- haGalil - https://www.hagalil.com -

Rechtsextreme und ausländerfeindliche Gewalt in Bayern 2012

Am 22. 10. 2013 erschien in der Süddeutschen Zeitung der Artikel „Rechte Gewalt in Bayern – Terror im Alltag“ des landespolitischen Korrespondenten des Blattes Mike Szymanski. Der Journalist berichtet, dass das Innenministerium für diesen Zeitraum allein für Bayern 63 Gewalttaten mit fremdenfeindlichem Hintergrund auflistet und sich die Politik darüber freue, „dass es nicht mehr Übergriffe sind“. Die Süddeutsche recherchierte die einzelnen Fälle und stellte sie auf einer rot eingefärbten Bayernkarte mit weißen Punkten zum Anklicken ins Web. Jeder Punkt symbolisiert einen Tatort bzw. einen, oder mehrere Fälle…

Von G. Gamsbauer

Mit nicht geringer Beklemmung nimmt man als Leser dieses Artikels zur Kenntnis, dass als Täter hierbei keinesfalls nur glatzköpfige Jugendliche mit Springerstiefeln in Erscheinung treten, sondern auch etwa Rentnerinnen oder andere, scheinbar ganz normale, Bürger, die ihre Aggressionen in zum Teil lebensbedrohliche Gewalt gegenüber fremdartig oder ausländisch aussehenden Mitbürgern umsetzen.

Was der Artikel nicht explizit feststellt, sondern bestenfalls suggeriert, ist das ganz offensichtliche Versagen der bayerischen Gesellschaft, ein Versagen von Politik ebenso wie von Eliten, Schulen, Kirchen, Gewerkschaften, Medien und Elternhaus.

Eine bessere und häufigere Aufklärung der Bayern über deren jahrhundertealte Intoleranz-Geschichte ebenso wie über deren so gern totgeschwiegene Intoleranz der Gegenwart, Bayern war gemäß den Erhebungen der Friedrich-Ebert-Stiftung in den Jahren 2006, 2008 und 2010 das antisemitischste und zugleich eines der fremdenfeindlichsten Bundesländer, erscheint angesichts solcher Tatsachen als dringend angeraten.

Es folgt eine Chronologie der fremden- und minderheitenfeindlichen Ereignisse des Jahres 2012 in Bayern, jeweils gemäß den Angaben des genannten Internetbeitrags der Süddeutschen Zeitung. Mit Sicherheit darf man davon ausgehen, dass die Anzahl solcher und ähnlicher Fälle tatsächlich noch wesentlich höher liegt, denn viele Ausländer wollen keinen Ärger mit den Behörden und wenden sich nur im äußersten Notfall an die Polizei. Hinzu kommt – Polizei und Innenministerium haben ein großes Interesse daran, dass in Sachen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit die Statistiken sogenannte „Abwärtstrends“ aufweisen, rein schon aus Imagegründen.

München, 8. Januar: Rechtsextreme grölen in der Straßenbahn ausländerfeindliche Parolen und schlagen einen Fahrgast brutal nieder.

München, 14. Januar: Zwei Neonazis pöbeln und greifen dann zwei Punks an.

Ottobrunn, 22. Januar: Ein Neonazi schlägt einen türkischen Taxifahrer zusammen.

Deggendorf, 22. Januar: Vier Neonazis überfallen einen 25-jährigen Betrunkenen.

Weißenbrunn, 29. Januar: Sieben Männer attackieren einen Kenianer auf dem Parkplatz einer Disco. Die Täter können unerkannt flüchten.

Freising, 29. Januar: Ein Neonazi verprügelt einen 27-Jährigen.

Neufahrn bei Freising, 4. Februar: Neonazis ritzen Hakenkreuze in die Toilettentür eines Lokals und schlagen einen Gast, der sich ihnen in den Weg stellt, bewusstlos.

München, 11. Februar: Ein 36-jähriger Angestellter einer Disco wird von einem Rechten beleidigt.

Regensburg, 16. Februar: Drei Neonazis attackieren einen 26-jährigen Amerikaner mit den Worten „Neger, was willst du hier“, und schlagen dann zu.

Regensburg, 19. Februar: Ein unerkannt gebliebener Täter ruft „Heil Hitler“ und sprüht einem Hausbewohner, der ihn zur Rede stellt, Pfefferspray ins Gesicht.

