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Fernsehtipps für die tristen Tage

Vom 01. bis 15. November 2013…

Fr, 1. Nov · 04:30-05:15 · PHOENIX
Rätsel um Ashkelon – Jahrhundertfund in Israel

Der Traum vieler Archäologen erfüllte sich für Lawrence Stager. Der Harvard-Professor bekommt 1985 von Leon Levy, einem reichen amerikanischen Geschäftsmann, die Finanzierung einer Ausgrabung seiner Wahl angeboten. Der Archäologe entscheidet sich für das alte Askalon in Israel. Die Leon-Levy-Ausgrabung – ein Mammutprojekt. Askalon – ein fast vergessener Name. Bereits um 3500 v. Chr. ein bedeutender Seehafen, war die strategisch günstig gelegene Stadt fast 5.000 Jahre ein wichtiger Umschlagsplatz. An den Handelswegen von Kleinasien und Syrien nach Ägypten gelegen, stand die Metropole stets im Kreuzfeuer der Geschichte. Mehrmals zerstört und wieder neu aufgebaut, gerät Askalon nach der endgültigen Zerstörung durch die Mamelucken in Vergessenheit. Die historischen Zeugnisse einer bewegten Vergangenheit schlummerten Jahrhunderte unter der Erde des „Heiligen Landes“. Seit 17 Jahren bringt das Wissenschaftlerteam um Prof. Stager Licht ins Dunkel von Askalon. Die antike Stätte des heutigen Badeorts Ashkelon entpuppt sich als wahrer archäologischer Schatz. Die zahlreichen Funde liefern den Experten brauchbare Informationen über sechs vergangene Kulturen. 37 v.Chr. eroberten die Römer den Seehafen. Unter ihrer annähernd vierhundertjährigen Herrschaft erblühte Askalon zum internationalen Handelszentrum. Prunkvolle Villen und prächtige Badehäuser sind stumme Zeugen der damaligen Lebensart.In einem der „Wellness-Zentren“ aus dem 4. Jahrhundert n.Chr. machte das Ausgrabungsteam um Prof. Stager eine grausige Entdeckung: die Skelette von mehr als hundert Neugeborenen – einfach in den Abfluss geworfen, wie es scheint. Eine Untersuchung der über viele Jahrhunderte in den Knochen erhaltenen DNA der Gebeine ergibt, dass die meisten der traurigen Geschöpfe Jungen waren. Die Alten Römer waren nicht zimperlich. Das Töten oder Aussetzen von ungewolltem Nachwuchs war kein Verbrechen, sondern übliche Art der Geburtenkontrolle. Die Wissenschaftler wollen wissen, was sich hinter dem rätselhaften Skelettfund von Askalon verbirgt. Haben Prostituierte, die im Badehaus ihre Liebesdienste anboten, ihre Neugeborenen in der Kanalisation ausgesetzt? Der Dokumentarfilm begleitet ein internationales Archäologenteam zur historisch einzigartigen Ausgrabungsstätte beim heutigen Ashkelon. Innovative Computeranimationen und anschaulich vermittelte Wissenschaft erinnern an das Leben im antiken Askalon.

Fr, 1. Nov · 06:20-06:50 · RBB
Die Juden – Geschichte eines Volkes (4): Tod oder Taufe

Die Geschichte der Juden in Europa steht vor allem im Mittelalter in enger Verbindung zum Christentum. In vielen Ländern leben die Glaubensrichtungen zunächst in friedlicher Koexistenz. Doch Vorurteile und Misstrauen gewinnen die Oberhand. Aufgrund ihrer überregionalen Kontakte spielen die Juden eine bedeutende Rolle für den Aufbau von Handelsbeziehungen und den Wissenstransfer im mittelalterlichen Europa. Doch während der Kreuzzüge richtet sich der Hass vieler Christen gegen alle Andersgläubigen. In den nächsten Jahrhunderten werden Tausende Juden vertrieben oder ermordet. 400 jüdische Gemeinden werden durch die Verfolgungen zerstört. Ein Konstanzer Domherr jener Zeit schreibt: „Ich vermute, dass Volk und Samen Abrahams eher jenseits des Meeres als hierzulande weiterleben. Und deshalb schließe ich das Kapitel über die Juden.“ Die deutschen Juden, die Aschkenasim, müssen sich wieder eine neue Heimat suchen.

Sa, 2. Nov · 13:30-15:00 · BR
Die lange Welle hinterm Kiel

Die exzentrische Millionärin Margarete Kämmerer geht 1990 in Jakarta an Bord eines luxuriösen Kreuzfahrtschiffes. Es ist die letzte Reise der unheilbar Kranken, sie hat Krebs im Endstadium. Ihr junger Neffe Sigi soll nach ihrem Tod die Asche seiner Tante ins Meer streuen – in die lange Welle hinter dem Kiel. Eines Abends weckt in ihr die Stimme eines älteren Herrn am Nachbartisch schmerzhafte Erinnerungen. Die Nachforschungen ihres Neffen bestätigen, dass mit Martin Burian tatsächlich jener Tscheche an Bord ist, der 1945 im Sudetenland viele männliche Deutsche liquidieren ließ – darunter Margaretes ersten Mann Sepp Pichler. Um ihren Seelenfrieden zu finden, muss Margarete dessen Mörder richten. Doch Sigi will das Unglück abwenden und weiht Burians Schwiegertochter Sylva in die Rachepläne seiner Tante ein. Sylva, die von ihrem Mann verlassen wurde und seither Selbstmordgedanken hegt, stellt ihren Schwiegervater zur Rede. Dabei erfährt sie eine ganz andere Version der damaligen Ereignisse: Pichler war ein strammer Nazi, der Burians Bruder auf dem Gewissen hatte. Bei dem Versuch, zwischen den Todfeinden zu vermitteln, kommen Sigi und Sylva einander näher und verbringen die Nacht miteinander. Am nächsten Morgen sind Margarete und Martin spurlos verschwunden.

Sa, 2. Nov · 18:32-19:00 · RBB
Die rbb Reporter – Schicksale unterm Hakenkreuz

Die Porträtausstellung des Themenjahres „Zerstörte Vielfalt – Berlin im Nationalsozialismus“ zeigt auf mehr als 30 Säulen Kurzporträts von über 200 Menschen, die Anfang der 30er Jahre die Vielfalt Berlins prägten und von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Die rbb Reporter stellen sieben Persönlichkeiten der Ausstellung vor. Die jüdische Leichtathletin Lilli Henoch, die auf dem Transport ins KZ ermordet wurde, der Schriftsteller Walter Mehring und der Reichstagspräsident Paul Löbe. Mit ihren Kurzporträts wird an die Machtübernahme der Nationalsozialisten vor 80 Jahren erinnert.

So, 3. Nov · 03:20-05:00 · 3sat
Winterkinder – Die schweigende Generation

Fast die Hälfte aller Deutschen glaubt, dass die eigenen Angehörigen dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstanden. War Großvater ein Nazi? Nach jahrzehntelangem Schweigen stellt Regisseur Jens Schanze diese Frage seiner Mutter. Als die Mutter sich entschließt, die Beschäftigung mit ihrem Vater zuzulassen, entdeckt er ein unbearbeitetes Trauma. Dabei durchleben alle Beteiligten eine aufwühlende und höchst emotionale Reise. Im Zentrum des Films steht die 70-jährige Mutter, die sich im Verlauf der Dreharbeiten ihren Erinnerungen stellt. Der Sohn reist mit ihr, seinem Vater und dem Filmteam nach Polen ins niederschlesische Neurode (Nowa Ruda). Der Großvater, bis zuletzt ein überzeugter Nazi-Funktionär, war dort als Bergbauingenieur in leitender Stellung tätig. Jens Schanze begleitet den familiären Erinnerungsprozess mit der Kamera und zeigt auf intime und unspektakuläre Weise, dass Verdrängtes und Verschwiegenes von Generation zu Generation weitergeben wird.

So, 3. Nov · 18:30-19:00 · 3sat
Alma – Mit der verrückten Witwe um die Welt

1996 schufen der österreichische Theatermacher Paulus Manker und der israelische Schriftsteller Joshua Sobol mit „Alma – a Show Biz ans Ende“ ein sogenanntes Polydrama: 48 parallel ablaufende Szenen aus dem Leben der berühmt-berüchtigten Künstlermuse Alma Mahler-Werfel als Theaterstück, wobei die jeweiligen Spielstätten keine einzelne, sondern viele Bühnen haben. Im Mittelpunkt steht Alma Mahler-Werfel (1879 – 1964), das „schönste Mädchen Wiens“, geküsst von Gustav Klimt, begehrt von Alexander Zemlinsky, Witwe von Gustav Mahler, geschieden von Walter Gropius, Obsession von Oskar Kokoschka, Ehefrau von Franz Werfel und selbsternannte Muse unzähliger Genies des 20. Jahrhunderts. Ruhelos wie Almas Leben hat sich auch Paulus Mankers Projekt gestaltet: Neben einem dreiteiligen TV-Film (1997 – 1999) wurde „Alma“ zur meistgereisten Theaterproduktion der Welt: auf drei Kontinenten und zehn Originalschauplätzen – die in Almas Leben eine zentrale Rolle spielten – erwachte die „Witwe der 4 Künste“ in fast 500 ausverkauften Vorstellungen zu immer neuem Leben. Nach dem Auftakt im berühmten – von Almas Freund Josef Hoffmann erbauten – Jugendstil-Sanatorium Purkersdorf bei Wien folgten ein armenischer Palazzo in Venedig, ein Kloster mit Kirche in Lissabon, ein Art Deco Filmpalast in Los Angeles, das imperiale Barock-Schloss Petronell bei Wien, das Kronprinzenpalais in Berlin Unter den Linden, das historische Kurhaus am Semmering unweit von Almas Sommerresidenz, das ehemalige britische Zentralgefängnis in Jerusalem, das Renaissance-Palais Martinicky beim Prager Hradschin und 2013 das K.-u.-K. Post- und Telegraphenamt in Wien. Im Februar/März 2014 wird „Alma“ in der Carnegie Hall in New York aufgeführt, wo Alma 1964 vor exakt 50 Jahren gestorben ist. Die Dokumentation „Alma – Mit der verrückten Witwe um die Welt“ begleitet den österreichischen Theatermacher Paulus Manker mit dem Polydrama „Alma – a Show Biz ans Ende“ und bietet Einblicke in die Arbeitsweise des unerbittlichen Perfektionisten.

Mo, 4. Nov · 22:05-23:43 · arte
A Serious Man

Die USA, im Jahre 1967: Larry Gopnik lebt mit seiner Familie in einer bürgerlichen Vorortsiedlung im Mittleren Westen: eine Einöde aus uniformen Einfamilienhäusern, menschenleeren, betongrauen Straßen und akkurat gestutzten Rasenflächen. Er ist ein respektiertes Mitglied der Jüdischen Gemeinde und als Physikprofessor am College tätig. Aber der Anschein gepflegter Biederkeit trügt: Larry Gopniks Leben gleicht in jeder Hinsicht einem Katastrophengebiet. Seine Frau Judith will sich für einen anderen Mann von ihm scheiden lassen und sein pubertierender Sohn Danny interessiert sich ausschließlich für den nächsten Joint und den störungsfreien Empfang seiner Lieblingsserie. Töchterchen Sarah denkt an die Finanzierung ihrer Nasen-OP und verschwindet allabendlich in die Disco. Damit nicht genug, hat sich Larrys arbeitsloser Bruder Arthur, der wegen illegalen Glücksspiels von der Polizei gesucht wird, auf der Familiencouch eingenistet. Larrys aggressiver Nachbar nimmt ungefragt einen Teil seines Grundstücks in Beschlag und ein Student will ihn für eine bessere Note bestechen. Dessen Vater wiederum droht mit einer Anzeige wegen Rufmords, sollte Gopnik die Sache publik machen. Zur gleichen Zeit wird Larrys Beförderung am College durch anonyme Verleumdungsbriefe gefährdet. In seiner Verzweiflung sucht Larry Hilfe bei verschiedenen Rabbinern. Doch deren Ratschläge geben ihm nur noch mehr Rätsel auf. Fast scheint es, als würde Gott höchstpersönlich ihn auf die Probe stellen.

