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Doppelpass zwischen Israel und Deutschland

Fußball als Element des Kulturtransfers – Internationale Tagung im Rahmen der U21 Fußball-Europameisterschaft in Israel…

Vom 5. bis 18. Juni 2013 findet die U21 Fußball-Europameisterschaft in Israel statt. Neben dem Gastgeber ist auch die deutsche Mannschaft qualifiziert. Erstmals treffen eine deutsche und eine israelische Mannschaft bei einem internationalen Turnier aufeinander.

Seit der Gründung des Deutschen Fußball-Bunds im Jahre 1900 haben Juden bei der Entwicklung des Fußballs in Deutschland eine große Rolle gespielt. Das ist vielen Menschen heute immer noch unbekannt. Die Rolle der jüdischen Vertreter in dieser Sportart gehört zu vergessenen Kapiteln der deutschen Geschichte. Wer erinnert sich noch daran, dass an der Gründung des DFB auch maßgeblich zwei Juden beteiligt waren: die Kaufleute Fred und Gus Mannig aus Frankfurt? Dass die renommierte deutsche Sportzeitung Kicker 1920 gleichfalls von einem Juden ins Leben gerufen wurde, wissen vielleicht einige Spezialisten, die große Mehrheit der Fußballfans kann mit dem Namen Walther Bensemann wohl kaum etwas anfangen. Und wer kennt noch die jüdischen Nationalspieler Gottfried Fuchs und Julius Hirsch aus Karlsruhe? Gottfried Fuchs erzielte 1912 einen Rekord, der auch heute noch Gültigkeit besitzt: Im Länderspiel gegen Russland schoss er zehn von 16 Toren. Fuchs emigrierte 1937 nach Kanada, Julius Hirsch wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Aus Anlass der U21 Europameisterschaft hat das Goethe-Institut Israel in Kooperation mit Professor Dr. Lorenz Peiffer vom Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover und Professor Dr. Moshe Zimmermann vom Richard-Koebner-Minerva-Zentrum für Deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem dieses Turnier zum Anlass genommen, im Rahmen einer internationalen wissenschaftlichen Tagung die deutsch-jüdische Fußballgeschichte sowie die Entwicklung des Fußballsports in Israel in den Blick zu nehmen.

In sechs Vorträgen sollen die deutsch-jüdischen Fußballbeziehungen auf dem historischen Hintergrund der Zeit vor dem 2. Weltkrieg und nach 1945 thematisiert werden. Den Anfang macht Lorenz Peiffer, der die ‚Blüte‘ des jüdischen Fußballs während des Nationalsozialismus nachzeichnet. Sein Kollege, der israelische Historiker Moshe Zimmermann, berichtet über jüdische Fußballemigranten und ihre Rolle als Lehrmeister. Dass sogar in den Konzentrationslagern gekickt wurde, darüber spricht Oded Breda, dessen Onkel im Ghetto Theresienstadt für die Mannschaft „Jugendfürsorge“ als Verteidiger auflief und der später ermordet wurde. Auch in den Displaced Persons Camps, wo Tausende auf ihre Auswanderung nach Israel oder Übersee warteten, wurde mit Leidenschaft Fußball gespielt. Diesen kaum bekannten Abschnitt der deutsch-jüdischen Sportgeschichte skizziert Jim Tobias. Manfred Lämmer wirft ein Schlaglicht auf die deutsch-israelischen Fußballbeziehungen seit 1945. Als letzter Referent spricht Nils Havemann über die frühe Fußballbundesliga und ihre Bemühungen sich zwischen Amateurismus und Profitum zu positionieren. (jgt/pm)

Spielplan der Fußball-Liga in Theresienstadt, © Pamatnik Terezin
Spielplan der Fußball-Liga in Theresienstadt, Repro: © Pamatnik Terezin

Abschließend wird der Streifen „Das Wunder von Bern“ – mit englischen Untertiteln – von Sönke Wortmann gezeigt. Eine Podiumsdiskussion beendet die Tagung.

Die Vorträge werden auf Deutsch oder Hebräisch gehalten, begleitet von einer Simultanübersetzung.

Donnerstag, 13. Juni 2013, 10.00 bis 19.00 Uhr, Tel Aviv, Goethe-Institut, Weizmann St. 4, Der Eintritt ist frei.

Mitveranstalter: Richard-Koebner-Minerva-Zentrum für deutsche Geschichte, Hebräische Universität Jerusalem; Leibniz Universität Hannover; Deutscher Fußball-Bund e.V.