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Zur Erinnerung: Adin Talbar

Am Freitag, den 6. September 2013, verstarb in Jerusalem Adin Talbar.  Talbar, 1921 in Berlin als Sohn von Felix Theilhaber geboren, war bis ins hohe Alter aktiver Sportler und setzte sich für die deutsch-israelische Verständigung ein. Es war ihm stets ein großes Anliegen, an das Wirken seines Vaters zu erinnern. Talbar wurde neben seiner Frau Siva beerdigt, mit der er 55 Jahre lang verheiratet war. Jehi sichro baruch.

Nach der Grundschulzeit an der zionistischen Theodor-Herzl-Schule war Talbar Schüler am Berliner Goethe-Gymnasium, kehrte aber 1933 in die inzwischen von Paula Fürst geleitete Theodor-Herzl-Schule zurück, nachdem es in der deutschen Schule zu Diskriminierung kam. Nachdem sein Vater im Mai 1933 für zwei Monate im Strafgefängnis Plötzensee interniert worden war und nach seiner Freilassung seine Zulassung als Arzt verlor, wanderte die Familie 1935 nach Palästina aus.

Adin Talbar, (‏עדין טלבר‎), geb. am 8.10.1921 in Berlin, gest. am 6.9.2013 in Jerusalem. Er war u.a. Gründer der israelischen Academic Sports Association (A.S.A) und in der deutsch-israelischen Zusammenarbeit aktiv. 2011 wurde er zum Ehrenbürger Jerusalems ernannt…

Ohne seine Eltern ging Adin Talbar in den Kibbuz Mischmar haEmek, wo er drei Jahre in der Landwirtschaft lernte. Individualistisch veranlagt, verließ er 1938 den Kibbuz und folgte seinem Bruder Tola Theilhaber nach London, um dort an der Polytechnic Regent Street School sein Abitur zu machen.

Nach seiner Rückkehr nach Palästina zu Ausbruch des 2. Weltkrieg verbrachte er 1940 einige Monate in der Trans-Jordan Frontier Force. 1942 wurde er Offizier in der Jüdischen Brigade der Britischen Armee. Dort lernte er Hazim el-Khalidi kennen, mit dem ihn, trotz des Arabisch-Israelischen Konflikts eine lebenslange Freundschaft verband. Khalidi war später Kommandeur des syrischen Yarmouk Regiments im Palästinakrieg 1948-1949 und jordanischer Tourismus-Direktor Jerusalems bis 1967 gewesen. Als Teil der Jüdischen Brigade, die aus dem Palästinensischen Regiment hervorging, wurde er 1943 erst nach Ägypten verlegt, und nahm 1944 als Assault Pioneer an Kampfhandlungen in Italien teil.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war Adin Talbar in Norditalien an der Fluchthilfe von jüdischen Überlebenden nach Palästina beteiligt. Auf einer Motorradreise nach München einen Monat nach Ende des Krieges übergab ihm der spätere Gefängnispsychologe der Nürnberger Prozesse Gustave Gilbert in Salzburg photographische Aufnahmen des Konzentrationslagers Dachau. Die Nachkriegszeit verbrachte Talbar in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Frankreich. Während der Demobilisierung der jüdischen Brigade schrieb sich Talbar 1946 am Institut Paris des Hautes Études Cinématographiques ein. 1946 wurde er auf die Situation in Bergen-Belsen aufmerksam und begann dort einen Film über die Lebensbedingungen unter britischer Verwaltung zu drehen. Aufgrund der brisanten politischen Situation – der Verbleib der Holocaust-Überlebenden war nicht geklärt und die Einreisebeschränkungen im britischen Mandatsgebiet Palästina bestanden weiter – wurde Talbar festgenommen. Der britische Under-Secretary of State for War Michael Stewart bezeichnete den Film als „anti-britische Propaganda“, als „subversiv… (mit) schwerwiegenden Auswirkungen auf die Sicherheit [der britischen] Truppen, sowohl in Deutschland als auch in Palästina.“ Er verbrachte vier Monate im britischen Militärgefängnis von Bielefeld, bevor er auf Fürsprache des Colonels Growes freigelassen wurde. Growes war Talbars Kommandeur in der Jüdischen Brigade gewesen.

Während seiner Zeit im Gefängnis tauschte Talbar mit Arthur Koestler, den er noch aus dem Haushalt seines Vaters kannte, Briefe aus, und nach seiner Entlassung erholte sich Talbar einige Zeit in Koestlers Haus in Wales. Durch Koestler war Talbar mit dem israelfreundlichen Abgeordneten des britischen Parliaments Richard Crossman in Kontakt gekommen. Jedoch konnte dieser über den Verbleib des Filmmaterials nur herausfinden, dass es zerstört worden war.

Talbar studierte Wirtschaftswissenschaften an der London School of Economics, musste sein Studium aber abbrechen, da im Mai 1948 der Unabhängigkeitskrieg in Israel ausbrach und kampferfahrene Offiziere gebraucht wurden. Nach zwei Jahren in der israelischen Armee nahm er sein Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem wieder auf und schloss seinen Bachelor-Studium ab.

Nach Abschluss des Studiums trat er dem israelischen Finanzministerium bei. Zwischen 1957 und 1960 war er israelischer Wirtschaftskonsul für Kanada in Montreal und zwischen 1961 und 1965 Botschaftsrat für Wirtschaft in Washington. In dieser Zeit handelte er für Israel unter anderem mit den Vereinigten Staaten das Food for Peace Abkommen aus. Als Deputy Director des Handels- und Industrieministeriums war er der israelische Unterhändler in der Kennedy-Runde der Allgemeinen Handels- und Zollabkommen (GATT) 1965-67, verhandelte das Wirtschaftsabkommen mit Deutschland 1965-66, und war Repräsentant des israelischen Handelsministeriums zur Erreichung eines Freihandelsabkommen mit der Europäischen Gemeinschaft 1965–1975. Hiernach ging er in die Privatwirtschaft und wurde Berater von UNCTAD und Schiedsrichter bei GATT. Seit 1985 ist Adin Talbar dänischer Honorarkonsul in Jerusalem.

Deutsch-Israelische Beziehungen

Nach den erfolgreichen Verhandlungen über deutsche Wirtschaftshilfen für Israel, war Adin Talbar Mitbegründer der Deutsch-Israelischen Handelskammer in Tel Aviv 1966. 1966 war er der Organisator eines internationalen Universitäts-Basketballturniers, an dem zum ersten Mal eine deutsche Sportmannschaft – von der Universität Heidelberg – teilnahm. Das Turnier wurde eröffnet von FISU-Präsident Primo Nebiolo. Bei Demonstrationen und unter Schutz von 200 Polizisten, tauschten die israelischen und deutschen Mannschaftskapitäne im Stadion der Universität Tel Aviv Wappen aus. Die deutsche Flagge musste während des ganzen Turniers von Polizisten bewacht werden. Jedoch wurde dadurch das Tabu keine offiziellen Jugendsporttreffen zwischen Israel und Deutschland in Israel auszutragen gebrochen. 1978 war er Gründer und erster Vorsitzender der Israelisch-Deutschen Gesellschaft in Jerusalem.