon und in Galiläa zwischen Saida und Tyros.

An Eisenbahnen besitzt S. jetzt die Linien Beirut-Damaskus, Damaskus-Mzerib und Jafa-Jerusalem. S. hat keine Industrie und muß deshalb die meisten Bedarfsartikel einführen; führt aber viel Landesprodukte, wie Getreide, Seide, Sesam, Oliven, Öl und Wolle, aus.

(Geschichte). Die Urbewohner Syriens, sämtlich Semiten, zerfielen in mehrere Stämme, von denen derjenige der Aramäer (…) oder der eigentlichen Syrer der bedeutendste war. Das Land zerfiel damals in einzelne Städte mit Gebieten unter besonderen Oberhäuptern. Schon im frühesten Altertum werden Damaskus, Hamath, Homs oder Emesa, Zoba u.a. erwähnt.

Ein altes wichtiges Emporium war die Palmenstadt Tadmor oder Palmyra; nicht minder berühmt als Mittelpunkt des Sonnenkults war Baalbek oder Heliopolis. Eine größere Rolle in der Weltgeschichte als die eigentlichen Syrer spielten die an der Westküste wohnenden Völker, die Kanaaniter, Phöniker und Israeliten oder Juden.

Die eigentlichen Syrer vermochten sich oft fremder Unterdrücker nicht zu erwehren; insbesondere machte David einen großen Teil ihres Landes zu seiner Provinz des israelitischen Reiches. Bei der Teilung desselben rissen sie sich wieder los, und in Damaskus entstand ein selbständiges Reich, welchem nach und nach die Häuptlinge der übrigen Städte tributpflichtig wurden.

Nach mannigfachen Schicksalen ward Syrien 730 v. Chr. von Tiglathpileser II. zu einer Provinz das assyrischen Reiches gemacht; die Griechen, welche das Land zuerst als assyrische Provinz kennen lernten, gaben ihm davon den Namen Syria.

Nach dem Fall des assyrischen Reiches ward S. eine Provinz von Babylonien (um 600), dann von Persien (538/588?) und von Makedonien (333), bis es endlich durch die Seleukiden 301 wieder zu einem selbständigen Reiche erhoben ward.

Der Gründer dieser Dynastie Seleukos Nikator (301-281) dehnte die Grenzen seines Reiches nach O bis zum Oxus und Indus aus und machte S. zum Mittelpunkt desselben. Durch Erneuerung und Gründung vieler griechischer Städte (Seleukia am Tigris, Seleukia am Orontes, Antiochia u.s.) suchte er in seinem Reiche, welches 72 Satrapien umfasste, den Wohlstand zu heben.

Aber seinen Nachfolgern fehlte zum Zusammenhalten dieses Reiches die nötige Kraft und Energie. Schon 256 rissen die Parther Iran von S. los und beschränkten 150 das Reich auf das eigentliche S., und auch dieses ward 85 großenteils dem armenischen König Tigranes unterwürfig, bis es 64 von Pompeius zur römischen Provinz gemacht wurde.

Im 4. Jahrh. n. Chr. trennte Konstantin d. Gr. Kommagene und Kyrrhestika vom übrigen S. und machte daraus eine eigene Provinz namens Euphratensis; das übrige Land aber ward später von Theodosius dem jüngern in Syria prima und Syria secunda eingeteilt.

Unter Justinian wurden die wichtigsten Städte Syriens von den Persern genommen, darunter Antiochia. Dann brachen 635 die Araber verwüstend ins Land ein, eroberten es und bekehrten die Einwohner zum größten Teil zum Islam. Erst unter der Herrschaft der arabischen Chalifen, die 660-750 in Damaskus residierten, hob sich S. wieder.

Doch ward das Land den Chalifen bald von rebellischen Statthaltern und diesen wieder durch die turkmenische Miliz entrissen. Auch durch die Kreuzzüge litt das Land sehr.

Saladin, Sultan von Ägypten entriß Syrien 1187 den Kreuzfahrern wieder, und unter seinen Nachfolgern kam es an die Mamelucken. Schwer litt es dann durch die Einfälle der Mongolen unter Dschengis-Chan.

