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Junge Christen melden sich zur israelischen Armee

Die evangelische Kirche Deutschlands (EKD) hat eine 146 Seiten umfassende Broschüre  mit einer Menge Falschinformationen und Halbwahrheiten über Israel unter dem Titel: „Gelobtes Land? Land und Staat Israel in der Diskussion“ veröffentlicht...

Von Karl Pfeifer

Die Verfasser behaupten u.a.: „Palästinensische Israeli beklagen die schlechteren Zugangsmöglichkeiten zu Ausbildung und Beruf, weil sie aus Sicherheitsgründen vom Wehr- und Sicherheitsdienst ausgeschlossen sind.“(S. 113)1

Selbstverständlich sind Araber nicht vom Wehr- und Sicherheitsdienst ausgeschlossen, sie genießen das Privileg nicht dienen zu müssen.Wer aber dienen möchte, kann sich freiwillig melden. Und in letzter Zeit gibt es insbesondere mehr christliche Freiwillige. Jährlich melden sich ungefähr 50 junge arabische Christen zur Armee. Erst vor ein paar Wochen hat die erste arabische Christin einen Offizierskurs absolviert und wird eine Kampfeinheit kommandieren.2

Während eines Aufenthaltes in Nazareth erfuhr ich von den gefährlichen Drohungen, denen eine Gruppe von 121 christlichen Schülern aus Nazareth und dem Galil ausgesetzt wurde, die an einer Informationsveranstaltung der israelischen Armee in Nazareth Ilith (die obere, von Juden bewohnte Stadt) teilnahmen. Sie hatten ihren Wunsch geäußert, in Kampfeinheiten der israelischen Armee zu dienen. Die Schwierigkeiten begannen, nachdem auf Facebook Bilder von christlichen Jugendlichen gezeigt wurden, die an dieser Zusammenkunft teilnahmen und Militärlager besuchten. Einige arabische Zeitungen und Websites begannen mit einer Hasskampagne und gefährlichen Drohungen gegen diese Jugendlichen. Die Jugendlichen wurden als “Verräter” angeprangert und einige Schreiber drohten, sie “zu behandeln”. Unter anderem wurde auch die falsche Behauptung aufgestellt, bei dieser Zusammenkunft sei der Islam angegriffen worden.

Der arabisch-orthodoxe Gemeinderat von Nazareth kündigte an, dass der Priester Jobrail Nadaf, der an dieser Veranstaltung teilgenommen und die freiwillige Meldung christlich-arabischer Jugendlicher in die IDF unterstützt hatte, von seinen Pflichten als Priester suspendiert und aus der Kirche exkommuniziert worden sei wegen „Zusammenarbeit mit dem Feind“.

„Das ist schiere Dummheit”, sagte ein Konferenzorganisator. „Das war ein Info-Anlass und hatte nichts mit dem Islam zu tun. Der Aufruhr in den arabischen Medien ist furchtbar, sie stellen uns als Verräter und Feinde dar. Soldaten in der IDF haben ihre Kommandanten um Erlaubnis gefragt, in Zivilkleidung und nicht in Uniform nach Hause zurückkehren zu dürfen. Das könnte zu Blutvergiessen führen.“

In einer Pressemitteilung des israelischen Verteidigungsministeriums heisst es, man werde es „nicht akzeptieren, dass Menschen, die an der Förderung dieses Themas arbeiten, bedroht oder angegriffen werden und [das Ministerium] wird denjenigen, die bedroht werden, die größtmögliche Hilfe und Unterstützung zukommen lassen.“3

Der ehemalige katholische Patriarch Michel Sabbah, unterstellte in einem Interview mit  “Kull al-Arab” (Alle Araber) den jungen Christen, der israelischen Armee nur wegen materieller Vorteile beitreten zu wollen und verstieg  sich zur Behauptung, “Aber man wird nicht die Gleichberechtigung erhalten, die einem zusteht, weil in den Augen des jüdischen Staates wird man immer ein “Araber” sein.”4

Wir sehen, eine nicht zu gewinnende Situation für den jüdischen Staat. Die evangelische Kirche Deutschlands beklagt, dass Araber nicht zugelassen sind in der israelischen Armee zu dienen und der pensionierte katholische Würdenträger denunziert diejenigen arabischen Christen, die sich zur israelischen Armee melden.

