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Neue Fernsehtipps fürs neue Jahr

Vom 01. bis 15. Januar 2014…

Mi, 1. Jan · 07:45-07:50 · MDR
Glaubwürdig: Dominique Horwitz

„Dieser Film hat mich verändert!“, sagt Dominique Horwitz, Schauspieler, Chansonnier und Theaterunternehmer. Er meint das Kino-Roadmovie „Verrückt nach Paris“, das er 2002 mit physisch und psychisch behinderten Laienschauspielern gedreht hat. Horwitz fasziniert dabei, wie ehrlich und authentisch seine behinderten Kollegen sind. Er muss jedoch auch erfahren, wie oft Behinderte im Alltag ausgegrenzt werden. Für ihn ein Wendepunkt! Gesundheit und Erfolg sind für Dominique Horwitz fortan nicht mehr selbstverständlich. Jedes Leben kann sich von einer Sekunde auf die andere verändern. Unfall, Schlaganfall, Behinderung … Was dann!? Er beginnt, sich für Benachteiligte zu engagieren und übernimmt die Schirmherrschaft einer Elterninitiative, deren Kinder an der seltenen Erbkrankheit Rettsyndrom leiden. – Einer chromosomalen Mutation, an der nur Mädchen erkranken. Mit seinem Engagement will er ein Zeichen für die Akzeptanz aller behinderten Menschen in der Gesellschaft setzen. Der deutsch-französische Künstler Dominique Horwitz wurde 1957 in Paris als Sohn jüdischer Eltern geboren, die vor dem NS-Regime nach Frankreich geflüchtet waren. Heute lebt er – selbst Vater von vier Kindern – in einem Dorf bei Weimar.

Do, 2. Jan · 11:00-11:30 · HR
Menschliches Versagen (2/3)

Die Sendereihe von Michael Verhoeven wirft die bis heute beschämende Frage auf, in welchem Ausmaß die Zivilbevölkerung in Nazi-Deutschland zum Profiteur der systematischen Beraubung der Juden in Deutschland und in den besetzten Ländern geworden ist. Die drei Folgen zeigen an konkreten Geschichten die so genannte Arisierung von jüdischem Eigentum und Vermögen, die Ausgrenzung, Entrechtung und schließlich Deportation der jüdischen Bürger in Köln und München.

Do, 2. Jan · 22:40-23:08 · MDR
Bei mir biste scheen – Der Heiratsvermittler Jose Weber

Er nennt es sein „Cockpit“. Die Rede ist von den fünf Monitoren auf dem Schreibtisch von Jose Weber in Frankfurt. Auf dem ersten laufen den ganzen Tag über die neuesten Nachrichten, auf dem zweiten interviewt Deutschlands einziger jüdischer Heiratsvermittler neue Kandidaten für eine Eheschließung, auf dem dritten gehen die E-Mails seiner Kundschaft ein und der vierte zeigt deren Fotos und Karteidaten. Der fünfte ist schließlich für die dringendsten Fälle reserviert, denn davon gibt es viele: In Webers Regalen stehen Ordner mit rund 800 offenen Fällen, von denen die meisten allerdings, wie der Heiratsvermittler achselzuckend einräumt, „Karteileichen“ sind. Webers Agentur Simantov (Deutsch für „gutes Zeichen“) hat ein besonderes Problem. Es besteht darin, dass deren Kundinnen und Kunden in der Regel weit entfernt voneinander leben. In Frankfurt zum Beispiel hat die jüdische Gemeinde zwar 7.000 Mitglieder, aber – so Weber, der selbst fünf Sprachen spricht und in der weiten Welt zuhause ist – „da kennen sich viele vom Spielen im Sandkasten her und verlieben sich nicht ineinander“. In ganz Europa, gibt es dagegen immerhin 15.000 heiratswillige Jüdinnen und Juden, weswegen Weber auch schon einmal eine Liebesheirat zwischen einem Finanzexperten aus Paris und einer Professorin aus Sibirien stiftete. Die Grenzen seiner Möglichkeiten sieht der Mann mit der großen Kartei trotzdem sehr deutlich: „Um die Liebe kümmert sich Gott, ich bin nur sein Handlanger.“ Der Autor Uri Schneider beobachtet Jose Weber bei seinem weltumspannenden Versuch, einsame Herzen miteinander zu verkuppeln. Da ist neben dem selbsterklärten Gigolo Georg Potzies, der stets im weißen Anzug durch Berlin streift, etwa die bildschöne Journalistin und Komikerin Lucia aus Bratislava. Oder die erfolgreiche Alina aus New York, die sogar in einer Stadt, in der mehr als eine Million Juden leben, keinen Partner findet. Sie ist allerdings gerade schlecht auf Weber zu sprechen, weil der ihr keine neuen Vorschläge bringt, obwohl er ihr doch versprochen hatte, es gäbe für sie „Kunden ohne Ende“. Doch nicht nur Webers Klienten brauchen viel Geduld, für ihn selbst ist sie ebenfalls bitter nötig. Den Großteil seines Honorars erhält er nämlich erst, wenn beide Eheanwärter beim Rabbiner unter der Chuppa, dem jüdischen Hochzeitsbaldachin, gelandet sind. Von den früher üblichen zehn Prozent der Brautmitgift als Vermittlerlohn kann er nur träumen. Reich ist er von seiner Arbeit deshalb bisher nicht geworden, sein Glück hat er allerdings dennoch gefunden. Seine spätere Frau war nämlich zunächst als Klientin zu ihm gekommen. „Nehmen Sie doch direkt mich“, hätte er ihr am liebsten sofort gesagt, als sie durch seine Bürotür trat. Ganz Profi hat er das damals nicht gemacht, die große Liebe entwickelte sich trotzdem zwischen den beiden. Was immerhin für seine Menschenkenntnis spricht.

Fr, 3. Jan · 11:00-11:30 · HR
Menschliches Versagen (3)

Die Sendereihe von Michael Verhoeven wirft die bis heute beschämende Frage auf, in welchem Ausmaß die Zivilbevölkerung in Nazi-Deutschland zum Profiteur der systematischen Beraubung der Juden in Deutschland und in den besetzten Ländern geworden ist. Die drei Folgen zeigen an konkreten Geschichten die so genannte Arisierung von jüdischem Eigentum und Vermögen, die Ausgrenzung, Entrechtung und schließlich Deportation der jüdischen Bürger in Köln und München.