1517 eroberte der Osmanensultan Selim I. Syrien, und fortan bildete es eine türkische Provinz. Doch empörten sich die dortigen Paschas häufig gegen die Pforte. 1833 kam S. unter die Herrschaft Mehemed Alis, Vizekönigs von Ägypten; durch die Intervention der europäischen Mächte 1840 aber kehrte es unter die unmittelbare Herrschaft der Pforte zurück.

Die unaufhörlichen Kriege und die Barbarei der Gewalthaber haben Land und Volk völlig ruiniert, so daß es jetzt wenig mehr als eine schwachbevölkerte sterile Einöde voll Ruinen ist.

In neuerer Zeit hat S. namentlich durch die Kämpfe der Drusen und Maroniten die Aufmerksamkeit Europas wieder auf sich gezogen; infolge der blutigen Verfolgungen, denen besonders im Jahre 1858 die Maroniten ausgesetzt waren, namentlich der Christenmetzelei in Damaskus von Juli 1860 bis Juni 1861, besetzten französische Truppen auf einige Zeit das Land.

 

Der Große Brockhaus, 15. Aufl., Leipzig 1934.

Syrer. 1) arabisch sprechende muslimische, z. T. christlich-sektiererische Bevölkerung Syriens, in der starke Reste nichtarabischer Vorbevölkerung fortleben.

Sie leben hauptsächlich von Ackerbau und Obstkultur, in den Küstenstädten vom Handel; nur ein geringer Teil sind Wanderbeduinen. – Die Dorfhütten haben Flachdächer. Im NO des Landes herrschen die bienenkorbförmigen Lehmhütten vor. – Die Tracht besteht aus Hemd, kurzen Leinenhosen, einer Art Kaftan, der durch eine Schärpe zusammengehalten wird, Fez und roten Lederschuhen.

Rassenmäßig sind die Syrer heute so gemischt, daß sich kein einheitlicher Typus angeben läßt. Es sind Reste der ehemal. großen semit. Völker (>Orientalische Rasse), aber diese Grundlage ist stark durchsetzt mit armenischen, kurdischen, türkischen und auch europäischen (levantinischen) Elementen. Rassenmäßig am reinsten sind noch die Drusen, Maroniten u.a. (>Vorderasiat. Rasse).

2) Syrer, Westsyrer oder Neuwestaramäer, die arabisch (syrisch) sprechende Bevölkerung mehrerer Dörfer bei Damaskus (1500 Seelen).

3) Syrer des Reiches von Edessa (Ursa) in Nordmesopotamien (200 v. Chr. bis 300 n. Chr.)

Syrien. S., französ. Syrie, arab. Esch Scham, im weitesten Sinne das Land zwischen Kleinasien und Sinaihalbinsel längs des Mittelmeers, im engeren Sinne (eigentliches S.) das französ. Mandatsgebiet S., französisch amtlich: Etats du Levant sous mandat, zu dem auch der französ. Mandatsstaat Syrien, französ. Etat de Syrie oder République Syrienne, arab. Daulet Surija, gehört.

Statistik:

Größe: 148 821 qkm (eigentl. Syrien 127 000, Libanon 9321, Latakia 6500, Dschebel Drus 6000); umstritten sind 8183 qkm Grenzgebiete gegen Türkei und Irak.

Bevölkerung 1931: 2 768 000 (Syrien 1 620 000, Libanon 805 000, Latakia 283 000, Dschebel Drus 60 000), darunter 60 % Mohammedaner (55 % Sunniten, 5 % Schiiten), 18 % Christen (11 % Unierte, 7 % Morgenländische), 12, 5 % Alauiten, 4 % Drusen, 0, 6 % Juden. Bauern 50 %, Städter 43 %, Beduinen 7 %).

Städte 1931: Damaskus 300 000, Haleb 300 000, Beirut 250 000, Homs 65 000, Hama 45 000, Tarabulus (Tripolis) 40 000, Antakie 40 000, Sahle 30 000, Iskenderum (Alexandrette) 25 000, Latakia 21 000, Saida 15 000, El Suweda 6000 Einwohner.

