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Wiener Mosaik

Kurznachrichten aus der österreichischen Hauptstadt…

Peter Stiegnitz, Wien

Sicherheit und gute Beziehung zu Israel

„Juden haben es zur Zeit sehr schwierig in Europa“, erklärte der Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch. Obwohl auch Österreich keine „Insel der Seligen“ ist, und der Antisemitismus nach wie vor nichts Unbekanntes ist, „fühlen sich Österreichs Juden sicher“ (Deutsch). Als Ergebnis einer guten Zusammenarbeit mit den polizeilichen Behörden sind „unsere Einrichtungen gut geschützt“ (so der IKG-Präsident). Sehr gut entwickelt sich die Beziehung Österreichs zu Israel und sie verläuft „auf hohem Niveau sehr produktiv“.

„Angriff“ auf Mauthausen

Geschmackloser „Angriff“ gegen die Website der KZ- Gedenkstätte Mauthausen: plötzlich erschienen dort Kinderpornos. Auf sofortige Anordnung von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner („kranker, krimineller Angriff“) wurde die Seite deaktiviert. Die Hacker haben die Feierlichkeit des 70. Wiederkehr vom Kriegsende für ihren „Angriff“ benützt. Die Feierlichkeiten wurden trotzdem würdevoll durchgeführt. Dabei erinnerte sich der Präsident des Mauthausen-Komitees Willi Mernyi auch an die Todesstiege, wo Häftlinge der so genannten „Strafkompanie“ 50 Kilo schwere Granitblöcke über 186 Stufen schleppen mussten: „Kein Einziger hat die Zuweisung in diese Strafkompanie überlebt.“ An diesen und ähnlichen Verbrechern („Vernichtung durch Arbeit“ nannten es die SS-Mörder) erinnerten die 22.000 Besucher der Feierlichkeiten in Mauthausen. Für Präsident  Deutsch war Mauthausen „Synonym für unbeschreibliches Leid, für die Abwesenheit jeglichen Mitgefühls, für Sadismus und Menschenverachtung.“

„Juden – Eintritt verboten“

Auf dem Foto grinst ein angeblicher Student und hält die Tafel vor der Wiener Universität mit der Aufschrift „JUDEN Eintritt verboten!“  hoch. Mit dem Datum von 23. Juni 1931 sieht man dieses Foto mit dem Begleittext „In den 1920-er Jahren terrorisierten die ,Hakenkreuzler´ jüdische Studenten“ in einer Ausstellung zum Thema „Bedrohte Intelligenz“ an der Wiener Universität. Knapp nach dem Anschluss 1938 wurden von der Wiener Universität 82 Professoren, 233 Dozenten und sieben Lektoren aus „rassischen Gründen“ kurzerhand entfernt. Selbst in Nazi-Deutschland ging man nicht so brutal mit jüdischen Wissenschaftlern um. So entpuppte sich die Alma Mater Rudolfina als „Hochburg des Antisemitismus“. Zum 650-Jahr Jubiläum wurde von Franz Stefan Meissel und Thomas Olechowski die Wanderausstellung dieses unerbittlichen Kahlschlages der Wiener Intelligenz zusammengestellt. Der fühlbare Judenhass nahm bereits während des ersten Weltkriegs, als jüdische Studenten aus den östlichen Teilen der Monarchie nach Wien kamen, seinen Anfang. Der Mentor des Judenhasses an der Universität, der Paläontologe Othenie Abel schrieb an seine „rassenreinen“ Studenten über die „polnischen Juden und Jüdinnen, deren Anblick allein schon Brechreiz“ verursache. Dieser Nazi-Rektor der Universität, der nach dem Anschluss in SS-Stiefeln seine Vorlesungen hielt wurde noch 1961 von der Universität ausgezeichnet.