Mo, 4. Nov · 23:30-00:15 · Das Erste (ARD)
Goldschmidts Kinder

Berlin 1935. Unter großen persönlichen Risiken gelingt es der Lehrerin Leonore Goldschmidt, mitten in Nazi-Deutschland eine jüdische Schule zu gründen. Sie findet ein Schlupfloch in den nationalsozialistischen Schulgesetzen und widersteht allen Repressalien durch die SA. Für viele jüdische Kinder Berlins wird die Goldschmidt-Schule zum letzten Zufluchtsort vor dem wachsenden Rassismus. Auf dem Lehrplan steht vor allem Englisch – als Voraussetzung für ein Leben im Exil. Nach der Pogromnacht 1938 eskaliert die Lage der Juden in Deutschland: Viele Goldschmidt-Schüler fliehen mit ihren Familien. Im September 1939 muss Leonore Goldschmidt die Schule schließen. Sie geht ins Exil nach England. „Goldschmidts Kinder – Überleben in Hitlers Schatten“ erzählt die bislang weitgehend unbekannte Geschichte einer mutigen und listigen Frau, die für viele jüdische Kinder Berlins zum Schutzengel wurde. Vor allem aber lässt die Dokumentation nacherleben, wie Rassismus und Antisemitismus in die Gesellschaft einsickerten und die Seelen der jüdischen Kinder peinigten: Überlebende Schüler, heute alle weit über 80 Jahre alt, berichten in berührenden Statements, wie sehr sie unter Ausgrenzung und Drangsalierungen litten. Aus allen aber spricht tiefe Dankbarkeit für eine Frau, die eine „Oase inmitten der Hölle“ schuf und „ihre“ Kinder vorbereitete auf ein neues Leben im Exil. Für die Dokumentation „Goldschmidts Kinder – Überleben in Hitlers Schatten“ hat die Familie Goldschmidt ihr Archiv mit zahlreichen Fotos, Briefen, Tagebüchern und anderen Dokumenten geöffnet. Leonore Goldschmidts Enkel David erzählt von seiner Großmutter, die 1983 verstorben ist. Außerdem können die Autoren auf einen Dokumentarfilm zurückgreifen, den der amerikanische Journalist Julian Bryan 1937 in der Goldschmidt-Schule gedreht und aus Deutschland herausgeschmuggelt hat. Er zeigt u. a. die Zeitzeugen, die in der Dokumentation zu Wort kommen. So entsteht ein dichtes und emotionales Bild vom Leben in der Goldschmidt-Schule – einer einzigartigen Institution im Schatten des Nazi-Terrors.

Mo, 4. Nov · 23:30-01:00 · SWR
Menachem und Fred

Nach fast 60 Jahren begegnen sich Menachem und Fred, einst Heinz und Manfred Mayer, wieder. 1940 wurde die jüdische Familie aus dem badischen Hoffenheim deportiert und in einem Konzentrationslager im südlichen Frankreich interniert. Menachem und Fred wurden als Manfred und Heinz Mayer in Hoffenheim bei Heidelberg geboren. 1940 wurden sie mit ihren Eltern und 6500 weiteren Juden nach Südfrankreich in das Konzentrationslager Gurs deportiert. Später kamen die Brüder in einem staatlichen französischen Waisenhaus unter, wurden von ihren Eltern getrennt, die sie nie wiedersehen sollten. Der letzte Auftrag der Mutter an den damals zwölfjährigen Manfred war, sich um den drei Jahre jüngeren Bruder zu kümmern. Nach dem Krieg entschieden sich die Brüder für völlig entgegengesetzte Lebenswege: Während Heinz als Frederick Raymes in die USA emigrierte und seine jüdisch-deutsche Herkunft verleugnete, begann Manfred unter seinem hebräischen Namen Menachem ein national-religiöses Leben als orthodoxer Jude in Israel. Über Jahrzehnte hatten die beiden keinen Kontakt – bis die Briefe, die ihnen die Eltern aus dem Lager ins Waisenhaus geschrieben hatten, und die Fred bei einem Umzug wiederentdeckte, sie wieder zusammenbrachten. Ihr Jugendfreund aus Hoffenheim, der spätere SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, dessen Vater als SA-Truppenführer mitschuldig war an der Deportation, hat ein Wiedersehen der Brüder samt ihrer Familien in Hoffenheim arrangiert und finanziert. Die Brüder Mayer sind inzwischen mit den Hopps befreundet. Der 90-minütige Dokumentarfilm von Ofra Tevet und Ronit Kerstner begleitet Menachem und Fred auf ihrer Reise nach Deutschland, zeigt das erste Familientreffen nach fast 60 Jahren in Hoffenheim und begibt sich mit ihnen auf die Suche nach Spuren ihrer Vergangenheit in Frankreich und Polen. Ein bewegender Film über eine außergewöhnliche Familiengeschichte, zwei völlig gegensätzliche Wege jüdischen Überlebens und eine späte Versöhnung.

Di, 5. Nov · 09:50-10:46 · arte
Juden & Muslime. So nah. Und doch so fern! (4/4) Erinnern, streiten, bekriegen: 1945 bis heute

Die besondere Beziehung zwischen Juden und Moslems in den vergangenen 1.400 Jahren ist Gegenstand dieser vierteiligen Dokumentationsreihe. Sie erzählt von der Entstehung des Islams auf der arabischen Halbinsel im 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, von der Maurenherrschaft in Andalusien und im Maghreb, vom Leben der Juden im Osmanischen Reich; und sie referiert die Geschichte Jerusalems bis hin zur Zweiten Intifada. Auf Teilen des britischen Mandatsgebietes im Nahen Osten wird 1948 der Staat Israel gegründet. Während sich weltweit jüdische Gemeinden freuen und zahlreiche Juden sich in Palästina ansiedeln, werden die dort lebenden Muslime vertrieben. Das führt bis heute zu zahlreichen Kriegen in dieser Region. In den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts wird die Welt mit dem Grauen der Konzentrations- und Vernichtungslager konfrontiert, das den Großteil der europäischen Juden das Leben kostet und erst durch den Sieg der Alliierten über Deutschland ein Ende findet. Zahlreiche Juden waren vor den Nazis nach Palästina geflohen. Hier sollte unter britischem Mandat eine dauerhafte nationale Heimstätte für das jüdische Volk entstehen. 1948 sorgt die Gründung des Staates Israel bei den Juden von New York bis Tel Aviv für Jubel und Freude, bei Arabern und Muslimen hingegen für Wut und Verbitterung. Hunderttausende Palästinenser werden vertrieben und fliehen in der Hoffnung auf eine mögliche Rückkehr. Gleichzeitig muss die große Mehrheit der Juden in der muslimischen Welt ihre Heimat im Irak, in Ägypten, im Iran, in Syrien, in Marokko, in Tunesien und anderen Ländern binnen weniger Jahrzehnte freiwillig oder gezwungenermaßen aufgeben. Immer wieder kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen dem Staat Israel und den benachbarten arabischen Ländern. Und Jerusalem wird zur geteilten Stadt.

Di, 5. Nov · 20:15-21:00 · ZDF
Nacht über Deutschland – Novemberpogrom 1938

Der Schauspieler Günter Lamprecht, bekannt als Franz Biberkopf in „Berlin Alexanderplatz“ und „Tatort“-Kommissar, geriet damals selbst unvermittelt in den Strudel der Ereignisse. Und kann es bis heute nicht fassen, was in jenem November 1938 geschah. Als achtjähriger Junge, Sohn eines strammen SA-Manns in Berlin, war er mit dabei, als das Geschäft eines jüdischen Tabakhändlers geplündert wurde. Nicht ohne beklemmende Gefühle – doch sein Kumpel, die Erwachsenen um ihn, selbst die Polizei, sie alle befürworteten die Übergriffe gegen die jüdische Bevölkerung. Erst mit dem Abstand vieler Jahre realisierte er, in welch verkehrter Welt er damals großgeworden ist. Lamprecht erläutert und kommentiert diesen Wendepunkt, der vor 75 Jahren den Einbruch der Barbarei in die deutsche Gesellschaft markierte, in ungeschönter Offenheit und zugleich mit ungläubigem Erstaunen darüber, wie einst angesehene Mitbürger nun unbeschränkter Gewalt und Willkür ausgeliefert waren. Auf Geheiß der NS-Führung wurden um den 9. November 1938 an die 400 Deutsche erschossen, erschlagen oder in den Tod getrieben, nur weil sie als Juden gebrandmarkt waren. Unbescholtene jüdische Mitmenschen, auch Frauen, Kinder, Greise, wurden gequält und gedemütigt, 30 000 Männer in Konzentrationslager verfrachtet – oft ohne Wiederkehr. Die staatlich angestifteten Täter verwüsteten 1400 jüdische Gotteshäuser und setzten sie in Brand, demolierten und plünderten 7500 Geschäfte. Wie war ein derartiger Exzess der Gewalt gegen Mitbewohner, frühere Arbeitskollegen, Nachbarn in einem zivilisierten Land möglich? Was trieb die Täter an, die meist aus der Mitte der Gesellschaft kamen? Wie erlebten die unmittelbar Betroffenen den archaischen Sturm der Erniedrigung und Verfolgung, der kalt-kalkulierend auf die Vertreibung und Enteignung der gesamten jüdischen Bevölkerung in Deutschland zielte? Die historische Dokumentation beschreibt die Ereignisse aus dem Blickwinkel von Beteiligten und Beobachtern, auf der Seite der Opfer und der Täter. Beklemmende, teils bisher unveröffentlichte Archivaufnahmen vermitteln ein Bild von Gleichgültigkeit und Zustimmung zu den beispiellosen Vorgängen. Spielszenen geben wieder, was Menschen damals erleiden mussten und wie sie in den Sog der Gewalt gerieten. Neben Günter Lamprecht berichten Georg Stefan Troller, damals in Wien, und Rolf Abrahamsohn, damals in Marl, wie sie die Zeitenwende am eigenen Leib erlebten. Auch Rudolf van Nahl, der an jenem Novembertag mit seinem Sankt-Martins-Lampion vor der lichterloh brennenden Synagoge seines rheinischen Heimatortes Alpen stand, bestätigt in der Rückschau: All das geschah mitten im Leben, im ganzen Land, vor aller Augen. Allen, die ihn erlebten, hat sich der deutsche Schicksalstag in die Erinnerung eingebrannt. Günter Lamprecht hat sich bis heute seine Empörung bewahrt, wann immer simple Parolen und uniformes Verhalten mitmenschliche Empfindungen verdrängen.

Di, 5. Nov · 22:45-23:30 · HR
„Plötzlich war ich Jüdin“ – Das unglaubliche Leben der Inge Deutschkron

Als Zehnjährige wird Inge Deutschkron, Jahrgang 1922, in Berlin mit dem Rassenwahn der Nazis konfrontiert, in den folgenden zwölf Jahren lebt sie in ständiger Angst vor Übergriffen und Verhaftung. Während der Vater nach England emigrieren kann, warten Inge und ihre Mutter vergeblich auf eine Möglichkeit nachzureisen. Als die Verfolgung der Juden immer brutaler wird, tauchen sie unter, wechseln immer wieder das Versteck. Es sind politische Freunde oder einfach nur mitfühlende Menschen, die ihnen Unterschlupf bieten – „stille Helden“ wird sie Inge Deutschkron später voller Dankbarkeit nennen. Inge Deutschkron und ihrer Mutter gelingt es, Verfolgung und Krieg in Berlin zu überleben. Nach Kriegsende arbeitet Inge Deutschkron zunächst im Ostsektor Berlins, eckt dort aber bei der sowjetischen Besatzungsmacht an. 1946 geht sie nach London, 1955 kommt sie nach Bonn und berichtet in Zeitungen und Hörfunk über ihre Erlebnisse – es ist der Beginn einer Karriere als Journalistin, die sie als Deutschland-Korrespondentin der israelischen Zeitung „Ma’ariv“ fortsetzt. Im Bonn der Adenauer-Ära wird sie als Jüdin immer wieder mit der Verdrängung der Vergangenheit, aber auch mit den Überbleibseln nazistischen Gedankenguts in der Bevölkerung und in den höchsten Positionen der jungen Bundesrepublik konfrontiert. Bis heute sieht Inge Deutschkron ihr Überleben im Krieg als Verpflichtung an, dafür zu kämpfen, dass die Erinnerung an den Holocaust, aber auch an die „stillen Helden“ des „anderen“ Deutschland, lebendig bleibt. Ein Anliegen, das sie heute besonders Kindern und Jugendlichen vermitteln will. Und das gelingt ihr auch jetzt noch mit ihren lebendigen Schilderungen, den persönlichen Erinnerungen und nicht zuletzt ihrem Berliner Witz, den ihr – zum großen Glück – niemand austreiben konnte.

Di, 5. Nov · 22:45-23:30 · RBB
Antisemitismus heute – wie judenfeindlich ist Deutschland?

