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Unter dem Schnee wird meine Rose knospen…

Meinungsfreiheit in der Türkei? Eine Veranstaltung zum Tag des inhaftierten Schriftstellers…

Eine Veranstaltung des PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland (vormals Deutscher PEN-Club im Exil)
unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt Köln, Herrn Jürgen Roters
am

15. November 2011 um 18.00 Uhr
im kleinen Sendesaal des WDR

mit:
Semra Pelek, Journalistin und Autorin
Ragıp Zarakolu, Verleger
Güler Gültekin, Sängerin
Berivan Aymaz, Moderation
Albrecht Kieser, Moderation

mit Beiträgen und Texten von:
Gerhard Baum, Faysal Dağlı, Dalia Schaechter, Angela Spizig, Ulrich Klan, Karin Clark, Hasret Gültekin, Moris Farhi, Doğan Akhan-lı, Edgar Hilsenrath, A. Kadir Konuk, Edzard Reuter, Sabahattin Ali, Günter Wallraff uvm.

Eintritt frei – um Spenden wird beim Eintritt gebeten

Ein Mitschnitt der Veranstaltung wird am Samstag, den 3. Dezember 2011 von 21:05 – 23:00 Uhr in der WDR5-Sendung “Ohrclip” gesendet.

Weitere Informationen und genauer Programmablauf (pdf)

Ein Beispiel von vielen: Ahmet Şık

Am 3. März 2011 wurden elf Personen in Istanbul und Ankara festgenommen, darunter der vielfach ausgezeichnete Journalist und Autor Ahmet Şık. Şık ist bekannt für seine Artikel zu Menschenrechtsangelegenheiten und Arbeitsethik in Publikationen von Nichtregierungsorganisationen. Ahmet Şık gehörte zu den Autoren, die 2007 in einem Artikel über Putschversuche der Streitkräfte berichteten und damit zur Ergenekon-Enthüllung beitrugen.

Im Rahmen der Festnahmen wurden zahlreiche Privatwohnungen, die Şık vertretende Anwaltskanzlei, ein Verlag und die Räume der türkischen Tageszeitung Radikal durchsucht. Dabei wurden Computer, CDs und die gesamten Archive beschlagnahmt. Im Zusammenhang mit den Festnahmen und Durchsuchungen wurde das bislang unveröffentlichte Buch Imamın Ordusu (dt: Die Armee des Imam) von Ahmet Şık durch die Ermittlungsrichter verboten. Zur Begründung wurde angeführt, das Buch lasse den Ergenekon-Mitgliedern moralische Unterstützung zukommen, weshalb es als Dokument einer terroristischen Vereinigung deklariert wurde. Wer das Dokument nicht den Behörden übergebe, könne gemäß Artikel 124 des türkischen Strafgesetzbuches bestraft werden. Dadurch wurde sogar der Besitz des Manuskripts unter Strafandrohung gestellt.

Der Fall löste national und international heftige Kritik aus. Weltweit protestierten zahlreiche Journalisten- und Menschenrechtsorganisationen gegen die Verhaftung von Ahmet Şık und weiteren Autoren und Journalisten in der Türkei.

„Die Armee des Imam“

In dem noch unveröffentlichten Buchmanuskript mit dem Titel „Die Armee des Imam“ geht es um den Einfluss der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen auf die türkischen Sicherheitskräfte. Das Buch beschreibt, wie Anhänger von Fetullah Gülen seit Mitte der achtziger Jahre die Polizei unterwandert haben. Bereits 80 Prozent des türkischen Polizeiapparates sollen zur Gülen-Bewegung gehören. Das Manuskript gibt Angaben zu Beförderungen und Versetzungen von Beamten, die zur Gemeinde gehören oder ihnen kritisch gegenüber stehen. Die Frage, ob die Polizei der bewaffnete Arm der Gemeinde sei, führte zum Titel des Buches.

Am 31. März 2011 wurde eine Kopie des Entwurfs „Die Armee des Imam“ unter dem Titel „Wer berührt, verbrennt“ (tr: dokunan yanar) ins Internet gestellt. Bereits am ersten Tag wurde das Manuskript über hunderttausend Mal heruntergeladen.

Der Anklageschrift zufolge wird Ahmet Şık die Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen. Darauf steht eine Strafe von 7,5 bis 15 Jah-ren Haft. Die erste Verhandlung soll am 22. November 2011 in Istanbul stattfinden.