Eisenbahn 1929: 1663 km.

5) Bevölkerung (…) Die Mittel- und Durchgangslage S.s schuf eine stark gemischte Bevölkerung (>Syrer), deren Grundlage die alarodische Rasse bildet, die frühzeitig durch semitische Einwanderung (Phöniker, Juden) und die arabische Eroberung umgeformt wurde, wodurch das Arabische zur Landessprache wurde.

Zu den Syrern gehören auch die Drusen im Hauran und die Maroniten  im Libanon. Die Beduinen der östlichen Steppe sind reine Araber. Im N gibt es auch Kurden, Turkmenen und Armenier. Die Zahl der Europäer ist gering.

6) Erwerbszweige (…) An erster Stelle steht die Landwirtschaft trotz wenig günstiger Bodenverhältnisse. Nur 13, 5 % des Landes werden angebaut. Weizen, Gerste, Hirse, Mais, Sesam, Hülsenfrüchte, Gemüse gedeihen längs der Küste und im Beka’a, ferner mit meist künstlicher Bewässerung am Euphrat, längs der Bahnlinie Haleb-Damaskus und im Hauran.

Tabak wächst bei Tarabulus und Beirut. Im westlichen Libanon kommen Maulbeerbäume, Oliven, Orangen, Zitronen, Feigen, Wein, Zuckerrohr vor. Der Baumwollanbau (bei Haleb) nimmt zu.

Die Viehzucht erstreckt sich namentlich auf Schafe und Ziegen zur Wollgewinnung. Asphalt wird von einer französ. Gesellschaft bei Latakia abgebaut.

Die Industrie beschränkt sich meist auf Hausindustrie, Seiden- und Kunstgewebe in Damaskus, Färberei und Weberei in Haleb, Öl- und Zigarettenherstellung in Tarabulus.

7) Der Verkehr steht in günstiger Entwicklung. In Haleb findet die normalspurige Bagdadbahn eine Verlängerung über Hama-Homs bis Rejak und von Homs bis Tarabulus.

Von Beirut führt eine Schmalspurbahn über Rejak nach Damaskus zum Anschluß an die Hidschasbahn, die bis Dera’a auf syrischem Boden verläuft. Zu Syrien gehört auch ein Stück Jarmukbahn (Dera’a-Haifa). Iskenderun wird von einem Zweig der Bagdadbahn erreicht.

Gute Straßen (1927: 8036 km) treffen sich in Haleb (von Iskenderun, Antakie, Latakia, Damaskus und Mosul). Zwei weitere Ostwege gehen von Tarabulus-Homs über Palmyra nach Deir es Sör und von Beirut-Damaskus über Dumer und Hit; alle sind für Kraftwagen fahrbar.

Der Schiffsverkehr geht meist über Beirut. Die französische Luftverkehrslinie nach Französisch Indochina führt über Syrien (Marseille-Beirut-Damaskus-Baghdad-Saigon), wobei die Strecke Beirut-Damaskus im Kraftwagen zurückgelegt wird.

8) Außenhandel (…) Eingeführt werden vorwiegend Textilien, Maschinen und andere Fabrikate, ausgeführt Wolle, Baumwollstoffe, Früchte, Edelmetallarbeiten, Rohseide, Vieh, Kokons, Felle. Haupthandelsländer sind Frankreich (Ausfuhr 14 %, Einfuhr 15 %), Ägypten (A. 15 %, E. 3 %), Rumänien (A. 13 %, E. 5 %), Italien (A. 5 %, E. 8 %), Vereinigte Staaten von Amerika (A. 4 %, E. 7 %).

13) Unterricht und Bildung. Das Mandatsgebiet besitzt drei Universitäten: eine syr. mit medizinischer und juristischer Fakultät in Damaskus, eine französ. der Jesuiten in Beirut und eine amerik. prot. in Beirut, beide mit medizin. Fakultät und andern Schulen.