Fr, 3. Jan · 22:30-23:30 · PHOENIX
Innenansichten Deutschland 1937

1937 war die nationalsozialistische Diktatur nach innen gefestigt. Ihre Gegner hatten die Nazis erschlagen oder mundtot gemacht, sie in Konzentrationslager oder Gefängnissen weggesperrt oder in die Emigration getrieben. Die Wirtschaft erholte sich von der Weltwirtschaftskrise, das demokratische Ausland in Europa und Übersee begann sich mit dem „Dritten Reich“ zu arrangieren. Viele kritische Geister waren sich jedoch sicher, dass der schöne Schein, den die Nazis nach außen errichtet hatten, nur notdürftig den mörderischen Rassenwahn des Hitler-Regimes und seinen Militarismus kaschieren sollte. Zu diesen Menschen zählte auch der US-amerikanischen Dokumentarfilmer Julien H. Bryan, dem die nationalsozialistischen Behörden im Sommer 1937 überraschend eine Drehgenehmigung gewährt hatten. Bryan begab sich im September und Oktober 1937 nach Deutschland, um mit seiner Kamera hinter die Kulissen der Diktatur zu blicken. Bryans Ziel: seinen Landsleuten die Wahrheit über die Diktator vor Augen zu führen, die sich der Welt kurz zuvor bei den Olympischen Spielen 1936 als scheinbar friedliebendes und weltoffenes Land präsentiert hatte. In Deutschland durfte der Filmemacher zwar nur an genehmigten Schauplätzen filmen, dennoch gelang es ihm, auch den Machthabern unbequeme Szenen zu drehen. Regisseur Michael Kloft hat diese einzigartigen Filmdokumente ausgewertet und daraus einen faszinierenden Dokumentarfilm montiert. Ergänzt werden Bryans historische Bilddokumente durch die Erläuterungen des Filmemachers aus dem Jahr 1938, die der Schauspieler Matthias Brandt für den Dokumentarfilm neu eingesprochen hat, sowie von Statements zeitgenössischer Beobachter wie W. E. B. Du Bois. Dabei entsteht ein beklemmend authentisches Panorama Deutschlands im Jahr 1937, das im Gegensatz zum Gros der dokumentarischen Filme über das nationalsozialistische Deutschland nicht auf die Propagandaaufnahmen der Nazis zurückgreift, sondern alternatives Bildmaterial nutzt.

Sa, 4. Jan · 06:30-07:15 · BR
stationen.Dokumentation: Zwischen Vatikanstadt und Jerusalem: Die sensible Mission des Pater Norbert Hofmann

Wie ist das gegenwärtige Verhältnis zwischen katholischer Kirche und dem Judentum? Wie stehen Katholiken und Juden in theologischen Fragen zueinander? Autorin Susanne Hornberger begleitet den Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch, sowie seinen Mitarbeiter Pater Norbert Hofmann auf ihrer schwierigen Mission. Dabei wird deutlich, wie viel Verständnis und Einfühlungsvermögen auf beiden Seiten nötig sind bei den Treffen mit den Vertretern verschiedener jüdischer Organisationen in Rom, Assisi, New York, Washington und Jerusalem – und welch wichtige Rolle persönliche Freundschaften in diesem Dialogprozess spielen. Pater Hofmann, gebürtiger Franke, hat eine außerordentlich hohe Verantwortung, denn der damalige Papst Benedikt XVI. selbst war es, der der Verbesserung der Beziehungen zwischen Christen und Juden höchste Priorität beigemessen hat.

Sa, 4. Jan · 14:20-15:11 · arte
Frauen, die Geschichte machten: 3/6, Sophie Scholl

Sophie Scholl besaß weder Macht noch Einfluss. Den Platz in den Geschichtsbüchern erhielt sie, weil sie – von der Welt weitgehend unbeachtet – Stellung bezog und für ihre Haltung in den Tod ging. Dadurch wurde sie posthum zum Vorbild und zur moralischen Instanz. Sophie Scholl ist neben Claus Schenk Graf von Stauffenberg die wohl populärste Figur des Widerstands gegen die Nazis. Fotografien zeigen das jugendliche, beinahe kindliche Gesicht einer 20-Jährigen, das in merkwürdigem Gegensatz zu ihrer mutigen, unbeugsamen Haltung beim Verhör und vor Gericht steht. Es hat sich in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingeschrieben. Wie aber war Sophie Scholl zum Widerstand gegen das NS-Regime gekommen? Warum riskierte sie ihr Leben für ein paar Flugblätter, von denen damals nur wenige Zeitgenossen überhaupt Kenntnis nahmen? Sophie Scholl kam aus einem liebevollen Elternhaus, das den Mädchen die gleichen Rechte einräumte wie den Jungen. Sie wuchs zu einer selbstbewussten jungen Frau heran, die rauchte, gern Auto fuhr und sich mit ihrem Freund als Ehepaar ausgab, um gemeinsam in einem Hotelzimmer übernachten zu können. Freiheiten, die in der NS-Diktatur keinesfalls selbstverständlich waren. Früh entwickelt sie eine politische Meinung – zeitweise im Widerspruch zu Vater und Mutter. Der Weg Sophie Scholls in den Widerstand war nicht geradlinig. Im Gegenteil – so begeisterten sich die Geschwister Scholl wie viele Intellektuelle ihrer Generation anfangs für die Hitlerjugend, für das Wandern und Singen, für Lagerfeuer und Gemeinschaftserlebnisse. Rasch machte sie Karriere in der Hitlerjugend und im Bund Deutscher Mädel, was zu Spannungen im Elternhaus führte. Die allmähliche Abkehr von der NS-Ideologie war eine Folge von Vorfällen, bei denen die Geschwister zunächst durch ihren ausgeprägten Individualismus in Konflikt mit dem System gerieten. Sie mussten enttäuscht feststellen, dass die verordnete Gleichschaltung nicht die geringste Abweichung duldete. Doch erst im Krieg wurde aus der inneren Distanz zum System der endgültige Bruch. Hans Scholl und seine Freunde leisteten als Medizinstudenten Dienst in der Wehrmacht. Dort erfuhren sie von den entsetzlichen Verbrechen hinter der Front. Diese Erfahrungen, das Wissen um die millionenfache Ermordung von Juden und die sinnlosen Opfer im längst verlorenen Krieg, waren schließlich der Auslöser für die ersten Flugblätter der „Weißen Rose“. Anfangs war Sophie Scholl nicht aktiv beteiligt, erst im Winter 1942 gehörte sie dem kleinen Kreis von Studenten an, die in München weitere Flugblätter entwarfen und verteilten. Sie war zuständig für die Materialbeschaffung und wagte als Erste aus dem Freundeskreis die Fahrt in andere Städte, um dort die Texte zu verbreiten. Als Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 bei der Verteilung von Flugblättern an der Münchner Universität verhaftet wurden, bestand für Sophie Scholl noch eine Chance, der Gestapo zu entrinnen. Der Gestapobeamte Robert Mohr, der die Verhöre leitete, sagte nach dem Krieg aus, er habe Sophie Scholl nahegelegt, sich darauf zu berufen, dass sie unbedarft und schuldlos in die Sache ihres Bruders hineingezogen worden sei. Die junge Frau sei darauf jedoch nicht eingegangen. Stattdessen entschied sich Sophie Scholl dafür, Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen. Im Vernehmungsprotokoll heißt es nüchtern: „Es war unsere Überzeugung, dass der Krieg für Deutschland verloren sei, und dass jedes Menschenleben, das für diesen verlorenen Krieg geopfert wird, umsonst ist.“ Sophie Scholl hatte der Wahrheit die Ehre gegeben. Dafür musste sie mit ihrem Leben bezahlen.

Sa, 4. Jan · 19:15-19:30 · BR-alpha
Den Religionen auf der Spur: Jüdischer Schmuck aus dem Jemen

Wo liegen die religiösen Wurzeln eines harmlosen Kinderspiels wie des Huckepackreitens? Warum streckt man jemandem, der einen böse anschaut, in Nordafrika einen oder mehrere Finger entgegen? Reitet der Schamane tatsächlich auf seiner Trommel ins Jenseits? Warum zeigt das chinesische Kaisergewand mehr Züge von barbarischen Nachbarvölkern als von der konfuzianischen Staatsideologie? Religionen erscheinen uns häufig als komplexe, schwer durchschaubare Gebäude. Der Direktor des Münchner Völkerkundemuseums Dr. Claudius Müller nimmt die Zuschauer in der neuen Sendereihe „Den Religionen auf der Spur“ mit auf eine Reise durch Mythen außereuropäischer Kulturen.

