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Alles neu macht der Mai

Fernsehtipps vom 1. bis 15. Mai 2012…

Di, 1. Mai · 18:30-19:00 · SWR
Willi Bleicher – Erinnerungen an den legendären Gewerkschaftler

Vielen gilt er als der letzte große Arbeiterführer mit Charisma: Willi Bleicher, der Stuttgarter Bezirksleiter der IG Metall. Am 27. Oktober jährt sich sein Geburtstag zum 100. Mal. Willi Bleicher stand von 1959 bis 1972 an der Spitze der baden-württembergischen Metaller. Er war ein mitreißender Redner, ein Volkstribun, alles andere als ein verknöcherter Gewerkschaftsbürokrat. Unter seiner Führung wurden im Südwesten wegweisende Tarifabschlüsse erzielt, denen bisweilen erbitterte Arbeitskämpfe vorausgingen. Willi Bleicher erwies sich dabei als geradliniger Kämpfer für die Arbeitersache, der durch sein konsequentes und glaubwürdiges Engagement auch der Unternehmerseite Respekt abnötigte. Sein schärfster Tarifkontrahent Hans-Martin Schleyer schätzte seine absolute Verlässlichkeit. Beide verband ein menschlich ausgezeichnetes Verhältnis, was umso bemerkenswerter ist, als Bleicher im Dritten Reich einen ganz anderen Weg nahm als der später ermordete Arbeitgeberpräsident. Der Gewerkschafter und Kommunist saß über zehn Jahre im KZ Buchenwald. Dort setzte er unter unmenschlichsten Bedingungen ein Zeichen für die Menschlichkeit: er versteckte ein dreijähriges jüdisches Kind vor der SS und bewahrte es so vor dem Vernichtungstransport nach Auschwitz. Der Film zeichnet die Lebensstationen dieses außergewöhnlichen Menschen nach, er stützt sich dabei auf historische Filmdokumente und die Erinnerungen von Zeitzeugen.

Di, 1. Mai · 22:25-01:25 · RTL
Inglourious Basterds

Eine Gruppe aus jüdisch-amerikanischen Soldaten wütet im Zweiten Weltkrieg, um Vergeltungsschläge an die Nazis zu üben. Währenddessen plant Shosanna Dreyfus ihren persönlichen Rachefeldzug gegen den Mörder ihrer gesamten Familie: Nazi Oberst Hans Landa.

Do, 3. Mai · 15:15-16:00 · NDR
Mit dem Zug ans Ende Europas: Von Berlin nach Odessa

Spät am Abend geht es in Berlin los. Geschäftiges Gewimmel auf dem Bahnsteig. Jüdische Emigranten aus Odessa wollen ihre Verwandten nach langer Zeit besuchen, Touristen sich in den wilden Südosten der Ukraine wagen. Bis zur polnischen Grenze fährt ein deutscher Lokomotivführer im Führerstand. Dort übernimmt eine polnische Crew den Zug und fährt bis zum frühen Morgen zur Grenze der Ukraine. Jetzt muss von der europäischen Schmalspur auf die russische Breitspur gewechselt werden. Die Arbeit ist ein schlecht bezahlter Knochenjob: Wagen werden hochgekurbelt, auf die russische Spur gesetzt, wieder zusammengekoppelt. An den Fenstern hängen Neugierige. Die polnischen Zugbegleiter brühen heißen Tee. Eine ukrainische Crew rückt ins Führerhaus ein, und die Reise geht weiter durch die Steppen und Felder der Ukraine. Jahrhundertelang war dies eine Art Niemandsland: dünn besiedelt, ohne Straßen, ohne Städte, ohne Gesetze. Erst die energische Sophie von Anhalt-Zerbst, besser bekannt als Katharina die Große, beschloss die Besiedlung dieses Landstrichs. So entstand im Jahre 1794 – wie St. Petersburg auf dem Reißbrett – Odessa. Katharina die Große wollte Peter den Großen übertrumpfen und nicht nur ein Fenster nach Europa öffnen, sondern Europa selbst in Odessa heimisch machen. Gut fünfzig Jahre später zählte Odessa mehr als 100.000 Einwohner und war damit zur drittgrößten Stadt des Zarenreichs nach Moskau und St. Petersburg geworden. Und wenn Odessa heute, wie die gesamte Ukraine auch, unter den Widrigkeiten des Umbruchs und der Neuen Zeit leidet, so sind doch die Spuren ihres Wohlstands im Stadtbild erhalten: die berühmten Bürgerhäuser mit Stuck und Parkett – auch wenn sie oft kein fließend Wasser, marode Bäder und keine Toiletten haben. Doch die Odessiten haben sich noch nie unterkriegen lassen. Ihr Humor ist geblieben, ebenso die Eleganz, und Weltläufigkeit und ihr Sinn für Kunst: David Oistrach ist hier geboren, auch Emil Gilels. Enrico Caruso und Fjodor Iwanowitsch Schaljapin traten im Opernhaus von Odessa auf. Doch der Exodus ist unübersehbar. Odessiten gehen nach New York, nach Tel Aviv und nach Berlin – und kommen doch eines Tages wieder zu Besuch, denn die Stadt am Schwarzen Meer, am Ende Europas, lässt sie nicht los.

Do, 3. Mai · 15:15-16:00 · PHOENIX
Propaganda, Hass, Mord

Elf Morde der Zwickauer Neonazi-Zelle – der Aufschrei ist schnell verklungen, die Gesellschaft längst wieder im Alltag angekommen. Doch wie konnte es soweit kommen? Die Dokumentation rekonstruiert, wie die Blutspur des neonazistischen Terrors vor mehr als 30 Jahren gelegt wurde. 26. September 1980: Auf dem Oktoberfest explodiert eine Bombe. Die Bilanz: 13 Tote, 200 Schwerverletzte. Der Täter stammt aus der ‚Wehrsportgruppe Hoffmann‘, einer Schmiede von Rechtsterroristen. Ein Einzeltäter? Bis heute gibt es Zweifel. 19. Dezember 1980: Das jüdische Verlegerpaar Lewi wird kaltblütig erschossen, der erste antisemitische Mord seit Kriegsende. Wenige Tage zuvor sind in Hamburg zwei Vietnamesen bei einem Brandanschlag umgekommen. Spuren – keine Beweise – führen zu Manfred Roeder, einem Terrorist und Ausschwitzleugner. Das Jahr 1980 ist ein Dammbruch – es gibt weitere rechtsextremistisch motivierte Morde, z.T. aus dem Untergrund. Terror von rechts! Dann die politische Wende in der DDR. Was im Westen weithin unbekannt ist: Auch hinter der Mauer gibt es gewaltbereite Rechtsradikale. So kommt es mit der deutschen Einheit auch zur Vereinigung von Neonazis aus Ost und West. Braune Führer aus dem Westen wie Michael Kühnen, Christian Worch oder Friedhelm Busse werden zu ‚Brandbeschleunigern‘ im Osten. In Hoyerswerda oder Rostock-Lichtenhagen kommt es zu Pogromen, die Terror-Welle erreicht auch den Westen. In Solingen und Mölln sterben Menschen qualvoll. Der Staat reagiert hart, verbietet in den 90er Jahren zahlreiche rechtsextreme Vereine und Gruppierungen. Doch die Szene ändert die Taktik. Sie bildet Kameradschaften, scheinbar lose Gruppierungen, ohne festen Ort, nur noch durch Internet und Handy verbunden. Die Sicherheitsbehörden sind dieser Taktik – trotz moderner Überwachungstechnik – anscheinend nicht gewachsen. Auch die NPD will ihre Schlagkraft auf der Straße erhöhen. Sie öffnet sich, lässt bekannte Neonazi-Größen mit ans Ruder und verschärft ihren demokratiefeindlichen Kurs. Ein Verbotsverfahren scheitert.Das ist der Nährboden, auf dem Gruppierungen wie die so genannten ‚Freien Kameradschaften‘ oder der Thüringer Heimatschutz entstehen. Hier beginnt die Mordserie der ‚Zwickauer Zelle‘. Die Dokumentation zeichnet die Geschichte rechtsextremer Gewalt seit den 1980er Jahren in der Bundesrepublik, der DDR und dem vereinten Deutschland nach. Der Blick zurück schockiert, denn es wird offenbar, dass der rechte Terror von der Politik über Jahrzehnte hinweg unterschätzt wurde.

Fr, 4. Mai · 00:45-01:35 · PHOENIX
Tage, die die Welt bewegten – Entscheidung im Sechstagekrieg

In Großbritannien haben gerade die Beatles ihr Album „Sergeant Pepper“ herausgebracht. In den USA verweigert Muhammad Ali den Wehrdienst und bekommt dafür seinen Weltmeistertitel im Boxen aberkannt, und in Afrika erklärt Biafra seine Unabhängigkeit. Doch die Welt schaut auf den Nahen Osten. Die Spannung, die sich dort seit Monaten zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten aufgebaut hat, ist nun explodiert.

So, 6. Mai · 01:15-02:35 · arte
Gelobtes Land (1/4)

Die 18-jährige Erin reist mit ihrer Freundin Eliza nach Israel. Während ihre Freundin den israelischen Wehrdienst anfängt, vertieft sich die junge Britin in das Tagebuch ihres Großvaters, der als britischer Mandatssoldat im Palästina der Nachkriegsjahre stationiert war. Aber auch von den alltäglichen Grausamkeiten der Realität eines vom Frieden weit entfernten Landes bleibt Erin nicht verschont. Unmittelbar bevor die 18-jährige Erin zu ihrem Nach-Abiturs-Aufenthalt in Israel mit ihrer Freundin Eliza aufbricht, fällt ihr das Tagebuch ihres todkranken Großvaters Len in die Hände. Sie ist rasch fasziniert von dem gefahrvollen Soldatenleben des alten Mannes, den sie kaum kennt. Fassungslos entdeckt sie seine dramatischen Erlebnisse während der britischen Friedensmission nach dem Zweiten Weltkrieg in Palästina. Erin, auf sich alleine gestellt, als Eliza ihren Wehrdienst beginnt, wird Zeugin der undurchschaubaren Komplexität des Lebens im heutigen Israel sowohl für Juden als auch Araber. Als Erin eintaucht in das Tagebuch, stößt sie auf die heute noch unbequemen Wahrheiten aus der Zeit, in der ihr Großvater in Palästina war, und die Gewalt und Grausamkeit, die er in den 40er Jahren miterleben musste. Im Haifa der Gegenwart geht ein Riss durch die Familie der Freundin: Elizas Bruder Paul kämpft militant gegen die Palästinenserpolitik seines Landes. Er macht Erin mit dem palästinensischen Omar, einem Aussteiger aus dem bewaffneten Untergrundkampf der Al-Aqsa-Brigaden, bekannt. Mit Unterstützung der Beiden lernt Erin auch die schockierenden Zustände jenseits der Checkpoints und der Mauern kennen, die die palästinensischen Dörfer abschirmen.

So, 6. Mai · 10:15-10:45 · HR
Das Sonntagsgespräch

Esther Schapira im Gespräch mit der jüdischen Schriftstellerin Silvia Tennenbaum: Sie ist ein „eschtes Frankfordder Mädsche“, und sie ist Jüdin. Als Silvia Tennenbaum 1928 geboren wurde, war das kein Problem. Frankfurt war eine liberale Stadt, deren Klima ganz wesentlich auch von der jüdischen Kultur geprägt war. Silvia Tennenbaums Eltern stammten selbst aus alteingesessenen jüdischen Frankfurter Familien und trugen ihren Teil zum Kulturleben der Stadt bei. Doch noch bevor sie in die Schule kam, endete mit Adolf Hitlers „Machtergreifung“ von einem Tag auf den anderen, was Jahrhunderte lang die Geschichte der Stadt wesentlich mitbestimmt hatte: die deutsch-jüdische Symbiose. Mit acht Jahren musste die kleine Silvia ihre Heimatstadt verlassen. Aus der Frankfurterin wurde eine New Yorkerin, und aus der Tochter eines Schriftstellers wurde selbst eine Schriftstellerin, die ihrer Familie und ihrer Heimatstadt ein literarisches Denkmal setzte. „Straßen von gestern“ erschien 1981 in der englischsprachigen Originalfassung. Jetzt wird der Roman einer Frankfurter jüdischen Familie in Frankfurt öffentlich gelesen. Anlässlich der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Eine Stadt liest ein Buch“ ist Silvia Tennenbaum zu Gast im „Sonntagsgespräch“. Im Gespräch mit Esther Schapira erinnert sie sich an ihre Kindheit in Frankfurt und an ihren Weg in die USA, daran, wie aus dem Frankfurter Mädchen eine New Yorkerin wurde, die stets Lust an der Provokation hatte und die immer den Mund aufmachte.

So, 6. Mai · 19:25-20:00 · 3sat
Tel Aviv – Leben zwischen Himmel und Hölle

„Was so traurig an dem Leben hier ist, ist, dass wir eine Insel mitten in der Hölle sind. Denn draußen ist es höllisch. Und ich weiß nicht, wie lange wir das überleben können“, sagt der Schriftsteller Yoram Kaniuk, der 1930 in Tel Aviv geboren wurde. Angefangen hat alles auf den Dünen, ein paar Kilometer nördlich der 4.000 Jahre alten Stadt Jaffa. 66 jüdische Einwandererfamilien erwarben im April 1909 per Los das Land, umgeben von arabischen Dörfern, um eine Gartenstadt zu errichten. Sie träumten von einer Stadt ohne Araber und nach europäischem Vorbild. In den 1930er Jahren kamen viele deutsche und österreichische Immigranten nach Tel Aviv, und aus der kleinen Siedlung in den Dünen wurde das kulturelle und politische Zentrum des Landes. Aus Europa geflüchtete Architekten und Architektinnen brachten den Bauhaus-Stil mit in die Stadt am Mittelmeer, die deshalb seit 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Am 14. Mai 1948 rief David Ben Gurion in Tel Aviv den Staat Israel aus. Bis 1981 war Tel Aviv die Hauptstadt des jungen Staats. Bis heute sind die meisten ausländischen Botschaften in Tel Aviv angesiedelt, ebenso wie der Geheimdienst Mossad und das Hauptquartier der israelischen Armee. Noch 100 Jahre nach seiner Gründung ist Tel Aviv ein Synonym für eine offene, moderne und freie Stadt, eine „Stadt ohne Konzept“, die ständig in Bewegung und ein Anziehungspunkt für junge Leute aus der ganzen Welt ist. Die Dokumentation „TelAviv – Leben zwischen Himmel und Hölle“ stellt Tel Aviv und Menschen, die dort leben, vor. Zu Wort kommen neben Yoram Kaniuk auch die Journalistin Nilly Landsmann, der Filmemacher, Autor und Musiker Dani Dothan und Rifaat Tourk, der einzige arabische Israeli, der jemals in der israelischen Fußball-Nationalmannschaft gespielt hat.

So, 6. Mai · 22:15-23:15 · BR-alpha
Der Unzugehörige – Peter Weiss

Der Schriftsteller und Maler Peter Weiss (1916-1982) war ein „Unzugehöriger“: Als Sohn einer Schweizerin und eines Ungarn jüdischer Abstammung mit tschechoslowakischem Pass zieht er früh von Potsdam-Nowawes nach Bremen und zurück nach Berlin, ist „der Ausländer“ in seiner Klasse, emigriert mit den Eltern über England und Böhmen nach Schweden, ohne Halt in dem, was andere ihre „Heimat“ oder „Vaterland“ nennen. Peter Weiss sucht Halt und Identität in der Kunst. Weiss malt apokalyptische Bilder, wird Schriftsteller. Beeinflusst von Hesse und Kafka, inspiriert von Psychoanalyse und Surrealismus. In den 1960er-Jahren gerät Weiss in den Strudel einer sich politisierenden Welt und begreift nun seine Kunst als Sprachorgan der gleich ihm nach Selbstbestimmung Verlangenden. Plötzlich ist er ein Mann der Öffentlichkeit, hofiert im Osten, angefeindet im Westen. Mit seiner „Ästhetik des Widerstands“ kehrt er noch einmal an seine Anfänge zurück: Wachsein und Traum, Geschichte und individuelles Empfinden, Realismus und Vision in ungeheuren Sprachblöcken verdichtend, getragen von Liebe und Hoffnung. Ullrich Kasten zeichnet ein einfühlsames Porträt des 1982 im schwedischen Exil gestorbenen großen Autoren deutscher Sprache.

Mo, 7. Mai · 14:55-16:45 · arte
Nicht alle waren Mörder

Berlin Frühjahr 1943. Die nationalsozialistische Führung erlässt den Befehl, alle noch in Deutschland lebenden Juden zu verhaften und zu deportieren. Als die SS eines Morgens die jüdischen Bürger ihres Hauses abholt, reißen die Jüdin Anna Degen und ihr Sohn Michael die Sterne von ihren Kleidern und verlassen im letzten Moment die Wohnung. Es beginnt ein Leben in ständiger Angst vor Entdeckung und Verrat. Lona Furkert, eine Freundin der Familie, bringt die beiden zu Ludmilla Dimitrieff, einer wohlhabenden russischen Emigrantin mit guten Beziehungen zu Nazigrößen. Bedingung neben der Bezahlung für das Versteck: Wenn Ludmilla ihre Hauskonzerte gibt, dürfen Mutter und Sohn nicht gesehen werden. So erleben die beiden während eines Konzerts unter Todesangst einen Luftangriff, bei dem Ludmillas Wohnung in Brand gerät. Sie müssen fliehen. Lonas Bekannter Karl Hotze, als Kommunist ein entschiedener Gegner der Nazis, verschafft ihnen Unterschlupf bei den Teubers. Deren unbestrittenes Oberhaupt ist Oma Teuber, die für ihre drei Töchter eine Art Privatpuff organisiert und geschäftstüchtig ihre Sofas an Anna und Michael vermietet. Doch als Anna eines Tages auf der Straße von Gestapoleuten angehalten wird und sich rausreden kann, sind sie wieder gezwungen, das Quartier zu wechseln. Karl Hotze nimmt die beiden bei sich im Vorort Kaulsdorf auf, wo er mit seiner Frau Käthe und der Schwägerin Martchen lebt. Beim Spielen im Wald lernt Michael Rolf Redlich kennen, der mit seinem Vater in der Nähe wohnt. Rolf und Michael werden enge Freunde. Eines Nachts steht plötzlich die Gestapo im Haus und verhaftet Karl und Käthe Hotze. Anna und Michael retten sich mit einem verzweifelten Sprung aus dem Fenster. Nun sind sie ganz ohne Bleibe. In dieser verzweifelten Situation kommen sie bei Michaels Freund Rolf und seinem Vater unter. Der mürrische und verschlossene Vater scheint sich sogar zu freuen, endlich wieder eine Frau im Haus zu haben. Doch dann tritt Rolf im Wald auf eine Granate und verblutet, während Michael den schwer verletzten Freund nach Hause bringt. Mutter und Sohn kommen wieder bei Martchen unter, bis 1945 die Russen einmarschieren.

Mo, 7. Mai · 22:45-23:00 · BR-alpha
Klassiker der Weltliteratur: Heinrich Heine

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Einstellung wurde Heinrich Heine zeitlebens angefeindet und ausgegrenzt. Diese Außenseiterrolle prägte sein Werk und beschied den Deutschen das wohl berührendste Gedicht eines Emigranten: Deutschland. Ein Wintermärchen. Heinrich Heine (1797 – 1856) kehrte im November 1943 für wenige Wochen von Paris nach Deutschland zurück, um seine Mutter und seinen Verleger zu besuchen. Bei seinem Besuch war Heine 47 Jahre alt und seit 13 Jahren nicht mehr in Deutschland gewesen. Auf der Rückreise entstand der erste Entwurf zu „Deutschland. Ein Wintermärchen“. Radikale politische Ansichten Geflohen war Heine, weil er unzufrieden mit den politischen Verhältnissen im Deutschland der Restaurationszeit war. Er galt als einer der führenden Köpfe des „Jungen Deutschland“, einer von ihren Feinden als „politische literarische Bewegung“ verfolgten Gemeinschaft. Sie bezog ihre stärkste politische Inspiration aus der französischen Julirevolution des Jahres 1830. Um der Zensur zu entgehen emigrierte Heine nach Frankreich. 1835 wurden seine Schriften verboten. Außenseiterleben in der Heimat Heine war Sohn eines jüdischen Textilkaufmanns. Sein vermögender Onkel Samuel erkannte die vielfältige Begabung seines Neffen und unterstützte ihn bis zu seinem Tod. Er ermöglichte ihm das Studium der Rechtswissenschaften. Um leichter eine Anstellung zu finden, konvertierte Heine zum protestantischen Glauben. Er verkehrte mit den Größen des damaligen Geisteslebens – Schlegel, Savigny, Hegel – und hoffte vergeblich auf eine Berufung an die Münchner Universität. Ab 1825 konnte Heine erste Erfolge als Dichter feiern. Dazu trugen die Gedichtsammlung „Buch der Lieder“ (1827) und seine „Reisebilder“ bei. Letztere erschienen zwischen 1826 und 1831 und waren eine virtuose Mischung aus Naturschilderung, Essay, Selbstbetrachtung und Dichtung. Sie wurden auch ein wirtschaftlicher Erfolg. Im selben Jahr begann seine Geschäftsbeziehung zu dem Hamburger Verlag Hoffmann und Campe. Julius Campe sollte bis zu Heines Tod sein Verleger bleiben Deutschland. Ein Wintermärchen 1844 erschien der Gedichtband „Neue Gedichte“, darin das bekannte „Deutschland. Ein Wintermärchen“. In Preußen wird die Sammlung von der Zensur verboten, im Namen von Friedrich Wilhelm IV. wird ein Haftbefehl gegen Heine erwirkt. Zu der Zeit befindet sich Heine wieder im sicheren Paris. Im Februar 1848, als die Revolution in Paris ausbricht, erleidet Heine einen Zusammenbruch. Fast vollständig gelähmt, muss er die acht Jahre bis zu seinem Tod bettlägerig in der von ihm so bezeichneten „Matratzengruft“ verbringen. 1856 stirbt Heine in Paris. Doch die Anfeindungen und Ausgrenzungen setzten sich auch im 20. Jahrhundert fort. Heines Geburtsstadt Düsseldorf stiftete dem Dichter erst 1981 ein Denkmal. Er dagegen ahnte wohl, dass er seinem Vaterland mit dem „Wintermärchen“ eines gesetzt hatte, das über die Jahre Bestand hatte.

Mo, 7. Mai · 23:15-01:00 · NDR
Jeder stirbt für sich allein

Als 1940 der einzige Sohn von Otto und Anna Quangel in Frankreich fällt, engagiert sich das bis dahin unpolitische Berliner Handwerkerehepaar gegen das Nazi-Regime. Sie beginnen eine Postkarten-Aktion gegen Hitler. Schon bald kommt die Gestapo ihnen auf die Spur und sie müssen ihren Mut mit dem Leben bezahlen. Für Anna bricht mit dem Tod ihres einzigen Kindes die Welt zusammen. In ihren Augen ist der pathetisch proklamierte „Heldentod“ nichts weiter als ein Mord, den Hitler zu verantworten hat. Als ihr ein Stapel unbenutzter Feldpostkarten in die Hände fällt, schreibt sie auf eine der Karten, wie ihr zumute ist: „Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet …“ Sie legt die Karte heimlich in der Stadt ab, in der Hoffnung, ein paar Menschen auf diese Weise aus ihrem blinden Glauben an Hitler wachrütteln zu können. Ihr Mann, Werkmeister in einem großen Tischlereibetrieb, in dem kriegsbedingt vorwiegend Särge produziert werden, schließt sich seiner Frau an. Die beiden deponieren Karten mit ihrem persönlichen Aufruf zum Widerstand an vielen Stellen der Stadt. Die Suche nach dem „Klabautermann“, wie die Gestapo die unbekannten Schreiber der Karten nennt, fällt zunächst schwer. Die meisten Protestschreiben werden von obrigkeitshörigen Bürgern bei der Polizei abgeliefert. Als Kommissar Escherich mithilfe des schmierigen Hauswarts Borkhausen den Quangels dann doch auf die Spur kommt, landet das Ehepaar vor dem „Volksgerichtshof“. Die Verhandlung ist eine bloße Farce, das Todesurteil gegen beide steht längst fest.

Di, 8. Mai · 01:05-02:40 · Das Erste (ARD)
… nächste Woche ist Frieden

Der Hörspielautor Herbert Pieritz hält kurz vor Kriegsende 1945 die Jüdin Ruthi Tannenbaum in seiner Berliner Wohnung versteckt. Von ihrer Existenz darf der übereifrige Blockwart nichts erfahren, und durch die heranrückenden russischen Soldaten droht weitere Gefahr. Während die Granaten im Minutentakt einschlagen, muss Pieritz sich auch noch das Hirn zermartern: Propagandaminister Josef Goebbels hat ihm höchstpersönlich einen Spezialauftrag erteilt: Er soll ein komisches Hörspiel schreiben – damit die Menschen im Bombenhagel etwas zu lachen haben. Mit großer inszenatorischer Dichte schildert Fernsehlegende Peter Schulze-Rohr beklemmende Impressionen aus den letzten Kriegstagen Berlins. Ausnahmedarsteller Ulrich Mühe beeindruckt als sensibler Autor neben Rita Russek, Judith Klein und Hans Peter Korff als beflissenem Blockwart. Berlin, 1945. In der Hoffnung auf das nahende Kriegsende helfen sich die Bewohner eines Mietshauses in der Edisonstraße gegenseitig so gut es geht. Die patente Tatjana Zeitler (Rita Russek) findet in einem geplünderten Depot ein paar Tafeln Schokolade und teilt sie mit ihrem Nachbarn Erich Schiefer (Hans-Joachim Grubel). Noch ahnt niemand im Haus, dass der schweigsame Erich in seiner Mansarde die Jüdin Ruthi Tannenbaum (Judith Klein) versteckt hält. Um ihre Einsamkeit zu mildern, schreibt die junge Frau Briefe an ihre Familie, die ins Todeslager deportiert wurde. Sie kennt die schreckliche Wahrheit und schickt das Geschriebene niemals ab, braucht aber die Illusion zum Überleben. Durch ein Loch im Fußboden beobachtet sie heimlich, wie in der Wohnung unter ihr jemand einzieht. Herbert Pieritz (Ulrich Mühe), Hörspielautor beim Großdeutschen Rundfunk Berlin, soll ein komisches Stück mit dem Titel „Deutschland lacht“ schreiben. Es schlagen zwar jede Menge Granaten ein, doch ein wirklich spaßiger Einfall kommt Herbert dabei nicht. Nachdem Erichs Dachwohnung durch einen Bombentreffer unbewohnbar wird, nimmt Herbert die verängstigte Jüdin spontan bei sich auf. Sein Heldenmut ist riskant, denn der herumschnüffelnde Blockwart Gulisch (Hans Peter Korff) würde Ruthi garantiert verraten. In dieser bedrohlichen Situation nimmt Herbert geistesgegenwärtig den Ausweis einer toten Krankenschwester an sich, die seiner jüdischen Untermieterin ähnelt. Wird Ruthi in ihrer neuen Identität überleben? Peter Schulze-Rohr, der mit der ersten „Tatort“-Episode „Taxi nach Leipzig“ Fernsehgeschichte schrieb, inszenierte dieses beklemmende Kriegsdrama über Zivilcourage und Heimtücke nach einem Buch von Peter F. Steinbach, Mitautor der legendären „Heimat“ von Edgar Reitz. Das gespenstische Szenario wird geschildert aus der Sicht eines versteckten jüdischen Mädchens, das ähnlich wie Anne Frank in eine tagebuchartige Fantasiewelt flüchtet. Der aufwendige Film beeindruckt durch sein Ensemble, angeführt von Rita Russek, Hans Peter Korff, Judith Klein, Hans-Joachim Grubel – und vor allem Ulrich Mühe in der Rolle des traurigen Komikers.

Di, 8. Mai · 19:00-19:45 · 3sat
Der Mann, der Adolf Eichmanns Asche ins Meer streute

In der Nacht zum 1. Juni 1962 wurde Adolf Eichmann, Leiter des gefürchteten Referats IV 64 im Reichssicherheitshauptamt, gehängt und seine Leiche noch in dieser Nacht verbrannt. Michael Gilead war dabei. Er war es auch, der als offizieller Vertreter des Staates Israel anschließend kurz vor Sonnenaufgang Eichmanns Asche vor Tel Aviv ins Meer streute. Letzter Akt der Tragödie zweier Leben, die auf dramatische Weise miteinander verknüpft waren. Auf der einen Seite: Michael Gilead, der zusammen mit seinem Bruder als einzige einer 70-köpfigen Familie Auschwitz überlebt haben. Auf der anderen Seite: Adolf Eichmann, der die Endlösung der Judenfrage verbreitete, gnadenlos exekutierte und Millionen Juden in den Tod schickte. Plötzlich saßen sich diese beiden Männer gegenüber. Michael Gilead verhörte an einem geheimen Ort als israelischer Polizeioffizier den Massenmörder Adolf Eichmann. Der Auschwitzüberlebende hatte in diesem Moment die Macht über den Mann, dem er einst so hilflos ausgeliefert war. In dem Film „Der Mann, der Adolf Eichmanns Asche ins Meer streute“ gibt Michael Gilead detailreich Auskunft über Adolf Eichmann, über den Prozess und über Eichmanns Tod. Er erzählt vor dem Hintergrund des selbst durchlittenen Grauens in Auschwitz. Ein eindringliches Dokument über Leid und Rache, über Schmerz und Vergeltung.

Di, 8. Mai · 20:15-21:45 · 3sat
Eichmanns Ende

Adolf Eichmann, Cheforganisator der Judendeportationen in die Vernichtungslager und einer der größten Kriegsverbrecher im „Dritten Reich“, taucht nach Kriegsende unter. 1950 setzt er sich nach Argentinien ab. Die deutsche Gemeinde in Buenos Aires besteht aus Nazis und Juden, aus Tätern und Opfern. Auch Lothar Hermann, Jude und KZ-Überlebender, hat sich 1942 dorthin in Sicherheit gebracht. Seine Tochter Silvia verliebt sich in Nick, ohne zu wissen, dass es sich dabei um Eichmanns Sohn Klaus handelt. Als Nick dem Vater seiner Freundin Silvia begegnet, erfährt der fast erblindete Lothar Hermann, dass der Vater des jungen Mannes an einem Buch über seine Tätigkeit im „Dritten Reich“ arbeitet. Hermann nimmt Kontakt zum hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer auf, der sich in Deutschland für die strafrechtliche Verfolgung ehemaliger Nazis engagiert. Bauer entscheidet sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Er informiert die Israelis, weil er der deutschen Polizei und Justiz nicht traut. Um Hermanns Informationen zu überprüfen, schickt der israelische Geheimdienst Mossad einen Agenten nach Argentinien. Doch es bleiben Zweifel, dass ausgerechnet ein Blinder den gesuchten Eichmann finden konnte. Lothar Hermann schickt deshalb seine Tochter ein letztes Mal zu Nick, um einen endgültigen Beweis zu finden. Sie identifiziert Nicks Vater zweifelsfrei als den Kriegsverbrecher Adolf Eichmann. Damit ist Eichmanns Schicksal besiegelt. Am 11. Mai 1960 entführt der Mossad Eichmann nach Israel, wo er 1962 nach einem weltweit aufsehenerregenden Prozess hingerichtet wird. „Eichmanns Ende“ erzählt in einer dichten Verschränkung von historischem Bildmaterial, Zeitzeugenberichten sowie dokumentarischen Spielszenen, die fast unglaubliche Geschichte von der Entdeckung und Ergreifung des Organisators der Massendeportationen europäischer Juden. Die Spielszenen sind mit Herbert Knaup, Ulrich Tukur und Axel Milberg hochkarätig besetzt.

Di, 8. Mai · 21:45-23:10 · 3sat
Die Wannseekonferenz

Am 20. Januar 1942 lud Reinhard Heydrich, SS-Obergruppenführer, Chef des Reichssicherheitshauptamts und engster Mitarbeiter Heinrich Himmlers, in Berlin14 leitende Repräsentanten des nationalsozialistischen Regimes zu einer Geheimkonferenz am Großen Wannsee ein. Der einzige Punkt der Tagesordnung war die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“. Während der knapp eineinhalbstündigen Sitzung wurde bei Kognak und Häppchen die systematische Vernichtung der europäischen Juden diskutiert. Es ging um das Für und Wider schon erprobter oder noch in Erprobung stehender Vernichtungsmethoden, die Organisation des Transports der Opfer an den Ort ihrer Vernichtung und um Kompetenzrangeleien zwischen einzelnen Instanzen. Heydrich verteilte Lob und Rüge, während er den reibungslosen Ablauf und die perfekte Organisation des Massenmordes einforderte, bei dem alle Beteiligten „ihr Bestes“ leisten sollten. Der Völkermord wurde zur Organisations- und Verwaltungsaufgabe. Anhand der Originalprotokolle rekonstruieren Autor Paul Mommertz und Regisseur Heinz Schirk in dem preisgekrönten dokumentarischen Fernsehspiel „Die Wannseekonferenz“ den Ablauf dieses monströsen Geheimtreffens. Konsequent folgen sie dabei den klassischen Regeln von der Einheit des Ortes und der Zeit. Knapp eineinhalb Stunden dauerte vor 70 Jahren diese folgenreiche Konferenz, knapp eineinhalb Stunden dauert auch ihre Rekonstruktion, mit der die von Hannah Arendt beschriebene „Banalität des Bösen“ anschaulich vor Augen geführt wird.

Di, 8. Mai · 22:45-23:40 · HR
Das Lager der verlassenen Kinder – Lindenfels, die Überlebenden und der Exodus

Sie hießen Hadassa, Dani, Ruffka oder Arie, sie waren zwischen sechs und fünfzehn Jahre alt – jüdische Kinder aus Polen und Russland, die Terror und Grauen der Nazi-Vernichtungsmaschinerie überlebt, aber Vater und Mutter verloren hatten. Auf der Suche nach Angehörigen irrten sie in den ersten Monaten nach Kriegsende allein umher, die meiste Zeit hungrig, ohne Dach über dem Kopf, ohne Geborgenheit. Einige, die Älteren, versuchten sich nach Palästina durchzuschlagen, andere träumten von Amerika. In einem Kinderlager, das die UNRRA, die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen, in Lindenfels, einer kleinen hessischen Kurstadt im Odenwald, eingerichtet hatte, fanden viele von 1946 bis 1948 vorübergehend ein Zuhause. Jüdische Lehrer und Erzieher, die meisten ebenfalls Überlebende des Holocaust, kümmerten sich um die verängstigten und verstörten Jungen und Mädchen. In ihrer Obhut lernten sie langsam wieder Kinder zu sein. Doch der Aufenthalt in Lindenfels, der so genannten Perle des Odenwalds, verlief nicht ohne Spannungen zur deutschen Bevölkerung. Bis heute fällt es der alten Generation schwer, über die jüdischen Kinder zu sprechen. Einige können sich vielleicht nicht mehr erinnern, die meisten aber wollen nicht. Die hr-Autorin Yvonne Menne hat einige der jüdischen Kinder von damals wiedergefunden. Ihre Spurensuche beginnt in Lindenfels und führt bis nach Israel. In ihrer eindringlichen Dokumentation erinnern sich die heute fast Siebzigjährigen an die Zeit, als sie Kinder waren und nach dem überstandenen Grauen mühsam wieder das Lachen lernten. Sie erzählen von ihrem Leben im Lager Lindenfels und dem mühsamen Weg mit dem berühmten Flüchtlingsschiff „Exodus“ in die neue Heimat Palästina, die erst ganz allmählich zu ihrem Zuhause wurde. Zu Wort kommen außerdem jene Lindenfelser, die nicht alle Gedanken an jene Zeit aus ihrem Gedächtnis vertrieben haben.

Di, 8. Mai · 23:10-01:10 · 3sat
Ein Spezialist

Deutschland/Frankreich/Belgien/Österreich/Israel 1998 Am 23. Mai 1960 gab der israelische Ministerpräsident Ben Gurion vor der Knesset bekannt, dass israelische Sicherheitskräfte einen der größten Naziverbrecher, Adolf Eichmann, gefunden haben. Von April bis Dezember 1961 fand in Jerusalem der Prozess gegen Eichmann statt. Die Anklage umfasste in 15 Punkten Verbrechen gegen das jüdische Volk, Verbrechen gegen die Menschheit und die Mitgliedschaft in verbrecherischen Organisationen. Eichmann, der sich in keinem der 15 Punkte für schuldig befand, wurde am 15. Dezember 1961 zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde im Mai 1962 vollstreckt. Der Eichmann-Prozess ist das einzige Verfahren gegen einen Kriegs- und Naziverbrecher, das in voller Länge in Bild und Ton aufgezeichnet wurde. Die Video-Aufzeichnungen von mehreren hundert Stunden lieferten das Material für den Film „Ein Spezialist“. Der Film, der keine Zusammenfassung des Verfahrens sein will, konzentriert sich völlig auf den Täter. Eichmanns Verhalten in dem äußerst fair geführten Verfahren erlaubte Eyal Sivan und Rony Brauman eine eindrückliche Darstellung dessen, was Hannah Arendt die „Banalität des Bösen“ nannte: Die Abwesenheit von Denken und Moral. 2001 wurde der Regisseur Eyal Sivan in der Sparte „Information und Kultur“ mit einem „Adolf Grimme-Preis“ in Gold ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es: „‚Ein Spezialist‘ ist eine bedrückende Dokumentation über die Normalität der Mörder. Aber seine Wirkung verdankt der Film vor allem der künstlerischen Freiheit, die sich Sivan in gestalterischer Bearbeitung des Dokumentarmaterials genommen hat. Um die Wahrheit herauszuarbeiten, ist hier alles manipuliert und der Eichmann-Prozess zur Kenntlichkeit komprimiert. Der ,Spezialist‘ ist einer zum Fürchten, ein Film, der in seiner modernen Machart das Vergangene ins Heute zurückholt.“

Mi, 9. Mai · 01:40-03:10 · 3sat
Edelweiß

Vera und Erich Dorfmeister haben vom Nationalsozialismus profitiert. Die Zeiten haben sich zwar geändert, ihre Gesinnung aber ist geblieben. Besonders Tochter Isolde hat darunter gelitten, ihre Ehe mit dem Jazzer Paul Richter ging deshalb in die Brüche. Nun kehrt deren Tochter Anna in Begleitung von ihrem jüdischen Freund Sidney nach einem Auslandsjahr heim. Eine „Bestandsaufnahme konkreter österreichischer Befindlichkeiten“ nennen Ulli und Xaver Schwarzenberger ihr Filmwerk „Edelweiß“. Der Film skizziert drei Generationen mit drei unterschiedlichen Einstellungen: die Unbelehrbaren, die Verdränger und die Ahnungslosen.

Mi, 9. Mai · 03:25-05:00 · arte
Abschied von gestern

Eine junge Frau stiehlt eine warme Strickjacke und kommt vor Gericht. Nach Verbüßung der Strafe macht sie mehrere Versuche, ein neues Leben zu beginnen. Der Erstlingsfilm Alexander Kluges erzählt von den Erlebnissen einer jungen Frau, die aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland geflohen ist und auch dort mit einer Gesellschaft konfrontiert wird, die sie nicht annimmt. Anita G., 1937 in Leipzig als Kind jüdischer Eltern geboren, ist in den sechziger Jahren aus der DDR in den Westen geflüchtet. Die ehemalige Telefonistin bekommt dort eine Stelle als Krankenschwester. Nachdem sie wegen des Diebstahls einer Strickjacke zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden ist, zieht sie in eine andere Stadt. Als Vertreterin einer Plattenfirma fälscht sie Auftragsformulare, lebt über ihre Verhältnisse, wird die Geliebte ihres Chefs. Seiner Ehefrau zuliebe lässt dieser sie jedoch eines Tages fallen und zeigt sie an. Unschuldig des Diebstahls bezichtigt, verliert Anita auch ihren nächsten Job als Zimmermädchen. Schließlich wird sie die Geliebte des gebildeten Ministerialrats Pichota. Ihr Schicksal scheint sich zum Besseren zu wenden, doch als sie von ihm schwanger wird, speist er sie mit 100 Mark ab. Die mittlerweile steckbrieflich gesuchte Anita G. zieht von einem Ort zum anderen, bis sie sich wegen der bevorstehenden Geburt ihres Kindes der Polizei stellt. Das Kind wird ihr weggenommen, und im Frauengefängnis sieht sie ihrer kommenden Verurteilung entgegen.

Mi, 9. Mai · 23:10-00:40 · arte
Du sollst nicht lieben

Aaron Fleischmann, Familienvater, Ehemann und wie sein gerade verstorbener Vater respektiertes Mitglied der ultra-orthodoxen Gemeinde Jerusalems, eröffnet nach der Zeit des Trauerns die väterliche Fleischerei wieder. Über einen Aushang sucht er nach einem neuen Mitarbeiter. Ein Zufall führt den ehemaligen Religions-Studenten Ezri an einem verregneten Tag in Aarons Laden; Ezri wird sein neuer Angestellter. Auch ein Zimmer stellt Aaron dem jungen Mann zur Verfügung. Bald schon wird aus der Zusammenarbeit eine leidenschaftliche Liebesaffäre, die Aaron in eine tiefe Glaubens- und Familienkrise stürzt. Hin- und hergerissen zwischen den Pflichten eines tiefgläubigen ultra-orthodoxen Gemeindemitglieds und Familienvaters und der Leidenschaft für Ezri versucht Aaron verzweifelt, zur Normalität zurückzukehren. Seine innere Zerrissenheit bleibt auch seiner Frau Rivka nicht verborgen. Sie vertraut sich hilfesuchend Rabbi Vaisben an, dem Oberhaupt der Gemeinde. Auch der betrachtet das enge Verhältnis von Aaron und Ezri mit Sorge, zumal er das Gerücht gehört hat, dass Ezri wegen seines „Umgangs“ mit einem Mann bereits aus einer anderen Gemeinde ausgeschlossen wurde. Aaron ignoriert die Mahnungen des Rabbis, bekommt aber bald den Druck der Gemeinschaft zu spüren. Plakate an Hauswänden warnen vor einem „Sünder in der Nachbarschaft“, Tora-Schüler bedrängen ihn in seinem Geschäft, es droht die Verstoßung aus Gemeinde und Synagoge. Ezri wird von Männern der Gemeinde zusammengeschlagen; er verlässt die Stadt. Nun verlangt Rivka eine klare Entscheidung von Aaron. Er bekennt sich zu ihr und seinem Glauben, doch am nächsten Morgen fasst er einen radikalen Entschluss …

Do, 10. Mai · 23:40-01:50 · MDR
Fateless – Roman eines Schicksallosen

Budapest 1944: Die jüdische Bevölkerung hofft auf ein baldiges Ende von Verfolgung und Krieg. Der 14-jährige György Köves erlebt den Abschied seines Vaters ins Arbeitslager, die Brandmarkung seiner Person und seiner Freunde durch den Judenstern und die quälende Frage nach dem Warum. Er erlebt die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Zeitz. Er erlebt Leid, Demütigung, Solidarität, Angst und Gleichgültigkeit – aber „… dort bei den Schornsteinen gab es in den Pausen zwischen den Qualen etwas, das dem Glück ähnlich war.“ Der Junge überlebt. Die Lager werden befreit, der Krieg geht zu Ende. György kehrt zurück nach Budapest. Versteht man ihn? Vertraute Türen werden von Fremden geöffnet und schnell geschlossen. Kann er erzählen? Hört man ihm zu? Er kommt als Überlebender und als Fremder in seine Heimatstadt Budapest zurück.

Sa, 12. Mai · 00:00-01:50 · MDR
Wege übers Land (2/5)

Gertrud und Emil Kalluweit sind ausgezogen, um sich in den eroberten polnischen Gebieten eine eigene Existenz zu schaffen. Doch nach ihrer Ankunft in der neuen Heimat erleben sie das Grauen der Deportationen und des Mordens ringsumher. Während Kalluweit versucht, sein aufkeimendes Entsetzen zu verdrängen, nimmt Gertrud ungeachtet der Gefahr ein kleines jüdisches Mädchen im Hause auf. Sie verhindert auch, dass Kalluweit polnische Partisanen ausliefert, die sich auf dem Hof versteckt halten. Unterdessen lässt die deutsche Führungsriege im Gouvernement, zu der auch Lesstorff gehört, wahllos Zivilisten abschlachten, um jeden Widerstand zu ersticken. Emil Kalluweit wird von SS-Mann Schneider gedrängt, sich den Erschießungskommandos anzuschließen. Das Ansinnen stürzt ihn in einen Konflikt. Schneider lässt ihm keine Ruhe, außerdem beginnen die Behörden, nach der Herkunft des Kindes zu forschen. Als Gertrud für ein paar Tage verreist, will ihr Mann das Mädchen heimlich fortschaffen. Gertrud sieht nur eine Möglichkeit, das jüdische Mädchen zu retten. Sie wendet sich wegen der Papiere an Lesstorff. Resigniert willigt Kalluweit ein, dass Gertrud die Kleine zusammen mit einem polnischen Jungen adoptiert. Dann meldet er sich freiwillig an die Front. Zur gleichen Zeit gelingt Willi Heyer, einem deutschen Kommunisten, mit einem polnischen Professor die Flucht aus dem Konzentrationslager.

Sa, 12. Mai · 07:05-08:00 · arte
Die Stimmen von El-Sayed

Das kleine Beduinendorf El-Sayed in der Negevwüste im südlichen Israel hat den höchsten Anteil an gehörlosen Menschen in der Welt. Doch hier wird Taubheit nicht als Handicap betrachtet. Keiner trägt ein Hörgerät. Alle verständigen sich per Zeichensprache – bis eines Tages ein Vater beschließt, seinen Sohn operieren zu lassen und ihm mittels eines Implantats die Möglichkeit zu verschaffen, wie ein Mensch ohne Behinderung zu hören. Vor 200 Jahren kam ein gehörloser Beduine, Sheikh El-Sayed, in die Negevwüste im Süden des heutigen Israel. Seine genetisch bedingte Taubheit vererbte sich von Generation zu Generation, wurde aber nie als Defekt, sondern als natürlicher Lebensumstand betrachtet. Alle Einwohner verständigten sich mithilfe einer lokal entwickelten El-Sayed-Zeichensprache. Doch eines Tages beschließt ein Vater, dem Schicksal seines tauben Sohnes durch eine Hörprothese, ein sogenanntes Cochlear-Implantat, eine Wende zu geben. Diese Entscheidung führt zu großen Konflikten in der Gemeinschaft und bedroht das bisher friedliche Zusammenleben von Gehörlosen und Hörenden. Die Dokumentation begleitet ein Jahr lang die Rehabilitationsphase des Jungen nach dessen Operation aus der Sicht der gehörlosen Dorfgemeinschaft. Dabei gewährt sie Einblick in eine einzigartige Lebenswelt.

Sa, 12. Mai · 11:50-12:20 · HR
Das etwas andere New York

Williamsburg ist New Yorks jüngstes Viertel. Fast alle, die dort leben, sind kaum älter als 40. Erst kamen die Künstler aus SoHo auf der Suche nach billigem Wohnraum. Heute sind sogar Banker von der Wallstreet dort. Das andere Ufer des East River zieht alle Schichten an. Williamsburg ist auch Heimat ultra-orthodoxer Juden. Über 60.000 Anhänger der Satmar-Bewegung leben dort. Deren Lebensgewohnheiten und die der jungen Avantgarde prallen in Williamsburg aufeinander.

Sa, 12. Mai · 15:20-16:55 · arte
Nicht alle waren Mörder

Berlin Frühjahr 1943. Die nationalsozialistische Führung erlässt den Befehl, alle noch in Deutschland lebenden Juden zu verhaften und zu deportieren. Als die SS eines Morgens die jüdischen Bürger ihres Hauses abholt, reißen die Jüdin Anna Degen und ihr Sohn Michael die Sterne von ihren Kleidern und verlassen im letzten Moment die Wohnung. Es beginnt ein Leben in ständiger Angst vor Entdeckung und Verrat. Lona Furkert, eine Freundin der Familie, bringt die beiden zu Ludmilla Dimitrieff, einer wohlhabenden russischen Emigrantin mit guten Beziehungen zu Nazigrößen. Bedingung neben der Bezahlung für das Versteck: Wenn Ludmilla ihre Hauskonzerte gibt, dürfen Mutter und Sohn nicht gesehen werden. So erleben die beiden während eines Konzerts unter Todesangst einen Luftangriff, bei dem Ludmillas Wohnung in Brand gerät. Sie müssen fliehen. Lonas Bekannter Karl Hotze, als Kommunist ein entschiedener Gegner der Nazis, verschafft ihnen Unterschlupf bei den Teubers. Deren unbestrittenes Oberhaupt ist Oma Teuber, die für ihre drei Töchter eine Art Privatpuff organisiert und geschäftstüchtig ihre Sofas an Anna und Michael vermietet. Doch als Anna eines Tages auf der Straße von Gestapoleuten angehalten wird und sich rausreden kann, sind sie wieder gezwungen, das Quartier zu wechseln. Karl Hotze nimmt die beiden bei sich im Vorort Kaulsdorf auf, wo er mit seiner Frau Käthe und der Schwägerin Martchen lebt. Beim Spielen im Wald lernt Michael Rolf Redlich kennen, der mit seinem Vater in der Nähe wohnt. Rolf und Michael werden enge Freunde. Eines Nachts steht plötzlich die Gestapo im Haus und verhaftet Karl und Käthe Hotze. Anna und Michael retten sich mit einem verzweifelten Sprung aus dem Fenster. Nun sind sie ganz ohne Bleibe. In dieser verzweifelten Situation kommen sie bei Michaels Freund Rolf und seinem Vater unter. Der mürrische und verschlossene Vater scheint sich sogar zu freuen, endlich wieder eine Frau im Haus zu haben. Doch dann tritt Rolf im Wald auf eine Granate und verblutet, während Michael den schwer verletzten Freund nach Hause bringt. Mutter und Sohn kommen wieder bei Martchen unter, bis 1945 die Russen einmarschieren.

So, 13. Mai · 00:00-02:50 · NDR
Urteil von Nürnberg

Vor einem amerikanischen Militärgericht in Nürnberg stehen vier ehemalige Nazijuristen, die mit ihren Urteilen viele Menschen in den Tod geschickt haben. Drei von ihnen fühlen sich im Sinne der Anklage nicht schuldig, der Vierte hüllt sich lange in Schweigen. Erst auf dem dramatischen Höhepunkt der Verhandlung bekennt er sich als Einziger zu seiner Schuld. Hollywoods Version des Juristen-Prozesses in Nürnberg wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet. Der Film beleuchtet auch historische Fakten wie etwa das sich ändernde politische Klima. Nürnberg ist nach Ende des Zweiten Weltkrieges weitgehend noch eine Trümmerstätte. Der betagte amerikanische Richter Dan Haywood übernimmt hier einige Zeit nach Abschluss der Verfahren gegen die Hauptkriegsverbrecher den Vorsitz im Prozess gegen vier ehemalige NS-Juristen. Chefankläger Lawson nennt das Verfahren einmalig, weil den Angeklagten Verbrechen zur Last gelegt werden, die sie im Namen der damals geltenden deutschen Gesetze begangen haben. Unter den Angeklagten zieht Dr. Ernst Janning das meiste Interesse auf sich. Einst ein renommierter Jurist, bleibt er auf der Anklagebank lange stumm. Richter Haywood bemüht sich um einen korrekten Verfahrensablauf. Mehr als einmal weist er den Ankläger in seine Schranken. Umgekehrt lässt er nicht zu, dass der deutsche Verteidiger Hans Rolfe den Zeugen während ihrer erschütternden Aussagen allzu hart zusetzt. Richter Haywood will die Mentalität der Deutschen verstehen und sich ein Bild davon machen, wie es zu all den schrecklichen Geschehnissen kommen konnte. Dabei hilft ihm die Begegnung mit der Generalswitwe Bertholt, deren Mann nach dem Krieg zum Tode verurteilt wurde. Als Dr. Janning sein Schweigen endlich bricht, erreicht der Prozess seinen dramatischen Höhepunkt.

So, 13. Mai · 01:10-02:35 · arte
Gelobtes Land (3/4)

Die 18-jährige Erin reist mit ihrer Freundin Eliza nach Israel. Während ihre Freundin den israelischen Wehrdienst anfängt, vertieft sich die junge Britin in das Tagebuch ihres Großvaters, der als britischer Mandatssoldat im Palästina der Nachkriegsjahre stationiert war. Aber auch von den alltäglichen Grausamkeiten der Realität eines vom Frieden weit entfernten Landes bleibt Erin nicht verschont. 1947: Sergeant Len wird nach der Attacke auf seine Einheit in Haifa im Krankenhaus behandelt. Nach seiner Genesung besucht er erneut seinen palästinensischen Freund Abu-Hassan Mohammed und unterrichtet dessen Sohn Hassan in Geometrie. Auch bei Clara, seiner jüdischen Geliebten schaut er vorbei. Doch in ihrer Wohnung erwartet ihn ein erschütternder Anblick … Len und seine Einheit bereiten eine strengvertrauliche Operation gegen die israelische Geheimarmee Irgun vor. Doch jemand hat sie verraten. In den Hinterhalt gelockt müssen Len und seine Kameraden die Konsequenzen am eigenen Leibe austragen. Als Erin diese dramatischen Erfahrungen mitverfolgt, wird sie noch mehr von dem Geheimnis um das Ende der Freundschaft zwischen ihrem Großvater Len und Abu-Hassan Mohammed in den Bann gezogen. Auf der Suche nach Mohammeds Familie reist sie alleine in die besetzten Gebiete. Doch schnell erregt sie Aufsehen und wird von israelischen Soldaten festgenommen …

So, 13. Mai · 12:15-13:45 · NDR
Deckname Cor

Er ist schon auf dem Weg in die Freiheit, als ihn ein Hilferuf seines Freundes zurückholt. Der junge Max Windmüller verlässt das Schiff nach Palästina. Er entscheidet sich gegen die eigene Rettung und für den jüdischen Widerstand. Ein folgenschwerer Entschluss. Kurz vor dem Einmarsch der Alliierten wird Max Windmüller mit dem letzten Gefangenentransport ins KZ Buchenwald deportiert. Auf einem Todesmarsch wird er erschossen, wenige Tage vor Kriegsende, gerade einmal 25 Jahre alt. Autor Eike Besuden recherchierte zehn Jahre lang an der Geschichte des Max Windmüller und seiner Widerstandsgruppe. Geboren wird Max Windmüller in Emden, Ostfriesland, als Sohn jüdischer Eltern. 1933 muss die Familie nach Holland fliehen und findet dort erst einmal Ruhe – bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Als die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung auch in Holland einsetzt, taucht Max unter und schließt sich einer Widerstandsgruppe an. Der 22-Jährige fälscht Papiere und schleust, gemeinsam mit Gleichgesinnten, Juden von Holland aus über die Pyrenäen nach Spanien in Sicherheit. Auf diese Weise rettet die Gruppe etwa 400 Menschen das Leben. 1944 werden die jungen Widerstandskämpfer jedoch in Paris verraten. Max Windmüller wird verhaftet und kurz vor dem Einmarsch der Alliierten mit dem letzten Gefangenentransport ins KZ Buchenwald deportiert. Auf einem Todesmarsch wird er erschossen, wenige Tage vor Kriegsende. Als Max Windmüller stirbt, ist er gerade einmal 25 Jahre alt. Das Leben des jüdischen Widerstandskämpfers ist weitgehend unbekannt. Der Autor Eike Besuden recherchierte zehn Jahre lang an der Geschichte des Max Windmüller und seiner Widerstandsgruppe, die sich später Gruppe Westerweel genannt hat. Der Film führt den Zuschauer von Emden aus über Holland, Belgien und Frankreich bis nach Spanien und Palästina. Die Dokumentation thematisiert durch die Kombination von Zeitzeugenberichten und inszenierten Spielszenen eine Geschichte aus dem jüdischen Widerstand.

So, 13. Mai · 22:50-23:05 · BR-alpha
Klassiker der Weltliteratur – Arthur Schnitzler

Wien war seine Heimat und Urstoff seines Schreibens. Sigmund Freud war sein Freund. Mit der Akribie von Ärzten erforschten beide die Abgründe der Seele. Bei dem Nervenarzt entstand daraus die Psychoanalyse, bei Schnitzler ein Werk, das voller Witz und Schmerz von Liebe, Tod und Lebensleere erzählt. Warum zum Beispiel der Erste Weltkrieg verloren ging, wussten einige sehr genau, hinterher: reine Nervensache. Nerven: Das war das neue Thema im Fin de Siècle und ein leidiges danach. Das Volk bestaunte Hypnosekünstler, die besseren Stände gruselten sich bei Séancen und auf der Seelencouch. Das Bild, das man sich von den geheimnisvollen Vorgängen im eigenen Inneren machte, war wie so oft der Welt der Technik entlehnt: der „Electricitaet“. Durchflossen und durchleuchteten nicht die Nervenbahnen den menschlichen Geist wie – ab 1902 – Stromleitungen die Stadt Wien? Ein Fachmann für Inneres und Tod Der unaufhörliche, über weite Strecken untergründig verlaufende Strom der Gedanken – wie stellt man sowas zeitgemäß dar? Da braucht es schon einen, der als Arzt um das Wesen der Nerven weiß, als Weltmann und Wiener das Katz-und-Maus-Spiel von Trieb, Gefühl und bürgerlicher Moral kennt und als Künstler die Klaviatur der Sprache beherrscht: Arthur Schnitzler. Anfangs betätigt sich der 1862 geborene Sohn eines renommierten jüdischen Kehlkopf-Spezialisten als medizinischer Fachautor mit Spezialgebieten wie „Hypnose und Suggestion“. 1892 wechselt er, inspiriert durch Freunde wie Hugo von Hofmannsthal und Sigmund Freud, spektakulär das Fach. „Sterben“ heißt seine erste Novelle, und genau darum geht es. Genauer: um einen jungen Mann, der erfährt, dass er nur noch ein Jahr zu leben hat, und um seine Liebste, die ihm verspricht, mit ihm aus dem Leben zu scheiden. Was der junge Mann zunächst heroisch zurückweist. Im Lauf der Zeit aber … Innerer Monolog: Was dem Gustl so durch den Kopf geht Nicht so sehr der Stoff, mehr noch die unbarmherzige Präzision, mit der Schnitzler das Innenleben seiner Figuren behandelt, ist ein Schock. Noch mehr erschüttert die Wiener Gesellschaft eine weitere Novelle, „Leutnant Gustl“, die einen nie zuvor so virtuos angewendeten Kunstgriff in die deutschsprachige Literatur einführt – den inneren Monolog. Kein Erzähler bringt uns das Geschehen nahe; der Leser wird angesaugt und mitgerissen vom Gedankenfluss des Helden. Ein sauberer Held: Von einem Bäckermeister insultiert, will sich Leutnant Gustl duellieren, was der Handwerker dem „dummen Bub“ sehr handfest ausredet. In seiner Leutnantsehre verletzt, trägt sich Gustl eine Nacht lang mit Selbstmordgedanken. Doch der Morgen bringt eine andere, viel banalere Lösung seines Problems. Sex, Schmäh und Schulterklappen Eine Stütze der Gesellschaft als labiler Lackl, ein Offizier als ziemlich dummer August – nicht nur die in Teilen antisemitische Presse will dem Autor sowas nicht durchgehen lassen. In einem Schnellverfahren erkennt die Militärführung Schnitzler den Rang eines Reserveoffiziers ab, den er als Militärarzt erworben hat. Es ist nicht der einzige Skandal, den der Autor mit seiner Lust am Konventionsbruch provoziert. Seine Komödie „Reigen“, eine Art erotischer Staffettenlauf in zehn Szenen – oder auch: Akten – löste in Wien und Berlin Saalschlachten aus und erlebte einige Jahre lang mehr Aufführungen vor Gericht als auf der Bühne. Schnitzler zieht das Stück zurück, bleibt als Prosa- und Theaterautor aber immer produktiv, schafft großartige, an Tschechow erinnernde Stücke wie „Der einsame Weg“ und „Das weite Land“ und Prosa wie die „Traumnovelle“, die Stanley Kubrick 1999 unter dem Titel „Eyes Wide Shut“ verfilmt. Am Ende greifen die Anfeindungen vieler Zeitgenossen und der Selbstmord seiner Tochter auch sein Nervenkostüm an. Am 21. Oktober 1931 stirbt Schnitzler an einer Hirnblutung.

Mo, 14. Mai · 01:20-03:15 · Das Erste (ARD)
Es war Nacht in Rom

Italien, 1943. In dem von deutschen Truppen besetzten Land gelingt drei Kriegsgefangenen die Flucht: Der Brite Michael, der Russe Fyodor und der verletzte Amerikaner Peter finden Unterschlupf auf einem Bauernhof. Da es dort zu gefährlich wird, nimmt die Schwarzmarkthändlerin Esperia die Männer mit nach Rom. Zunächst eher widerwillig versteckt sie die Männer auf dem Dachboden ihrer kleinen Wohnung und versucht gemeinsam mit ihrem Freund, dem Widerstandskämpfer Renato, die weitere Flucht zu organisieren. Doch der Verrat eines Nazi-Kollaborateurs droht den Plan zunichtezumachen. Obwohl mehrfach preisgekrönt, gehört das Kriegsdrama „Es war Nacht in Rom“ zu den unbekannteren Meisterwerken von Roberto Rossellini. Die Hauptrollen spielen Giovanna Ralli, Leo Genn und Renato Salvatori. Italien, Ende 1943. Drei Kriegsgefangenen gelingt die Flucht aus einem Lager der deutschen Besatzungsmacht: Der britische Major Michael Pemberton (Leo Genn), der amerikanische Lieutenant Peter Bradley (Peter Baldwin) und der russische Sergeant Fyodor Nazukov (Sergei Bondarstchuk) kommen zunächst auf dem Hof eines italienischen Bauern unter, müssen jedoch schleunigst ein neues Versteck finden. In dieser Situation trifft die Nonne Esperia (Giovanna Ralli) mit zwei weiteren Ordensschwestern auf dem Landgut ein, um Lebensmittel zu kaufen. Schnell stellt sich heraus, dass die klerikale Tracht nur der Tarnung dient: In Wahrheit handelt es sich bei Esperia um eine Schwarzmarkthändlerin, die neue Ware braucht. Auf Drängen des Bauern nimmt sie die Männer denn auch nicht aus Nächstenliebe mit nach Rom, sondern gegen Bezahlung. Esperia versteckt sie auf dem Dachboden ihrer kleinen Wohnung, will sie aber so schnell wie möglich wieder loswerden. Erst ihr Verlobter, der Widerstandskämpfer Renato (Renato Salvatori), kann sie überzeugen, die drei nicht einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Gemeinsam mit seinen Freunden will er ihnen bei der weiteren Flucht helfen. So harren die Männer in ihrem Versteck aus, und im Laufe der Wochen entwickelt sich nicht nur zwischen den Soldaten trotz aller Unterschiede und Sprachbarrieren eine aufrichtige Freundschaft – auch Esperias Verhältnis zu ihren Schützlingen wird immer herzlicher. Die ungleiche Gruppe, geeint in ihrem Hass gegen die Nazis, verbringt sogar gemeinsam ein harmonisches Weihnachtsfest. Wenig später aber gehen Esperia, Fyodor und Renato den Deutschen in die Falle, verraten von einem Nazi-Kollaborateur. Nun müssen auch Peter und Michael um ihr Leben fürchten.

Mo, 14. Mai · 03:05-04:25 · arte
Flipping out

Zahlreiche junge Israelis reisen, nachdem sie ihren Wehrdienst häufig in Krisenregionen abgeleistet haben, nach Indien. Dort geben sie ihre Abfindung für Drogen aus und versuchen – auf an Verzweiflung grenzende Weise – ihr Leben zu genießen. Die Kombination ihrer im Krieg erlittenen Traumata mit massivem Drogenkonsum stürzt nicht wenige der ehemaligen Rekruten in paranoide Zustände. Filmemacher Yoav Shamir hat einige von ihnen zurück nach Israel begleitet und ihre Rehabilitationsversuche beobachtet. Nach Ableistung ihrer dreijährigen Wehrpflicht erhalten junge Israelis – Männer wie Frauen – einen Abschlusssold von 15.000 Schekel. Viele verwenden diese Abfindung für eine Reise nach Indien. Dort investieren sie das Geld in Drogen aller Art. Sie rauchen Wasserpfeife, liegen in Hängematten und feiern ausgelassen bis in die Morgenstunden. Dennoch können sie nicht entspannen. Viele der ehemaligen Rekruten sind von den Militäreinsätzen in den besetzten Gebieten traumatisiert. Und der exzessive Drogenkonsum hat weitere schwerwiegende Folgen für die ohnehin schon labile Psyche. Jährlich benötigen rund 2.000 der israelischen Aussteiger nach ihrem Indientrip wegen des „Flipping out“ genannten Phänomens professionelle Hilfe. Einige von ihnen leiden unter Paranoia und verschanzen sich, aus Angst ermordet zu werden, in Hütten. Andere stellen sich fiktive neue Lebensaufgaben und versuchen zum Beispiel die indische Region Goa in einen Orangenhain zu verwandeln – notfalls mit Waffengewalt. Zahlreiche religiöse und weltliche Organisationen nehmen sich der mitunter noch sehr jungen Leute vor Ort an und veranlassen Rehabilitierung und Rückreise. Über zwei Jahre lang begleitete Filmemacher Yoav Shamir („Checkpoint“, „5 Days“) die israelischen Aussteiger. Sein dritter politischer Dokumentarfilm „Flipping out“ zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die aus den Fugen geraten ist. Die Porträts bezeugen tiefgreifende Psychosen, in denen sich traumatische Kriegserlebnisse untrennbar mit der Euphorie über die wieder gewonnene Freiheit vermischen. Der Gedanke an eine Rückkehr ins zivile Leben scheint für viele in ungreifbarer Ferne zu liegen.

Mo, 14. Mai · 06:00-07:05 · arte
Konzertsommer in Aix-En-Provence – Nawah

„Nawah“ heißt das gemeinsame Album zweier Sänger mit unterschiedlichen Wurzeln: der Französin Françoise Atlan und des Palästinensers Moneim Oudwan. Es verbindet jüdisch-sephardische und arabische Musiktraditionen und wurde auf dem Konzertsommer in Aix-en-Provence 2008 vorgestellt. An der Percussion und am Zarb, der persischen Handtrommel: Bijan Chemirani. Im Sommer 2008 stand beim Opernfestival von Aix-en-Provence auch arabisch-andalusische Musik auf dem Spielplan. Die französische Sängerin Françoise Atlan gab zusammen mit dem palästinensischen Ud-Spieler und Sänger Moneim Oudwan ein Konzert mit arabisch-andalusischer Musik. Françoise Atlan ist in Aix-en-Provence fast zu Hause. Dort hatte sie ihr Musikstudium absolviert bevor sie nach Paris ging, um an der Pariser Oper ihre Stimmausbildung zu vervollkommnen. Sie kommt au seiner sephardischen Familie aus Narbonne, ihr Vater war aber lange Jahre in Nordafrika als Diplomat tätig. Schon als Kind hatte sie dort Gelegenheit, sich die „Nuba“ anzueignen, einen traditionellen Gesangsstil, der eigentlich den Männern vorbehalten war. Ihr erstes Album „Romances Sefardies“ wurde 1992 von der Kritik einhellig gefeiert und startete ihre Karriere in Europa, Afrika und Amerika. Ihr Stil ist stark von den sephardischen Traditionen Nordafrikas und Andalusiens beeinflusst, sie singt auf sephardisch, spanisch, okzitanisch und auch arabisch. 2008 erschien, in Zusammenarbeit mit Moneim Oudwan, das Album „Nawah“. „Nawah“ war auch das Motto des Konzertes in Aix-en-Provence, in dem die Musik eines fernen, vergangenen Andalusiens wieder auflebte, aus der Zeit vor der Reconquista, der Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch die Christen, eines Ortes, an dem Juden, Araber und Europäer in Eintracht zusammenlebten.

Mo, 14. Mai · 23:00-00:40 · MDR
Das höhere Prinzip

Protektorat Böhmen und Mähren 1942: SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, stellvertretender Reichsprotektor, fällt in Prag einem Attentat von tschechischen Nazigegnern zum Opfer. Wahllos erschießt die SS tagelang unschuldige Menschen, die angeblich das Attentat gebilligt haben. Die fürchterliche Rache macht auch vor Kostelec, einer böhmischen Kleinstadt, nicht halt. Dort bereiten sich die Schüler eines humanistischen Gymnasiums auf das Abitur vor. Ein Klassenkamerad denunziert seine Mitschüler Vlastimil Rysánek (Ivan Mistrik), Frantisek Havelka (Jan Smíd) und Karel Moucka (Alexander Postler), einer von ihnen hat ein Zeitungsfoto von Heydrich mit einem Schnurrbart versehen. Kurz darauf werden die Jungen während ihres schriftlichen Lateinabiturs von der Gestapo verhaftet und standrechtlich zum Tode verurteilt, das Soll an Erschießungen muss stimmen. Ihre Mitschülerin Jana (Jana Brejchová) fleht ihren Vater, den Rechtsanwalt Dr. Skála (Otomar Krejca), an, etwas zu unternehmen, doch der bleibt vor Angst untätig. Ganz anders Prof. Málek (Frantisek Smolik), der Lateinlehrer. Seine Schüler nennen ihn „Das höhere Prinzip“, weil er fest an das von antiken Philosophen hergeleitete Prinzip der Sittlichkeit glaubt, an die klassischen Ideale des Rechts und der Menschenwürde. Er lehnt sich als Einziger gegen die Verhaftung auf, geht zu Obersturmbannführer Worliczek (Hannjo Hasse), dem Gestapo-Chef der Stadt, und bittet um Gnade. Sein Gegenüber ist sogar ein wenig gerührt von dem alten Mann und bereit, die Jungen zu verschonen. Doch die Maschinerie läuft bereits, Worliczek greift nicht ein. Die Schüler werden erschossen und die Namen der Hingerichteten per Lautsprecher im Städtchen verkündet. Die Reaktionen im Kollegium sind sehr verschieden, ein Kollege schreibt eine Loyalitätsbekundung gegenüber den Deutschen. Doch Professor Málek tritt vor seine Klasse, protestiert gegen den Mord und fordert seine Schüler zum Kampf gegen die Tyrannei auf.

Di, 15. Mai · 22:45-23:30 · HR
1948 – jüdischer Traum, arabisches Trauma

14. Mai 1948. Ein schicksalhafter Tag für Juden und Araber, ein Tag, dessen Auswirkungen bis heute die Weltpolitik bestimmen. Für die Juden geht an diesem Tag das 2000-jährige Exil zu Ende – der Staat Israel wird ausgerufen. Für die Palästinenser steht dieses Datum als Symbol für die Nakba – die massenhaften Flucht und Vertreibung aus ihren Dörfern und Siedlungen. Der Film beleuchtet die historischen Ereignisse anhand persönlicher Schicksale jüdischer und palästinensischer Protagonisten. Sie erzählen ihre Geschichte eindringlich und fern von ideologischen Schilderungen. Danny Angel, jüdischer Bäckersohn, wurde 1919 geboren. Seine Familie lebt seit acht Generationen in Jerusalem. Spannungen zwischen Juden und Arabern kannte er als Kind nicht. Er studierte in Beirut, lernte seine Frau kennen – eine libanesische Jüdin. Erst allmählich wandelt sich die Realität in Palästina in den dreißiger Jahren, nach Ausbruch der arabischen Revolte, angeführt von dem Großmufti aus Jerusalem, einem Bewunderer Adolf Hitlers. Danny Angel schließt sich der Hagana, der jüdischen Untergrundarmee, an, kämpft in der jüdischen Brigade der britischen Armee und schließlich beim israelischen Militär. Vor allem aber kämpft er für das, was er aus seiner Kindheit kennt: ein friedliches Zusammenleben. In seiner Bäckerei, mittlerweile eine der größten im Land, arbeiten Juden und Araber seit Generationen im Betrieb. Die Araberin Saada Suleiman stammt aus einem Dorf bei Haifa, im Norden des damaligen Palästina, hütete Schafe und Ziegen, deren Milch sie an die Juden aus dem Nachbardorf verkaufte. Dann aber, im Winter 1947, brachen die Kämpfe zwischen Juden und Arabern aus. Der Imam forderte die Dorfbewohner auf, zu fliehen. Saada und die Familie fuhren in den Libanon, gingen davon aus, in wenigen Tagen zurückzukehren. Mittlerweile ist Saada 86 Jahre alt und lebt noch immer in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Südlibanon – staatenlos und ohne Recht auf eigenen Grundbesitz. Danny Angel und Saada Suleiman: zwei von sieben Protagonisten, deren Geschichten deutlich machen, wie tragisch der Konflikt um ein kleines Stück Land und die Sehnsucht nach der Heimat für beide Völker ist. Esther Eisen überlebte als einzige in ihrer Familie den Holocaust. Mit ihrer großen Liebe Jakob kam sie nach Israel, um hier ein neues Leben zu beginnen. Doch Jakob zog in den Krieg, um das junge Land zu verteidigen. An allen Fronten marschierten arabische Militärs ein. Jakob fiel und ließ Esther alleine zurück – Witwe mit zwanzig Jahren. Abdel Al Jamal spielte als arabischer Junge mit den jüdischen Nachbarskindern Fußball. Dann brach der Krieg aus, seine Familie floh. Er durfte mit seiner Mutter zurückkehren in seine Heimatstadt Akko, die nun zu Israel gehörte. Sein älterer Bruder musste im Libanon bleiben. Seitdem haben sich die Brüder nicht mehr gesehen. Es sind Geschichten aus der Anfangszeit des Staates Israel, die in der aktuellen politischen Debatte um die Zukunft längst in Vergessenheit geraten sind, ohne die sich die Gegenwart jedoch nicht verstehen lässt. Wer wirklich interessiert ist, eine Lösung für diesen tragischen schmerzlichen Konflikt zweier Völker zu finden, der muss Menschen wie Esther Eisen und Saada Suleiman zuhören.