Eine arabische Hochschule gibt es in Damaskus, eine landw. und eine kunstgewerbliche Schule in Beirut, in Damaskus außerdem ein Institut français und eine arabische Akademie der Wissenschaften.

Es bestehen 610 öffentliche und 1441 priv. Mittelschulen, 5 öffentl. und 12 priv. höhere Schulen mit zus. 161 000 Schülern und Schülerinnen.

Von den rund 30 (1932) erscheinenden Zeitungen sind zu nennen in Beirut (Rep. Libanon) die arab. Blätter „Al-Ahrar“ (griech.-orthod. und Oppositionsblatt), „An-Nida“ (nationalistisch) und die französ. Zeitungen „La Syrie“ (halbamtl. Blatt der französ. Mandatsregierung), „L’Orient“ (kath. und mandatsfreundliches Blatt), „L’Information“ (griechisch-orthodox und oppositionell); in Damaskus die arab. Blätter „Alef Ba“ (christlich), „Al-Aijam“ (nationalistisch) und die französ. Zeitung „Les Echos de Damas“ (mandatsfreundlich).

15) Soziale Einrichtungen. Das Gesundheitswesen untersteht einem Generalinspektor. Unter den Krankenhäusern sind hervorzuheben die von Beirut, Damaskus, das Hospital für ansteckende Krankheiten in Haleb, das physiotherapeut. Institut in Beirut. Die Pilger unterliegen strenger Quarantäne. Ein Komitee für Flüchtlingshilfe befasst sich mit der Ansiedlung von vertriebenen Armeniern.

16) Kirche. Die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung gehört dem Islam an. Unter den 550 000 Christen sind 400 000 mit der kath. Kirche verbunden, die einen apostolischen Delegaten für S. hat: die Maroniten (Patriarch in Bkerke), die Melchiten (Patriarch in Damaskus), die Syrer (Patriarch in Beirut), die Armenier (Erzbischof in Beirut), die Lateiner (Apostolisches Vikariat in Haleb). Die morgenländische Kirche zählt 150 000 Seelen; Juden gibt es 17 200.

17) Wehrmacht. Das französ. Heer des Mandatsgebietes besteht aus einem Regiment Senegalschützen, einem Regiment madagassischer Kolonialartillerie und einer Kompanie Pioniere mit zus. 4960 Mann. Die Eingeborenenlegion besteht aus 13 710 Mann.

Geschichte. Schon vor der Mitte des 3. Jahrtausends erwähnen die Inschriften der altsumerischen Stadtkönige (…) Eroberungen in den „Ländern am Meere des Sonnenuntergangs“, d.h. dem syrischen Küstengebiete. Auch die älteren Assyrerkönige sind bereits bis zum Libanon vorgedrungen (um 1870 v. Chr.). Die ägypt. Pharaonen standen seit uralter Zeit in engen Beziehungen zu den syr.-phönik. Küstenstädten, bes. zu Byblos.

Semiten bewohnten schon frühzeitig den größten Teil S.s, und zwar die Küste Kanaanäer, das Binnenland Amoriter (Amurru). Im Vorgebirge Ras Schamra in Nordsyrien wurde 1929 die alte Kanaanäerstadt Sapuna in Ugarit aufgedeckt. Im nördlichsten S. herrschte eine nichtsemitische Bevölkerung vor, die nach ihren Kulten und ihrer Keramik mit den Bewohnern Kleinasiens verwandt war.

Etwa seit dem 18. Jh. v. Chr. drangen die kleinasiatischen Hethiter (Chatti) in S. ein und eroberten Chalpa (Haleb). Thutmosis I. und III. von Ägypten entrissen ihnen um 1500 v. Chr. das ganze Land bis zum Euphrat.

Doch nach 1450 wurde Nordsyrien bis zum Libanon wieder hethitisch; außerdem drangen dort von NO und O die Völker Churri und Mitanni ein. Nur Palästina blieb ägyptisch, während zwischen den beiden Großmächten eine Anzahl mittelsyr. Stadtstaaten und die phönik. Küstenstädte ihre Selbständigkeit bewahrten.