Sa, 4. Jan · 20:15-21:05 · arte
Geheimbünde (1/3) – Die Masken der Verschwörer

Ob Freimaurer, Rosenkreuzer, Tempelritter, Illuminaten oder „Skull and Bones“ – die Mitglieder dieser Orden verstehen sich selbst als geistige Elite. Sie agieren im Verborgenen, sind extrem schweigsam und praktizieren uralte Rituale. Die dreiteilige Dokumentation ergründet die Anfänge verschiedener Geheimbünde, spürt Verfolgten und Gejagten nach, sucht nach Symbolen und versteckten Hinweisen – und räumt mit Mythen und Vorurteilen auf, die diesen geheimen Zirkeln den Wunsch nach der Weltherrschaft nachsagen. Sie macht vielmehr deutlich, dass jeder Geheimbund ein Produkt seiner Zeit ist. Der erste Teil der Dokumentation stellt diverse Geheimbünde vor, forscht nach den Ursachen und dem wahren Kern verschiedener Verschwörungstheorien. Geschehnisse, die die Menschen nicht erklären können, schieben sie oft düsteren Mächten zu. Die Mondlandung der Amerikaner, die Anschläge vom 11. September 2001, angebliche Nachfahren Jesu Christi – manche Menschen vermuten hinter fast allem eine geheime Verschwörung. Wie entstehen solche Theorien? Haben Sie einen wahren Kern oder sind sie bloße Fiktion? Der erste Teil der Dokumentation taucht ein in die Entstehungsgeschichte der wichtigsten Verschwörungstheorien. Warum wurden die Juden Anfang des 20. Jahrhunderts in besonderem Maße zum Feindbild? Wer hatte die Idee zu den „Protokollen der Weisen von Zion“, jenes erfundene Pamphlet, das einst auch die Nationalsozialisten für ihre Zwecke missbrauchten? Der Film zeigt die realen Hintergründe der Fälschung der Schrift, die noch heute von vielen Islamisten als real angesehen wird. Verschwörungstheorien kreisen auch um die Anschläge vom 11. September 2001. Danach war die US-Regierung in die Planungen eingeweiht. Aber gibt es ernstzunehmende Fakten, die diese These stützen? In den Vereinigten Staaten haben Verschwörungstheorien eine lange Tradition. Seitdem Bill Kaysing 1976 Zweifel an der Mondlandung der Amerikaner anmeldete, spinnen die Skeptiker ihre Theorien immer weiter. Angeblich sei die Landung in einem Studio inszeniert worden. Das glauben manche Menschen noch heute – obwohl die NASA alles getan hat, um derartige Zweifel auszuräumen. Aber warum halten sich Verschwörungstheorien so lange? Psychologen vermuten, dass der Hang zum Geheimen und zur Skepsis in der menschlichen Seele selbst begründet ist.

Sa, 4. Jan · 22:30-01:25 · MDR
Liebe und Tod auf Java

In diesem aufwendigen Melodram erleben Muriel Baumeister und Francis Fulton-Smith eine bewegende Liebesgeschichte in schwieriger Zeit. Zum großartigen Ensemble zählen Filip Peeters, Michael Mendl, Sonja Kirchberger, Julia Thurnau, Gottfried John und Sven Martinek. Java, 1939. Hellen (Muriel Baumeister), Tochter des deutschstämmigen Tabak-Plantagenbesitzers Arthur Landgraf (Michael Mendl), lernt den Bankier Hans Jakob Braun (Francis Fulton-Smith) kennen, der bei seiner Flucht aus Nazideutschland Hab und Gut zurücklassen musste. Die Liebe der beiden steht unter keinem günstigen Stern, denn mit dem Einmarsch der Nazis in Holland gelten Deutsche auch in der niederländischen Kolonie als Feinde. Es kommt zu Brandanschlägen auf die Plantage. Schließlich gibt Hellen dem Drängen ihres herzkranken Vaters nach und dem einflussreichen Holländer Joop van Boven (Filip Peeters) ihr Jawort. Diese Verbindung verspricht Schutz für Vater und Tochter. Dem Kolonialverwalter wird allerdings bald klar, dass das Herz seiner Verlobten für einen anderen schlägt. Hans wird indessen in einem Lager für Kriegsgegner interniert, da die niederländische Verwaltung in ihm trotz seiner Verfolgung als Jude in erster Linie den Deutschen sieht. Auf Hellens inständige Bitte verwendet Joop sich für den Nebenbuhler, der daraufhin wieder freikommt. Das Glück wäre perfekt, doch der Tod des alten Landgraf trifft Hellen hart. Gemäß dem Testament ist sie die Alleinerbin und gerät darüber in erbitterten Streit mit ihrem habgierigen Halbbruder Conrad (Sven Martinek). Während sie sich um Hans kümmert, der durch die Inhaftierung schwer erkrankte, reißt Conrad klammheimlich die Geschäfte an sich und führt die Plantage an den Rand des Ruins. Hellen wirft den intriganten Bruder und dessen kaltherzige Frau Ilse (Nadeshda Brennicke) aus dem Haus – doch mit Japans Kriegseintritt geschieht das Unerwartete: Die Japaner besetzen die Insel, und damit erlangen deren Verbündete auch auf Java wieder die Oberhand. Dank seiner guten Beziehungen zu den Nazis kann Conrad die verhasste Stiefschwester endlich von der Plantage verjagen. Hellen ist verzweifelt, dann aber wendet sich das Blatt erneut.

Sa, 4. Jan · 23:35-01:25 · Das Erste (ARD)
Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat

Deutschland, 1944. Der Zweite Weltkrieg hat das Land zutiefst erschüttert. Um der Herrschaft der Nazis ein Ende zu setzen, plant eine Gruppe von Offizieren die Ermordung Adolf Hitlers. Akribisch bereiten sie den Anschlag vor. Nichts soll dem Zufall überlassen bleiben. Der hochdekorierte Offizier Claus von Stauffenberg übernimmt die riskante Aufgabe, die Bombe im Konferenzraum von Hitlers Hauptquartier zu deponieren. Die Männer wissen, dass es danach kein Zurück mehr gibt. Doch am 20. Juli, dem Tag des Anschlags, kommt alles anders als geplant. Erfolgsregisseur Bryan Singer inszeniert die Geschehnisse des 20. Juli 1944 als vielschichtiges, bis in die Nebenrollen herausragend besetztes Drama. Während des Zweiten Weltkriegs wird der Wehrmachts-Offizier Claus von Stauffenberg (Tom Cruise) 1943 in Tunesien schwer verwundet. Er verliert sein linkes Auge, seine rechte Hand – und die letzten Illusionen über den Sinn dieses Krieges. Zurück in Deutschland, nimmt General Olbrich (Bill Nighy) Kontakt zu ihm auf: Er möchte Stauffenberg dazu bewegen, eine Gruppe abtrünniger Offiziere bei einem Attentat auf Adolf Hitler (David Bamber) zu unterstützen. Zu den Verschwörern gehören unter anderem Generalmajor Henning von Tresckow (Kenneth Branagh), General Ludwig Beck (Terrence Stamp) und Olbrich selbst. Stauffenberg schließt sich der Gruppe an, stellt aber entsetzt fest, dass es keinerlei Pläne für die Zeit nach Hitlers Tod gibt. Wer soll die Armee und die mächtigen Gefolgsleute des Führers bei der SS unter Kontrolle halten? In den folgenden Monaten tüfteln die Männer unter Stauffenbergs Anleitung einen Plan zur Machtübernahme aus. Dabei wollen sie das Regime mit seinen eigenen Waffen schlagen: Nach dem erfolgreichen Attentat soll Hitlers Notstandsplan „Walküre“ in Kraft treten, der den Einsatz einer Reservearmee vorsieht. Dadurch wollen die Putschisten eine Machtergreifung der SS verhindern. Sie schreiben die Befehle des Notstandsplans zu ihren Zwecken um. In einer wagemutigen Aktion kann Stauffenberg Hitler zum Unterzeichnen des verfälschten Dokuments bewegen. Alles scheint nach Plan zu laufen, das Datum des Anschlags rückt näher. Stauffenberg selbst will die Kofferbombe im Konferenzraum von Hitlers Hauptquartier, der „Wolfsschanze“, deponieren. Ein erster Versuch am 15. Juli 1944 misslingt – in letzter Sekunde können die Attentäter ihre Entdeckung verhindern. Nur fünf Tage später versuchen sie es erneut. Obwohl Hitlers Besprechung überraschend in einem anderen Raum stattfindet, für den die Bombe zu schwach sein könnte, geht Stauffenberg das Risiko ein. „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ erzählt die Ereignisse des 20. Juli 1944 als packendes Drama. Der Film setzt bei aller Spannung nicht auf reißerische Action, sondern auf komplexe Charaktere und eine minutiöse Schilderung der Ereignisse. Der amerikanische Regisseur Bryan Singer („Der Musterschüler“, „X-Men“) brachte als Adoptivsohn jüdischer Eltern auch ein persönliches Interesse an der Geschichte mit. Wenngleich er sich manche dramaturgische Freiheiten nimmt, inszeniert er die Geschichte mit angemessener Ernsthaftigkeit. Im Vorfeld gab es einige öffentliche Bedenken hinsichtlich der Besetzung von Tom Cruise, doch beim Kinostart wurde seine Verkörperung des deutschen Nationalhelden Claus von Stauffenberg von der Kritik fast einhellig gelobt.

So, 5. Jan · 14:00-16:15 · PHOENIX
HISTORISCHE EREIGNISSE: Vor 15 Jahren: Todestag von Sebastian Haffner (02.01.1999)

00.00 & 14.00 Uhr Mein Kampf mit Hitler Machtergreifung 1933 – Nach den Erinnerungen von Sebastian Haffner Film von Gordian Maugg und Peter Adler; 00.45 & 14.45 Uhr Generale Anatomie der Marneschlacht Film von Sebastian Haffner

So, 5. Jan · 16:15-16:45 · BR
Israels viertes Meer – Eine Reise rund um den See Genezareth

Seit biblischen Zeiten ist der See Genezareth bekannt. Schließlich wandelte schon Jesus über den See. Das Kamerateam begibt sich auf eine Reise um den See herum, um den Zuschauern Land und Leute in einer der schönsten Regionen des Heiligen Landes vorzustellen. Richard C. Schneider besucht das Benediktinerkloster Tabgha, eine christliche Pilgerstätte, die unmittelbar mit dem Wirken Jesu in Verbindung gebracht wird. Die Klosterkirche heißt „Brotvermehrungskirche“, da sie als Ort der „Speisung der Fünftausend“ gilt. In Tabgha leben seit 1939 Benediktinermönche. Mönche und deutsche Volontäre arbeiten gemeinsam in der Jugend- und Behindertenbegegnungsstätte Beit Noah, einem Teil des Komplexes aus Brotvermehrungskirche und Kloster.

Mo, 6. Jan · 21:45-23:15 · Das Erste (ARD)
Ein blinder Held – die Liebe des Otto Weidt

Mit List und Bestechung versucht der Berliner Bürstenfabrikant Otto Weidt in den 40er Jahren, seine Mitarbeiter, die fast alle Juden und fast alle blind sind, vor dem Zugriff der Gestapo zu bewahren. Als seine Sekretärin Alice Licht am Ende nach Auschwitz deportiert wird, macht sich Weidt, selbst nahezu blind, auf den Weg, um sie zu befreien. Es gelingt ihm, doch seine Liebe zu ihr bleibt unerfüllt. Berlin 1941. Die Werkstatt des Bürstenherstellers Otto Weidt gilt bei Berliner Juden, die in „kriegswichtigen“ Betrieben Zwangsarbeit leisten, als gute Adresse. Weidts irritierend enge Kontakte zur Gestapo und regelmäßige Bestechungen bieten ihm den Spielraum, seine Angestellten zumindest in den Räumen der Werkstatt vor den alltäglichen Herabwürdigungen zu schützen. „Papa Weidt“ wird er von allen genannt. Zu den wenigen Nicht-Blinden in der Werkstatt zählt Alice Licht, eine hübsche junge Frau aus gutbürgerlichem Haus. Mit Witz, Charme und Organisationstalent wird sie bald zu Ottos rechter Hand. Doch die beiden verbindet mehr als die Arbeitsbeziehung. Otto ist verheiratet, kein Jude, Ende 50 und fast blind; Alice, Jüdin, glatte 40 Jahre jünger und voller Pläne für ein eigenes Leben. Beide sind vom selben Schlag. Schnell begreift Alice Ottos kompliziertes System aus legalen Geschäften, Schiebereien und Gefälligkeiten und erweist sich als kaum weniger einfallsreich als er selbst. Sie bewundert ihn. Für Otto ist Alice die Verheißung auf ein Leben, das er gern geführt hätte. Aber die Schlinge um den Werkstattbetrieb zieht sich zu. Trotz regelmäßiger „Besuche“ der Gestapo scheint zunächst alles gut zu gehen. Doch dann werden fast sämtliche jüdischen Mitarbeiter auf einen Schlag abgeholt. Dieses eine Mal schafft es Otto Weidt noch, seine Blinden aus dem nahen Sammellager der Gestapo wieder herauszuholen. Während Alice und die anderen noch ganz darauf vertrauen, dass Papa Weidt sie auch weiter beschützen wird, ahnt dieser schon, dass die schlimmste Zeit noch bevorsteht. In aller Heimlichkeit beginnt er mit der Vorbereitung von Verstecken, bei Freunden und Bekannten, aber auch in den Räumen der Werkstatt. Als die massenhaften Deportationen beginnen, sind fast alle untergetaucht. Aber die Existenz im Versteck ist auf die Dauer kaum zu ertragen. In einem einzigen Moment der Vertrauensseligkeit werden alle Verstecke an einen „Greifer“ verraten. Immerhin schafft es Weidt durch seine Gestapo-Kontakte, dass zumindest Alice und ihre Eltern nach Theresienstadt kommen, wo er sie wenigstens durch Lebensmittelsendungen unterstützen kann. Aber nach einigen Monaten trifft eine Postkarte von Alice ein, abgestempelt in einem Ort in Oberschlesien nicht weit von Auschwitz. Darin gibt sie verklausuliert über ihre Verlegung nach Birkenau Bescheid. Otto Weidt zögert nicht lange: Als Handelsvertreter seiner eigenen Bürsten und Besen macht er sich auf den Weg, um Alice zu retten. In Auschwitz angekommen, bringt er in Erfahrung, dass Alice – ohne ihre Eltern – bereits weiter in ein Lager bei Christianstadt in der Niederlausitz gebracht worden ist, Teil einer riesigen Munitionsfabrik. Otto reist ihr nach, mietet ein Zimmer, versteckt dort Kleidung, Geld und eine Nachricht, die über einen Kontaktmann zu Alice gelangt. Erst im Januar 1945, im Laufe der chaotischen Auflösung des Lagers, gelingt Alice die Flucht. Über Christianstadt schafft sie den Weg zurück nach Berlin. Während der letzten Wochen des verlorenen Krieges und in den ersten Monaten danach beherbergen Otto und seine Frau Else sie. Dann ist alles vorbei. Otto hofft immer noch auf eine gemeinsame Zukunft. Aber Alice kann und will nicht bleiben. Deutschland ist nach dem Verlust ihrer Eltern und den grauenvollen Erlebnissen nicht mehr ihre Heimat. Sie erhält schließlich die Einreisegenehmigung in die USA und verlässt Berlin. Otto bleibt zurück, allein. Zwei Jahre später stirbt er. An sein Wirken erinnert heute nur noch das „Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt“ in Berlin-Mitte und die israelische Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“.