Landshut, 25. Februar: In Landshut treffen rechte und linke Demonstranten aufeinander und ein Neonazi droht mit einer Stange.

Roding, 9. März: Vier Jugendliche grölen Naziparolen und zeigen den Hitlergruß. Zwei Passanten werden geschlagen und getreten.

München, 11. März: Ein Unbekannter verletzt einen Disco-Gast.

Oberschönegg, 24. März: Ein junger Rechtsextremist prügelt bei einer Feier im Jugendtreff um sich.

Breitenbrunn, 24. März: Zwei Neonazis erscheinen uneingeladen auf einer Geburtstagsfeier und inszenieren eine Schlägerei.

München, 28. März: Nachdem ein Neonazi einen Iraker mit „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“-Rufen angesprochen hat, wird dieser von mehreren Rechten verprügelt.

Augsburg, 31. März: Ein 21-jähriger Neonazi stellt einen Hakenkreuz-Aufnäher zur Schau. Als er abgeführt wird, bespuckt er einen Polizisten und tritt nach anderen Beamten.

Memmingen, 7. April: Ein Betrunkener pöbelt Jugendliche an. Dabei beschimpft er einen Afrikaner als „Nigger“ und tritt ihm in den Unterleib.

Memmingen, 19. April: Bei einem Konzert kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Rechten und Linken. Ein 21-Jähriger Allgäuer wird dabei so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus gebracht werden muss. Die Polizei stellt fest, dass die Täter einer Skinhead-Kameradschaft nahe stehen.

Memmingen, 20. April: Nach dem Konzert provoziert ein Neonazi Polizisten bzw. leistet Widerstand bei der Feststellung seiner Personalien. Ein anderer Rechter versucht seinen festgenommenen Kumpel zu befreien.

Passau, 30. April: In einem Festzelt verprügelt ein Rechter einen Mann.

München, 10. Mai: Ein 57-jähriger Mann attackiert eine Straßenkünstlerin mit fremdenfeindlichen Sprüchen.

München, 10. Mai: Ein Neonazi beleidigt einen Mann in einer Disco als „Nigger“, und fordert ihn auf Deutschland zu verlassen. Anschließend schlägt er zu.

 

Fürth, 15. Juni: Am Rande der Kundgebung „Freiheit für politische Gefangene“ kommt es zum Streit zwischen Linken und Rechten. Ein Rechter tritt einer Frau in den Bauch.

Fürth, 17. Juni: Ein Unbekannter beleidigt einen 27-jährigen Fußgänger mit fremdenfeindlichen Sprüchen und ohrfeigt den Mann.

München, 22. Juni: Ein vermummter Neonazi bedroht in der U-Bahn einen Italiener mit einem Küchenmesser und fordert ihn auf, die Bahn zu verlassen. Später zieht er ein weiteres Messer und versucht einen Mann vom Sicherheitsdienst zu verletzen. Als er festgenommen wird, begrüßt er die Polizeibeamten mit „Sieg Heil“.

München, 22. Juni: Ein 53-jähriger Münchner beschimpft zwei Kosovaren, dann schlägt und tritt er auf einen der beiden ein.

Erding, 29. Juni: Nach einem Fußballspiel treffen zwei polizeibekannte Neonazis auf italienische Fans, sie schlagen einen Italiener nieder und treten den bereits am Boden Liegenden solange, bis dieser schwerverletzt ist.

München, 9. Juli: Eine 59-jährige Münchnerin attackiert eine Frau und beleidigt diese mit ausländerfeindlichen Sprüchen.

Stein, 23. Juli: In einem Freizeitbad in Stein (Landkreis Fürth) greift ein Deutschtürke zwei Frauen, von denen eine einen Davidstern an ihrer Halskette trägt, an. Er beleidigt sie, zeigt den Hitlergruß. und sprüht ihnen später Reizgas ins Gesicht.

Schillingsfürst, 23. Juli: Ein Rechter attackiert einen 22-jährigen Bekannten aufgrund von politischen Differenzen.

Regensburg, 1. August: Ein NPD-Mitglied schlägt bei einer Kundgebung mit Gegendemo einen Demonstrationsteilnehmer.

