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Ein glückliches Fest für Großvater und Enkelsohn

Der Jubilar wirkte beglückt – vom Beginn der «Baumfeier» an bis zum Ende des literarisch-musikalischen Programms. Es war ein Geburtstagsfest in großer, herzlicher Gemeinschaft von Familienmitgliedern, alten und jungen Freunden, Wegbegleitern und Fremden, aus denen dann neue Zugehörige wurden. Im Mittelpunkt :Der stille, bescheidene, aber Freude ausstrahlende  Peter Finkelgruen…

Von Maria Heer

Der Wahl-Kölner Schriftsteller hatte zunächst keine Ehrung zu seinem 70. Geburtstag gewollt. Roland Kaufhold, als ein langjähriger Freund Initiator der Veranstaltung, erlebte während der Vorbereitungen nach der ersten Zusage immer wieder Skepsis bis Ablehnung. Aber es gab auch gute Überraschungen: Sofortige Begeisterung bei der Bezirksverwaltung Köln-Lindenthal, in deren Grenzen Peter Finkelgruen wohnt und der Baum gepflanzt werden sollte, und spontane Unterstützung von vielen Seiten.

Roland Schüler (Die Grünen), stellvertretender Bezirksbürgermeister, motivierte das Gründflächenamt der Stadt Köln, sonst eben nicht für Blitzaktionen bekannt,  binnen weniger Wochen ein Lindenbäumchen zu setzen. Die Finanzierung, samt zugehörigen Findelsteinen und Gedenkplakette für Martin Finkelgrün (1876-1942), war plötzlich gesichert. Ideelle und praktische Hilfe leisteten Vertreter/innen vieler Institutionen und Vereinigungen wie das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, der Verein El-DE-Haus, die Melanchthon-Akademie Köln, Tal Kaizman vom Jüdischen Nationalfonds KKl und andere.


Während der Baumpflanzung, Foto:
© Jan Krauthäuser

So entstand, auf dem Grünstreifen des Kölner Sülzgürtels, ein Erinnerungssort, ein «Grab» für  den erschlagenen verschollenen  Großvater, und so wurde auch das Herz des Enkelsohns gewonnen für den öffentlichen 70. Geburtstag.

Peter Finkelgruen hat seinen jüdischen Großvater, den er nie kennenlernen durfte,  aus der Vergessenheit geholt (siehe Themenschwerpunkt Peter Finkelgruen), aber eine Stätte des Gedenkens gab es für ihn nicht. Er fühle sich  so eng verbunden mit ihm wie nie vorher, sagte der Enkel. «Großmutter Anna liegt auf dem Südfriednof, jetzt ist  Großvater wieder nahe bei seiner Frau.»

«Erinnerung stärkt unsere Demokratie», so Dr. Gerhart Baum, ehemals Innenminister der Bundesrepublik. In jungen Jahren hatte er als liberaler Politiker zusammen mit Peter Finkelgruen der «Schlussstrich-Mentalität» der Nachkriegsgesellschaft entgegengewirkt. Alle Redner beeindruckten durch ihre Unmittelbarkeit,  sie sprachen aus tiefer Überzeugung. Nadine Engelhardt, Geschäftsführerin des Verbands deutschsprachiger Schriftsteller im Ausland, wandte sich an  den frisch gepflanzten Baum als « Symbol der Hoffnung » und « Träger des Lebens».


Im Norden Israels soll ein Wald entstehen, der nach Peter Finkelgruen benannt wird, © www.suelz-koeln.de

Ein Höhepunkt der anschließenden musikalisch-literarischen Feier: der türkische Schriftsteller Dogan Akhanli mit «Die Fremde und eine Reise im Herbst». Pfarrerin Ulrike Gebhardt hatte in der Paul-Gerhard-Kirche Lindenthal kostenlos einen Gemeinderaum zur Verfügung gestellt, und hier ging es nicht mehr um Großvater Martin, sondern um den nun 70-jährigen Enkel Peter. Dogan Akhanli, nicht freiwillig in Köln «zu Hause», verdeutlichte die Seelenverwandtschaft der Flüchtenden – vor welchem Regime auch immer – die keine Heimat mehr suchen, sondern Aufgenommensein und Leben in der Freiheit.


Roland Kaufhold und Dogan Akhanli enthüllen den durch das KKL-Tuch verdeckten Gedenkstein, © www.suelz-koeln.de

Die Spannung zwischen Abschied vom Alten und  Eroberung neuer Horizonte, zwischen Schmerz des Loslassens und Sehnsucht nach Freiheit, brachte die Sängerin Dalia Schaechter in ihren Liedern zu Gehör. Ihre warme, wunderbare Stimme nahm das Publikum gefangen, und die poetischen Texte berührten wohl jeden.

Dann kam – mit der Lesung heiterer Passagen aus den Büchern Peter Finkelgruens und seiner Frau, der Schriftstellerin Gertrud Seehaus – fröhliche Stimmung in der Festgesellschaft auf. Als zum Schluss ein vielstimmiges «Happy birthday» erklang, waren der Jubilar und seine Gästeschar beglückt wie von einem großen Geschenk.


Gruppenbild vor dem EL-DE-Haus, © Tal Kaizman