Di, 7. Jan · 08:55-10:43 · arte
Biblische Detektivgeschichten

Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen erläutern ihre Forschungsergebnisse und erlauben faszinierende Einblicke in die Glaubenswelt der ersten Israeliten sowie in die Entstehungsgeschichte der Bibel und der ersten monotheistischen Religion. Durch die einzigartige Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus verschiedenen Forschungsbereichen beleuchtet der Dokumentarfilm zentrale Fragen der Biblischen Archäologie. Dabei werden erstmals die Ergebnisse von über hundert Jahren Textanalyse den Befunden von jahrzehntelangen Ausgrabungen im Heiligen Land gegenübergestellt. Dies soll helfen zu klären, ob das Judentum – die erste monotheistische Religion – bereits zu Abrahams Zeiten als zusammenhängende Einheit erkennbar war. Sowohl archäologische Funde als auch biblische Belege beweisen eindeutig, dass die meisten Israeliten lange Zeit auch heidnische Götter anbeteten. Darüber hinaus glaubten viele von ihnen, Gott habe eine Frau, die ebenfalls verehrt wurde. Erst nach der Zerstörung Jerusalems entwickelten die Juden im babylonischen Exil die Vorstellung von einem einzigen universellen Gott. Und auch die fünf ersten Bücher der Bibel wurden erst während der Babylonischen Gefangenschaft, also zwischen 597 und 538 vor Christus geschrieben. Die tragische Erfahrung des Verlusts Jerusalems und die des Exils bildeten den fruchtbaren Boden, auf dem sich die beiden jahrtausendealten Grundlagen des Judentums entwickeln konnten, der Monotheismus und die Bibel. Aus diesen Elementen gingen später nicht nur Christentum und Islam, sondern die gesamte moderne Kultur hervor.

Di, 7. Jan · 15:00-16:00 · BR-alpha
Planet Wissen: Ich habe Auschwitz überlebt

Esther Bejarano durchschritt im April 1943 das Tor des Konzentrationslagers Auschwitz. Nur wenige überlebten die Vernichtungslager. Esther Bejarano ist eine von ihnen. Dass sie im Mädchenorchester Auschwitz mitspielen durfte, rettete ihr vermutlich das Leben, sagt sie rückblickend. Dennoch erlebte siwe Momente unauslöschlichen Grauens – aber auch Gesten unfassbarer Solidarität. Heute ist sie unermüdlich unterwegs, um sich dafür einzusetzen, dass so etwas wie Auschwitz nie wieder passiert. Esther Bejarano durchschritt im April 1943 das Tor des Konzentrationslagers Auschwitz. Dieses Lager ist inzwischen Sinnbild der systematischen Ermordung der Juden während des Naziregimes. Nur wenige überlebten die Vernichtungslager. Esther Bejarano ist eine von ihnen. Dass sie im Mädchenorchester Auschwitz mitspielen durfte, rettete ihr vermutlich das Leben, sagt sie rückblickend. Dennoch lernte auch sie die sadistischen Schikanen der SS, Krankheit, Kälte und Hunger kennen. Sie erlebte Momente unauslöschlichen Grauens – aber auch Gesten unfassbarer Solidarität. Heute ist sie unermüdlich unterwegs, unter anderem auch mit der Rap-Band „Microphone Mafia“, um sich dafür einzusetzen, dass so etwas wie Auschwitz nie wieder passiert.

Di, 7. Jan · 22:45-00:15 · Das Erste (ARD)
The Voice of Peace

Ein Mann – und sein Traum von einer heilbaren Welt. So könnte die Überschrift über dem Leben des außergewöhnlichen Friedensaktivisten Abie Nathan (1927 – 2008) aus Tel Aviv lauten. Abie Nathan, ehemaliger Kampfpilot und später überzeugter Pazifist, lebte nach dem Motto: „Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.“ Mit einer Handvoll Freiwilliger machte er sich auf in die Krisenregionen seiner Zeit: Naturkatastrophen, Hungersnöte, Kriegsschäden – Abie Nathan verließ sich nicht auf Organisationen, sondern mobilisierte Freiwillige und Sponsoren, half spontan und unbürokratisch. Sein persönlicher Charme und die Leidenschaft für seine Sache öffneten ihm die Türen bei damals prominenten Künstlern und Staatsmännern. Mit ungewöhnlicher Direktheit und überraschenden Gesten setzte er maßgeblich den Aussöhnungsprozess zwischen der arabischen Welt und Israel in Gang. Legendär ist sein Piratensender „The Voice of Peace“, der von 1973 bis 1993 „von irgendwo im Mittelmeer“ neben moderner Popmusik Friedensbotschaften in den Mittleren Osten sendete, unterstützt von internationalen Musikgrößen jener Zeit: John Lennon, George Harrison, Gloria Gaynor, Joan Baez oder Peter Seeger. Abie Nathan hatte jedoch immer mehr als Israel im Blick: Ihm ging es um die ganze Welt und um jeden einzelnen Menschen darauf. Anlässlich seines Einsatz bei der Hungersnot im afrikanischen Biafra (1969) sagte er in einem Interview: „Es ist einfach die Pflicht eines jeden menschlichen Wesens, hierherzukommen und zu helfen.“ Yoko Ono, Zubin Mehta, Michael Caine, Shimon Peres, Daniel Barenboim, viele Prominente, internationale Weggefährten aus Politik und Kultur: Mit ihren Erinnerungen und Einschätzungen entreißt der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilmregisseur Eric Friedler (u. a. „Aghet – Ein Völkermord“, „Der Sturz“, „Ein deutscher Boxer“) Abie Nathan dem Vergessen und entdeckt für die Nachgeborenen nicht nur einen großen Freund der Menschen, sondern auch einen unermüdlichen Ideenproduzenten, charmanten Bohemien und einfallsreichen Unternehmer. Denn es war Lebemann Abie Nathan, der den Hamburger nach Israel brachte, und sein Lokal „Café California“ war quirliger Treffpunkt für die junge, angesagte Szene der wachsenden Metropole Tel Aviv. Eric Friedler folgt filmisch mit einem innovativen Einsatz von dokumentarischen Fotos und sorgsam recherchierten Archivbildern der verschlungenen Biografie von Abie Nathan quer über den Erdball. Begleitet von dem begeisternden Sound der Musik der 60er, 70er und 80er Jahre erleben die Zuschauer die vielen Wendungen eines Ausnahmelebens: Im Jahr 1966 flog Abie Nathan in einer spektakulären Aktion mit seinem Privatflugzeug „Shalom 1“ nach Port Said und raubte dem im Kriegszustand mit Ägypten lebenden Israel den Atem – zurückgekehrt wurde er prompt verhaftet. Silvester 1976 verbrachte Abie Nathan mit seinem Radioschiff auf dem Suezkanal – damals ein krimineller Akt für einen israelischen Staatsbürger. Ins Gefängnis kam er jedoch erst wieder 1991, als er sich mit PLO-Chef Arafat traf. Drei Jahre später erhielt Shimon Perez gemeinsam mit Arafat übrigens den Friedensnobelpreis. Politpoet, Menschenfreund und Musikfan: Gerade heute ist Abie Nathans Leben eine Inspiration für unsere komplexe, verwundete Welt. Eric Friedler dazu im Interview: „Abie wäre heute sicher längst in Syrien, auf den Philippinen oder auf Lampedusa.“