In Nazareth fotografierte ich vor der Verkündigungskathedrale folgende von Muslimen angebrachten Transparente, die zeigen, was man von ihren Klagen über Islamfeindlichkeit halten kann:


And whoever seeks a religion other than Islam, it will never be accebted
(sic!) of him, and in the Hereafter he will be one of the losers Holy Qura’n


”Say: O people of the Scripture (Jews and Christians) come to a word that is just
between us and you, that we worship none but God alone, and that we associate no
partners with Him, and that none of us shall take others as Lords besides God.
But if they (Jews and Christians) turn a way, then say:
Bear witness that we are muslims”
Holy Quraan 3:64

Diskriminierung wird in Israel bekämpft

Es gibt leider auch in der EU kein Land, das sich rühmen kann, vollkommen frei von Diskriminierung zu sein. In Österreich berichtet ZARA regelmäßig über Diskriminierung von Minderheiten, zum Beispiel:

Dass die Personalauswahl nicht nur auf Basis objektiver Kriterien funktioniert, sondern dass dabei auch sehr subjektive Elemente eine Rolle spielen, liegt auf der Hand. Problematisch aber ist es, wenn sie von rassistischen Vorurteilen geleitet ist. Denn dies ist schlichtweg verboten. Im vergangenen Jahr wurden einmal mehr viele Diskriminierungen aufgrund des Kopftuchs gemeldet. Ein Grund dafür dürfte sein, dass sich mehr Menschen an die Beratungsstelle wenden, weil bekannt ist, dass ZARA auch solche Fälle bearbeitet. Immer wieder zeigt sich, dass Diskriminierungserfahrungen keine einmaligen Ereignisse sind. Immer wieder erleben KlientInnen von ZARA solche Diskriminierungen mehrmals.5

Wenn also in einem Land wie Österreich, das seit 67 Jahren im Frieden lebt Diskriminierung erfolgt, dann dürfen wir uns wirklich nicht wundern wenn sich Mitglieder von Minderheiten in Israel sehr oft zurecht darüber beschweren.

Für das wirtschaftliche Wachstum Israels ist es notwendig die 1.5 Millionen arabischen Staatsbürger voll im Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Buchautoren Dan Senor und Saul Singer betonen dies in ihrem Bestseller “Start-Up Nation:  The Story of Israel’s Economic Miracle. Tatsächlich hat die israelische Regierung sich vorgenommen, im Staatsapparat mehr Araber zu beschäftigen. Doch die Lage in der Privatwirtschaft ist ein Problem, das wirklich gelöst werden muss. Lediglich 1.3 Prozent der arabischen Absolventen von technischer Wissenschaft werden im High-Tech Sektor beschäftigt, während 50 Prozent Lehrer werden.

Leider sind nur 11 Prozent der Studenten vor dem ersten akademischen Grad Araber. Der Rat für Höhere Studien hat ein neues Programm beschlossen, das mehr als 300 Millionen NIS beträgt und stufenweise während der nächsten vier Jahre realisiert wird. Dieses wird den Universitäten erlauben, den arabischen Studenten mehr Unterstützung zu gewähren. Laut einer Studie des Israel Democracy Institut aus dem Jahr 2010 verliert Israel jährlich 31 Milliarden NIS weil es arabische Arbeitskraft nicht effektiv beschäftigt. Obwohl 20 Prozent der israelischen Bevölkerung arabisch ist, tragen sie nur acht Prozent zur israelischen Wirtschaft bei. Ministerpräsident

Netanjahu sagte 2012, “The Arab sector is a main growth engine for the Israeli economy, which has yet to be fully utilised, and I believe that their integration into the labour market will contribute not only to the Arab sector, but to the State of Israel as a whole.”

Warum also sind Araber im wichtigen Wirtschaftssektor Technologie unterrepräsentiert?

Sicher nicht aus Mangel an Interesse. Inas Said ist einer der wenigen Firmenchefs einer solchen Firma, der 2011 dem “Jerusalem Report” erklärte: “ich sehe eine junge lebhafte, dynamische Generation, die erfolgshungrig ist.” ((http://www.jpost.com/JerusalemReport/PalestinianAffairs/Article.aspx?id=219302)) Die Ursache für das Problem sind weit verbreitete Vorurteile unter den Arbeitgebern. Natürlich verbietet das israelische Gesetz eine Diskriminierung. Doch so wie in allen modernen, multiethnischen Gesellschaften gibt es auch in Israel im privaten Wirtschaftssektor Diskriminierung. In Israel sind arabische und jüdische Bürger nicht nur durch kulturelle, sprachliche und religiöse Differenzen getrennt, sondern auch durch politische Differenzen, die durch den israelisch-palästinensischen Konflikt verschärft sind.

Trotzdem hat die israelische Regierung im Juli mit positiver Diskriminierung begonnen, die insbesondere Firmen des High-Tech Sektors ermutigen soll, Araber anzustellen, in dem die Regierung 25 Prozent ihres Gehalts für die ersten zweieinhalb Jahre der Beschäftigung bezahlt. Man hofft damit die Diskriminierung stufenweise zu reduzieren.

Zusätzlich hat die Regierung im Juni eine Kampagne gegen Vorurteile im privaten Sektor lanciert. Ein Fernsehfilm zeigt einen Arbeitgeber, der einen imponierenden Kandidaten interviewt, der gute Resultate bringen könnte, und ihn dann nicht anstellt, weil der Name auf dem Lebenslauf diesen als Araber ausweist. Der Film endet mit den Wörtern: “Es wäre eine Schande auf einen guten Angestellten aus falschen Gründen zu verzichten.” Diese Kampagne wurde initiiert unter der Aufsicht der Behörde für die wirtschaftliche Entwicklung der arabischen, drusischen und tscherkessischen Wirtschaft
im Amt des Ministerpräsidenten. Diese Kampagne wird nicht nur mit einem moralischen Argument durchgeführt, sondern auch mit dem pragmatischen Argument, dass arabische Technologieabsolventen, technische, sprachliche und kulturelle Fähigkeiten haben, die benützt werden können, um Israels Eindringen in den Weltmarkt zu fördern.

Im Juni hat der Generaldirektor von CISCO Systems einen ambitiösen Vierjahresplan vorgestellt, um 12.000 neue Arbeitsplätze für arabische Israelis zu schaffen. Er sagte: “Wir haben die Gelegenheit dem Rest der Welt zu zeigen, was wir zusammen mit der Regierung und den Bürgern schaffen können. Solche starke  Verbindungen zwischen der Privatwirtschaft und der Regierung sind lebensnotwendig, um die arabischen Bürger in die Privatwirtschaft zu integrieren.” Solche innovative Partnergesellschaften sind vorteilhaft für die arabischen Bürger, für
die israelische Wirtschaft und für die Beziehungen Israels zu seinen arabischen Nachbarn.

  1. http://www.ekd.de/download/20121024_gelobtes_land.pdf – Der Journalist und evangelische Theologe Ulrich W. Sahm hat sich mit dieser Broschüre kritisch auseinandergesetzt. Siehe: https://www.hagalil.com/2012/11/11/ekd-leitfaden/ []
  2. http://www.israeltoday.co.il/NewsItem/tabid/178/nid/23438/Default.aspx []
  3. http://www.israelhayom.com/site/newsletter_article.php?id=6268; Bild des orthodoxen Priesters auf http://media.israelhayom.co.il/2012/11/01/135176361134027099a_b.jpg []
  4. http://en.lpj.org/2012/11/02/opposition-to-idf-recruitment-of-arab-christians/ []
  5. http://www.zara.or.at/_wp/wp-content/uploads/2012/03/Zara_RR11_RZ_Web_fin.pdf []