Keine NS-Kennzeichen

Versteckte Auto-Wunsch-Kennzeichen mit NS-Symbolen verbietet Verkehrsminister Alois Stöger. Ein neues Gesetz wird Wunschkennzeichen wie „NS1“ oder „88“ (eine Abkürzung der zwei achten Buchstaben für „Heil Hitler“) auf österreichischen Autos verbieten. Dazu der Minister: „Nationalsozialistisches Gedankengut hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Das gilt auch für Autokennzeichen.“

Jüdischer Boulevard

Eine großangelegte Ausstellung des Wiener Jüdischen Museums („Ringstrasse: Ein jüdischer Boulevard“) wurde anlässlich der 150-Jahr-Feier der Wiener Ringstrasse mit ihren herrlichen Palais eröffnet. Die meisten dieser Prachtpalais ließen jüdische Bankiers und Großindustrielle, wie die Familien Ephrussi, Königswater, Schey, Todesco und andere, erbauen. 1938 wurden auch diese Häuser von ihren jüdischen Eigentümern geraubt („arisiert“). Diese Familien gründeten auch zahlreiche Wohlfahrtsinstitute, wie Heime für Witwen, Weisen, für Blinde und Gehörlose; mit ihrer Unterstützung entstanden in Wien auch bedeutende Museen.

„Verborgene Dokumente“

Unter dem Titel „Verborgene Dokumente“ berichtet die Wiener Zeitung über eine weitere Ausstellung des Wiener Jüdischen Museums. Dabei handelt es sich um die Flucht persischer Juden 1979 nach Wien als Zwischenstation auf  Weg nach Israel und in die USA. Mit der Installation des „Gottesstaates“ im Iran fand auch die jahrhunderte alte Tradition des Zusammenlebens der Juden mit den Muslimen ein jähes Ende. Die Organisatoren dieser Flucht waren Rabbiner Schmuel Aharon Pressburger, der schon im ungarischen Holocaust mit Raoul Wallenberg zusammen arbeitete und sein Sohn Michoel. Immerhin handelte es sich um mehrerer tausend iranischer Juden.

Kein christlicher Antisemitismus

Ein entschiedener Gegner des Judenhasses ist der Wiener Kardinal  Christoph Schönborn, der keinen Anlass auslässt, um auch gegen den (alten) religiösen Antisemitismus zu Felde zu ziehen, in dem er wiederholt an die „jüdischen Wurzeln“ des Christentums erinnert. In diesem Zusammenhang führten wir ein Gespräch mit dem Linzer Theologen Michael Zugmann, dessen Werk ,Hellenisten` in der Aspotelgeschichte“ (Mohr Siebeck, Tübingen 2009) nicht nur in Fachkreisen große Anerkennung fand. Der Theologe machte sich auf die Spurensuche der griechischsprachigen Juden in Jerusalem auf, die dort zwischen dem 3. Jahrhundert v.u.Z. und dem 1. Jahrhundert nachher lebten. Er betont dabei dass „im Rahmen der Geschichtswissenschaft besondere Bedeutung dieser Gemeinde zukommt, vor allem aber für die Geschichte des Urchristentums, an dessen Wiege solche griechischsprachigen Juden standen.“

Geschichte für die Gegenwart

Die jüdische Geschichte für das heutige Österreich – sicherlich eine Reaktion auf den Holocaust – wird immer wichtiger; und das nicht nur in den Bibelrunden. Diesem Bedürfnis entspricht auch das „Jüdische Institut für Erwachsenenbildung“(Jife), das auch Iwrit-Kurse anbietet, die immer stärker besucht werden. Die Kursleiterin, die Frau des Wiener Oberkantors Shmuel Barzilai, Dvora Barzilai, eine gebürtige Israelin, unterrichtet hier ihre Muttersprache. Das relativ große Interesse am Iwritlernen betont auch  Julie Handman, die Jife-Direktorin. Das Institut bietet natürlich nicht nur Sprachunterricht an, sondern vermittelt auch umfassende Kenntnisse auf vielen Gebieten und ist unter www.vhs.at/jife erreichbar.