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Griechenland: Präsident attackiert Schäuble

Der griechische Präsident Karolos Papoulias hat bei einem Treffen mit Generälen am Mittwochabend den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble sowie die Niederlande und Finnland angegriffen. Sie hatten zuvor gemahnt, dass Athen kein Fass ohne Boden werden dürfe. Auch wenn sich manche Europäer zu sehr in griechische Belange einmischen, sollte man laut Kommentatoren den Hass mit solchen Ausbrüchen nicht noch schüren…

Europäische Presseschau vom 17/02/2012 – eurotopics

Lidové noviny – Tschechien
Verbietet Schäuble bald Wahlen in Frankreich?
Im Poker um neue Finanzhilfen für die Regierung in Athen liegen in Deutschland und Griechenland mittlerweile die Nerven blank, konstatiert die konservative Tageszeitung Lidové noviny und fordert etwas mehr Zurückhaltung: „Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble schlägt öffentlich in einem Radio-Interview vor, die für April geplanten Wahlen in Griechenland zu verschieben und in Athen eine rein technokratische Regierung ohne Politiker zu installieren. Man könne nicht länger Geld in ein Fass ohne Boden stecken. Damit brachte er den griechischen Präsidenten Karolos Papoulias zu einem Wutanfall. … In Berlin und Athen verliert man die Geduld. … Was kommt nun als nächstes? Werden jetzt die Präsidentschaftswahlen in Frankreich abgesagt, weil Nicolas Sarkozy womöglich durch den Sozialisten Hollande abgelöst wird, dem der deutsche Stil der Haushaltsaufsicht nicht passt?“ (17.02.2012)

Kathimerini – Griechenland
Deutsche nicht faschistisch, Griechen nicht faul
Deutschland ist nicht nur die Heimat von Politikern wie Schäuble und Merkel, die gerade angefeindet werden in Griechenland, sondern auch von Goethe, Marx, Brecht und Thomas Mann, erinnert die Kolumnistin Xenia Kounalaki ihre Landsleute und ruft in der konservativen Tageszeitung Kathimerini dazu auf, die Wut gegen Deutsche nicht zu verallgemeinern: „Diejenigen, die mit der deutschen Kultur vertraut sind, deutsche Freunde und familiäre sowie andere emotionale Verbindungen mit Deutschland haben, können diese Raserei nicht verstehen. Wenn man die Aussagen von Finanzminister Wolfgang Schäuble oder die ärgerlichen Artikel der Bild-Zeitung mit dem ganzen deutschen Volk oder der ganzen deutschen Presse gleichsetzt, ist das eine genauso unfaire Verallgemeinerung wie das Stereotyp des faulen Griechen, der den ganzen Tag im Café sitzt und über seine Verhältnisse lebt. … Es ist einfach lächerlich, wie manche versuchen, die Tradition eines ganzen Landes auf so unglückliche Vergleiche zu reduzieren wie heutiges Deutschland – Viertes Reich, Goebbels – Schäuble, Hitler – Μerkel.“ (16.02.2012)

ABC – Spanien
Der Hass darf Europa nicht zerstören
Dass in Griechenland selbst ein Deutschlandfreund und -kenner wie der Präsident Karolos Papoulias den deutschen Finanzminister so hart attackiert, macht der konservativen Tageszeitung ABC Angst: „Natürlich stimmt es auch, dass die deutsche Boulevardpresse Unsinn über ‚das Volk der Faulheit‘ verbreitet und ihm empfiehlt, ‚die Inseln zu verkaufen‘ oder ‚die Akropolis zu versteigern‘. Die deutschen Politiker forderten diesbezüglich aber stets Respekt und Zurückhaltung. Manche griechische Politiker hingegen ließen sich auf das Spiel der Presse ein und badeten in der Hass-Orgie gegen die Deutschen. Die Bilder von brennenden Deutschlandflaggen oder Merkel-Karikaturen in SS-Uniform fördern nicht gerade die deutsche Solidarität. Der primitive Hass könnte über die europäische Freundschaft siegen, deren sichtbarste Personifizierung Papoulias ist. Die EU wurde nach zwei großen Kriegen geschmiedet, um den Hass zu verbannen. Lassen wir es nicht zu, dass wir erneut den Hass gegen die anderen schüren, um von unserer eigenen Verantwortung und Unzulänglichkeit abzulenken.“ (17.02.2012)