Di, 7. Jan · 23:00-00:30 · RBB
Im Schatten des Gulag – Als Deutsche unter Stalin geboren

Jüdische Kommunisten aus Deutschland gehen in den 1930er-Jahren ins sowjetische Exil, um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen. Ihre Kinder gehen mit ihnen oder werden im Exil geboren. Während der stalinistischen Säuberungen werden Mütter oder Väter in Moskau verhaftet, in Gulags verschleppt oder gar erschossen. Einige Kinder kommen in ein Kinderheim, andere werden nach Sibirien oder Kasachstan deportiert. Der Film geht der Frage nach, wie „Kinder des Gulag“ mit einem Verbrechen an ihren Eltern leben können, über das nicht gesprochen wurde und das auch nicht als solches bezeichnet werden durfte. Leben in Unfreiheit – sei es im Heim, in der Verbannung oder im Lager – wird Normalität. Sie sind Fremde in dem Land, dessen Sprache sie sprechen. Sie sind Deutsche. Und Deutsche haben die Sowjetunion überfallen. Erst in den 1950er-Jahren kommen sie nach Deutschland, sind Fremde in dem Land, das ihre Heimat sein soll. Sie sprechen die Sprache nicht, sind als „Russen“ auch nicht sonderlich beliebt in der Zeit nach dem Krieg. Der Teil Deutschlands, in dem sie nun leben, die DDR, wird regiert von Männern, die auch aus dem sowjetischen Exil zurückkehrten, ohne verfolgt worden zu sein, und die viele, auch sehr persönliche Gründe haben, über die Jahre des stalinistischen Terrors zu schweigen und das Schweigen darüber zu verordnen. Erst heute sind die „Kinder des Gulag“ bereit zu sprechen. Sie erzählen Geschichten vom Verlassensein, von Gefühlen der Fremdheit und Distanz gegenüber den Eltern oder aber von symbiotischen Beziehungen, durch die sie bis heute die kommunistischen Ideale ihrer Eltern leben. Die meisten unserer InterviewpartnerInnen erzählen das erste Mal über ihre Erinnerungen, sie sprechen von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit, von zahlreichen Brüchen in ihrem Leben, von wechselnden Identitäten und vom verordneten Schweigen. Viele wissen bis heute nicht, was mit ihren Eltern (und mit ihnen) damals wirklich geschah. Es kommen etwa 20 Frauen und Männer zu Wort, die eines miteinander verbindet: Ihre Eltern waren Opfer der stalinistischen Säuberungen und wurden von ihren eigenen Genossen verfolgt oder ermordet.

Mi, 8. Jan · 01:45-03:23 · arte
Modus Operandi – Die belgische Shoah

Ab Mai 1940 setzte sich in Belgien die antisemitische Maschinerie der Nazis unerbittlich in Bewegung. Beinahe 25.000 Juden wurden nach Auschwitz deportiert, das war fast die Hälfte der damaligen jüdischen Bevölkerung Belgiens. Nicht einmal fünf Prozent der Deportierten kehrten zurück. Verantwortlich für das mörderische Unternehmen waren einige wenige Deutsche vor Ort, die sich allerdings bei der Durchführung auf zahlreiche aktive und passive belgische Helfer stützen konnten: Beamte, Polizisten oder im Land gebliebene politische Amtsträger. Der Dokumentarfilm von Hugues Lanneau scheut sich nicht, auf die lange im Dunkeln gebliebene Mitverantwortung der belgischen Verwaltung hinzuweisen. Es gibt zahlreiche Filme, die die Shoah als Gesamtphänomen mit ihren sechs Millionen Toten und den Konzentrationslagern behandeln. Weniger bekannt sind jedoch oft die konkreten Umstände, die in die Vernichtung führten. Genau dieser Frage geht der Dokumentarfilmer Hugues Lanneau nach. Er zeigt auf, wie nach dem Einmarsch der Deutschen vor den Augen der belgischen Bevölkerung eine Todesmaschinerie eingerichtet wurde, die in 26 Transporten fast 25.000 Menschen nach Auschwitz verschleppte. Sein Dokumentarfilm zeichnet die einzelnen Etappen der Judenverfolgung bis hin zur sogenannten „Endlösung“ nach. Es begann mit dem Ausschluss der Juden aus dem gesellschaftlichen Leben, es folgten diskriminierende Maßnahmen wie das Verbot, bestimmte Berufe auszuüben, die Erfassung im „Judenregister“, die Verpflichtung zum Tragen des Judensterns ab Juni 1942, die Aufforderung zur „Zwangsarbeit im Osten“ durch die von den Deutschen gegründete „Vereinigung der belgischen Juden“ (AJB, Association des juifs de Belgique), Razzien in Brüssel und Antwerpen und schließlich die Deportation nach Auschwitz. Dabei geht es auch um die Rolle der im Dienste der Nazis stehenden Zeitungen sowie um die Beteiligung der belgischen Verwaltungen und Beamten an Erfassung und Deportation der jüdischen Bevölkerung. In Belgien war besonders, dass damals die Fremdenpolizei Personalakten über alle auf belgischem Boden lebenden Ausländer anlegte, und dafür ein Foto von ihnen verlangte. Daher besitzt Belgien Bilder von allen ausländischen Juden, die im Land lebten und deportiert wurden. So kann man auch heute noch nachvollziehen, welche Menschen dieses Schicksal persönlich erlitten. Außerdem behandelt der Film auch die belgischen Widerstandsbewegungen, insbesondere das Wirken des „Ausschusses zur Verteidigung der Juden“ (Le Comité de Défense des Juifs).

