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NS-Geschichtsbildchen aus bräunlichem Filmarchiv

ZDF-Doku lässt sich von Ahmadinedschad-Verehrer befüttern…

Kaum ist der Rommel-Rummel durchs Land gezogen, wird schon die nächste (Nazi-)Sau durchs Dorf gejagt. Dieses Mal ist des Führers Stellvertreter Rudolf Heß an der Reihe. Im ZDF war man Jahrzehnte lang an den betulich scheinenden „Chefhistoriker“ Guido Knopp gewöhnt, der im Januar nächsten Jahres aufs Altenteil geht. Jetzt dürfen beim Mainzer Sender andere an die Unendliche Fernsehgeschichte des Dritten Reichs, doch mit dem aktuellen Heß-Film droht dem ZDF eine erhebliche Schlagseite. Beträchtliche Teile des Materials der TV-Darstellung kommen nämlich aus einem bräunlichen Filmarchiv, dessen Betreiber nicht nur eine langjährige einschlägige Karriere in der extremen Rechten aufweist, sondern auch dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad herzlich zugetan ist, dem er im April bei einer „Privataudienz“ die Hand schütteln durfte. Der Filmarchivar Karl Höffkes hat mit dem Thema Rudolf Heß bereits Erfahrung: Im Jahre 2004 war er nämlich maßgeblich an einem revisionistischen Machwerk über den Hitler-Stellvertreter beteiligt („Geheimakte Heß„), das den Obernazi als „Friedensflieger“ beweihräucherte.

Von Sigrid Deutschmann

Im April diesen Jahres gab es Unglaubliches zu vermelden: Da hatte sich eine querfrontige Allianz aus Links- und Rechtsextremisten, Holocaustleugnern und Verschwörungstheoretikern zu einer Reise zusammen getan, die vor allem eines verband: Der Hass auf Israel und die Leugnung der Shoah. Pilgerziel dieser überzeugten Antisemiten war der iranische Präsident Ahmadinedschad, der sie zu einer „Privataudienz“ empfing. Die iranische Presseagentur schickte die Bilder dieser illustren Reisegruppe um die Welt.
Solidarische Reise gegen die zionistische Bedrohung. Unverbrüchliche Solidarität mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad“ titelten wir auf haGalil. „Tee beim Diktator“ überschrieb die Jüdische Allgemeine ihren Beitrag. Die Website reflexion-blog.com brachte gleich mehrere Hintergrundbeiträge, in denen die Teilnehmer dieser Reise ebenfalls portraitiert wurden.

Einer der Teilnehmer dieser Reise dieser vereinigten Antisemiten blieb anfangs unerkannt: Karl Höffkes. Erst auf späteren Bildern beim Tête-à-tête mit dem präsidialen Holocaustleugner war Höffkes zu sehen:

Diese Geschichte setzt sich nun fort: Heute, am 6.11. zeigt das ZDF einen Film, der sich offenkundig maßgeblich aus dem geschichtsrevisionistischen, rechtradikal anmutendem Video-Verlagsprogramm von Höffkes bedient.

Der Ahmadinedschad-Verehrer Höffkes vermeldet nun auf seiner Website voller Triumph: „Gerne machen wir auf eine Sendung aufmerksam, die am 6. November um 20.15 Uhr im ZDF gesendet wird: die“Akte Hess”. Für diese Dokumentation wurde umfangreich auf unser Archivmaterial zurückgegriffen.“

Auf Wikipedia wird bei den Angaben zu Rudolf Hess hierzu konstatiert:

„…Vergeblich versuchte die Rudolf-Heß-Gesellschaft, eine Herausgabe der Akten zu Heß zu erwirken, die erst 2017 freigegeben werden. Obwohl Sperrfristenvon 30 Jahren, bei personengebunden Archivalien auch mehr, im Archivwesen durchaus üblich sind, knüpfen rechtsradikale bzw. geschichtsrevisionistische Publikationen wie der Videofilm Geheimakte Heß aus dem Jahr 2004 daran den Verdacht, die britischen Behörden wollten die Akten nicht freigeben, um Hintergründe von Heß’ Tod zu verschleiern, die ein negatives Licht auf die Rolle der Briten werfen könnten…“

Ein Anlass, Höffkes Wirken im Grenzbereich von Holocaustleugnung, Geschichtsrevisionismus, Verschwörungstheorien und Feindschaft zu Israel ausführlicher zu betrachten.

