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Lieber sein lassen? Israel und die Beatles

In welchem Land steht ein John-Lennon-Wald? In welchem Land strahlte ein Radiosender eine 60teilige Serie über die Geschichte der Beatles aus? In welchem Land sammelt ein Parlamentsmitglied Raubkopien der Beatles? Die Antwort auf all die Fragen ist: Israel…

Doch die ungebrochene Sympathie für die Fab Four aus Liverpool, die Dauerbeschallung israelischer Radiosender mit Beatles-Hits, war nicht immer der Fall. In der Zeit, als die Beatles-Euphorie über die westliche Hemisphäre schwappte, war Israel ein Beobachter am Rande, der beim großen Spiel der Jugend nicht mitspielen mochte. Zwar lasen Israelis zu Beginn und Mitte der 1960er über die Beatles, einige Titel der Bands schafften es auch in Radiostationen der Region, vor allem auf den Äther von «Radio Ramallah» – zu der Zeit eine Art «Radio Luxemburg» des Nahen Ostens, das vornehmlich westlichen Pop spielte – aber zu einem Auftritt der berühmtesten Band aller Zeiten in Israel selbst sollte es nie kommen.

Im Jahr 1965, auf dem Höhepunkt der «Beatlemania», waren bereits alle Vorbereitungen für ein Konzert in Israel getroffen, die Band eingeladen, die Eintrittskarten gedruckt. Kurz vor Konzerttermin versagte jedoch die israelische Regierung die Finanzierung.

Nach bekannten Überlieferungen sollen Einwände der Politiker, ein Auftritt der Band könnte schlechten Einfluss auf die israelische Jugend haben, die Verweigerungshaltung begründet haben. Der Hauptverantwortliche für die peinliche Entscheidung soll der damalige Erziehungspolitiker, Yaakov Schneider, getragen haben. Dessen Sohn, Yossi Sarid, selbst Erziehungsminister in den 1990er Jahren, verweist die Geschichte ins Reich der Legenden.

Jahrelang rankten sich Erzählungen und Streits um die verpasste Chance des Auftritts der Beatles. Anfang des Jahres 2008 hat der israelische Botschafter in London, Ron Prosor, den verbleibenden Mitgliedern der Beatles in persönlichen Treffen eine Entschuldigung ausgesprochen: «Wir möchten die Gelegenheit ergreifen, den historischen Fehler zu korrigieren. Unglücklicherweise sagte der Staat Israel Ihren Auftritt ab wegen mangelnden Budgets und weil einige Politiker glaubten, dass Ihre Darbietung den Geist der israelischen Jugend verderben könne. Zweifellos war es eine große, vertane Chance, Menschen wie Ihnen, die die Gedanken einer Generation geprägt haben, das Kommen nach Israel zu versagen und vor der jungen Generation, die sie so sehr bewundert hat und weiterhin bewundert, in Israel aufzutreten.» Prosor lud die Bandmitglieder zu den 60-Jahres-Feiern nach Israel, um dort «eine zweite Chance zu erhalten, in Israel zu spielen.»
Die höchstoffizielle Entschuldigung und Einladung war Teil einer Charmeoffensive des israelischen Außenministeriums. Ob das Angebot die noch lebenden Beatles-Mitglieder berührte, bleibt fraglich. Die Fab Four konnten wahrscheinlich anno 1965 recht gut ohne den Auftritt in Israel leben. Wäre eine Entschuldigung nicht viel eher an die israelische Öffentlichkeit zu richten gewesen, der durch eine seltsame Regierungspolitik ein Stück Jugendkultur verwehrt blieb?

Dani Motekend, Jüdische Zeitung