„Es gibt inzwischen No-Go-Areas für Juden“, sagt der Berliner Rabbiner Daniel Alter über seine Stadt. Das seien zum Beispiel Teile von Wedding und Neukölln mit einem hohen Anteil arabischer und türkischer Migranten. Er selbst ist vor einem Jahr von arabischen Jugendlichen auf offener Straße brutal angegriffen und verletzt worden. Am 9. November 2013 jährt sich die Reichspogromnacht zum 75. Mal: der unheilvolle Auftakt zum Massenmord an europäischen Juden. Wie sieht es heute aus mit der Judenfeindlichkeit in Deutschland? Um diese Frage zu beantworten, begeben sich drei Autoren auf eine Reise durch Deutschland. Sie beleuchten Hintergründe und Motivationen judenfeindlicher Gesinnungen in ganz unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft. Ahmad Mansour erforscht die Verbreitung des muslimischen Antisemitismus. Mansour, arabischer Israeli, lebt seit neun Jahren in Deutschland. Mit seiner islamistischen Vergangenheit, die von vehementem Antisemitismus geprägt war, hat er lange abgeschlossen. In Gesprächen mit Jugendlichen heute stellt sich heraus, dass in vielen muslimischen Familien bis heute Judenhass vorgelebt wird – häufig gestützt von arabischen Fernsehsendern, die ihre antisemitischen Kampagnen weltweit verbreiten. Jo Goll, TV-Journalist und Experte für Rechtsextremismus, nimmt das rechtsnationale Lager in den Fokus. „Die Juden sind einfach an allem schuld“, tönt es aus diesen Kreisen. Goll spricht mit Aussteigern aus der rechten Szene, besucht ein koscheres Lokal in Chemnitz, dessen Besitzer von massiven Übergriffen berichtet. Das Gleiche gilt auch für die Jüdische Gemeinde in Dessau, deren Vorsitzender ist Alexander Wassermann: „Ich traue mich schon lange nicht mehr mit Kippa auf die Straße. Das ist in Dessau einfach zu gefährlich.“ Dokumentarfilmerin Kirsten Esch will wissen, wie viel Antisemitismus in der „Mitte der Gesellschaft“ zu finden ist. Sie spricht mit Experten und mit Menschen auf der Straße und trifft unter anderem eine Linguistin, die über 100.000 E-Mails, Leserbriefe und Texte aus dem Internet mit antisemitischen Inhalten und anti-jüdischen Klischees untersucht hat. Professor Monika Schwarz-Friesel kommt zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass die überwiegende Mehrheit der Verfasser keinem extremen Lager angehört, sondern in der „Mitte der Gesellschaft“ zu finden ist. Der Bielefelder Professor Andreas Zick, der sich selbst „Vorurteilsforscher“ nennt, warnt: „Antisemitismus, auch wenn er nur latent ist, bleibt immer Wegbereiter vom Wort zur Tat.“

Di, 5. Nov · 23:30-00:55 · RBB
Ein Apartment in Berlin

Im Film „Ein Apartment in Berlin“ konfrontieren sich drei junge Israelis mit ihrer und damit der gemeinsamen deutsch-jüdischen Geschichte. Sie versuchen, die Wohnung der jüdischen Familie Adler wieder so einzurichten, wie sie vor deren Deportation ausgesehen hat. Doch es zeigt sich, dass der Holocaust für sie etwas anderes bedeutet als für die deutsche Regisseurin, die sie zu der Zeitreise einlud. Berlin ist zu einem Anziehungsort für junge Israelis geworden. 20.000 leben heute hier, an dem Ort, von dem aus die Nationalsozialisten die systematische Ermordung der Juden planten. Drei junge Israelis – Eyal, Yael und Yoav – begeben sich auf eine Spurensuche. Sie recherchieren das Leben der jüdischen Familie Adler. Rosa und Simon Adler kamen vor 100 Jahren aus Galizien nach Berlin – sie gründeten eine Familie und waren Eierhändler. Ihre komplett erhaltene Vermögenserklärungsakte aus dem Jahr 1943 ist der filmische Ausgangspunkt für Eyal, Yael und Yoav, die Originalwohnung im Bezirk Prenzlauer Berg heute möglichst originalgetreu wieder einzurichten, um so eine Zeitreise in die Vergangenheit zu unternehmen. Jeder der drei Israelis hatte einen anderen Grund, sich für das Filmprojekt zu melden. Sie erhoffen sich Denkanstöße, eine Reise ins Unbekannte, die persönliche Herausforderung. Doch während sie Akten studieren und authentische Einrichtungsgegenstände zusammentragen, nimmt der Film eine unerwartete Wendung. In einer kritischen Auseinandersetzung mit der Filmemacherin Alice Agneskirchner wird deutlich: Auch wenn die jungen Israelis untrennbar mit ihrer Vergangenheit verbunden sind, so wollen sie keine Repräsentanten der Geschichte sein. Sie wollen sich von diesem Erbe emanzipieren und zu ihrer Identität finden. Zur zentralen Frage wird, wie die unterschiedlichen Generationen mit ihrer Erfahrung, Erziehung und ihrem Wissen um den Holocaust umgehen. Die Regisseurin Alice Agneskirchner versucht, Geschichte konkret erfahrbar zu machen und gängige Sichtweisen zu hinterfragen.

Mi, 6. Nov · 06:20-06:50 · RBB
Menschliches Versagen (1)

Die Filme zeigen die sogenannte „Arisierung“ von jüdischem Eigentum und Vermögen, die Ausgrenzung, und schließlich Deportation der jüdischen Bürger. Anhand konkreter Geschichten wird gezeigt, in wie weit sich die Bevölkerung beteiligt hat. Schätzungsweise 20.000 Akten stehen auf dem Dachboden der Oberfinanzdirektion Köln. Die Formulare darin stammen aus der NS-Zeit. Was ist passiert mit dem Hab und Gut von Millionen von ermordeten Juden? Der Historiker Wolfgang Dreßen entstaubt die Dokumente und erfährt, wohin Geld und Haushaltsgegenstände damals gegangen sind. Dreßen rekonstruiert so einzelne Schicksale – zum Beispiel das von Salli Levi. Aus einem Zeitungsartikel von Dreßen erfahren Levis Nachkommen, was mit ihm passiert ist. Vor der Deportation musste jeder Jude schriftlich sein Vermögen freigeben. Denn wer als Jude aus Deutschland – zwangsweise oder freiwillig – auswanderte, musste seinen Besitz dem Staat überlassen. Auf dem Formular auch vermerkt: Salli Levi, Ehefrau Frieda und Tochter Alma wurden nach Lodz deportiert.

Mi, 6. Nov · 11:10-11:25 · HR
Verfolgt von den Nazis: Lily van Angeren

640 Deportationszüge rollen von 1942 bis 1944 nach Auschwitz. Unter den Deportierten auch etwa 23.000 Sinti und Roma, die größte Gruppe der Opfer nach den Juden; etwa 500.000 werden vom Regime der Nazis in ganz Europa ermordet. Unter den Deportierten ist auch Lily van Angeren. Als so genannte Artfremde, ausgeschlossen aus der Volksgemeinschaft, werden die Sinti und Roma bereits 1935 in Deutschland verfolgt. Lily van Angeren, Jahrgang 1924, hat sechs Geschwister. Der Vater ist Musiker, die Mutter handelt mit Kurzwaren. 1938 wird der Vater verhaftet. Erst 1942 erfährt die Familie, dass er im Konzentrationslager Oranienburg ist. Wenig später wird auch seine 19-jährige Tochter nach Auschwitz deportiert, dort, wo gleichsam am Fließband gemordet wird. Ihr Bruder stirbt, Verwandte sterben, sie selbst wird Opfer grauenvoller medizinischer Experimente, bis ihr ein polnischer Häftling zu einem Posten in der Schreibstube verhilft. Im August 1944, im Zeichen der anrückenden sowjetischen Armeen, wird das sogenannte Zigeunerlager von der SS aufgelöst. Wer nicht mehr arbeitsfähig ist, wird vergast, 3.000 Menschen in einer Nacht. Lily van Angeren kommt ins Konzentrationslager Ravensbrück. Nach der Evakuierung des Lagers kann sie auf dem anschließenden Todesmarsch der SS entkommen. Nach dem Krieg lebt Lily van Angeren in Holland.

Mi, 6. Nov · 20:15-21:45 · Das Erste (ARD)
Unter Bauern

„Retter in der Nacht“ lautet der Titel der autobiographischen Erinnerungen der Marga Spiegel. Die Tante des verstorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, hat darin die wundersame Rettungsgeschichte ihrer Familie in den Jahren der Dritten Reichs aufgeschrieben. Die dreiköpfige Familie Spiegel entging der Deportation und dem Holocaust, weil sie 1943 aus dem Durchgangslager in Dortmund flüchtete und rund zwei Jahre lang von münsterländischen Bauern-Familien versteckt wurde. Die Namen der Bauern sind heute in Yad Vashem, der Gedenkstätte des Staates Israel an den Holocaust, verewigt. 1943. Am Tag bevor er in den Osten deportiert würde, realisiert der beliebte und erfolgreiche Pferdehändler Siegmund Spiegel aus Ahlen in Westfalen seinen vorbereiteten Plan, sich mit seiner Familie bei befreundeten Bauern zu verstecken. Zwar ist er längst recht- und besitzlos wie alle jüdischen Menschen, und zum Zwangsarbeiter degradiert, aber sein Lebensmut ist nach neun Jahren voller Nazi-Schikanen ungebrochen. Scheinbar gegen jede Vernunft vertraut er darauf, dass die Bauern sich an ihre alte Zusage halten. Dabei wissen sie nur zu gut, was es bedeutet, heimlich einen Juden zu beherbergen, was in den Augen der Nazis ein todeswürdiges Verbrechen ist. Dass erzkatholische, staatsfromme Bauern mit ihren Familien dieses Wagnis eingehen, erscheint in dieser Situation reichlich unwahrscheinlich. Doch Siegmund Spiegel, genannt Menne, setzt alles auf eine Karte. Er vertraut auf die unverbrüchliche Freundschaft aus den Tagen des Ersten Weltkriegs. Zunächst bringt er seine widerstrebende junge Frau dazu, mit der kleinen Tochter Karin zu dem Bauern Aschoff zu fahren und sich dort aufnehmen zu lassen. Marga und Karin zu retten, ist Mennes beherrschender Gedanke. Und um diesen Wunsch nicht zu gefährden, nimmt er eine jahrelange Trennung und eine Odyssee von Hof zu Hof in Kauf. Erst nach der Befreiung im Frühsommer 1945 kommt es zu einer dauerhaften Wiedervereinigung der drei Spiegels.

Mi, 6. Nov · 22:00-22:45 · BR
Es geschah vor aller Augen – Die Reichskristallnacht in Bayern

Die Filmautorin hinterfragt, was in der bayerischen Bevölkerung in den Städten und auch auf dem Land vorging in den Wochen vor, während und nach dem Pogrom. Zeitzeugen kommen zu Wort – jüdische, aber vor allem nicht-jüdische, die die Reichskristallnacht miterlebt haben und sich daran erinnern, wie sie die Geschehnisse erlebten, was daheim, in der Schule, auf der Straße gesprochen wurde. Auch Aussagen, Erinnerungen aus Tagebüchern bereits verstorbener Zeitzeugen berichten von den unterschiedlichsten Erlebnissen. Erfahrungen und Einschätzungen werden einander gegenübergestellt. Sie ergeben ein differenziertes Bild der damaligen Zeit und ihrer Menschen im Umgang mit der Reichskristallnacht, die in der Rückschau wie das Startsignal für den beispiellosen Völkermord an den Juden gelten kann. Der Film zeigt, warum sich Menschen, Beteiligte, Angehörige und „bloße Zuschauer“ so verhalten haben, wie sie sich verhielten. Am 7. November 1938 hatte der siebzehnjährige deutsch-polnische Jude Herzel Grynszpan in Paris ein Attentat auf den deutschen Legationsrat Ernst von Rath verübt. Die Hintergründe, teils politischer, teils persönlicher Art, konnten bis heute nicht restlos geklärt werden. Das Attentat, dem Ernst von Rath am Nachmittag des 9. November erlag, war der hoch willkommene Vorwand für eine Welle von lang geplanten Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung und deren Geschäfte, die am Abend und in der Nacht mit aller Wucht über die deutschen Städte und Dörfer hereinbrach. Die Weisung hierzu kam aus München. Dort traf sich an diesem Tag die NS-Führung mit alten Kämpfern der NSDAP im Bürgerbräukeller im Gedenken an den Hitlerputsch vom 9. November 1923. Als angeblich spontanen Akt des Volkszorns und mit Billigung der Parteiführung legten die SA-Trupps Brände in Synagogen, zerstörten jüdische Geschäfte, demütigten, verhöhnten und misshandelten jüdische Bürger. Die „Reichskristallnacht“, wie das Pogrom später verharmlosend genannt wurde, war das einzige Ereignis in den zwölf Jahren der nationalsozialistischen Diktatur, durch das die deutsche Bevölkerung direkt mit dem gewaltvollen Antisemitismus und der zerstörerischen Judenverfolgung der Nationalsozialisten konfrontiert wurde. Aus Sicht der Nazis war die Reichskristallnacht alles andere als ein Erfolg. Das Volk ließ sich keineswegs mitreißen, doch es ließ das Pogrom geschehen. Eingeschüchtert von der rohen Gewalt, dem allseits verbreiteten Spitzelwesen und Denunziantentum, aber auch geködert mit der Aussicht auf einen Vorteil aus dem Vorgehen gegen die Juden.

