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Schulbuchkommission zu Nahost

Eine „Entmenschlichung“ (Dehumanisierung) der Juden oder der Araber gibt es weder in israelischen noch in palästinensischen Schulbüchern. Aber im Lehrmaterial beider Seiten wird viel ausgelassen, was ein Hindernis auf dem Weg zum Frieden ist…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 4. Februar 2013

Zu diesem Ergebnis ist eine internationale Schulbuchkomission unter der Leitung des Yale-Professors Bruce Wexler gelangt. Finanziert vom amerikanischen Außenministerium haben mehrere Jahre lang amerikanische, israelische und palästinensische Forscher an dem Projekt gearbeitet. Mitautoren waren Sami Adwan von der Bethlehem Universität und Daniel Bar-Tal von der Tel Aviv Universität.

Wexler erklärte bei einer Pressekonferenz, dass die Forscherteams versucht hätten, exakte Kriterien zu erarbeiten, um eine größtmögliche „Objektivität“ zu erreichen. Bei Schulbuchkommissionen in anderen Konfliktgebieten wie Sir Lanka, Zypern oder Nordirland habe der „persönliche Eindruck“ der Forscher im Vordergrund gestanden.


Insgesamt seien 492 zur Zeit verwendete Schulbücher aus Israel und 148 aus den palästinensischen Gebieten untersucht worden. Dabei bemerkten die Forscher, dass Israelis und Palästinenser völlig unterschiedliche „Narrative“ der eigenen Geschichte und der Darstellung des „Anderen“ hätten. In Büchern israelischer Staatsschulen würden die Palästinenser in 49% der Fälle negativ dargestellt werden, in orthodox-israelischen Büchern seien es 73 % während umgekehrt palästinensische Schulbücher in 84% der Fälle Israelis negativ darstellen. Immerhin 11% der israelischen Schulbücher stellen die Palästinenser „positiv“ dar, während in palästinensischen Schulbüchern nur bei einem Prozent eine positive Darstellung der „anderen“ festgestellt worden sei.

Während in 8% der israelischen Bücher eine „negative Selbstdarstellung“ entdeckt worden sei, gebe es keinerlei Selbstkritik in palästinensischen Schulbüchern. Zu den weitverbreiteten Werten im palästinensischen Lehrplan gehören Kooperation und Dschihad (Heiliger Krieg), gefolgt von Märtyrer-Opfertum durch Tod, Freiheit und Gewaltlosigkeit.

Aus Journalistenfragen nach der Präsentation ging hervor, dass die im vergangenen Mai abgeschlossene, aber erst jetzt öffentlich vorgestellte Untersuchung erhebliche Kontroversen ausgelöst habe. So beklagten sich beteiligte Wissenschaftler, die Ergebnisse nicht vor ihrer Veröffentlichung zu Gesicht bekommen zu haben. Kurz nach der Pressekonferenz erklärte das israelische Erziehungsministerium die Studie für „einseitig, unprofessionell und profund unobjektiv“. Das ursprünglich als Auftraggeber beteiligte Oberrabbinat distanzierte sich von der Untersuchung und ihren Ergebnissen. Das Ministerium für strategische Angelegenheit bezichtigte die Forscher einer „höchst problematischen und irreführenden Methodologie“. Da sei versucht worden, eine „künstliche Balance“ zwischen Schulbüchern beider Seiten zu schaffen.

Die Kommission habe eine Indoktrination palästinensischer Kinder zu Hass, Gewalt und Nicht-Akzeptanz der Existenz Israels unterschlagen.

Nach Angaben einer Sprecherin des Erziehungsministeriums wurde israelischen Schulbüchern angekreidet, die Palästinenser negativ dargestellt zu haben, weil die Ermordung der israelischen Sportler in München bei den olympischen Spielen 1972 erwähnt worden sei.

Der palästinensische Premierminister Salam Fajad habe die Forscher empfangen und ihnen ein Lob ausgesprochen, sagte Wexler.

Die Frage eines Journalisten, wie denn die Forscher mit dem unterschiedlichen Verständnis von Begriffen wie Freiheitskämpfer oder Terrorist umgegangen seien, ließ Kommissionsleiter Wexler unbeantwortet im Raum stehen. Sami Adwan bestätigte nach der Pressekonferenz jedoch: „Das ist ein guter und wichtiger Einwand.“

In der ausgeteilten Materialsammlung bewertete die Kommission als „Positive Darstellung der Juden“ ein Zitat aus einem palästinensischen Schulbuch für christliche Erziehung für die 3. Klasse. Darin wird erwähnt, dass die Juden die Heiligkeit des Sabbat einhalten, ruhen und nicht arbeiten. Doch dann heißt es, dass die Juden am Sabbat nicht einmal gute Taten tun oder Kranke heilen. „Jesus jedoch lehrte uns, dass gute Taten Pflicht sind an jedem Tag, sogar am Sonntag.“ Ein Journalist aus Neuseeland hielt Wexler vor, dass in diesem Zitat ein finsteres antisemitisches Motiv aus dem Mittelalter dargestellt werde. Zudem habe der Jude Jesus den Sonntag gewiss nicht als besonderen Tag hervorgehoben. Wexler reagierte ungehalten: „Das ist halt eine der wenigen positiven Darstellungen von Juden in einem palästinensischen Schulbuch, die wir gefunden haben…“

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

Siehe: http://www.israelipalestinianschoolbooks.blogspot.co.il/