Bei den Angaben zu Höffkes Person finden wir auf Wikipedia einführend diese Angaben:

„Jahrelang betätigte er sich im Umfeld des Bundes Heimattreuer Jugend (BHJ). Er war von März 1983 bis September 1984 Beisitzer im Vorstand der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik und als Autor für den Arndt-Verlag, den Druffel-Verlag und den Grabert-Verlag tätig, alle drei Organe der extremistischen Rechten. Daneben veröffentlichte er in der ebenfalls rechtsextremistischen Zeitschrift Nation Europa (später: Nation und Europa). Von 1984 bis 1987 war er Redaktionsmitglied und gemeinsam mit Siegfried Bublies, einem vormaligen hochrangigen Funktionär der Jungen Nationaldemokraten und der NPD, Mitverleger der „nationalrevolutionären“ Zeitschrift Wir selbst“.

Gelegentlich ist zu offenkundige Identifikation mit rechtsradikalen Theorien und Gruppierungen nicht karrierefördernd. Von daher zieht es mancher vor, sich scheinbar von seinen eigenen rechtsradikalen Gesinnungen zu distanzieren. Ganz in diesem Sinne finden wir nun auf Wikipedia die Formulierung „Mittlerweile distanziert sich Höffkes ausdrücklich von seinen damaligen Tätigkeiten in der politisch rechten Szene.“ Wenn man sein Wirken jedoch weiter verfolgt, ist von einer solchen substantiellen Distanzierung nichts mehr zu bemerken.

Auf Wikipedia findet sich als weitere Beschreibung seines Wirkens u.a. folgendes:

„Er führte viele Interviews mit Angehörigen der Erlebnisgeneration („Zeitzeugen“), die er ebenfalls Interessenten anbietet. Dabei dominieren „Ostfront“-Darstellungen aus Wehrmachtsperspektive, Darstellungen von „Unrecht“ an deutschen Kriegsverbrechern ( „Joachim Peiper, Folterungen durch Amerikaner, Malmedy-Prozess“; „Theo Saevecke, Polizeichef in Mailand 1943, italienische Partisanen“) und von deutscher Zurückhaltung in den besetzten Gebieten (…). Bei einem ganz erheblichen Teil der Interviewpartner handelt es sich um vormalige Führungsfiguren in Partei, SS, nationalsozialistischen Medien usw., denen er unter dem Signum der Authentizität die Möglichkeit bietet, ihre Sicht der Dinge zu vermitteln.“

Kurz danach wird ausgeführt:

„Einen eigenen Schwerpunkt bildet die These von der Ermordung von Rudolf Heß („Eugene Bird, US-amerikanischer Direktor des alliierten Kriegsverbrechergefängnisses von Spandau, …, Todesumstände Hess, Mord“). Damit korrespondiert die Verbreitung der Legende vom „Friedensflieger Heß“ auf einer der DVDs der Firma „Polarfilm“. Als Erscheinungstermin des Films „Geheimakte Heß“, der dann aus undurchsichtigen Gründen wieder zurückgezogen wurde, war der Todestag von Heß vorgesehen.“

Abschließend und resümierend wird hervorgehoben:

„Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart kommt daher in Bewertung von Höffkes archivarischen Aktivitäten zu der Feststellung, er sei ein „rechtsextremer Historiker“. Zu seinen geschichtspolitischen Positionen gehört, die verbale Leugnung bzw. Relativierung von Völkermord, wie sie im Falle der jüdischen Minderheit oder des Genozids an den europäischen Roma als „Auschwitzlüge“ oder wie sie als Leugnung des Genozids an den Armeniern gegeben sind, nicht unter Strafe zu stellen.“

Als sei es damit noch nicht genug hat Höffkes zahlreiche Reisen in arabische Staaten unternommen, bei denen er zu höchst seltsamen Ergebnissen kommt – die er gezielt in etwas nebulöser Weise formuliert.

