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Leid und Sehnsucht im Bildwerk

„Die Wanderungen der Söhne Israels“, eine Ausstellung der Galerie Skizza in Jerusalem, zeigt Arbeiten von Künstlern der ehemaligen Sowjetunion aus Israel und Deutschland…

Von Maria Heer

Eine kleine, aber höchst bemerkenswerte Kunstschau begann ihren Weg in Köln im «Kulturbunker», einem während der NS-Zeit errichteten Schutzbau, der heute im rechtsrheinischen Mülheim als kulturelles Bürgerzentrum dient. Unterstützt wurde die Ausstellung maßgeblich durch Vera Pelzer vom „Kulturbunker“. Nach Stationen in Mainz und Chemnitz ist die Ausstellung in Moskau und New York zu sehen und kehrt dann nach Jerusalem zurück. Dort sammelte die Galerie Skizza im Auftrag des Ministeriums für Information und Diaspora aktuelle Werke von Künstlern aus den ehemaligen Sowjetstaaten unter dem Titel «Wanderungen der Söhne Israels».

„Wir haben nach Künstlern gesucht, deren eigene Geschichte mit diesem Thema verbunden ist“, sagte Galeristin Marina Schelest. Entstanden ist eine Präsentation von Arbeiten aus Israel und Deutschland, die in unterschiedlicher Form und Technik – vom Wandbild in Rötel und Schwarzlack über Riesen-Reliefs als Triptychon, Fotografien und einer Keramik-Installation bis zur Malerei – selbst erlebte Emigration verknüpfen mit dem kollektiven Schicksal des Judentums.

Eindringlich schildert Rita Ostrowskaya, 1953 in Kiew/Ukraine geboren, die Auswanderung der Familie 2001 nach Deutschland. Die Foto-Serie „Meine Emigration“ (2000-2001, Kiew-Kassel) bringt realistisch und doch voller Poesie das Leid des Abschieds zum Ausdruck. Der auf Fotografien basierende Gemäldezyklus „Meine unfernen Vorfahren“ von Anatoly Baratynsky (1962 in Ufa/Russland geboren und 1991 nach Israel ausgewandert) holt die in der Shoah ermordete Familie bildlich ins Leben zurück. Seine genealogische Spurensuche förderte persönlichste Dokumente zutage, deren jedes den Betrachter mit dem grausamsten Kapitel der Menschheitsgeschichte konfrontiert.

Überraschend ist die überwiegende Figürlichkeit der rund 30 Werke. Nikolai Estis, geboren 1937 in Moskau, seit 1996 in Pinneberg bei Hamburg, nähert sich in seinem Zyklus „Engel“ (2010) am ehesten der Abstraktion. Die Leiden wie die unverbrüchliche Liebe zum Judentum spiegeln sich in der Farbexplosion mit dem schemenhaften, dennoch alles überstrahlenden Himmelsboten.

Maß und Schönheit als Mittelpunkt der vielgestaltigen Ausstellung: „12 Pearls“ (2006) von Nasira Turganbai. Die Keramikerin, 1973 in Kirgistan geboren, kam 2001 nach Deutschland und wurde 2005 Meisterschülerin an der Kunsthochschule Kassel. Ihre meditative Installation von zwölf fast runden Gefäßen und einer offenen Schale in der Mitte, die mit einem Netz feiner Linien überzogen sind, auf Salzgrund symbolisiert die Stämme Israels, die Stadt der zwölf Tore, die ewige Sehnsucht nach dem Land der Verheißung.

Eine stimmungsvolle musikalische Untermalung erfuhr die Eröffnungsveranstaltung durch den Beitrag von Prof. Igor Epstein von der Kölner Weltmusik, Klezmer- und Ästhetikakademie in Köln.

Das Ausstellungsprojekt wird von dem Diaspora- und Informationsministerium, der Stiftung „Genesis“, sowie der Jewish Agency „Sochnut“ unterstützt“. Demnächst wird die Wanderausstellung in der Synagoge in Mainz (13.11. – 21.11.) Chemnitz (23.11.-1.12) sowie abschließend in Moskau, New York und Jerusalem gezeigt.

Ausstellungskatalog (pdf)