Mi, 6. Nov · 22:25-23:35 · 3sat
Schildkrötenwut

Die junge deutsch-palästinensische Filmemacherin Pary El-Qalqili konfrontiert ihren Vater mit sehr persönlichen Fragen. Sie will begreifen, warum er sie und ihre Familie so oft in Berlin zurückließ, um für sein Land zu kämpfen. Im Verlauf einer gemeinsamen Reise werden die Risse zwischen seinem Wunschtraum und der Realität sichtbar, die sie vorfinden. Jahrzehntelang hat der einst stolze Musa El-Qalqili für die Freiheit Palästinas gekämpft. Doch jetzt lebt er im Souterrain des Berliner Reihenhauses seiner deutschen Frau. Zurückgezogen in seinen „Schildkrötenpanzer“ sieht er stundenlang Wildwest-Filme im Fernsehen an und lebt in Erinnerungen. Flucht und Vertreibung, das Leben im Exil und die gescheiterte Rückkehr nach Palästina haben ihn zu einem einsamen Mann gemacht. Die Filmemacherin will endlich verstehen, was dieses Palästina des Vaters eigentlich ist, das immer zwischen ihnen steht. Bisher hat der Vater seine Geschichten wie Märchen erzählt. Doch nun stellt sie ihm Fragen, sehr direkte Fragen einer Tochter an ihren Vater. Und sie erwartet Antworten. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise nach Ägypten, Gaza, ins Westjordanland und nach Israel. Schließlich kommen sie nach Qalqiliya, jene Stadt, von der sie ihren Namen herleiten. Dort lebte der Vater einsam in einem großen Haus. Oft träumte er davon, dass ihn seine Kinder aus Berlin dort besuchen würden. Doch schließlich wurde er ausgewiesen. Nach und nach werden Musas Illusionen und Verletzungen sichtbar, und die Grenzen verwischen sich zwischen Opfer und Täter, Gut und Böse, Schwarz und Weiß.

Do, 7. Nov · 06:20-06:50 · RBB
Menschliches Versagen (2)

Der 2. Teil der Dokumentation beschäftig sich mit der Zeit nach der Reichspogromnacht 1938. Der Staat erhob eine sogenannte Judenbuße dafür, dass die Juden das deutsche Volk „aufgestachelt“ hätten. Eine Milliarde Reichsmark flossen an die Finanzämter. Der Staat verwaltete zusätzlich 1,5 Milliarden Reichsmark jüdisches Aktienvermögen treuhänderisch – wie es hieß -, wandelte die Aktien eigenmächtig in verzinste Reichskriegsanleihen um. Die Juden durften jedoch weder auf die Zinsen noch auf die Anleihen zugreifen. 1938 wurden Personalausweise in Deutschland eingeführt. Nicht für jeden: Wehrpflichtige Männer bekamen einen und alle jüdischen Bürger. Sie mussten auch einen Fingerabdruck abgeben, ihr Ausweis wurde mit einem großen „J“ versehen. Die deportierten Juden mussten ihr Hab und Gut abgeben. Das löste in der deutschen Bevölkerung eine Goldgräberstimmung aus: Überall wurden Sachen versteigert. Mit dem Vermerk „Nichtarische Herkunft“ hatte das bei vielen einen besonderen Reiz – diese Versteigerungen wurden gut besucht.

Do, 7. Nov · 10:55-11:10 · HR
Meine Geschichte, 3/6: Verfolgt von den Nazis: Ingeborg Hecht

Ingeborg Hecht wurde 1921 in Hamburg geboren. Ihre Eltern lebten in einer von den Nazis so genannten Mischehe. Ihr Vater, Dr. Felix Hecht, war ein jüdischer Anwalt und ihre Mutter eine adelige Protestantin. Als sich die Eltern kurz vor dem Machtantritt Adolf Hitlers 1933 aus persönlichen Gründen scheiden ließen, ahnten sie noch nicht, was das für die Familie bedeuten würde. „Meine Mutter konnte ja nicht ahnen, dass mit der Scheidung die Gesetze meinen Vater nachher so behandelt haben, dass er nicht mehr geschützt war“, erinnert sich Ingeborg Hecht. Denn die Nürnberger Gesetze von 1935 systematisierten die Verfolgung und Ächtung der Juden. Als geschiedener Mann verlor der Vater von Ingeborg Hecht auch den von den Nazis noch gewährten Schutz der „Mischehe“. Sogar der Kontakt zu seiner eigenen Tochter wurde ihm verboten. 1944 wurde Felix Hecht ins Konzentrationslager gebracht, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ingeborg Hecht erzählt von der Sorge um den Vater, von den wenigen heimlichen Treffen. Sie berichtet von ihrer Jugend, die von Einschränkungen, Bedrohungen und Ängsten geprägt war. Sie hat darüber auch ein Buch geschrieben, unter dem Titel „Die unsichtbaren Mauern“.

Do, 7. Nov · 23:15-00:00 · WDR
Synagogen – Monumente gegen das Vergessen

Vor einhundert Jahren prägten Synagogen das Bild der großen deutschen Städte: Jüdische Gotteshäuser im orientalischen, neoromanischen oder neogotischen Stil, gebaut zumeist von christlichen Stararchitekten. Sie waren Ausdruck des wachsenden Selbstbewusstseins der jüdischen Gemeinden, aber auch des toleranten Miteinanders zwischen Juden und Christen – nach mehr als 1.500 Jahren der Verfolgung und Diffamierung. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ändert sich alles. Hitler setzt eine gigantische Maschinerie der Hetze und des Hasses gegen die jüdische Bevölkerung in Gang und findet Millionen von Erfüllungsgehilfen. In nur einer einzigen Nacht werden mehr als 1.700 Synagogen zerstört, wird fast die gesamte jüdische Kultur in Deutschland vernichtet. Der Architekturstudent Marc Grellert will sich damit nicht abfinden. Unterstützt von Professor Manfred Koob, Experte der virtuellen Konstruktion historischer Monumente, bauen Forscher und Studenten der TU Darmstadt zerstörte Grosssynagogen im Rechner wieder auf. Augenzeugen erinnern sich, wie „ihre“ Synagoge ausgesehen hat. Der Film erzählt in eindrucksvollen Bildern und cineastischen Inszenierungen die Geschichte der Synagogen, aber auch der jüdischen Gemeinden in unserem Land. Von den mittelalterlichen Pestpogromen bis zur Reichspogromnacht, dem Terrorakt nationalsozialistischer Willkür. Bewegende Augenzeugenberichte erinnern an die Tage vor 75 Jahren, die zu den dunkelsten in der Geschichte unseres Landes gehören.

Fr, 8. Nov · 00:00-01:05 · WDR
Pizza in Auschwitz

Der Dokumentarfilm des israelischen Filmemachers Moshe Zimmerman schildert eine Reise in die Vergangenheit aus der Sicht eines Mannes, dessen Leben unwiderruflich vom Holocaust geprägt ist. Der 74-jährige Danny Chanoch hat Auschwitz überlebt, oder er hat – wie er es ausdrückt – einen BA, einen Bachelor of Auschwitz. Der große, charismatische Mann hat mehrfach im Rahmen von Delegationen in Polen ehemalige Vernichtungslager der Nazis besucht. Es dauerte jedoch lange, ehe er seine Kinder Miri und Sagi dazu bewegen konnte, gemeinsam mit ihm die Schauplätze seiner verlorenen Kindheit aufzusuchen. Sechs Tage lang fahren die drei Familienmitglieder mit einem Filmteam von Lager zu Lager durch „diesen“ Teil Europas und besuchen die Stätten von Dannys Kindheitstraumata. Zuletzt gelangen sie nach Auschwitz-Birkenau. Dort will Danny einen Wunsch verwirklichen, den er schon sein ganzes Leben lang hegt. Er möchte mit seinen Kindern eine Nacht auf seiner alten Pritsche in seiner alten Baracke verbringen. Dannys Kinder Miri (38) und Sagi (40) waren ihr Leben lang täglich auf die eine oder andere Weise mit dem Holocaust konfrontiert. Sie nahmen den Vorschlag, ihren Vater auf eine Reise zu den Vernichtungslagern zu begleiten, mit sehr gemischten Gefühlen auf. Miri erklärt, dass sie dem Holocaust lieber nicht in die Augen sehen möchte. Während sie eine Pizza essen, die Miri in der nahe gelegenen Stadt Auschwitz gekauft hat, kommt es zur unvermeidlichen Konfrontation zwischen dem Vater und seinen Kindern, die zugleich von schwarzem Humor und großem Schmerz erfüllt ist.

Fr, 8. Nov · 12:00-12:30 · 3sat
„Ich bin da so hineingestolpert . . . „

Eigentlich sollte es nur eine einzelne Kunstaktion werden. Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig wollte mit ihr Passanten zum Innehalten und Nachdenken provozieren. Vor Häusern, deren Bewohner von Nationalsozialisten ermordet wurden, schlug er pflastersteingroße Messingplatten in den Boden, die Namen, Geburts- und Sterbedaten der Ermordeten tragen. Doch bei einer einmaligen Aktion sollte es nicht bleiben: Mittlerweile ist aus dem Bildhauer und Konzept-Künstler Demnig der Schöpfer einer flächendeckenden „sozialen Skulptur“ geworden, die sich über ganz Europa spannt: Demnig hat fast 30.000 Stolpersteine in über 600 deutschen Städten verlegt. Rund 250 Tage im Jahr reist er durch die Lande, sein VW-Bus ist fahrende Werkstatt und Logistik-Zentrale in einem. Seine Stolpersteine holen die Erinnerung an Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft in den Alltag hinein. Die Dokumentation „Ich bin da so hineingestolpert …“ begleitete Gunter Demnig im Sommer 2011 zu Stolperstein-Verlegungen in Baden-Württemberg und Berlin.

Fr, 8. Nov · 12:30-13:00 · 3sat
Angekommen im Herzen der Stadt – Die jüdische Gemeinde in München

Das Zentrum der Israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern, bestehend aus Synagoge, Museum und Gemeindehaus, wertet den lange vernachlässigten Jakobsplatz kulturell und städtebaulich auf. Genutzt wird es heute von insgesamt 9.500 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde. Zu ihnen gehört auch die kleine Lien Bruck (8). Wenn sie mit ihren Eltern und Geschwistern am Sabbat in die große Synagoge im Stadtzentrum geht, ist das für sie ganz normal. Sie nimmt zusammen mit nicht-jüdischen Freundinnen am Turnunterricht des Jahn-Sportvereins teil, besucht die jüdische Schule oder kauft mit ihrer Mutter Sharon koscheres Essen ein. Die Reportage „Angekommen im Herzen der Stadt“ beginnt mit dem Ende des Sabbats und endet mit dem Beginn des Sabbats. Dazwischen liegt der Alltag der Familie Bruck, die als engagierte Gemeindemitglieder größten Wert darauf legen, einerseits die Traditionen zu pflegen, andererseits aber auch keine gesellschaftliche Sonderrolle zu spielen.

Sa, 9. Nov · 11:00-11:30 · PHOENIX
Mit einem Lächeln und einer Träne – Leben nach dem Holocaust

Eigentlich passt das alles überhaupt nicht zusammen: Das Lächeln und die Tränen zum Beispiel, mit denen Zosia Wysocki oft zu den wöchentlichen Treffen in Frankfurt kommt. Sie trifft sich hier regelmäßig mit Freunden und Bekannten bei Kaffee und Kuchen, um über den Holocaust zu reden. Kaffeeklatsch und das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte, Lächeln und Tränen: Sind das nicht unüberbrückbare Gegensätze? Zosia Wysocki, selbst eine Überlebenden des Holocaust, sieht das anders. Das Lächeln, sagt sie, ist für das Leben und das Glück, überlebt zu haben, die Tränen für all das, was sie im Holocaust verloren hat. „Treffpunkt“ nennen die Sozialarbeiter und Psychotherapeuten der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland kurz und bündig die jede Woche stattfindende Begegnung der Holocaustüberlebenden. Gegründet vor zehn Jahren, ist der Treffpunkt nicht nur für sie viel mehr als nur ein Kaffeeklatsch. „Ich treffe hier Leute, die das Gleiche oder ähnliches erlebt haben. Leute, mit denen ich mich ohne viele Worte austauschen kann, die ich verstehe. Ich fühle mich hier zuhause.“ sagt beispielsweise Siegmund Plutznik, der im Krieg als Partisan in Polen gegen die Nazis gekämpft hat. Der Treffpunkt ist eine Art Oase für die jüdischen Senioren. Wo sonst könnten sie die grauenhaften Geschichten erzählen, die sie so lange mit sich herumgetragen haben? Es sind Erinnerungen an Auschwitz und Bergen-Belsen, an die Ermordung ihrer Familien und die Auslöschung jener ganzen Welt, in der sie als Kinder gelebt und die sie geliebt haben. Im Treffpunkt hört man ihnen zu, oft ohne selbst viel zu sagen, wie Psychotherapeut Kurt Grünberg berichtet. „Für das, was diese Menschen erlitten haben“, erklärt er, „gibt es keine angemessenen Worte.“ Und doch ist vielen von ihnen das Lächeln nie vergangen. Eines, was diese Überlebenden gemeinsam haben, scheint ihre unerschütterliche Lebensfreude zu sein. So rezitiert die Schauspielerin Zosia Wysocki bis heute voller Leidenschaft die jüdisch-polnischen Gedichte ihrer Jugend, und Avraham Lifshitz, der Auschwitz überlebte, malt Ölbilder, deren Farben fast von der Leinwand schreien. Lifshitz wuchs als kleiner Junge in einem ultraorthodoxen Haushalt in Polen auf. Er erinnert sich an eine Lobeshymne, die er damals voller Inbrunst sang und in der es hieß: „Gott wird Dich vor Deinen Feinden schützen.“ Und dennoch: Als er nach Auschwitz kam, war da für ihn kein Gott. Trotz des Traumas des Holocausts haben die Überlebenden sich aus vielen verschiedenen Gründen entschlossen, in Deutschland zu leben. Djorgi Alpar wurde in den 60er Jahren als hochqualifizierter Bauingenieur von seiner Firma in Belgrad ausgerechnet nach Deutschland geschickt. Es war nicht nur anfangs schwer für ihn. Heute haben er und seine Frau Lili mit ihrem Schicksal Frieden geschlossen, doch das Nazideutschland werden sie nie vergessen. Die deutsche Staatsangehörigkeit haben sie nie angenommen. Niemand weiß genau, wie viele Holocaustüberlebende in Deutschland leben. Verlässliche Statistiken gibt es nicht, auch, weil sich viele von ihnen nie von deutschen Ämtern und Behörden erfassen lassen würden. Im Frankfurter Treffpunkt haben sie trotzdem eine Heimat gefunden. Die Sozialarbeiter und Psychotherapeuten dort sind immer für sie da – nicht nur bei einem ganz speziellen Kaffeeklatsch am Mittwochnachmittag.

