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Europäische Eliten: Sexismus, Rassismus, Bewunderung für Mussolini

In einer Zeremonie für die Opfer des Holocausts betonte Berlusconi, dass Mussolini auch ein paar gute Sachen getan habe… Eine völlig unangemessene Ehr-Erweisung findet man nicht nur in Spanien…

ABC – Spanien
Berlusconis unsägliches Mussolini-Lob

Am Rande einer Veranstaltung zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust hat sich Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi am Sonntag in Mailand lobend über den faschistischen Diktator Benito Mussolini geäußert. Die konservative Tageszeitung ABC empört sich über diesen Fehltritt:

„In einer Zeremonie für die Opfer des Holocausts zu betonen, dass Mussolini auch ein paar gute Sachen getan habe, ist eine völlig unangemessene Ehr-Erweisung. Tausende von italienischen Juden wurden in Vernichtungslager deportiert. Zwar taten das die Nazis, die Italien nach dem Fall des Duce besetzt hatten, aber sie nutzten dafür Konzentrationslager, die von diesem errichtet wurden, um Hitler zufriedenzustellen. Dass Mussolini auch Straßen und Brücken gebaut hat, macht ihn nicht unschuldig.“ (28.01.2013) spanisch

Népszava – Ungarn
Roma sind keine Verbrecher

Der rechtsradikale Publizist Zsolt Bayer hat in Ungarn mit einem scharfen Kommentar Anfang Januar in einer Tageszeitung für Empörungsstürme gesorgt. Er hatte Roma, die bei einer Messerstecherei zwei junge Ungarn schwer verletzt hatten, als „feige, scheußliche, schädliche Tiere“ bezeichnet. Die linke Tageszeitung Népszava sucht das in Ungarn verbreitete Vorurteil zu zerstreuen, wonach alle Roma Verbrecher sind:

„Messerstecher gibt es überall, und es sind nicht notwendigerweise Roma. …
Diese Menschen als Tiere zu bezeichnen ist unhaltbar. Auch Verbrecher sind Menschen. … Die Situation der ungarischen Roma ist keine Frage der Verbrechensbekämpfung, weil die Roma keine Verbrecher sind. Unter den Roma gibt es Verbrecher, ja, und ihre Dichte ist höher als unter den Nicht-Roma. Doch ist dies auf die unterschiedlichen sozialen Verhältnisse zurückzuführen, in denen Roma und und Nicht-Roma leben. Die dramatische soziale Situation der Roma lässt sich nur durch Empathie, Solidarität, Kooperation, Integration und handfeste Programme überwinden.“ ungarisch

Expressen – Schweden
Rassismus grassiert nicht nur in Ungarn

Aus Anlass des Holocaust-Gedenktags am Sonntag erinnert die liberale Tageszeitung Expressen daran, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auch heute noch in Europa grassieren:

„Nicht nur in Ungarn haben wir es mit einer Renaissance des Rassismus zu tun, auch wenn es dort europaweit am schlimmsten ist. Der Fremdenhass hat in Zeiten der Krise überall zugenommen. In Italien wurden besondere Ausweisungsgesetze für Roma eingeführt, und 2010 zerstörten Bulldozer im Auftrag des Staats ein Roma-Lager als Rache für einen Mord an einer Italienerin. Hierzulande deckte Expressen am 20. November 2012 auf, dass die Schwedendemokraten vom wissenschaftlichen Dienst des Parlaments heimlich wissen wollten, welche Parlamentsabgeordneten zwei Pässe besitzen. … Heute ehren wir die Opfer des Holocausts. Aber der Rassismus ist kein altes Schwarz-Weiß-Foto, das man feierlich betrachtet. Er existiert hier und jetzt.“ (27.01.2013) schwedisch