Mi, 8. Jan · 15:00-16:00 · WDR
Planet Wissen: Vom Skinhead zum Pastor

Johannes Kneifel ist 17, als er einen Mann mit Fausthieben so schwer verletzt, dass dieser stirbt. Kneifel gehört damals der Neo-Nazi-Szene an, ist gewaltbereit, ständig alkoholisiert und hat kaum Zukunftsperspektiven. Heute ist er 31 Jahre und arbeitet als Pastor in einer eigenen Gemeinde. Zunächst dreht sich während seiner Gefängnisstrafe die Gewaltspirale weiter. Er prügelt sich mit Mithäftlingen, kommt in Einzelhaft und befindet sich in einer ausweglosen Situation. Doch dann findet Johannes Kneifel im Gefängnis den Weg zum Glauben und zu Gott. Noch hinter Gefängnismauern absolviert er eine Berufsausbildung. Er holt seinen Schulabschluss nach, studiert Theologie und beginnt ein neues Leben als Pastor in einer freikirchlichen Gemeinde im Osten Deutschlands. Dort und vor Schülern predigt er heute gegen Hass und Gewalt. Wie kam es zur Wandlung von Johannes Kneifel, wie sehr belastet die Vergangenheit seinen Neuanfang und wie ist es um die Resozialisierung von jungen Straftätern bei uns bestellt? Mit seinem Lebensweg vom Totschläger zum Pastor kann Johannes Kneifel viele Fragen beantworten.

Mi, 8. Jan · 21:00-21:45 · BR
Kontrovers extra

Antisemitismus heute – wie judenfeindlich ist Deutschland?

Mi, 8. Jan · 22:15-00:05 · RBB
Nacht über Berlin

Die Geschichte eines leidenschaftlichen Paares, das sich zur falschen Zeit begegnet. Das ebenso spannende wie anrührende TV-Event zeigt das facettenreiche, pulsierende Berliner Leben in den Wochen vor dem Reichstagsbrand vor 80 Jahren. Während die Weimarer Republik zwischen linken und rechten Extremisten zerrieben wird, prallen auch in der Reichshauptstadt gegensätzliche Welten aufeinander. In den Hauptrollen beeindrucken Anna Loos und Jan Josef Liefers. Berlin, 1932. Albert Goldmann sitzt als gemäßigter SPD-Abgeordneter im Berliner Reichstag. Nach seinen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg ist der idealistische jüdische Arzt zum leidenschaftlichen Demokraten geworden, der nur eines will: Nie wieder Krieg! Entgegen seiner pazifistischen Überzeugung lässt er sich von seinem jüngeren Bruder Edwin, Mitglied einer radikalen kommunistischen Zelle, zu einem heiklen Kurierdienst überreden. Prompt gerät er in eine Polizeikontrolle und entgeht nur dank der spontanen Hilfe der selbstbewussten Henny Dallgow seiner Enttarnung. Die unangepasste Tochter aus reichem Haus ist beeindruckt von dem engagierten Arzt, der den sozial Schwachen hilft und sich als streitbarer Reichstagsabgeordneter für den Fortbestand der jungen und nicht sehr angesehenen Demokratie einsetzt. Henny wiederum macht ihren persönlichen Traum wahr und übernimmt das „Ballhaus“ von dem Juden Matze Belzig, der die Zeichen der Zeit erkennt und rechtzeitig nach Amerika emigriert. Als Sängerin, die in ihrem mondänen Etablissement wie selbstverständlich SA-Männer zu ihren Gästen zählt, verkehrt Henny in einer Welt, die den Juden Albert abstößt. Über diese Gegensätze hinweg entwickelt sich jedoch eine große Liebe, die unter keinem guten Stern steht. Im Februar 1933, als die Lage auf den Straßen eskaliert, erfährt Henny vom künftigen Mann ihrer Cousine Uta, dem den Nazis zugewandten Karrieristen Erhart von Kühn, dass Albert in Gefahr ist. Sie will ihn warnen, doch Albert ist unterwegs zum Reichstag, um einen verwirrten Patienten daran zu hindern, eine Dummheit zu begehen.

Fr, 10. Jan · 15:00-16:00 · BR-alpha
Planet Wissen: Ein Deutscher wird Starkoch in Israel

Tom Franz siegt als erster Deutscher bei der israelischen Kochshow „Masterchef“. Mit seinen koscheren deutschen Rezepten gewinnt er die Herzen der jüdischen Fans. Über 50% Einschaltquote erreicht die beliebteste israelische Fernsehsendung mit dem passionierten Hobbykoch. Inzwischen ist er weltweit bekannt. Tom Franz schildert, wie es sich anfühlt, unerwartet Starkoch zu werden, was er dafür aufgegeben hat und ob er sich als Deutscher in Israel wirklich zuhause fühlt.

Fr, 10. Jan · 23:15-00:00 · WDR
Winter 42/43 – Kriegswende

Es ist der Winter, in dem die Einen ahnen, dass der Endsieg Propaganda ist und der Frieden fürchterlich wird. Und der Winter, in dem all die Unterdrückten und Verfolgten in Europa endlich Hoffnung schöpfen und eine Befreiung Europas vom Nationalsozialismus plötzlich wieder vorstellbar ist. Die Alliierten sind in Nordafrika gelandet. Die Wehrmacht besetzt daraufhin auch den Süden Frankreichs – eine Defensivreaktion. Der französischen Widerstand, die Résistance, fühlt sich gestärkt, auch die anderen europäischen Widerstandsbewegungen gewinnen an Boden. Hinter der Front und in den KZs läuft die Vernichtungsmaschine weiter. Doch wer als Deutscher noch an das Regime glaubt, muss spätestens im Januar 1943 mit dem Untergang der 6. Armee in Stalingrad einsehen, dass der Krieg verloren ist. Die deutschen Städte sind regelmäßig Ziel nächtlicher Bombenangriffe, die Versorgungslage wird schlechter. In Nordafrika zeichnet sich eine Niederlage der deutschen Truppen ab, im Atlantik fahren immer mehr deutsche U-Boote ihrem Untergang entgegen. Und an dem Februartag 1943, an dem Goebbels in Berlin den Totalen Krieg fordert, werden in München die Geschwister Scholl verhaftet. Sie geben ihr Leben für ein Europa der Freiheit, das in diesem Winter plötzlich wieder möglich erscheint… Vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse zwischen November 1942 und Februar 1943 taucht diese Dokumentation ein in die sehr persönlichen Erinnerungen hochkarätiger Zeitzeugen aus acht verschiedenen Ländern Europas und erzählt, woran sie glaubten in diesem Winter 42/43, was sie wussten, ahnten, hofften – in Deutschland, Österreich und Italien, in Frankreich, England und der Sowjetunion, in Ungarn und Polen. Die ungarische Philosophin Agnes Heller, der algerisch-französische Journalist Jean Daniel, Italiens Krimikönig Andrea Camilleri und die kurz nach dem Interview verstorbene Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich liefern ein differenziertes und überraschendes Bild der Atmosphäre in diesen Monaten, als die einen den Glauben an den Sieg verloren und die anderen wieder auf Befreiung hofften. In die filmische Erzählung sind Tagebuch- und Briefauszüge eingewoben, die einen tiefen Eindruck der Gefühlslage der Menschen in dieser Zeit vermitteln. Die Aufzeichnungen des 14-jährigen jüdischen Mädchens Rutka Laskier führen uns in ein Ghetto nach Polen. Der Briefwechsel zwischen der jungen Widerstandskämpferin Sophie Scholl und ihrem Freund Fritz Hartnagel, der als Soldat in Stalingrad kämpft, erzählt von der großen Sehnsucht nach Nähe im Angesicht der schrecklichen Ereignisse. Die Berichte des Schweizer Konsuls Franz Rudolf von Weiss lassen uns teilhaben am langsamen physischen und moralischen Verfall der Menschen in Hitlerdeutschland. Das Tagebuch der Berliner Journalistin Ursula von Kardorff zeigt die Zerrissenheit vieler Deutscher in diesen Monaten der Kriegswende: Die Sehnsucht nach einem Ende des Krieges und das Wissen, das man wird bezahlen müssen für all das, vor dem viele die Augen verschlossen haben. Die Archivmaterialien, die den Film visuell tragen, stammen zu einem großen Teil von Amateuren und sind nicht durch den Blick der Propaganda-Maschine gefiltert. Auch sie geben einen überraschenden Blick auf den Kriegsalltag. So entfaltet sich vor den Augen der Zuschauer ein dichtes, atmosphärisches Panorama der Menschen, ein Bild ihrer Einschätzungen, ihres Alltag, ihrer Gefühlen, ein Eintauchen in den Moment, als noch nicht klar war, wie alles endet. Berührende Erinnerungen an ein und denselben Zeitpunkt aus verschiedensten Perspektiven. Auf diese Weise entsteht ein anderes, ein ungewohnt komplexes Bild von Europa im Krieg: dicht, atmosphärisch, multiperspektivisch, bewegend.

