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Morsis „ungeschriebener“ Brief an Peres

Der ägyptische Präsident Mohammad Morsi hat dem israelischen Präsidenten Schimon in einem Brief für die Glückwünsche zum Ramadan gedankt. „Ich blicke auf unsere besten Bemühungen, den Nahost-Friedensprozess wieder auf den richtigen Weg zu bringen, um Sicherheit und Stabilität für alle Völker der Region zu bringen, inklusive das israelische Volk.“ Freundliche Worte des neuen islamistischen Staatschef von Ägypten an das Staatsoberhaupt des jüdischen Staates…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 1. August 2012

Der Brief wurde über die ägyptische Botschaft in Tel Aviv per Fax an das Büro von Peres übermittelt und auf der Facebook Seite von Peres als Fotokopie veröffentlicht.

Schon wussten israelische Kommentatoren, dass Morsi von den Amerikanern unter Druck gesetzt worden sei, den Brief zu schreiben. Peres hatte schon zwei Briefe nach Kairo geschickt, um Morsi zu seiner Wahl zu gratulieren und einem zweiten mit Glückwünschen zum muslimischen Fastenmonat Ramadan.  Zwar sei das ein „gutes Zeichen“, meinten die israelischen Kommentatoren, aber dennoch keine echte ägyptische Öffnung nach Israel. Denn Morsi weigere sich vorläufig, Israelis zu treffen oder mit ihnen zu telefonieren.

Kaum war diese von Israel gefeierte diplomatische Geste veröffentlicht worden, kam vom Sprecher Morsis aus Kairo ein Dementi. Der ägyptische Staatspräsident habe gar keinen Brief nach Israel geschickt.

Eine eigentümliche Geschichte. Bei genauem Hinschauen stellt sich heraus, dass Morsis Brief zwar per Fax übermittelt worden ist, aber ohne Briefkopf und ohne Unterschrift. Zu erkennen sind die Faxnummer und andere Angaben der Botschaft. Eigentümlich ist auch der Begleitbrief der Botschaft, diesmal mit Briefkopf und Stempel, aber ohne Unterschrift. Darin wird Peres mitgeteilt, dass ein Brief von „Seiner Exzellenz Dr. Mohamed Morsy“ beiliege.

Das israelische Präsidentenbüro wollte sich zu dem Thema nicht äußern und bestätigte nur, dass Peres sich über den Brief gefreut habe, weil er dem Frieden diene. Aus gut informierten Quellen, die namentlich nicht genannt werden wollten, war zu erfahren, dass das israelische Präsidentenamt bei der Botschaft in Tel Aviv angerufen habe, um zu prüfen, ob das Schreiben des ägyptischen Präsidenten echt sei. Nachdem das bestätigt worden sei, fragten die Israelis, ob der Brief veröffentlicht werden dürfe. Nach Rücksprache mit Kairo gab die ägyptische Botschaft grünes Licht.

Doch offenbar hatte Morsi nicht mit derart großen Schlagzeilen und lautstarker Kritik in Ägypten gerechnet. Um das aufzufangen, so die politischen Quellen in Israel, habe der Sprecher Morsis dementiert, dass sein Präsident überhaupt einen Brief verschickt habe. “Alles was zu dem Brief in den israelischen Medien veröffentlicht worden ist, entspricht nicht der Wirklichkeit“, erklärte der Sprecher Yasser Ali.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com