München, 5. August: Ein Neonazi provoziert einen Studenten und dessen Begleiterin mit dem Hitlergruß und schlägt dann zu.

München, 9. August: Bei einer Schlägerei zwischen drei Neonazis und drei Punks wird ein 24 Jahre alter Punk schwer verletzt.

München, 10. August: Eine 59-jährige Münchnerin beleidigt eine Supermarkt-Kassiererin mit ausländerfeindlichen Parolen.

München, 20. August: Eine dunkelhäutige Frau, deren Sohn in der U-Bahn mehrmals gegen den Türöffner drückt, empört einen 73-jähriger Rentner. Unter Bezugnahme auf Hitler, unter dem es „so etwas“ nicht gegeben hätte, schlägt er der Frau ins Gesicht.

München, 20. August: Ein Türke wird von seinem Nachbarn beleidigt und attackiert.

Unterhaching, 23. August: Vier Männer halten einen Afrikaner in dessen Auto an, einer zeigt den Stinkefinger und ruft „scheiß Neger“, dann wird der Autofahrer durch das offene Fenster ins Gesicht geschlagen. Es kommt zu einem Kampf bei dem der Angegriffene mittelschwer verletzt wird.

München, 25. August: Bei einer Veranstaltung einer rechtspopulistischen Partei kommt es zu einer Rangelei, bei der einem 45-Jährigen Gewalt angetan wird.

München, 15. September: Ein Iraker, der sich bei einem Passanten nach dem Weg erkundigen will, wird von diesem attackiert – und mit „Scheiß Moslem“ beschimpft. Dann ruft der Angreifer vier andere Personen dazu auf, den Iraker „fertig zu machen“.

München, 28. September: Auf dem Oktoberfest schlägt ein 46-jähriger Neufahrner einen afghanischen Zehnjährigen und beleidigt dessen Familie.

Röhrnbach, 28. September: Zwei junge Neonazis schlagen auf einen polnischstämmigen Jugendlichen ein, und verletzen diesen mittelschwer.

Holzheim, 30. September: Ein Jugendlicher sprüht bei einer Facebook-Party Pfefferspray in eine Gruppe, zu der auch Ausländer gehören.

Krumbach, 30. September: Drei Neonazis verprügeln im Jugendheim Niederraunau einen Polen.

Seubersdorf, 2. und 3. Oktober: Rechtsradikale stören ein Konzert im Ort Wissing. Es kommt zu Rempeleien und Gewalttaten.

München, 9. Oktober: Ein Münchner mit irakischen Wurzeln verprügelt einen Nigerianer.

München, 18. Oktober: Ein Münchner attackiert einen Jugendlichen und beleidigt ihn mit fremdenfeindlichen Parolen.

Würzburg, 27. Oktober: Ein 21-Jähriger zeigt den Hitlergruß und attackiert wenig später ohne erkennbaren Anlass einen asiatisch aussehenden Passanten.

Buttenwiesen, 7. November: Zwei Jugendliche schüchtern mit Psychoterror eine türkische Familie ein.

München, 10. November: Rangeleien bei einer Demonstration in der Münchner Innenstadt: Ein  Teilnehmer wird von einem mutmaßlich Rechten beleidigt und attackiert.

München, 20. November: Eine Rentnerin beschimpft und attackiert eine Frau und deren tunesischen Begleiter.

Nürnberg, 25. November: Ein 19-Jähriger greift einen dunkelhäutigen Mann an. Die Polizei greift rechtzeitig ein.

Ansbach, 1. Dezember: Zwei Rechte provozieren einen Türken mit dem Hitlergruß und schlagen dann zu.

München, 4. Dezember: Ein Betrunkener zeigt den Hitlergruß und leistet bei seiner Festnahme Widerstand.

München, 8. Dezember: Ein Neonazi attackiert nach einer Kundgebung einen Gegendemonstranten.

Babenhausen, 22. Dezember: Als der aus Afghanistan stammende Betreiber einer Tankstelle darauf aufmerksam macht, dass an der Zapfsäule nicht geraucht werden darf, wird er von einem Kunden als „alter Kanake“ beschimpft und geohrfeigt.

München, 24. Dezember: Eine Rentnerin beleidigt und attackiert eine junge Frau.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/rechte-gewalt-in-bayern-terror-im-alltag-1.1800885