Sa, 11. Jan · 22:25-23:55 · MDR
Ein Fall für Annika Bengtzon – Nobels Testament

Auf der exklusiven Nobelpreisgala geben sich prominente Wissenschaftler aus der ganzen Welt ein einzigartiges Stelldichein. Reporterin Annika Bengtzon soll über das glamouröse Großereignis berichten. Doch daraus wird nichts. Die Festivität ist auf dem Höhepunkt, als dort ein blutiges Attentat verübt wird – direkt vor Annikas Augen. Während in allen Redaktionen die Drähte heiß laufen, darf ausgerechnet Annika als Tatzeugin über den tödlichen Zwischenfall nicht berichten. Caroline von Behring, Vorsitzende des Nobelpreiskomitees, erliegt noch am Tatort ihren schweren Verletzungen, das Leben des israelischen Professor Aaron Wiesel hängt an einem seidenen Faden. Da der jüdische Wissenschaftler für seine umstrittene Stammzellenforschung den Nobelpreis für Medizin erhalten hat, ist das Attentat auf ihn offenbar politisch motiviert. Während alle Ermittlungen in diese Richtung laufen, vermutet Annika, dass Caroline von Behring nicht zufällig in der Schusslinie war. Ein Gespräch mit deren Kollegin Birgitta Larsén, die anscheinend mehr weiß, als sie sagt, erhärtet den Verdacht. Kurz darauf meldet sich der junge Laborant Isaksson, der Annika Informationen über den Attentäter verkaufen will. Aber dazu kommt es nicht, denn der Chemiker stirbt bei einem mysteriösen Unfall. Die Reporterin ist auf der richtigen Spur, ahnt aber nicht, dass sie in Lebensgefahr schwebt.

So, 12. Jan · 13:25-14:54 · arte
1913: Der Tanz auf dem Vulkan

1913 ist das letzte friedliche Jahr vor dem Ersten Weltkrieg. Die Künstler erahnen in ihren Werken jedoch schon die düsteren Zeiten: Autoren schreiben verzweifelte Texte, Maler zerstören Perspektiven. Und Igor Strawinsky schafft mit „Le Sacre du Printemps“ den aggressiven Soundtrack zur kulturellen Revolution. Der Dokumentarfilm beleuchtet dieses spannende Jahr aus verschiedenen Perspektiven und zeigt, warum Strawinskys Werk symbolisch für die Strömungen der Zeit steht. 2013 wird Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ 100 Jahre alt. Bei der Uraufführung am 29. Mai 1913 kommt es zum Eklat: Das Pariser Publikum reagiert empört auf die brachialen Melodien des russischen Komponisten und die rohe Choreographie von Vaslav Nijinsky. Der Dokumentarfilm „1913 – Der Tanz auf dem Vulkan“ geht dem Ballett „Le Sacre du Printemps“ und seiner Zeit auf den Grund. In elf Kapiteln entwirft ein sechsköpfiges Autorenteam das spannende Mosaik eines aufregenden Jahres: Stalin und Hitler leben zeitgleich in Wien, lange bevor sie Tyrannei und Schrecken über Europa bringen. Währenddessen feiern die Könige des alten Europas in Berlin die Hochzeit von Preußens Prinzessin Viktoria Luise und ahnen nicht, dass sie schon bald all ihre Macht verlieren. Doch die Künstler deuten die dunklen Zeiten in ihren Werken bereits an: Picasso malt perspektivlos. Coco Chanel verbannt Schnörkel aus der Mode. Kafka verzweifelt an seinem Vater. Und Igor Strawinsky schreibt mit „Le Sacre du Printemps“ die aggressive Begleitmusik zum Aufbruch in ein neues Zeitalter.

Mi, 15. Jan · 21:50-22:00 · 3sat
Notizen aus dem Ausland

Orthodoxe Juden

Mi, 15. Jan · 22:45-00:40 · RBB
Rosa Luxemburg

„Wie kommt das, dass Menschen über andere Menschen entscheiden dürfen?“ In einem Warschauer Gefängnis notiert Rosa Luxemburg 1906 eine Frage, die sie ihr Leben lang umgetrieben hat – als Publizistin, Rednerin und Politikerin. Schon früh hatte die Tochter einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie damit begonnen, sich politisch zu engagieren, zunächst in der deutschen Sozialdemokratie, später dann im revolutionären Spartakusbund. Doch die politischen Auseinandersetzungen in Europa werden zunehmend gewalttätiger. Ein Gefängnis in Warschau, 1906: Die „Vorwärts“-Redakteurin Rosa Luxemburg ist unter dem Eindruck der Russischen Revolution von 1905 nach Polen gekommen, um mit ihrem Geliebten Leo Jogiches die Ideen der Arbeiterbewegung zu verbreiten. Es ist nicht das erste Mal, dass sie inhaftiert wird. Geboren 1871 als Tochter einer polnisch-jüdischen Kaufmannsfamilie, hatte Luxemburg früh begonnen, sich politisch zu engagieren. Nach ihrer Promotion zum Dr. jur. ließ sie sich in Berlin nieder und trat der SPD bei. Innerhalb der deutschen Sozialdemokratie wirkte sie wie ein Paradiesvogel: eine eigenwillige, dem Leben zugewandte Frau, kompromisslos im Privatleben und in ihrer Politik. Nachdem August Bebel ihre Freilassung aus der Warschauer Zitadelle erkauft hat, gerät die begabte Journalistin und Rednerin in Konflikt mit der zunehmend staatstragenden Linie ihrer Partei. Verbündete findet sie in der Politikerin Clara Zetkin und schließlich in Karl Liebknecht, dem einzigen Reichstagsabgeordneten, der 1914 gegen die Kriegskredite stimmt. Luxemburgs leidenschaftliche Reden gegen den Krieg führen zum Zerwürfnis mit der SPD, zu Prozessen und weiteren Haftstrafen. Aber weder Isolation noch Krankheit brechen ihren Geist. Als Mitbegründerin des „Spartakus“-Bunds und Redakteurin der „Roten Fahne“ setzt sie nach dem Krieg ihre Arbeit unter veränderten Vorzeichen fort. Den Optimismus Liebknechts, der auf eine deutsche Revolution hofft, teilt sie allerdings nicht. Die Ereignisse geben ihr auf furchtbare Weise Recht. In der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht verhaftet und ermordet.