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Ohne impliziten Antisemitismus geht die Chose nicht

Der Superintendent der evangelischen Kirche Gergely Pröhle, der auch als Staatssekretär im ungarischen Außenministerium fungiert, schreckt nicht davor zurück, in der Budapester Wochenzeitung „Heti Válasz“ vom 28.2.2014  Mazsihisz zu beschuldigen, sie würde „in einer Kampagne um 1% des Steueraufkommens (ungarische Steuerzahler, können einen Prozent ihrer Steuer einer Religionsgemeinschaft oder einer gemeinnützigen Vereinigung spenden) zu erreichen, auf Grund der mit der Regierung strittigen drei Fragen versuchen, die Juden des Landes zu vereinigen und zu mobilisieren“…

Von Karl Pfeifer

Fakt ist, dass die Summe, die Mazsihisz von der Regierung hätte erhalten können, wenn sie zugestimmt hätte an deren kruder Geschichtsfälschung teilzunehmen, bei weitem die Summe übersteigt, die sie aus einer noch so erfolgreichen Kampagne für 1% des Steueraufkommens erhalten könnte. Hier unterstellt Superintendent Pröhle den jüdischen Gemeinden, sie suchten die Auseinandersetzung mit der ungarischen Regierung, obwohl gerade diese alles daran gesetzt hat, die jüdische Gemeinschaft zu provozieren, in der Absicht Wähler der Nazipartei Jobbik abzuwerben. So kommt es 70 Jahre später zu einem wirklichen Hungaricum, zur staatlichen Erinnerung an den Holocaust ohne Beteiligung der jüdischen Gemeinden.

Eine besondere traurige Facette der ungarischen Wirklichkeit ist die Zusammenarbeit der Chabad-Organisation in Ungarn mit einer Regierung, die es fertig bringt, mit ihrer geschichtsumschreibenden Version des ungarischen Holocausts die Opfer und deren Nachkommen zu verletzen. Chabad-Rabbi Slomó Köves, griff in einem in der Wochenzeitung „Élet és Irodalom“ am 14.3.2014 veröffentlichten Artikel Mazsihisz an, weil dieser es gewagt hat auf die mit ihr nicht vereinbarte Gedenkpolitik der Regierung kritisch hinzuweisen und beschuldigte diese – während er sich auf das Prinzip der jüdischen Solidarität berief – damit „sicher den offen antisemitischen Diskurs zu nähren“, als ob der gelehrte Rabbiner nicht wissen würde, dass er damit die in Ungarn heute wieder weit verbreitete antisemitische „Argumentation“ stützt, wonach die Antisemiten sich ja lediglich gegen „jüdische Provokationen“ verteidigen.

In seiner letzten Wahlrede am 29. März 2014 hat Ministerpräsident Viktor Orbán, die in Ungarn unter Antisemiten so populäre Agitation gegen den „jüdischen Bolschewismus“ aus der untersten Schublade gezogen. Er erwähnte ausgerechnet den Führer der 1919 in Ungarn nach 133 Tagen gescheiterten Räterepublik und sagte, dass die Ungarn „nicht mehr den linken Maskenball brauchen, mit dem die Béla Kuns seit den letzten hundert Jahren Europa amüsieren.“

Ohne impliziten Antisemitismus geht die Chose nicht.