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TLV – FFM – MUC – BLN: Jewrhythmics

„Yiddish is dead? Long live Yiddish!” schreiben Jewrhythmics im Manifest zu ihrem Debütalbum. Die vermeintlich tote Sprache erlebt seit Ende des 20.Jahrhunderts vor allem außerhalb Israels wieder eine erstaunliche Renaissance. Ähnlich ergeht es der Disco-Musik – jenem leicht tanzbaren Genre, dem schon so viele Male das Ende vorausgesagt wurde. Doch es erweist sich auch heute noch als extrem widerstandsfähig und wird in immer neuen Metamorphosen wiedererweckt…

Jewrhythmics Tour Dates

21.01.: Tel Aviv / Comfort 13
27.01.: Frankfurt / Nachtleben
28.01.: München / Ampere
30.01.: Berlin / Lido

Jiddisch ist das – mit althebräischen Wörtern angereicherte – mittelalterliche Mittelhochdeutsch. Jiddisch war zwar innerhalb des europäischen und russischen Judentums weit verbreitet, aber innerhalb des jüdischen (Groß-)Bürgertums bis zur Shoa als die Sprache der Underdogs verpönt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Jiddisch mit der massiven jüdischen Emigration nach Amerika die Umgangssprache der jüdischen Einwanderer. Doch wieder wurde es zu einer letztlich aussterbenden Sprache, die durch das Englische abgelöst wurde.

Jewrhythmics Musik ist eine aufregende Mixtur der beiden so oft totgesagten Gattungen und sprudelt dabei voller, neu eingehauchter Lebensenergie. Nur noch selten gibt es in der aktuellen Musik Momente des bisher Ungehörten. Und nur noch selten gibt es Projekte, die die geläufigen Pfade verlassen, um musikalisches Neuland zu betreten. Das Projekt Jewrhythmics wagt solch einen Schritt auf ungewohntes Terrain, indem es verbindet, was bisher nicht verbunden wurde: Jiddische Klassiker eingebettet in Synthie-Sounds der 80er-Disco-Ära.

Dabei arbeiten Jewrhythmics auf der Disco-Achse Moskau/Tel Aviv. Die eine Stadt, in der 70/80er-Sounds von den Radiosendern rund um die Uhr ausgestrahlt werden, triff auf jene andere, in der sich das mittelöstliche Zentrum der Techno-Clubkultur befindet. Doch Jewrhythmics reproduzieren den Disco-Sound nicht digital, sondern im Sinne einer Reminiszenz an die frühe Disco-Ära mit einer Vielzahl von analogen Synthezisern und klassischen Instrumenten (Gitarren, Akkordeon, Klarinette und mehr). Über die so entstehenden sphärischen Klänge schwebt der ursprüngliche und unverfälschte jiddische Gesang wie das wellenförmige Echo einer vergangenen Epoche.

Die spannende Discoformation führt auf ihrem Debütalbum nicht nur den Dick-Dale-Klassiker „Misirlou“ nach Hause, sondern schafft insgesamt neun zeitlose Stücke voller synthetischer Klänge und eingängiger Melodien, die eine außergewöhnliche Melange ohne Pathos bilden – neue, so noch nicht gehörte Sounds sowohl für jüdische Familienfeste als auch für die angesagten Clubs in der westlichen Hemisphäre.

Jewrhythmics Manifest

Um die geheimnisvollen Kräfte der Kunst zu bändigen, muss man sie aus einer wilden Attacke heraus gebären, nahezu so als würde man sie zu Boden ringen, um sie der Menschheit entblößt zu präsentieren. Unsere Gefühle und Gedanken sind nicht unsere eigenen, denn wir sind lediglich eine Verlängerung des längst Vergangenen, das in uns weiterlebt. Aus den Tiefen des Tel-Aviv-Moscow Widerstands mit fanatischem Augenmerk aufs Detail und Verwendung analoger Maschinen von vorvorgestern entstehen Songs aus der Symbiose von Yiddish und Italo Disco. Tote Musik mit einer toten Sprache, welche sich in einem Untergrund-Club genauso passend anhört wie auf einer Bar Mitzwa. Koschere Ernährung für die nicht notwendigerweise koscheren Seelen.
Jiddisch ist tot? Es lebe Jiddisch!

[BESTELLEN?]

Tracklisting: 01. Misirlou – 02. Chiribim – 03. Papirossen – 04. Goldene Chassene – 05. Hava Nagila – 06. Kinder Yoren – 07. 5th Avenue Square Dance – 08. Vu is dos Gessale – 09. Ich hob dech lib – Bonus – 10. Misirlou Video

http://www.jewrhythmics.com/