Sa, 9. Nov · 11:30-12:15 · NDR
Als die Synagogen brannten

Am 9. und 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland rund 400 Synagogen, SA-Männer verwüsteten 7.000 jüdische Geschäfte. Mehr als 90 Menschen wurden vom Mob ermordet, etwa 600 begingen Selbstmord. Mehr als 26.000 Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt und dort misshandelt. Autor und Regisseur Michael Kloft hat für seine NDR Dokumentation kaum bekanntes Material und Fotos gefunden und Zeitzeugen befragt, die heute noch die damaligen schrecklichen Ereignisse vor Augen haben. Die Novemberpogrome von 1938 sind eine der zentralen Wegmarken des Völkermords. Waren die Juden in Deutschland seit der Machtübernahme bereits systematisch ausgegrenzt und ausgeplündert worden, so zeigte sich in der so genannten „Kristallnacht“ offen das mörderische Gesicht der Hitlerdiktatur. Am 9. und 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland rund 400 Synagogen, SA-Männer verwüsteten 7.000 jüdische Geschäfte. Mehr als 90 Menschen wurden vom Mob ermordet, etwa 600 begingen Selbstmord. Mehr als 26.000 Männer wurden – angeblich zu ihrem eigenen Schutz – in Konzentrationslager verschleppt und dort misshandelt. Spontane Aktionen aufgebrachter Bürger seien es gewesen, behaupteten die Nazis, als sich ein Proteststurm im Ausland erhob; tatsächlich war es der Höhepunkt einer staatlich gelenkten Welle antisemitischer Gewalt in Deutschland. Autor und Regisseur Michael Kloft hat für seine NDR Dokumentation kaum bekanntes Material und Fotos gefunden und Zeitzeugen befragt, die heute noch die damaligen schrecklichen Ereignisse vor Augen haben. Da ist zum Beispiel Josef Ofer: Er wurde als Josef Oppenheimer in Kitzingen am Main geboren und erlebte dort die dramatischen Ereignisse. Sein Vater war Torahschreiber, die Familie orthodoxe Juden, die sich als Deutsche fühlten. Am Morgen des 10. November wurde die Synagoge angezündet, danach versuchten aufgebrachte Bürger das Haus der Oppenheimers zu stürmen. Die Familie verbarrikadierte sich in der Mansarde und fürchtete um ihr Leben. Josef flüchtete bald darauf nach Frankreich und überlebte im Versteck. Seine Eltern und seine Schwester wurden in Belzec ermordet. 1946 emigrierte er nach Palästina und ist nie wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Oder Hannah Biberstein, die als Hannah Hahn in Essen geboren wurde. Ihr Vater war Rabbiner an der großen Synagoge von Essen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November steckten SA- und SS-Leute die Synagoge in Brand und stürmten die Rabbinerwohnung. Hannah hörte, wie ihr Vater verspottet wurde, und floh mit ihrer Schwester aus der brennenden Wohnung. Die Familie ging 1939 in die USA. Und Hans-Jochen Vogel, der spätere SPD-Spitzenpolitiker, erlebte die Ereignisse als zwölfjähriger Gymnasiast in Gießen. Als HJ-Mitglied war er mit antisemitischen Parolen indoktriniert worden. Während der Schulpause sah er am Vormittag des 10. November die brennende Synagoge.

Sa, 9. Nov · 13:30-14:15 · NDR
Geraubte Leben

Das größte Konzentrationslager Nordwestdeutschlands lag im heutigen Hamburg-Neuengamme. Die Nationalsozialisten inhaftierten im Hauptlager und in den über 85 Außenlagern mehr als 100.000 Menschen aus ganz Europa. Nur die Hälfte von ihnen hat überlebt. Die Autoren suchten in ganz Europa Überlebende und interviewten sie in ihrer Muttersprache, mit Ausnahme derjenigen, die ihre Erlebnisse lieber auf Deutsch schildern wollten. Gefunden haben sie Menschen aus Frankreich, Tschechien, Israel und Russland, die während ihrer Zeit im KZ Teenager waren. Der Film berichtet von ihren Lebens- und Arbeitsbedingungen, vom Verlust der Familie, von Freundschaften im KZ und dem allgegenwärtigen Tod. Ein heute 97-Jähriger, der in Hamburg geboren wurde und aufwuchs, erzählt, wie er eines der Neuengammer Außenlager als britischer Militärarzt befreite. Eine ehemalige SS-Aufseherin schildert in einem Tondokument ihre Eindrücke von der Arbeit in einem KZ. Einer der 20 Hauptzeugen in den Curiohaus-Prozessen erklärt, wie er gegen die SS-Wachleute und Hauptangeklagten aussagte – und bei ihrem Anblick immer noch Angst empfand. Bislang nie gesendete Filmsequenzen, die jahrzehntelang unter Verschluss lagen, komplettieren die Dokumentation. Das Konzentrationslager Neuengamme ist das einzige Lager, dessen Geschichte noch nie in Form einer Fernsehdokumentation aufgearbeitet wurde. Eine Lücke, die das NDR Landesfunkhaus Hamburg mit der Dokumentation nun schließt.

Sa, 9. Nov · 18:00-18:30 · RBB
Die kleine Fotografin

Helga Simon ist die älteste Fotografin der deutschen Hauptstadt. Und auch die kleinste: die resolute Dame misst gerade einmal 1,38 Meter. Seit 60 Jahren ist sie Hausfotografin und Chronistin der Jüdischen Gemeinde Berlins. Doch die emsige Bildersammlerin fotografiert nicht nur dort: heute noch begibt sich die 85-Jährige fast täglich auf die Jagd nach guten Bildern. Ob auf dem Chanukka-Fest der Jüdischen Gemeinde, im Hotel Adlon mit der Bundeskanzlerin oder auf der Venus-Erotik-Messe: die kleine Fotografin ist immer dabei. Ihr Durchsetzungsvermögen ist berüchtigt und selten kommt die von Schlaflosigkeit Geplagte vor 2.00 Uhr nachts ins Bett. Geheiratet hat Helga Simon nie; dafür war einfach keine Zeit.

Sa, 9. Nov · 20:15-22:15 · Das Erste (ARD)
Rommel

März 1944. Feldmarschall Erwin Rommel ist als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B an der französischen Atlantikküste stationiert, wo die Wehrmacht sich auf die erwartete Invasion der Alliierten vorbereitet. In Rommels Augen hängen die militärischen Erfolgsaussichten davon ab, dass die alliierten Truppen schon bei der Landung zurückgeschlagen werden können. Mit seinen Maßnahmen und Forderungen bringt er sich in Opposition zu den übrigen Generälen unter dem Oberbefehlshaber West, Feldmarschall von Rundstedt. Rommel, der loyal zum Führer steht und sich von ihm protegiert fühlt, gelingt es trotz persönlicher Gespräche nicht, von Hitler zusätzliche Truppen für seine Strategie zu erhalten. Rommels neuer Stabschef, General Hans Speidel, hat Verbindungen zum militärischen Widerstand um Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Er informiert Rommel vorsichtig über die Pläne, Hitler zu stürzen, und vermittelt ein Gespräch mit Carl-Heinrich von Stülpnagel, der zu den Verschwörern um Stauffenberg gehört. Er will Rommel für den Widerstand gewinnen. Rommel jedoch weist den Gedanken an ein Attentat zurück. Er fühlt sich an den Eid gebunden, den die Feldmarschälle Hitler gegenüber gerade erst erneuert haben, und glaubt nicht daran, dass der Krieg mit dem Tod Hitlers zu beenden sei. Doch er behält sein Wissen um den sich formierenden Widerstand für sich. Je aussichtsloser Rommel die Verteidigungskraft an der Atlantikküste einschätzt, desto größer werden seine Zweifel an Hitlers militärischen Zielen. Er treibt die Vorbereitungen so gut es geht voran, ist aber gleichzeitig der Meinung, dass nur ein Separatfrieden mit den Amerikanern Deutschland vor einer verheerenden Niederlage schützen könne. Erst recht, nachdem am 6. Juni in der Normandie die Invasion der amerikanischen und britischen Kampfverbände beginnt. Die deutschen Truppen haben ihr nur wenig entgegenzusetzen. Hitler aber weigert sich, den Ernst der Lage anzuerkennen und hält am Endsieggedanken fest. Wieder einmal gelingt es ihm, Rommel an sich zu binden. Doch die Übermacht der Alliierten ist unübersehbar. Auch der neue Oberbefehlshaber West, Feldmarschall Günther von Kluge, gibt zu, dass Rommels Einschätzung der Lage zutrifft. Während Rommel in vertrauten Gesprächen mit Speidel offen darüber nachdenkt, die Front einseitig zu öffnen, bereiten die Verschwörer in Berlin und Paris das Attentat vor. Immer noch hoffen sie, dass Rommel nach Hitlers Tod auf ihrer Seite stehen wird. Doch bevor es soweit kommt, wird er am 17. Juli bei einem Fliegerangriff schwer verletzt. Rommel liegt im Krankenhaus, während in Berlin und Paris die Operation Walküre ausgerufen wird und nach Bekanntwerden von Hitlers Überleben in sich zusammenfällt. Die Pariser Verschwörer, darunter Stülpnagel, Hofacker, auch Speidel, werden von der SS verhaftet. In den Verhören fällt auch Rommels Name. Zur Genesung daheim in Herrlingen erhält Erwin Rommel am 14. Oktober unerwarteten Besuch. Zwei Generäle konfrontieren ihn mit dem Vorwurf, am Attentat auf Hitler beteiligt gewesen zu sein. Rommel, der erwartet hatte, für die Niederlage in der Normandie verantwortlich gemacht zu werden, ist überrascht und erschüttert. Er wird vor die Alternative Schauprozess oder Selbstmord gestellt. Um seine Familie zu schützen, entscheidet er sich für den Freitod. Nach dem Abschied von seiner Frau Lucie und Sohn Manfred nimmt er das Gift, das ihm die Generäle mitgebracht hatten.

Sa, 9. Nov · 20:15-21:50 · BR
Berlin ’36

Da die USA drohen, nicht an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin teilzunehmen, falls jüdische Sportler aus dem deutschen Team ausgeschlossen werden, wird Gretel Bergmann ins Trainingslager der Deutschen aufgenommen. Die jüdische Hochspringerin, die schon vor Jahren nach England emigriert war, hatte dort die Meisterschaften gewonnen und gilt als Favoritin für den Olympiasieg. Der Trainer Hans Waldmann ist begeistert von der jungen Sportlerin. Der „Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen“ fordert jedoch von ihm, Bergmann durch falsches Training wettkampfunfähig zu machen. So soll verhindert werden, dass durch den Sieg einer Jüdin die angebliche „Überlegenheit der arischen Rasse“ infrage gestellt wird. Als Waldmann sich weigert, wird er gegen einen anderen Trainer ausgetauscht, der Bergmann das Leben zur Hölle macht. Außerdem schickt der Reichssportführer eine weitere Konkurrentin gegen sie ins Rennen: Marie Ketteler – die in Wahrheit ein Mann ist. Doch die beiden Athleten freunden sich an.

Sa, 9. Nov · 21:00-21:45 · PHOENIX
Die Schindlers – Retter mit Diplomaten-Pass

In der 45-minütigen Dokumentation, die auch bisher unbekannte Film- und Fotoaufnahmen enthält, berichten zahlreiche Zeitzeugen von ihrer abenteuerlichen Flucht ins schwedische Exil und ihrem Überlebenskampf in Ungarn. Außerdem wurden neue Forschungsergebnisse namhafter Historiker in Dänemark und Ungarn ausgewertet. Ferdinand Duckwitz in Kopenhagen in sein Tagebuch. Zuvor hatte er erfahren, dass die Gestapo auf Befehl Hitlers plante, Anfang Oktober 1943 dänische Juden zu deportieren. Duckwitz warnte sofort dänische Politiker und jüdische Geistliche. Innerhalb weniger Tage konnten mehr als 7.000 Juden, unter ihnen auch einige hundert aus Deutschland, von Dänemark über den Öresund ins neutrale Nachbarland Schweden flüchten. Damit waren über 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung Dänemarks in Sicherheit.

