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taz: Herr Rösler, was halten Sie von Ho Chi Minh?

Zweidrittel der Fragen werden zu Röslers Aussehen und Geburtsland gestellt, wie: „Herr Rösler, welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, dass andere Probleme mit Ihrem asiatischen Aussehen haben?“ Oder: „Wann haben Sie bewusst wahrgenommen, dass Sie anders aussehen als die meisten Kinder in Deutschland?“…

In der Tageszeitung (taz) vom 10.09.2013 wurde ein Interview zweier Journalistinnen mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler veröffentlicht. Gebracht wurden nur die Fragen, nicht die Antworten, denn die FDP hat das Interview nicht freigegeben, „weil Rösler sein asiatisches Äußeres im Wahlkampf nicht zum Thema machen wolle“, wie bei blogs.taz zu lesen ist.

Levi Salomon

Obige Fragestellung impliziert, dass deutsche Kinder anders aussähen. Es liegt auf der Hand zu fragen: wie sieht denn ein deutsches Kind aus? Haben deutsche Kinder etwa blonde Haare? Markus Löning, der Menschenrechtsbeauftragte, twitterte: „Liebe taz, wie nennt man das, wenn man jemanden auf sein Aussehen und seine Herkunft reduziert?“ Und, so müsste man hinzufügen, außerhalb der Gesellschaft stellt.

Die Welt bezeichnet das Interview als „beschämend“ und das Vorgehen der Journalistinnen als „verantwortungslos“, denn es „sind die Fragen, die den Vizekanzler rassistisch diskriminieren. Sie stigmatisieren ihn, und dem muss er sich nicht aussetzen.“

In einem Interview, das bei blogs.taz selbst veröffentlicht ist, bewertet Timo Reinfrank von der Amadeu-Antonio-Stiftung die Fragen ebenfalls als rassistisch „weil in den Fragen ständig diese Haltung reproduziert wird: wir Herkunftsdeutsche hier, ihr Einwanderer dort. Man will, dass Rösler sich für seine eigene Partei rechtfertigt. Leute, die von Rassismus betroffen sind, muss man nicht immer wieder damit quälen, dass es viele Leute gibt, die sie diskriminieren. Wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre, wäre ich mitten im Interview rausgegangen.“

Lala Süsskind, Vorsitzende des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), bewertet den Versuch Rassismus zu thematisieren als richtig, die Art und Weise aber als nicht zielführend. „Es hätte eher gefragt werden sollen, was seine Partei gegen Rassismus unternehmen möchte, wie Handlungsstrategien aussehen könnten und ihn so als Politiker ernst zu nehmen, anstatt ihn in eine Opferrolle hineinzupressen.“

Wenn die zuständige Chefredakteurin Ines Pohl auf blogs.taz in diesem Vorgehen einen „groben Bruch der gängigen Spielregeln“ sieht, dann meint sie wahrscheinlich die Nichtfreigabe des Interviews seitens der FDP und leider nicht die Fragen selbst.

Quellen: