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Beschneidung für die Kirche

Die jüdischen Beschneider (Mohel) genießen jetzt dank dem Kölner Landgericht die Rechtssicherheit, seit 3000 Jahren einen heutzutage wegen Körperverletzung strafbaren Beruf ausgeübt zu haben. Gleichwohl handelt der Mohel aus einem Befehlsnotstand heraus. Denn ein frommer Jude ist zunächst einmal den göttlichen Geboten verpflichtet. Besonders in der europäischen Geschichte waren Juden oft genug bereit, dafür als Märtyrer ihr Leben zu opfern…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 13. Juli 2012

Der Islam gehört zu Deutschland und die Deutschen sind ihren jüdischen Wurzeln zutiefst verbunden. Kürzlich, bei einer Diskussionsrunde bei Anne Will im NDR kam die berechtigte Kritik auf, Islam und Judentum seien wegen ihrer Beschneidungspraxis „Penisfixiert“. Offenbar gibt es in Deutschland nicht-Penis-fixierte Frauen und Männer, die beim Gedanken an das Glied Abscheu empfinden. Vielleicht ist das der wahre Grund für den Geburtenrückgang.

Die derart empfindlichen deutschen Gemüter sollten konsequent sein und eine Penis-Fixiertheit ihrer eigenen Kultur bereinigen, ehe sie die Bräuche von Minderheiten beschneiden.

Die Sylvesterfeiern mit Champagner und Feuerwerk sollten umgehend verboten werden. Denn gefeiert wird da die Beschneidung und „Aufnahme in den Bund Abrahams“ des Heilands am achten Tag nach seiner Geburt. Die Zeremonie symbolisiert auch die „Menschwerdung“. Deshalb beginnt bei Christen das Neue Jahr und die Jahreszählung nicht am Tag der Geburt, sondern am Tag der Beschneidung, also seiner Menschwerdung und Namensgebung.

Kritiker der Beschneidung monieren aus tiefem Unwissen heraus, dass dieser Akt die Entscheidungsfreiheit des Neugeborenen einschränke, im reifen Alter die Religionszugehörigkeit selber zu wählen. Ungetaufte sind Heiden. Christ wird man erst durch die Taufe. Ausgerechnet Deutsche sollten wissen, dass das Judentum keineswegs nur „Glaube“ ist. Waren es nicht Deutsche, die Juden sogar zur „Rasse“ erklärt haben, gleichgültig welchem „Glauben“ sie angehörten? Diese Regel wurde 1945 abgeschafft. Aber so wie jeder Franke, Bayer, Schwabe oder Sachse seine Zugehörigkeit zu einer Region nicht auswählen kann, sondern hineingeboren wird, so wird auch der Jude in sein „Volk“ hineingeboren, mit oder ohne Beschneidung. Viele, die in Juden bis heute eine „Rasse“ mit entsprechenden „jüdischen Genen“ sehen, streiten freilich gleichzeitig die Existenz eines jüdischen Volkes ab, um den jüdischen Staat zu delegitimieren und Israels Existenz in Frage zu stellen. Das sind alles Widersprüche, aber bei Antisemiten ist keine Logik gefragt. Hauptsache es schadet den Juden. Ein Jude kann seine Zugehörigkeit zum jüdischen Volk genauso wenig auswählen wie man Hautfarbe, Körpergröße oder das Geschlecht auswählen kann.

Sollte der Grundsatz der freien Religionswahl auch zu den im Grundgesetz verbrieften Rechten des Menschen gehören, möge das Kölner Landgericht weitere Grundsatzurteile fällen, zum Wohl und Schutz des Kindes. Als Körperverletzung können neben Piercing und Ohrloch-Stechen auch Pockenimpfung, die Mandel-Entnahme und andere Impfungen gelten.

Neben einer Abschaffung der Kindestaufe und Namensgebung sollte den Kirchen verboten werden, Paare zu verpflichten, ihre Kinder im Geiste des Christentums zu erziehen. Die von Kirchen und Tradition vorgegebene „christliche Erziehung“ kann als drastischer Einschnitt in die Kinderrechte gesehen werden. Denn selbst im ach so reifen Alter von 18, wenn das Kind volljährig ist, hat es keine echte Wahl, solange die Eltern ihren Zögling nicht auch jüdisch und gemäß den Lehren des Koran oder des Buddhismus und Hinduismus etc. aufgezogen haben. Wer von den anderen Glaubensarten nichts weiß, kann nicht wählen.

Noch wichtiger wäre die Abschaffung von Konfirmation und Kommunion. Denn das ist eine Gehirnwäsche für wehrlose Kinder. Die Konfirmation im Alter von 12 oder 13, also in letzter Minute vor Ausbruch der „Flegeljahre“, ist mindestens so schlimm wie der Missbrauch von Minderjährigen als Kindersoldaten.

Die Firmung zu Beginn der Pubertät ist zudem ein Männlichkeitsritual, mit dem das Kind „religionsmündig“ wird. Bis zur Erneuerung des Ritus der Firmung 1973 war sogar ein angedeuteter Backenstreich des Priesters üblich. Der legendäre Gestus ist ein Symbol der Stärkung – ähnlich wie der Ritterschlag. Auch das ist „Penis-Fixierung“, denn die Geschlechtsreife konzentriert sich bei Jungen auf den nun funktionstüchtigen Penis.

In unserer Penis-fixierten Gesellschaft wird viel getan, kleine Jungen vor dem Anblick eines Penis zu beschützen, obgleich jeder ihn ab der Kommunion/Konfirmation sehr bewusst in seiner Hose mit sich herumträgt. Das nennt sich Pornoverbot.

Frauenrechtlern sei dringend empohlen, in Köln gegen die archaische (Un-) Sitte des Eherings bei der Trauung zu klagen. Die geht selbstverständlich auch auf das Judentum zurück. Da dient der vom Mann erworbene Ring mit entsprechendem Zeremoniell dazu, der Frau mitzuteilen, dass er sie „erworben“ habe, und dass sie nun sein „Eigentum“ sei.

Ebenso sollten die Verherrlichung und rituelle Anbetung von Hinrichtungsinstrumenten, Folter, schwerer Körperverletzung und Mord verboten werden. Japanische Touristen reagieren irritiert bei Besuchen in deutschen Kirchen und Museen, wenn sie mit der bildhaften Darstellung von Folterszenen rund um die Kreuzigung Jesu konfrontiert werden. Vielleicht sollten auch unsere zarten Kinder vor dem Anblick von Hinrichtung und der am Kreuz hängenden schlimm zugerichteten Leiche Jesu bewahrt werden.

Bei Film und Fernsehen wird die Darstellung von Gewalt auf den Index gesetzt. In Nachrichtensendungen werden grausige Bilder von Leichen, etwa jetzt in Syrien, mit Pixeln unkenntlich gemacht. Solche Anblicke will man deutschen Zuschauern nicht zumuten. Wieso wird da allein bei den Kirchen mit brutalen Kreuzigungsszenen eine Ausnahme gemacht?

Bei den Diskussionen um das Beschneidungsverbot kam auch das Argument auf, dass die Beschneidung für den Mann „gesünder“ sei, Entzündungen verhindere und bei Frauen die Gefahr des Gebärmutterkrebses mindere. Das ist schon fast eine medizinische Indikation. Soll es dem Mann tatsächlich freistehen, erst mit der Volljährigkeit zu entscheiden, ob er seine Frau (-en) mit Gebärmutterkrebs in den Tod zu schicken darf, wenn das schon mit einem kleinen, ungefährlichen und schnell verheilten (Ein-) Schnitt am 8-tägigen Kind verhindert werden kann?

Mehrfach ist Juden ein Beschneidungsverbot auferlegt worden, unter der griechischen Fremdherrschaft, den Römern und zuletzt unter den Sowjets. Die Absicht war eine Abschaffung der Juden. Im Altertum waren Menschenrechte und das „Wohl des Kindes“ kein Thema. Die Römer und Sowjets wussten, dass die Beschneidung für die Juden zu den Grundfesten ihrer Identität und Religion gehören. Das wissen offensichtlich 60 Jahre nach der Schoah deutsche Richter in Köln nicht mehr, es sei denn, dass sie mit rechtlichen Mitteln die 1945 gestoppte Politik, Deutschland „judenfrei“ zu machen, fortzusetzen wollen. Die heftigen Reaktionen einiger Rabbiner lassen den Schluss zu, dass diese Richter einen subtilen Weg gefunden haben, deutsche Kinder, zu ihrem eigenen Wohl, vor Juden und Moslems zu bewahren.

PS: Nicht alle hier geäußerten Ansichten entsprechen der Meinung des Autors.

 (C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com