Blog Antje Schrupp – Deutschland
Sexistische Übergriffe sind keine Lappalie

Ein Artikel über anzügliche Bemerkungen des FDP-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, Rainer Brüderle, gegenüber einer jungen Journalistin hat in Deutschland eine Debatte über alltäglichen Sexismus ausgelöst. Zuvor hatte eine andere junge Journalistin über Frauenfeindlichkeit bei den Piraten berichtet. Endlich werden scheinbare Lappalien thematisiert, meint Politikwissenschaftlerin Antje Schrupp in ihrem Blog:

„Es ist ein Tabubruch, denn bisher gehörte es sich nicht, solche Erlebnisse an die große Glocke zu hängen. Eine Frau, die es in die oberen Ränge des Alpha-Journalismus geschafft hatte, hatte dankbar zu sein, dass die Herren sie mitspielen lassen. Und nicht rumzicken wegen irgendwelcher nebensächlicher Lappalien. …
Wie viel sich an Ärger da bereits angesammelt hatte, zeigt sich an der großen Resonanz, die unter dem Hashtag #Aufschrei gerade bei Twitter trendet. Unter diesem Tag tragen Frauen ihre Erlebnisse bezüglich solcher ‚Lappalien‘ zusammen und machen damit sichtbar, dass die ‚Lappalien‘-Einschätzung aufgrund der schieren Menge an entsprechenden Vorfällen schlicht falsch ist.“ (27.01.2013) deutsch

Les Dernières Nouvelles d’Alsace – Frankreich
Kinder im Streit um Homo-Ehe instrumentalisiert

In Paris sind am Sonntag über 100.000 Menschen auf die Straße gegangen, um für die von der Regierung geplante Homo-Ehe zu demonstrieren. Zwei Wochen zuvor hatte eine noch größere Demonstration gegen das Projekt stattgefunden. Die Regionalzeitung Les Dernières Nouvelles d’Alsace kritisiert, dass beide Seiten Kinder für die Kampagne instrumentalisieren:

„Die Demonstrationen von gestern und vom 13. Januar zählen zu den größten der vergangenen Jahrzehnte. Sie stehen für zwei Visionen zu einem wichtigen Thema: der Familienstruktur. … Homosexualität wird zum Glück nicht mehr als Delikt oder Krankheit betrachtet. Deshalb wird die Grenze nun bei den Kindern gezogen. Schamlos lädt man Jungen und Mädchen ein, die erzählen sollen, ob sie traumatisiert oder begeistert davon sind, von zwei Männern oder zwei Frauen großgezogen zu werden. Diese Instrumentalisierung von Kindern ist schockierend: Was auch immer die zu verteidigende Sache ist, Kinder sollten niemals Geisel und schon gar nicht Sprecher der Erwachsenen sein. Dieses Prinzip sollte die Parlamentarier leiten, die mit dem Rücken zur Wand stehen.“ (28.01.2013) französisch

Polityka Online – Polen
Rückständiges Polen verschmäht Homo-Ehe

Das polnische Parlament hat am Freitag ein Gesetz über eingetragene Lebenspartnerschaften für Homosexuelle abgelehnt. Premier Donald Tusk wurde vom konservativen Flügel seiner eigenen Partei überstimmt. Die Abstimmung verdeutlicht die Rückständigkeit Polens, kritisiert das linksliberale Nachrichtenportal Polityka Online:

„Und wieder einmal hat die rituelle Beschwörungsformel vom Angriff auf die traditionelle Familie und die moralische Ordnung der Gesellschaft gesiegt. … Dabei ist die Regelung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in der zivilisierten Welt inzwischen Standard. Derzeit können Schwule und Lesben in sieben europäischen Ländern heiraten (Holland, Belgien, Spanien, Schweden, Norwegen, Island und Portugal). In den anderen Staaten Westeuropas außer Italien wurde diese Frage durch ein Gesetz über zivilrechtliche Partnerschaften geregelt. …
In dieser Legislaturperiode wird sich bestimmt nichts mehr ändern, da nicht einmal die Intervention von Premier Tusk geholfen hat. Polen bleibt in dieser Hinsicht ein weißer Fleck auf der Karte der zivilisierten Länder.“ (28.01.2013) polnisch