Sa, 9. Nov · 21:45-22:30 · PHOENIX
Spitzel in der Synagoge – Die DDR und die Juden

Die Stasi hatte sie ständig unter Kontrolle. In ihren Synagogen saßen Spitzel unter den Betenden, in ihren Gemeinden arbeiteten IM der Staatssicherheit. Die Juden in der DDR waren der SED besonders suspekt. „Mein Vater hat gesagt: Nur raus, das mache ich nicht noch mal mit. Nur weg.“ Henny Brenner war 1953 eine junge Frau, als sie gemeinsam mit ihren Eltern aus der DDR nach West-Berlin flüchteten. „Man hatte sich schon wieder unwohl gefühlt. Man hatte Angst. Dann sind wir, wie man so sagt hat, abgehauen, bei Nacht und Nebel, weg.“Antijüdische Hetzkampagne Sie hatten Angst, weil sie jüdische Wurzeln haben. Wie der Familie Brenner ging es Tausenden von Juden in der DDR. Sie waren der kommunistischen Staatsmacht suspekt, weil sie Kontakte in den Westen hatten, weil die Stasi ihre hebräischen Gebetsbücher als staatsfeindliche Schriften ansah oder weil sie Sympathie für Israel äußerten. Damals folgte die SED der von Stalin befohlenen antisemitischen Hetzkampagne. Die Angst vor Verhören und Verhaftungen trieb im Frühjahr 1953 Tausende von Juden der DDR zur Flucht in den Westen. Die acht jüdischen Gemeinden in Ostdeutschland, die vor der Fluchtwelle rund 2600 eingeschriebene Mitglieder zählten, führten fortan ein Schattendasein. Viele Gemeindeangehörige passten sich an und kooperierten mit den Mächtigen. Am Ende der DDR hatten die Gemeinden nur noch 380 Mitglieder.Die Angst war wieder da Henny Brenner und ihre Familie ließen in Dresden alles zurück, fuhren mit dem Zug nach Berlin und gelangten über die noch offene Sektorengrenze in den Westteil der Stadt. Heute lebt Henny Brenner in der Oberpfalz. Nein, mit der Verfolgung während der Nazi-Zeit wolle sie die Bespitzelung durch den Staatssicherheitsdienst der DDR nicht vergleichen, sagt sie im Gespräch. Doch man hatte Angst. Wieder Angst. Denn Henny Brenner und ihre Angehörigen gehörten zu den 175 Juden in Dresden, die kurz vor Kriegsende der Deportation ins KZ Theresienstadt nur dadurch entgangen waren, weil nach dem britischen Bombenangriff im Februar 1945 die Bahngleise zerstört waren.Bespitzelt beim Gebet ZDF-History zeigt in der Dokumentation von Dietmar Schulz, wie die SED die Überlebenden des Holocaust kontrolliert und drangsaliert hat. Die Stasi war mit Sicherheit dabei, wenn sich die jüdischen Gemeinden zum Sabbat-Gebet in ihren Synagogen versammelten. In den Gemeindeleitungen arbeiteten einige sogenannte Informelle Mitarbeiter der Staatssicherheit, kurz IM genannt. „Die Strukturen der jüdischen Gemeinden in Ostdeutschland sind vom Staatssicherheitsdienst massiv unterwandert worden. Man hatte viele Informanten, die haarklein über alles Bericht erstatteten, was dort stattfand.“ So berichtet Dr. Hubertus Knabe, Historiker und Experte für die Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen, im ZDF-Interview. „Den Juden Gutes tun“ Erst nach der Wende, so der Historiker Hubertus Knabe, habe sich beim Öffnen der Stasi-Akten gezeigt, dass es „einen breiten Bodensatz von rechtsradikalen und antisemitischen Stimmungslagen in Ostdeutschland gab“. Geradezu grotesk war das Vorgehen von SED-Chef Erich Honecker in den letzten Monaten vor dem Zusammenbruch der DDR.

Sa, 9. Nov · 22:05-00:05 · BR
Die Akte Odessa

Hamburg, im November 1963: Der Reporter Peter Miller kommt durch Zufall an das Tagebuch eines Mannes, der kurz zuvor Selbstmord begangen hat. Die Aufzeichnungen erweisen sich als das erschütternde Protokoll eines Holocaust-Überlebenden. Detailliert schildert der Autor die Gräueltaten des SS-Kommandanten Eduard Roschmann, auch bekannt als der „Schlächter von Riga“, der nach Kriegsende untergetaucht ist. Miller beschließt, den NS-Verbrecher ausfindig zu machen. Obwohl er fast überall auf Schweigen stößt, kommt Miller einer unfassbaren Verschwörung auf die Spur: Zahllose ehemalige SS-Schergen haben sich nach dem Krieg in einer Geheimorganisation namens „Odessa“ zusammengeschlossen. Viele der Männer bekleiden heute hochrangige Positionen in Wirtschaft und Justiz. Durch einen Spitzel bei der Kriminalpolizei erfahren die Altnazis von Millers Suche nach Roschmann und setzen einen Auftragsmörder auf ihn an. Zur gleichen Zeit wird der Reporter von Agenten des israelischen Geheimdienstes kontaktiert. Ihr Vorschlag: Mit einer neuen Identität als ehemaliger SS-Mann ausgestattet, soll Miller „Odessa“ infiltrieren.

So, 10. Nov · 00:05-01:30 · BR
Der weiße Rabe – Max Mannheimer

Max Mannheimer bezeichnet sich selbst als „weißen Raben“, als Seltenheit, denn heute gibt es kaum noch Überlebende der Shoah und noch viel weniger, die darüber reden können. Mannheimer, der 1920 in Nordmähren in der Tschechoslowakei als Sohn jüdischer Eltern geboren wurde, floh nach der Reichspogromnacht mit seiner Familie an die ungarische Grenze. 1943 wurde er über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Seine Eltern, seine Schwester und seine Frau sah er nie wieder. Nur er und sein Bruder Edgar überlebten die Konzentrationslager Auschwitz, Warschau, Dachau und Mühldorf. Nach Kriegsende verliebte sich Mannheimer in die Deutsche Elfriede Eiselt, eine Widerstandskämpferin, die seine zweite Frau wurde, und mit der er 1946 nach München zog. Als Mitte der 1980er-Jahre ein Zeitzeugenbericht Mannheimers in einer wissenschaftlichen Zeitschrift erschien, wurde die Öffentlichkeit auf sein Schicksal aufmerksam. Mannheimer begann, vor Jugendlichen und Erwachsenen Vorträge über seine Erlebnisse während des Nationalsozialismus und in den Konzentrationslagern zu halten, um Zeugnis abzulegen und über den Nazismus zu informieren. Dies tut er bis heute – als unermüdlicher und charismatischer Aufklärer. Für ihren Film hat Regisseurin Carolin Otto diese eindrucksvolle Persönlichkeit begleitet.

So, 10. Nov · 00:10-02:00 · MDR
Am Ende einer Flucht – The Statement

Frankreich, 1944. In einem kleinen Dorf hilft Pierre Brossard (George Williams), ein junger Soldat des faschistischen Vichy-Regimes, den deutschen SS-Truppen bei der Verhaftung und Hinrichtung von sieben Juden. 48 Jahre später: Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat Pierre Brossard (nun Michael Caine) ein Leben auf der Flucht geführt. Bei einem katholischen Orden in der Provence, der mit dem Vichy-Regime sympathisierte, hat er Unterschlupf gefunden. Nun aber scheint ihn seine Vergangenheit einmal mehr einzuholen. Nachdem er sich in letzter Sekunde vor einem Profikiller retten konnte, der offenbar von jüdischer Seite auf ihn angesetzt wurde, sucht Brossard Hilfe bei Kommissar Vionnet (Frank Finlay), seinem alten Vichy-Verbindungsmann. Zur gleichen Zeit setzt die idealistische Richterin Annemarie Livi (Tilda Swinton) alles daran, Brossard für seine Gräueltaten zur Rechenschaft zu ziehen – kein leichtes Unterfangen, da in den Polizeibehörden zahlreiche Sympathisanten des Vichy-Regimes sitzen. Mit Hilfe des unbestechlichen Gendarmerie-Colonels Roux (Jeremy Northam) versucht Livi, den Kriegsverbrecher ausfindig zu machen. Sie lässt Brossards Foto in der Zeitung abdrucken und erschwert es so auch katholischen Klöstern, dem Alt-Nazi Zuflucht zu gewähren. Zwar kann sich Brossard einige Tage bei seiner Ex-Frau Nicole (Charlotte Rampling), die ihn zutiefst verachtet, verstecken, aber durch einen Tipp des Geistlichen Le Moyne (William Hutt) kommen Roux und Livi ihm auf die Spur. Mit Hilfe seines alten Kollegen Pochon (Ciarán Hinds) will Brossard schließlich aus Frankreich fliehen. Doch bei einem konspirativen Treffen muss er erkennen, dass seine engsten Verbündeten zugleich seine größten Feinde sind.

So, 10. Nov · 09:30-10:30 · SWR
Erich Zeisl – Ein unvollendetes Leben

Erich Zeisl (1905-1959) war ein österreichischer Komponist jüdischer Abstammung, der 1938 nach Paris und später nach Amerika emigrierte. Er ließ sich in Los Angeles nieder, wo er sich mit der Komposition von Filmmusiken und als Musikpädagoge über Wasser hielt. Seine von der Romantik beeinflussten, moderat-modernen Werke, darunter Kammermusik und zahlreiche Lieder, gerieten in Vergessenheit und finden erst heute wieder Beachtung. Der Film stellt Zeisls Musik vor und schildert das Leben des Komponisten.

So, 10. Nov · 13:00-14:00 · PHOENIX
History LIVE: Deutsche und Juden – Trotz allem Versöhnung?

Kein Verbrechen, das je an einer Bevölkerungsgruppe begangen wurde, war so menschenverachtend und dabei so systematisch organisiert wie der Holocaust. Die Reichspogromnacht jährt sich in diesem Jahr zum 75. Mal. Dies ist für Guido Knopp Anlass, sich 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in History LIVE mit dem Holocaust und seinen Folgen für das deutsch-jüdisch-israelische Verhältnis auseinander zu setzen.** Sechs Millionen Menschen wurden von den Deutschen kaltblütig und methodisch vernichtet. Der Zweite Weltkrieg wurde vor allem wegen des Holocausts zu einer noch größeren Zäsur der deutschen Geschichte als es der Erste Weltkrieg war. Die Menschlichkeit, die das deutsche Volk in jenen barbarischen Jahren in jeder Hinsicht vermissen ließ und die Würde, die es seinen Opfern geraubt hat, hat das Verhältnis zwischen Deutschen und Juden seitdem geprägt. Wie gestaltete es sich kurz nach dem Krieg? Welche Entwicklungsschritte hat es seitdem gemacht? Und wo stehen wir heute? Guido Knopp diskutiert mit dem Historiker Michael Wolffsohn und zwei weiteren Experten diese und weitere Fragen zu dem belasteten Verhältnis.

So, 10. Nov · 23:55-01:45 · Das Erste (ARD)
Jud Süß – Film ohne Gewissen

Ende der 1930er Jahre bietet Joseph Goebbels dem mäßig erfolgreichen Darsteller Ferdinand Marian die Hauptrolle in dem antijüdischen Propagandafilm „Jud Süß“ an. Moralische Skrupel lassen den Schauspieler zögern, doch die Aussicht auf Weltruhm ist zu verlockend. Er will der Titelfigur freundliche Züge verleihen, steigert die gewünschte Wirkung dadurch aber umso mehr. Der zweifelhafte Erfolg reißt ihn mit sich, Marian verliert seine Frau und seine Selbstachtung. „Elementarteilchen“-Regisseur Oskar Roehler erzählt die tragische Geschichte des Schauspielers Ferdinand Marian, der an der Rolle seines Lebens zerbricht. Tobias Moretti und Moritz Bleibtreu glänzen in dieser aufwühlenden Studie über Rassenhass und die Wirkung aufkommender Massenmedien. Berlin, 1939. Joseph Goebbels (Moritz Bleibtreu), Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, plant das NS-Prestigeprojekt „Jud Süß“. Die großen Ufa-Stars machen einen Bogen um den antisemitischen Hetzfilm, weswegen der Minister die Hauptrolle dem Österreicher Ferdinand Marian (Tobias Moretti) andient. Der weniger bekannte Darsteller wittert die einmalige Karrierechance, doch seine Frau Anna (Martina Gedeck) befürchtet, dass er sich zu sehr auf jüdische Rollen festlegt. Goebbels erhöht den Druck, worauf Marian schließlich den Pakt mit dem Teufel schließt. Um sein Gewissen zu beruhigen, redet er sich ein, er könne dem grotesk überzeichneten Titel-Bösewicht sympathische Züge verleihen. Diese hehre Absicht macht Goebbels, der die Dreharbeiten persönlich überwacht, sich geschickt zunutze. Als Marian schmerzlich bewusst wird, welch verwerfliche Rolle er in dieser wirksamen filmischen Propagandawaffe spielt, flüchtet er in Alkoholexzesse und Seitensprünge. Um seinen Star unter Kontrolle zu bekommen, lässt Goebbels Anna deportieren. Der Erfolg des Films erweist sich als Fluch, den der Schauspieler auch nach dem Krieg nicht loswird. Während der „Jud-Süß“-Regisseur Veit Harlan (Justus von Dohnányi) sich distanzieren kann, erfährt Marian von Annas Tod im KZ. Sie wurde Opfer des fanatischen Rassenhasses, den er durch seinen Filmauftritt noch geschürt hat. Das bewegende Historiendrama nach Friedrich Knillis Ferdinand-Marian-Biographie rekonstruiert die Entstehungsgeschichte des NS-Propagandafilms „Jud Süß“. Für seine packende Studie über die Verführbarkeit des Einzelnen in der Diktatur versammelt Oskar Roehler ein außergewöhnliches Ensemble: Als eitler Darsteller, der sich selbst belügt, macht Tobias Moretti spürbar, was Zusammenarbeit mit den Nazis bedeutete. Moritz Bleibtreu entlarvt Goebbels als clowneske Karikatur. Zurückhaltend agieren Justus von Dohnányi, der den „Jüd-Süß“-Regisseur Veit Harlan als berechnenden Mitläufer zeigt, und Martina Gedeck als Marians leidgeprüfte Ehefrau. Mit blassen Farben, die eine bedrückende Nähe zu den 1930er Jahren erzeugen, wirft der Film ein neues Licht auf die Banalität der Bösen.