Am 26.8.2011 berichtet er auf seiner eigenen Website über seine gerade zurück liegende Syrienreise. Als berdrohlich hat er offenkundig nur die aufständischen Oppositionsgruppen gegen den Syrischen Diktator erlebt. Dementsprechend formuliert Höffkes:

„Nur die bewaffnete Opposition trägt den Dialog, der sich langsam zu entfalten beginnt, nicht mit. Woher das Geld und die Waffen stammen, mit denen die Gruppen gegen Polizeistationen, Militäreinrichtungen und Posten vorgehen, kann nur spekuliert werden. Dass eine Destabilisierung Syriens von Interessen außerhalb des Landes bestimmt sind, ist Konsens bei allen meinen Gesprächspartnern.“

2007 bemüht Höffkes sich um eine subtile Verleugnung, eine Relativierung des türkischen Völkermordes an den Armeniern. In einem Interview des vom Verfassungsschutz beobachteten antisemitischen Muslimmarktes – dessen Betreiber Yavuz Özoguz gilt als „rechte Hand“ Ahmadinedschads, dieser hatte auch die Pilgertour dieser vereinigten Antisemiten zu Ahmadinedschad organisiert – führte Höffkes hierzu aus:

„…Wenn ich die bislang vorgelegten Deutungsversuche richtig interpretiere, habe ich den Eindruck, dass versucht wird, uns Deutschen eine Mitschuld zu geben, weil deutsche Militärs und Diplomaten die Türken zum Vorgehen gegen die Armenier ermuntert hätten.“

Es sollte nicht verwundern, dass Höffkes in seinem Filmprogramm alles versammelt hat, was Israels Existenzrecht und Legimitimät in Frage stellt. Der „Muslim-Markt“ fügt dementsprechend die Frage hinzu:

„MM: Eines Ihrer jüngste Filmprojekte heißt „Massaker“ und handelt über Sabra und Schatilla. Es kann sicherlich als eher ungewöhnliches Projekt bezeichnet werden. Worum geht es darin und wie kamen Sie dazu?

Höffkes: Der Film selbst stammt nicht von mir. Ich habe den Film vor einiger Zeit auf einem Festival im Ausland gesehen und war so betroffen, dass ich mich bemüht habe, die Rechte für eine DVD-Veröffentlichung in Deutschland zu bekommen. Da wir zuvor schon den international mehrfach ausgezeichneten Film „Checkpoint“ als DVD veröffentlicht haben, der in dramatischer Weise die alltäglichen Lebensumstände der palästinensischen Zivilbevölkerung dokumentiert, wollte ich unbedingt auch „Massaker“ für das deutsche Publikum zugängig machen. Mir geht es dabei keineswegs um eine Pauschalanklage gegen Israel. Pauschalurteile helfen niemals weiter. Ich möchte der deutschen Öffentlichkeit lediglich zeigen, wie sich das Leben in Palästina wirklich abspielt und dass kein Friede entstehen kann, solange diese menschenunwürdige Situation so ist, wie sie ist.“ (ebda.)

Als sollte selbst das billigste Klischee Bestätigung finden wird auch Höffkes Protegierung von dusseligsten Verschwörungstheorien rund um den 9.11. angesprochen:

„MM: Und dann wollen Sie auch noch ein Hörbuch des ehemaligen SPD-Abgeordneten von Bülow über die Rolle des CIA und den versuch, den Islam zum neuen Gegner der „freien Welt“ hochzustilisieren veröffentlichen. Haben Sie kein Angst vor dem Islam und den Muslimen?…“

Man fragt sich schon, weshalb eine solche schrägste Figur am Fernsehprogramm des ZDF mitwirken darf…