Wiener Mosaik

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Kurznachrichten aus Österreich…

Von Peter Stiegnitz

„Mein Kampf“

In allen Wiener Buchhandlungen ist Hitlers „Mein Kampf“ ausverkauft. Nein, wir schreiben nicht das in der österreichischen Geschichte fürchterlichste Jahr 1938, sondern 2016. Das Münchner Institut für Zeitgeschichte hat Hitlers Machwerk wissenschaftlich begründet kommentiert und im Eigenverlag herausgebracht, um „…damit zu verhindern, dass ein Verlag mit diesem Werk Profit macht …“ – so Frau Paulmichl, die Pressechefin des Institutes. Die erste Auflage betrug nämlich nur 4000 und diese war in kürzester Zeit für 59 Euro, Selbstkostenpreis des Institutes angeboten und in kürzester Zeit restlos ausverkauft. Weitere Auflagen, so hieß es im Münchner Institut, folgen.

Kindertransporte

Die entsetzlichen Folgen von „Mein Kampf“ kennen wir. So auch die Transporte jüdischen Kinder aus den von den Nazis besetzten Gebieten nach England. So kamen nach 1938 rund 3.000 Kinder aus Österreich, davor mehrere tausend aus Polen und aus der Tschechoslowakei nach England. Die Kinder durften nur zehn Reichsmark und nur einen Koffer mitnehmen. Besonders schlimm war es, dass ihre Eltern nicht auf den Bahnhof kommen durften, um ihre Kinder zu verabschieden. Obwohl die älteren Kinder versuchten, die jüngeren zu besänftigen, weinten diese, weil sie glaubten, ihre Eltern haben sie „verjagt“.

Zukunftsfonds

Mit 20 Millionen Euro ausgestattet, förderte der „Zukunftsfonds der Republik Österreich“ Bücher, Ausstellungen, verschiedene Veranstaltungen, aber auch Filme, die sich mit der NS-Vergangenheit Österreichs, auch mit Fragen der Toleranz beschäftigen. Der Vorläufer dieses Fonds war der „Versöhnungsfonds zur Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter“. Jetzt geht dem Zukunftsfonds das Geld aus. Der Vorsitzende des Fonds, Kurt Scholz, machte die Regierung aufmerksam, den Fond weiter zu unterstützen, da ansonsten die weitere Aufarbeitung der vorhandenen Materialien nicht möglich sein wird. Auch der in den USA lehrende österreichisch Historiker Günter Bischof betonte die Wichtigkeit der Fondsförderung.

Emigration

Das Thema der Verarbeitung der Zeit der NS-Barbarei ist auch in Österreich immer noch aktuell. So wurde kürzlich im Wiener „Erinnerung“-Kulturkreis über die Emigration österreichischer und deutscher Künstler und Wissenschaftler diskutiert. Dass dabei zwar vorwiegend, doch nicht nur Juden emigrierten mussten, bewies der Fall von Thomas Mann und seiner Familie. Bereits 1925 warnte der Nobelpreisträger in einem vielbeachteten Artikel vor der Wahl des späteren NS-„Knechtes“ Paul Hindenburg zum Staatspräsidenten: „Unheilvolle Folgen dieser Kandidatur sind leider in jedem Fall sicher.“  – schreibt Tilmann Lahme („Die Manns – Geschichte einer Familie“, S. Fischer, 2015) in seinem „Jahrhundertbuch“. Leider hatte Thomas Mann mehr als Recht gehabt. Manns Ehefrau war Jüdin, Tochter der Münchner Familie Pringsheim. „In dieser Familie (…) spürt man nichts als Kultur“  (Lahme), schrieb er an seinem Bruder Heinrich. Thomas Manns Haltung gegen den aufkeimenden Nazismus ist eindeutig („Ich verabscheue das trübe Amalgam, das sich `Nationalsozialismus´ nennt.“ )(Lahme). Es ist kein Wunder, dass Thomas Mann mit seiner ganzen Familie bereits 1933 emigrieren musste.

„Jüdische Küche“

In Wien, dank der Zuwanderung sephardischer Juden aus der ehemaligen Sowjetunion, blüht auch die „jüdische Küche“ auf. Es gibt immer mehr koschere Lebensmittelgeschäfte und Restaurants, aber auch Bäckereien und Spirituosen- und Weinhandlungen. In einem Artikel erwähnt die „Wiener Zeitung“ unter anderem das Restaurant von Shalom Bernholtz („Alef Alef“) in unmittelbarer Nähe der Synagoge und der Kultusgemeinde; er führte eine der ersten koscheren Küchen in Wien ein.

Stolzer Bericht

Stolz meldet die Pressebetreuung des Wiener Jüdischen Museums: „Bestes Ergebnis in der Geschichte des Jüdischen Museum Wiens – 118.000 Besucher im Jahr 2015.“ Die meisten Besucher zählte die Ausstellung „Ringstraße. Ein jüdischer Boulevard“ mit mehr als 56.000 Interessierten. Eine der bemerkenswerten Ausstellungen war „Lessing zeigt Lessing“. Diese Ausstellung über die Arbeit des weltberühmten Wiener Fotografen Erich Lessing stellten seine Tochter Hannah und die Museumsdirektorin Danielle Spera zusammen. Die Schau „Wiesenthal in Wien“ sahen über 7.000 Besucher. Auch international war das Museum erfolgreich. Die von Daniella Spera und Astrid Peterle kuratierte Ausstellung „Jüdische Genies“ im Jewish Museum Australia im Melbourne konnte mehr als 13.000 Besucher verzeichnen. Interessant ist auch das heurige Programm des Museums. Si unter anderem die Ausstellung „Stars of David“, die jüdische Musiker der „leichten“ Musik zeigt. Im Herbst folgt dann die Schau „Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938“.

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