Mo, 11. Nov · 06:15-06:45 · RBB Berlin
Die Kinder der Villa Emma

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg suchen jüdische Kinder Zuflucht vor der Deportation. Drei Jahre lang irren sie in Europa umher, dann finden sie ausgerechnet im faschistischen Italien in der „Villa Emma“ einen sicheren Platz. Dank der Solidarität und des Mutes der Bevölkerung überleben die Kinder, auch als Norditalien durch Wehrmacht und SS besetzt wird. Schließlich gelingt ihnen die Flucht in die Schweiz. Und endlich, noch einmal drei Jahre später, können sie zu ihrem eigentlichen Ziel aufbrechen: Richtung Palästina.

Di, 12. Nov · 20:15-00:37 · arte
Shoah (1/2)

Elf Jahre reiste der Filmemacher Claude Lanzmann durch Europa und sprach mit Zeitzeugen des Holocaust – mit Opfern und Tätern. Entstanden ist ein eindringlicher Dokumentarfilm, der bis heute als wichtigste Auseinandersetzung mit der Judenvernichtung gilt. Claude Lanzmann: „Mein Anliegen war es, einen Film zu drehen, der dieses wichtigste Ereignis der Zeitgeschichte in voller Größe rekonstruiert. Es sollte ein Werk werden, das sowohl die Geschichte dokumentiert als auch über die Geschichte reflektiert und so dem Ereignis gerecht wird. Statt mich auf bestimmte Kapitel oder Episoden der Judenvernichtung in Europa zu beschränken, wollte ich den Genozid insgesamt und in seinen gigantischen Ausmaßen erfassen. Ich wollte seine bis in die Gegenwart wirksamen, bis heute noch nicht voll aufgedeckten und ergründeten Folgen deutlich machen.“ Länge, Personenzahl und Themenvielfalt machen das Werk zum Monumentalfilm. Es wurde kein einziges Archivdokument verwendet, der ganze Film – mit einem Material von 350 Stunden – wurde in der Gegenwart gedreht. Die Recherche hatte dreieinhalb Jahre gedauert und wurde in 14 Ländern durchgeführt. Zwischen 1976 und 1981 erfolgten zehn Drehperioden. ‚Shoah‘ ist ein nichtfiktionales Werk, dessen Protagonisten – Juden, Nazis, direkte oder fernere Zeugen der Vernichtung – alle auf unterschiedliche Weise tatsächlich an den rekonstruierten Ereignissen beteiligt waren. Legende, Mythos und Fiktion zersetzen und verwässern die erbarmungslose und nackte Wirklichkeit des Holocaust. Sie führen zu einer hemmungslosen, unumschränkten Trivialisierung. ‚Shoah‘ ist kein Dokumentarfilm, in dem die Personen in Schlips und Kragen, mit dem Abstand des Alters, gewissermaßen losgelöst von ihrer Vergangenheit, ruhig an ihrem Schreibtisch oder am Kamin ihres Wohnzimmers sitzen und ihre Erinnerungen erzählen. Die Vernichtung der europäischen Juden gehört in den Bereich der legendenhaften und mythischen Kenntnisse, was das Gegenteil von Wissen bedeutet. Legenden können nicht zerstört werden, indem ihnen Erinnerungen entgegensetzt werden, sondern nur, indem sie mit der unfassbaren Gegenwart konfrontiert werden, aus der sie hervorgegangen sind. Dies gelingt nur dadurch, dass die Vergangenheit als Gegenwart lebendig gemacht und in einer zeitlosen Aktualität wiederhergestellt wird.“ Rachel Ertel: „‚Shoah‘ ist kein Erinnerungsfilm. Erinnerungen sind Sache der Vergangenheit. Es ist ein Film des Erinnerns. Durch seine bohrenden Fragen setzt Claude Lanzmann das Gedächtnis der jüdischen Überlebenden in Gang, verbunden mit Sprüngen und unaussprechlichen Qualen, gewissermaßen einen entsetzlichen Geburtsvorgang einleitend, der sie zerreißt. Er entlarvt die Listen und Ausweichmanöver der polnischen Zeitzeugen ebenso wie die der Henker. ‚Shoah‘ ist es gelungen – und das ist das schwarze Wunder des Films -, das Gedächtnis des Völkermords ins Bewusstsein der nachfolgenden Generationen einzupflanzen. Die Litanei der übereinstimmenden Aussagen auf Jiddisch, Hebräisch, Polnisch, Deutsch und Englisch, wiederholt vom Dolmetscher beziehungsweise in den Untertiteln, bohrt sich in den Kopf der Zuschauer. Wenn der Lokomotivführer, die Bauern, die Nazis, die Überlebenden immer wieder das Kehledurchschneiden vorführen, kann sich der Zuschauer dem Bann dieser unglaublich grausamen Bewegung nicht entziehen. Es ist kein einfaches Erinnern, sondern ein aktuelles Erleben für die Überlebenden, und für den Zuschauer eine unausweichliche Erfahrung … Nach ‚Shoah‘ werden wir sicher angesichts eines ganz gewöhnlichen Gegenstands – eines Zuges, eines Lastwagens – oder vor einer heiteren Landschaft erzittern und zusammenzucken. Das wird das Gedächtnis des Völkermords in unserem Körper sein.“

Di, 12. Nov · 22:45-00:15 · RBB
Im Himmel, unter der Erde – Der jüdische Friedhof Weißensee

Der Jüdische Friedhof Weißensee wirkt wie ein Märchenwald inmitten der deutschen Hauptstadt und ist dennoch ein höchst lebendiger Ort.Der größte jüdische Friedhof Europas, auf dem noch immer bestattet wird, verbindet Menschen und Schicksale aus der ganzen Welt. Die Regisseurin Britta Wauer führt die Zuschauer durch das riesige Gelände und erzählt einige der vielen Geschichten vom Leben und Sterben. Im Norden Berlins liegt versteckt in einem Wohngebiet, umgeben von Mauern, ein Urwald aus Bäumen, Rhododendron und Efeu. Zwischen dem wuchernden Grün stehen Tausende Steine – große und kleine, prächtige und verfallene, namenlose und solche mit unentzifferbaren Inschriften. Es ist der Friedhof der Jüdischen Gemeinde von Berlin. Der Jüdische Friedhof Berlin Weißensee gleicht einem Märchenwald und einem Dschungel inmitten der deutschen Hauptstadt. Und er liest sich wie ein Geschichtsbuch. Lang ist die Liste berühmter Künstler, Philosophen, Juristen, Architekten, Ärzte, Religionslehrer und Verleger, die dort beerdigt sind. Der Kaufhausgründer Hermann Tietz gehört dazu, der Maler Lesser Ury, der Hotelier Kempinski, der Verleger Samuel Fischer und Rudolf Mosse, dem einst das größte Verlagshaus Europas gehörte. Dass die ältesten Grabsteine noch stehen, liegt daran, dass ein jüdischer Friedhof für die Ewigkeit angelegt wird. Die Gräber werden nicht eingeebnet. Über 115.000 Menschen sind auf dem Friedhof in Weißensee bestattet. Und dennoch ist er ein höchst lebendiger Ort. Auf dem riesigen Gelände suchen argentinische Großfamilien nach dem Grab eines ihrer Vorfahren. Restauratoren bemalen Gräber mit funkelnden Davidsternen, während der schmächtige Herr in der Friedhofsregistratur einer Busladung Exilanten die Unterlagen zu den Gräbern ihrer Angehörigen aushändigt. Ein Greifvogelexperte zählt den Nachwuchs der hier lebenden Habichte. Und ein 80-Jähriger berichtet, dass er sich an diesem Ort in seine Mitschülerin verliebte – damals vor langer Zeit beim Sportunterricht im Feld A8 – genau an der Stelle, an der sich heute die bunten Gräber der neuen Russen befinden. Der größte jüdische Friedhof Europas, auf dem noch immer bestattet wird, ist inzwischen 130 Jahre alt. Am erstaunlichsten ist, dass weder der Friedhof noch sein Archiv je zerstört worden sind. In Weißensee spielten jüdische Kinder, als es auf den deutschen Straßen zu gefährlich für sie wurde. Einzelne Juden versteckten sich für ein paar Nächte in frisch ausgehobenen Grüften oder dem Kapitell eines Grabmals vor ihren Verfolgern. Nach dem Krieg war es der kleinen Ost-Berliner Gemeinde nicht möglich, den sich ausbreitenden Urwald in Weißensee zu beherrschen. Erst seit der deutschen Einheit versuchen die Mitarbeiter des Friedhofs, Stück für Stück die einzelnen Felder des Friedhofes zurückzuerobern. So ist der Jüdische Friedhof Weißensee ein Paradies für Geschichten-Sammler.

Mi, 13. Nov · 00:15-01:00 · RBB
Ein Jude, der Deutschland liebte – Das Tagebuch des Willy Cohn

„Es ist trotz all dem sehr schwer, sich die Liebe zu Deutschland ganz aus dem Herzen zu reißen“, schreibt Willy Cohn Anfang 1933. Der Historiker ahnt, was auf die Juden zukommt – und kann sich dennoch nicht von dem Land trennen, „dessen Sprache wir reden und dessen gute Tage wir auch miterlebt haben!“. Er wird mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern im November 1941 in Kaunas, Litauen, erschossen. Sie gehören zu den ersten Opfern der systematischen Mordaktionen der Nazis. Sein Tagebuch hatte er in Sicherheit gebracht. Die Veröffentlichung des Tagebuchs („Kein Recht, nirgends“) war 2006 eine zeitgeschichtliche Sensation. 1.200 Seiten über das Leben seiner Familie, über die zunehmende Marter der Juden, die seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten „in einer Mausefalle“ saßen: Willy Cohn beschreibt auch die Qual eines Patrioten, der sein Vaterland liebte, und eines gläubigen Juden, der sich ein neues Leben nur in „Erez Israel“ vorstellen konnte. Als der Entschluss fiel auszuwandern, war es zu spät. Seine drei ältesten Kinder Louis „Wölfl“, Ernst und Ruth hatte Willy Cohn noch rechtzeitig nach Frankreich und Palästina geschickt. So überlebten sie. Autorin Petra Lidschreiber hat die drei filmisch begleitet: Nach Wroclaw, das Louis Wölfl zum ersten Mal seit 74 Jahren besucht, und nach Israel. Ein anrührender filmischer Dialog zwischen den Kindern und ihrem ermordeten Vater entsteht: Warum kehrte Willy Cohn wieder zurück, als er 1937 mit seiner Frau den Sohn Ernst in Palästina besuchte? Warum zögerte er, die deutsche Heimat zu verlassen? Tochter Ruths Stimme versagt, als sie sich erinnert: „Es hätte so nicht enden müssen …!“ Drei Jahre vor seinem Tod hatte Willy Cohn notiert: „Meine Hoffnung ist, dass meine Kinder meinen Namen in meinem Sinne fortsetzen werden …“ Am Ende des Films versammelt sich eine Vier-Generationen-Familie zu einem Gruppenfoto. Sie haben Willy Cohns Wunsch wahr gemacht.

