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Zeitzeugen erinnern sich an die weltberühmte Synagoge in Bechhofen

TV-Feature jetzt online…

„Wer einmal, sei es durch Zufall oder Missgeschick, nach Bechhofen verschlagen wird, freut sich, es wieder verlassen zu können“, schrieb 1926 der jüdische Lehrer Max Jankelowitz. „Denn das kleine Örtchen bietet dem sehensdurstigen Auge gar wenig an landschaftlicher Schönheit“, klagte der in die fränkische Provinz verschlagende Pädagoge weiterhin. Wobei er den Leser und potenziellen Besucher anschließend doch etwas neugierig macht: „Wenn er aber die kleinen, von der Hauptstraße abzweigenden Gässlein durchwandert, dann wird er wohl schließlich zu einem kleinen Platz gelangen, dessen eine Seite begrenzt ist von einem hochragenden schwarzen Holzbau, dessen Äußeres sein hohes Alter verrät.“

Die Scheunensynagoge in Bechhofen: von Außen ein unscheinbares Gebäude, Foto/Repro: nurinst-archiv
Die Scheunensynagoge in Bechhofen: von Außen ein unscheinbares Gebäude, Foto/Repro: nurinst-archiv

In diesem „auffallenden, doch ärmlich ausschauenden Bau“ befand sich die weltberühmte Scheunensynagoge von Bechhofen. Das auf den ersten Blick nicht als Gotteshaus erkennbare Gebäude gehörte zu einer Gruppe von jüdischen Beträumen in Süddeutschland, die der galizische Wandermaler Elieser Sussmann zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit einzigartigen, farbenfrohen Blumen und Tiermotiven sowie mit hebräischen Texten ausgemalt hatte. In der Pogromnacht von 1938 setzten die Nationalsozialisten die unter Denkmalschutz stehende Synagoge in Brand – ein außerordentliches Zeugnis des fränkischen Landjudentums wurde für immer vernichtet.

Bereits im Oktober 1938 waren die letzten Juden aus Bechhofen vertrieben worden. Einige konnten sich ins US-amerikanische Exil retten: darunter Jerry, Senta und Gunther Bechhofer. Trotz der Vertreibung fühlen sie sich immer noch eng mit ihrer fränkischen Heimat verbunden. Jerry Bechhofer feierte in der Scheunensynagoge sogar seine Bar Mizwa. In dem TV-Feature „Bechhofen, Bethaus und Big Apple“ erinnern sich die Zeitzeugen an ihre Kindheit in Deutschland und die einzigartige Synagoge. – (jgt)

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