Ihre Fürsten flehen in den Keilschriftbriefen von Tell el Amarna häufig den Pharao um Beistand gegen die Amoriter im mittelsyr. Binnenlande an. Hauptsächlich der Einbruch der „Seevölker“ des Mittelmeeres um 1200 stürzte in S. die ägypt. und hethitische Herrschaft.

In dieser Zeit beginnt die Einwanderung der semit. Aramäer, die allmählich die älteren Bevölkerungselemente zurücktrieben oder aufsogen. Nur in einzelnen Städten wie Gargamisch (Karchemisch) hielten sich die Hethiter. Die Assyrer rückten in S. schon unter Tiglatpileser I. (um 1100 v. Chr.) bis zum Mittelmeer vor; doch gingen ihre Eroberungen um 1000 v. Chr. wieder verloren.

Erst im 9. Jh. unternahmen Asurnasirpal II. und Salmanassar III. neue Feldzüge gegen S., und Tiglatpileser III. eroberte Damaskus (732) und machte es mit dem größten Teil Nordsyriens zur assyr. Provinz. Als letzter freier Staat wurde Kummuch (Kommagene) 709 assyrisch.

In den Wirren nach dem Falle Ninives (512 v. Chr.) versuchte der Pharao Recho S. zu erobern, verlor es aber durch die Schlacht bei Karchemisch (605). Nebukadnezar II. unterwarf um 572 die syr. palästinensischen Küstenstädte dem neubabylon. Reiche.

Unter Kyros dem Älteren wurde S. eine persische Satrapie, die aramäisch „Abamahara“, das Land „jenseits des Stromes“ (Euphrat), hieß. Nach der Schlacht bei Issos (333 v. Chr.) eroberte Alexander d. Gr. Syrien, das seit 301 der Mittelpunkt des Reiches der Seleukiden mit der aufblühenden Hauptstadt Antiochia (2) wurde.

In Phönikien und Cölesyrien (El Beka’a), einschl. Palästinas setzten sich jedoch von Ägypten her die Ptolemäer fest und behaupteten dort ihre Herrschaft in den syrischen Kriegen, bis sie (198 v. Chr.) ihren asiat. Besitz an Antiochos III. verloren. Die zunehmende Schwäche des Seleukidenreiches in seinem letzten Jahrhundert (164-64 v. Chr.) begünstigte Unabhängigkeitsbestrebungen bei den Juden (>Makkabäer) und anderen einheimischen Völkern und lockte die Parther und Armenier (Tigranes) in das Land.

Das Seleukidenreich löste sich schließlich in eine Anzahl von Kleinstaaten auf, die nach der Schlacht bei Tigranokerta dem Sieger Lucullus huldigten. Pompeius machte 64 v. Chr. Syrien zur römischen Provinz.

Bei der Ausbreitung des Islams wurde S. das bei der Teilung des Röm. Reiches an Ostrom gekommen war, 636 dem Kalifenreich einverleibt. Die christlichen Herrschaften der Kreuzfahrer bildeten nur ein kurzes Zwischenspiel in der mohammedan. Geschichte des Landes. Denn bald darauf kam es an die Sultane von Ägypten (Saladin) und die Mameluken, unter denen es von den Mongolen furchtbar verwüstet wurde.

1516 eroberten es die osman. Türken (Selim I.) und seitdem bildete es bis 1918 einen unmittelbaren Teil ihres Reiches, abgesehen von den Jahren 1838-1840, in denen es im Besitze Mehemed Alis von Ägypten  war. Als Vorkämpfer für die syr. Unabhängigkeit wurde der Drusenfürst Fachraddin 1635 von den Türken hingerichtet, und später wurde Dschezzar (Dschessar), Pascha von Damaskus und Akka, fast unumschränkter Gebieter in S. und behauptete sich 1775-1804.

Die Niedermetzelung der Christen in Damaskus und im Libanon durch die Drusen wurde Anlaß für eine militär. Expedition Frankreichs 1860/61.

