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Kein Krieg – vorerst

US-Präsident Obamas Entscheidung, einen Militärschlag gegen Syrien zunächst vom Kongress absegnen zu lassen, was nicht vor dem 9. September passieren wird, hat in Israel gemischte Gefühle hervorgerufen. Einerseits Erleichterung, da ein möglicher Krieg abgewendet wird. Aber auch Sorge um die Botschaft, die diese Entscheidung ausstrahlt…

Obama habe als erster geblinzelt, kommentierte Ron Ben-Yishai auf Ynet, und das sei schlecht. Die Vertagung der Entscheidung sei eine eindeutige Botschaft an das Regime. Auch aus militärischer Perspektive ist die Verzögerung gut für Assad, der sich nun besser vorbereiten könne, um den Schaden eines möglichen Angriffs abzumildern.

Es sei aber auch möglich, gibt Ben-Yishai zu bedenken, dass Obama so mehr Zeit gewinnen wolle, um auf eine diplomatische Lösung hinzuarbeiten. Solch eine Lösung, wenn sie in Kooperation mit Russland und China erzielt werde, sei für die Zukunft natürlich vorzuziehen und deutlich effektiver als ein Militärschlag.

Obama habe ganz richtig entschieden, urteilt dagegen Aluf Benn in Haaretz. Er habe deutlich gemacht, dass die Armee bereit und Ziele markiert seien. Nun habe er Zeit seine diplomatischen Fähigkeiten zu zeigen und in dieser Woche beim G-20-Gipfel in St. Petersburg zu versuchen, Putin an Bord zu bekommen. Sollte er scheitern, wird er die Legitimierung für eine Militäraktion bekommen.

Für Israel bedeutet die Entscheidung Obamas zunächst eine gewisse Entspannung, hoffentlich ein ruhiges Neujahrsfest, das in der kommenden Woche begangen wird, aber auch einen Zeitgewinn vor allem für die Heimatfront, die deutlich schlechter vorbereitet ist als sie sollte. In der vergangenen Woche war es zu tumultartigen Szenen an den Ausgabestellen für Gasmasken gekommen und noch immer gibt es großen Andrang. In den kommenden Tagen sollten dann auch jene, die bisher noch nicht dazu gekommen sind, eine Gasmaske erhalten und sich beim Heimatfronkommando über die Verhaltensregeln im Falle eines Angriffs informieren können.

Die Armee bleibt in jedem Fall in erhöhter Alarmbereitschaft. Die Mobilisierung von Reservisten geht weiter, im Norden und Zentrum des Landes werden weitere Iron Dome und Patriot Raketenabfangsysteme aufgestellt.