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Iranische „Übersetzungsfehler“

Der von Iran geplante Gipfel der blockfreien Staaten in Teheran sollte die iranische Führungsrolle in der Dritten Welt stärken. Aber das Treffen gestaltet sich  auch im Nachhinein zunehmend zu einem Debakel…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 2. September 2012

Als der ägyptische Präsident Muhammad Morsi in seiner Rede die Legitimität des syrischen Präsidenten Baschar Assad in Frage stellte, verließ die syrische Delegation geschlossen den Saal. Später behaupteten die Syrer, dass sie sich einem journalistischen Interview stellen wollten, und deshalb „leider“ die Rede Morsis nicht anhören konnten.

Eigentlich hätten die Syrer keinen Grund gehabt, den Saal zu verlassen, wenn sie sich die Rede nicht im arabischen Original, sondern im iranischen Staatsfernsehen angeschaut hätten. Der Dolmetscher erlaubte es sich, Morsis Wort eigenmächtig zu interpretieren. Jedes mal, wenn Morsi „Syrien“ erwähnte, sagte der Übersetzer „Bahrain“.

Im Original sagte Morsi: „Die Revolution in Ägypten war eine Säule des Arabischen Frühlings, die ein paar Tage nach Tunesien startete, nach Libyen und Jemen folgte und nun in die Revolution in Syrien gegen das repressive Regime mündet“ Doch im iranischen Staatsfernsehen wurde statt Syrien einfach Bahrein gesagt. Auch als Morsi die Opposition in Syrien aufrief, ihre Reihen zu schließen, verwandelte sich das in einen Aufruf an die pro-iranische schiitische Opposition in Bahrein.

Die iranische Nachrichtenseite Fardanews war noch kreativer und erfand eine ganz neue Passage, die sie Morsi in den Mund legte: „Wir müssen Hoffnung haben, dass das populäre Regime in Syrien durchsteht und wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass die Reformen in Syrien durchgeführt werden. Das syrische Volk ist frei und kann den Verschwörungen widerstehen.“ Morsi hatte genau das Gegenteil gesagt.

Bahrains hat derweil der iranischen Botschaft eine offizielle Beschwerde wegen der falschen Übersetzung überreicht.

Obgleich sogar Iraner die Fehlübersetzungen bemerkt hatten und sich im Internet darüber beschwerten, bezeichneten Regierungssprecher die Meldungen zu Übersetzungsfehlern als „westliche Verschwörung“.

Der stellvertretende iranische Außenminister, Hossein Amir-Abdollahian, hatte Morsi offensichtlich gut verstanden. Er reagierte auf Morsis Kritik am syrischen Regime mit den Worten: „Viele Ansichten Morsis stimmen mit der Sicht des Iran überein. Nur bei manchen Dingen, wie etwa Syrien, hält Morsi an anderen Ansichten fest. Wäre er jedoch über Syrien besser informiert, würde er seine Ansichten ändern.“

Iran fördert den Aufstand der Schiiten in Bahrain und unterstützt aktiv den Kampf des syrischen Präsidenten Baschar Assad gegen die Aufständischen in Syrien.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com