Im Weltkrieg wurde S. nach dem Zusammenbruch der Palästinafront (19. Sept. 1918) Schauplatz der Rückzugsgefechte des türk. Heeres. Okt. 1918 bis Sept. 1919 hielten es die Engländer besetzt, an der Küste Franzosen, denen S. schon 1916 im Sykes-Picot-Vertrag zugesichert (worden) war.

Mit den engl. Truppen zog 1. Okt. 1918 der Emir Faisal (…), Sohn des Scherifen Hussein ibn ‘Ali von Mekka, in Damaskus ein, begleitet von seinem Berater Th. E. Lawrence, dem engl. Führer des Araberaufstandes.

Faisal, im März 1920 zum König von Syrien ausgerufen, geriet bald in Gegensatz zu den Franzosen, die ihn im Juli bei Chan Maissalun (im Antilibanon) schlugen und nach ihrem Einmarsche in Damaskus (25. Juli) zwangen das Land zu verlassen (seit 1921 König des Irak, gestorben 8. Sept. 1933).

Sie errichteten daraufhin in Syrien vier Staaten: 1) Großlibanon, 2) Damaskus und 3) Haleb (Aleppo) 4) Staat der Alawiten (Alauiten: >Nossairier). Die drei letzten schloßen sich Ende Juni 1922 zum „Syrischen Bunde“ (Fédération syrienne) zusammen und schufen im Okt. 1922 noch einen selbständigen Staat Dschebel Drus (Drusengebirge).

Am 24. Juli 1922 übertrug der Völkerbund Frankreich die Verwaltung Syriens als Mandatsgebiet. Eine neue Einteilung wurde 1. Jan. 1925 durchgeführt: 1) Staat Syrien (Damaskus und Haleb; Hauptstadt Damaskus), mit dem autonomen Sandschak Alexandrette; 2) Staat der Alawiten, seit 1930 autonomes Gouvernement Latakia (Hauptstadt Latakia); 3) Staat des Dschebel Drus, seit 1930 Gouvernement (Hauptstadt Es Suweda); 4) Staat des Groß-Libanon, seit 1926 Republik des Libanon (Hauptstadt Beirut).

Im Juli 1925 brach ein großer Aufstand der Drusen aus (im Oktober Beschießung von Damaskus durch die Franzosen), der erst im Juni 1926 niedergeworfen werden konnte.


Der Neue Herder von A bis Z, Freiburg im Breisgau 1949.

Syrien, arab. Esch-Scham,… Länderbrücke zwischen Mesopotamien, Ägypten und Kleinasien…

Die rassisch wie religiös buntgemischte Bevölkerung umfasst neben kleinasiatischen Völkern, namentlich Semiten, dazu die einst von Türken hier angesiedelten kaukas. Tscherkessen. Die meisten Einwohner sind Sunniten und haben kaum mehr Beziehung zur Kultur des alten hellenisierten S., in dem sich griechische und orientalische Kunst zu neuen Formen mit entscheidendem Einfluss bis ins frühe abendländ. Mittelalter vereinten…

Schon vor dem 1. Weltkrieg Interessenssphäre Frankreichs wurde S. 1920 französ. Mandat; Araberaufstände, besonders der Drusen; 1941 besetzten englische und französische (de Gaulle-) Truppen das Land und erklärten es unabhängig; 1946 nach Abzug der französ.-engl. Truppen völlig unabhängige Republik. S. wurde die Wiege der panarabischen Liga.

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Syrien

http://www.damaskus.diplo.de/

https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/sy.html

http://donnees.banquemondiale.org/pays/republique-arabe-syrienne

https://www.populationdata.net/pays/syrie/

http://www.dmoz.org/World/Deutsch/Regional/Asien/Syrien/

http://www.dw.com/de/syrien-kompakt/a-4778816

http://www.travelled.ru/syria/200904/

http://www.syria-travel.ru/#

http://sana.sy/en/

http://www.centreculturelsyrien.info/view_page.php?key=home

http://politique-etrangere.com/2012/01/11/syrie-lislam-dans-la-revolution/

http://www.diploweb.com/Syrie-relecture-de-la-crise.html