Mi, 13. Nov · 00:40-05:00 · arte
Shoah (2/2)

Elf Jahre reiste der Filmemacher Claude Lanzmann durch Europa und sprach mit Zeitzeugen des Holocaust – mit Opfern und Tätern. Entstanden ist ein eindringlicher Dokumentarfilm, der bis heute als wichtigste Auseinandersetzung mit der Ermordung der Juden gilt. „Mit festem Schritt und Tritt, und den Blick gerade aus. Immer mutig und treu in die Welt geschaut, marschieren wir Kolonnen zur Arbeit aus. Darum sind wir heute in Treblinka“, so beginnt der zweite Teil des Dokumentarfilms von Claude Lanzmann. Ein Lied, das die „Arbeitsjuden“ im Lager singen mussten, geträllert von dem ehemaligen SS-Unterscharführer Franz Suchomel. Filmemacher Claude Lanzmann hat ihn in seiner Wohnung aufgespürt und ohne sein Wissen gefilmt. Elf Jahre widmete sich Claude Lanzmann seinem Werk über die Shoah. Das Leitmotiv des Films bildet das Geräusch der auf das Vernichtungslager zurollenden Züge. Mit sparsamen Mitteln und in nüchternem Ton beschwört Filmemacher Claude Lanzmann den Schrecken herauf, bringt das Unsagbare zu Gehör und macht das Unbenennbare deutlich. So lässt sich Claude Lanzmann beispielsweise von dem ehemaligen SS-Unterscharführer Franz Suchomel anhand der Lagerkarte erklären, wie in Treblinka täglich 18.000 Menschen „behandelt“, das heißt ermordet werden konnten. Der Filmemacher spricht mit Opfern und Tätern und gibt den Protagonisten Gesichter und Namen, anstatt reine Fakten und Statistiken aufzuzählen. Die Washington Post schrieb: „Das Filmereignis des Jahrhunderts … ‚Shoah‘ ist ein wahrer Akt künstlerischen Mutes.“

Mi, 13. Nov · 06:20-06:50 · RBB
Leben nach dem Überleben – Die Literatin Ruth Klüger

„Weiter leben. Eine Jugend“ – so hieß das erste Buch der aus Österreich stammenden amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger. 1992 erschien es auf dem deutschsprachigen Buchmarkt und war sofort ein Bestseller. Es gehört inzwischen zum Bildungskanon in Deutschland. Klüger erzählt in unpathetischer Weise darin ihre Geschichte. Die Geschichte eines jüdischen Kindes im Wien der 30er Jahre, wo sie Heimat und Identität verliert. Im Alter von elf Jahren wird sie deportiert – erst nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz-Birkenau, zuletzt in das Lager Christianstadt, von wo sie im Februar 1945 gemeinsam mit ihrer Mutter flieht. Heute zählt Ruth Klüger zu den anerkanntesten Literaturwissenschaftlerinnen und Germanistinnen der USA, sie ist Professorin in Göttingen und aus dem Deutsch- und Geschichtsunterricht nicht mehr wegzudenken.

Mi, 13. Nov · 09:55-10:48 · arte
Türkiye – Türkei – Die gespaltene Republik

Im Sommer beherrschten Meldungen über Demonstrationen und Proteste in der Türkei, vor allem in Istanbul, die europäischen Medien. In dem Land mit beachtlichem wirtschaftlichen Aufschwung wollen die Bewohner sich nicht länger bevormunden und einschränken lassen. Immer mehr Türken finden, dass Ministerpräsident Erdogan zu mächtig geworden ist. Sie kritisieren, dass er den Demonstrationen mit Gewalt begegnete. Bedeutet diese Konfrontation die Spaltung der türkischen Gesellschaft, der Gesellschaft eines Landes, das die Nahtstelle zwischen Europa und der arabischen Welt bildet? Als Anfang Juni in Istanbul die Menschen auf die Straße gingen und auf dem Taksim-Platz demonstrierten, richteten sich wieder alle Augen auf die Türkei; auf jene Republik am Rande Europas, die über Jahre hinweg einen beeindruckenden Wirtschaftsaufschwung hingelegt und gezeigt hatte, dass sie international eine wichtige Rolle einnehmen will. Doch plötzlich wird alles anders, die Türkei ist im 90. Jahr der Republik-Gründung in ihren Grundfesten erschüttert und wird zu einer gespaltenen Republik. Der einst gefeierte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte seiner lang unterdrückten islamischen Anhängerschaft nach seiner Wahl 2002 zu Achtung und Erfolg verholfen und angefangen, die alte Türkei Mustafa Kemal Atatürks umzubauen. Was zunächst vielen Menschen gefiel – nämlich die Entmachtung des Militärs und der kemalistischen Eliten sowie die Betonung der islamischen Werte – geht inzwischen vielen Türken zu weit. Der jahrelange wirtschaftliche Aufschwung hat eine Gesellschaftsschicht geformt, die sich nicht mehr bevormunden und einschränken lassen will. „Erdogan du bist nicht unser Vater, spiele daher nicht den Vater“ rufen sie. Doch Proteste stoßen auf Unverständnis und Abwehr. Die alten Mechanismen greifen wieder. Der Ministerpräsident, der sich eigentlich in wenigen Monaten dank einer Verfassungsänderung in Richtung Präsidialdemokratie zum mächtigen Präsidenten wählen lassen will, reagiert mit Härte, Schuldzuweisungen und Verhaftungen. In keinem Land der Welt sitzen so viele Journalisten in Haft wie in der Türkei. Erst kürzlich sind über 250 Angeklagte – Angehörige des Militärs, Journalisten, Anwälte, Akademiker – wegen Unterstützung terroristischer Umtriebe beziehungsweise Putschversuchs zu langen Haftstrafen verurteilt worden. -. Ist die Türkei auf dem Weg in eine gespaltene Republik? Weder die EU-Annäherung noch die Gesellschafts-, Frauen- und Minderheitenpolitik sind im Moment Motoren für eine mögliche Befriedung der sich gegenüberstehenden gesellschaftlichen Lager. Im Gegenteil: Erreichtes wird aufs Spiel gesetzt. Juden, Griechen, Armenier und Aramäer sind weiter Bürger zweiter Klasse. Und sogar der historisch bedeutende Waffenstillstand mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK und die Annäherung an die Kurden zielen auf die Machterweiterung Erdogans ab. Diese schleichende „Sultanisierung“, die an das alte osmanische Reich erinnert, sind die Bürger nicht gewillt hinzunehmen. Und die Kurden träumen von einem föderalen Staat und nicht von einer nationalistisch, islamisch geprägten Republik. Die Türkei – ein gespaltenes Land an der Nahtstelle zwischen Europa und der arabischen Welt?

Mi, 13. Nov · 19:00-19:45 · BR
stationen.Dokumentation: Die Hüterin der Worte – Rachel Salamander und die Literaturhandlung

Rachel Salamander ist heute für jeden in Deutschland, der sich mit jüdischer Literatur, jüdischer Tradition und Geschichte beschäftigt, ein Begriff. 1982 eröffnete sie die „Literaturhandlung“ in München und begann, „… die geistige jüdische Welt zu rekonstruieren, alles zusammenzutragen, was das Wort und die Schrift aufbewahrt hatte, und all jene wieder einzubürgern, die vertrieben und verbrannt worden waren.“ * Der Film zeichnet ein sensibles, oft humorvolles Porträt dieser außergewöhnlichen Frau, die auch eine „stolze Münchnerin“ geworden ist. Rachel Salamander wird im Januar 1949 im Displaced Persons Lager Deggendorf geboren, im DP-Lager Föhrenwald bei Wolfratshausen wächst sie in einem traditionellen Elternhaus auf, in dem die jüdischen Feiertage eingehalten werden und koscher gekocht wird. Es ist eine eigene, von den Deutschen völlig abgeschottete Welt. Die Mutter stirbt früh, erst 1956 verlassen die siebenjährige Rachel, ihr Bruder Borys und der Vater als eine der letzten Familien das Lager. Ihnen wird in München eine Wohnung zugewiesen. Im München der 50er-Jahre ist ihr nichts vertraut: „Wir kamen in eine durchweg fremde Welt. Wir waren schnell wieder als Juden abgestempelt.“ Als Rachel Salamander eingeschult wird, spricht sie kein Wort Deutsch, nur ihre Muttersprache Jiddisch. Trotzdem: Rachel Salamander studiert Germanistik, Romanistik und Philosophie und eröffnet kurz nach dem Studium eine Buchhandlung mit Literatur zum Judentum. Über dreißig Jahre Literaturgeschichte hat sie mittlerweile damit geschrieben: Schalom Ben-Chorin und Louis Begley, Marcel Reich-Ranicki und David Grossman, sie alle und viele andere sind in diesem Rahmen aufgetreten.

Mi, 13. Nov · 23:00-00:25 · BR
Unterm Hakenkreuz – BR-Kurzfilmnacht

Ein trauriges Ereignis jährt sich 2013 zum 75. Mal. Am 9. November 1938 riefen die Nazis zu Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung auf, was später euphemistisch als „Reichskristallnacht“ und noch später als „Reichspogromnacht“ in die Geschichtsbücher einging. An diese Zeit erinnert diese BR-Kurzfilmnacht, die anlässlich des Internationalen Festivals der Filmhochschulen in München gesendet wird. Dass dieses Kapitel deutscher Geschichte auch die Jungen noch immer beschäftigt, beweisen die vier Filmemacher mit ihren eindringlichen Arbeiten zum Leben „Unterm Hakenkreuz“. * Eine gute Geschichte * Heil Emil * Jean * Leben lassen * Eine gute Geschichte Deutschland 2013 Als Helga Landowsky (Petra Kelling) den kaputten Krug in einem Antiquitätenladen nahe der deutsch-polnischen Grenze entdeckt, will sie ihn um jeden Preis haben. Doch die alte Dame hat die Rechnung ohne Jakub Lato (Michael Tregor) gemacht. Denn der Händler will nicht etwa Geld für seine Ware. Sein Preis für den Krug ist eine Geschichte. Und die weiß Jakub Helga zu entlocken. Es ist eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg. Eine Geschichte über Schmerz und Verlust. Noch während Helga erzählt, wird Jakub und ihr bewusst, dass dieser alte Krug ihre Leben auf wundersame Weise miteinander verknüpft. Und dass sie das letzte Kapitel jetzt, fast 70 Jahre später, gemeinsam erzählen. Denn erst dadurch wird die Geschichte zu einer guten Geschichte. Regie: Martin-Christopher Bode Drehbuch: Michael Seidel * Heil Emil Der kleine Emil Weber (Paul Kögler) leidet am Down-Syndrom – eine Krankheit, die während der NS-Diktatur einem Todesurteil gleichkommt. Seine Eltern glauben zunächst, dass das „Euthanasie-Programm“ der Nazis ihrem Sohn helfen wird. Als seine Mutter (Marisa Leonie Bach) jedoch die Wahrheit erkennt, versteckt sie Emil auf dem Dachboden. Ein mit dem Vater (Peter Bosch) seit Kindheit befreundeter Offizier (Arno Kempf) könnte helfen, Emils Leben zu retten. Regie: Sebastian Kilinski Drehbuch: Stefan Fischer * Jean Im letzten Kriegsjahr wird der deutsche Soldat Philipp Ernst (Benedikt Blaskovic) zusammen mit dem französischen Jungen Jean (Jonathan Berlin) in einem Keller verschüttet. Von der Außenwelt abgeschnitten, überwinden die beiden langsam ihre Vorurteile und werden zu Freunden. Gemeinsam hoffen sie auf ein baldiges Kriegsende, doch das Schicksal hat anderes mit ihnen vor. All dies erfährt Timo (Andreas Bendig), der Enkel des gealterten Philipp, als er an dessen Krankenbett in seinem Kriegstagebuch liest. Regie: Alexander Jaschik Drehbuch: Claude Koenig, Alexander Jaschik * Leben lassen Weil seine Tochter sich nicht mehr um ihn kümmern kann, bekommt Johann Kreutz (Horst Sachtleben), 84, eine neue Pflegerin. Die Russin Irina Rybakova (Natalia Bobyleva), 59, lebt mit ihm im Haus am Waldrand. Der demenzkranke alte Mann wird in seinen Träumen immer wieder von seiner Vergangenheit als SS-Unterscharführer in Russland eingeholt. Das bleibt auch Irina nicht verborgen… „Leben lassen“ gewann 2011 auf den Internationalen Hofer Filmtagen den Eastman Förderpreis. Regie: Felix Charin Drehbuch: Felix Charin

Fr, 15. Nov · 12:00-12:45 · 3sat
Baha’i – Religion für eine neue Zeit

Für die fünf Millionen Anhänger der Baha’i-Religion sind die israelischen Nachbarstädte Haifa und Akko die heiligsten Orte auf Erden. Dort liegt das administrative und spirituelle Zentrum ihrer Gemeinde, das alljährlich Tausende Baha’i-Pilger aus aller Welt besuchen. Über 700 Baha’i sind in diesem Weltzentrum tätig. Es gibt wenige Riten, Adressat fast aller Gebote ist das Individuum. Was zählt ist die geistige Grundhaltung, nicht die äußere Form. Frieden hat einen sehr hohen Stellenwert in ihrem Glauben. Die Baha’i werden im Iran, dem Ursprungsland ihrer Religion, diskriminiert und verfolgt. Seit der Islamischen Revolution von 1979 wurden mehr als 200 Baha’i getötet, seit mehr als zwei Jahren ist das ehemalige Führungsgremium der iranischen Baha’i-Gemeinde im berüchtigten Evin-Gefängnis inhaftiert – trotz internationaler Proteste seitens der UNO und der EU. Die Dokumentation „Baha’i – Religion für eine neue Zeit“ erzählt die Geschichte dieser Glaubensrichtung und stellt Baha’i-Anhänger vor.