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Herausforderung der kommenden Jahre: Religiöse Inhalte des Judentums erschließen

Ich sehe somit eine Herausforderung der kommenden Jahre darin, die religiösen Inhalte des Judentums so zu erschließen, dass sie auch als eine religiös-säkulare Geisteshaltung Juden und durchaus auch NichtJuden ansprechen…

Rabbinerin Elisa Klapheck

Sicherlich könnten hiervon andere Religionen mit inspiriert werden, wenn sie sich neu auf die säkulare Wirklichkeit beziehen und damit zugleich den interreligiösen Dialog auf ein neues, wirklichkeitsnäheres Niveau heben wollen. Ansätze in diese Richtung gibt es bereits, beispielsweise den »Rat der Religionen« in Frankfurt. Er hat in seiner Satzung Bedingungen des gegenseitigen Umgangs ausgearbeitet, die theokratischen Privilegien jeder Religion entgegenstehen, und darüber hinaus in die Richtung eines religiös begründeten Demokratieverständnisses in einer multireligiösen Wirklichkeit weisen.

Was das jüdische Leben betrifft, wäre dies nicht nur die Alternative zu theokratischen Religionsvorstellungen, sondern ein selbstbewusstes Ja zu einer positiven Diaspora-Identität – in Deutschland, in Europa. Es geht heute nicht mehr um die Frage, ob Juden eine »Religion« oder ein »Volk« oder beides sind, sondern um eine Erneuerung der religiösen Inhalte auf eine Weise, die als gelebte Religiosität zugleich die säkulare Mitgestaltung der Gegenwart auf allen Feldern betrifft.

An diesem Punkt bin ich heute – mitten auf einem Weg. auf dem ich hoffe, das politische Ferment der jüdischen Tradition, und in einem weiteren Sinne die religiöse Dimension der Politik überhaupt, sichtbar zu machen und an den Herausforderungen der Gegenwart zum Tragen zu bringen.

Aus: Elisa Klapheck: Wie ich Rabbinerin wurde, p.208
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