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„Sodom und Gomorra“ am Toten Meer

Verspätete Busse, politischer Widerstand und ungerufene Voyeure mit Teleskopkameras hätten das Fotoprojekt des jüdisch amerikanischen Fotografen Spencer Tunick in letzter Minute fast zum Scheitern gebracht, 1200 Israelis, hauptsächlich Männer, zwischen 20 und 77 Jahre alt, bei Sonnenaufgang im austrocknenden Toten Meer abzulichten…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 17. September 2011

Der fromme Abgeordnete Zevulon Orlev bezeichnet das Projekt als „Verstoß gegen öffentliche Keuschheit“ und nannte es „Sodom und Gomorra“. Die Polizei beschied, dass keine Genehmigung notwendig sei, weil die Versammlung der Nackedeis an einem „privaten Strand“ stattfinde. Zuvor hatte die Regionalverwaltung des Toten Meeres damit gedroht, die Polizei zu rufen, um diese ungenehmigte „öffentliche Provokation“ auflösen zu lassen. In letzter Minute zog zudem ein „größerer Sponsor“ seine Spende zurück, wie eine Zeitung am Samstag in ihrem Online-Dienst meldete.

Der 25 Jahre alte Rafi Gold erklärte im Bus zum Toten Meer: “Ich glaube fest, dass Israel das einzige Land im Mittleren Osten ist, wo ein Massenphotos von Nackten denkbar ist. Israel steht für die Freiheit des menschlichen Körpers, die Freiheit des Geistes und die Freiheit, sich frei zu entfalten.“ Die Idee, am Toten Meer ein Nacktphoto zu machen, wie es Spencer Tunick seit 1992 in Wien, im australischen Sydney, Düsseldorf, Bruges, Mexico City, New York und weiteren 72 Orten der Welt getan hat, kam vor zwei Jahren auf. Zum einen alarmierte das zunehmend schrumpfende Tote Meer die Umweltschützer.

Bis 2050 könnte das einzigartige Meer an der tiefsten Stelle der Welt, 417 Meter unter dem Meeresspiegel, völlig ausgetrocknet sei. Zum anderen hatte die UNESCO einen Wettbewerb über „Weltwunder“ ausgeschrieben. Das Tote Meer erhielt den Zuschlag, kandidieren zu dürfen. Tunick, dessen Vater in Tel Aviv lebt, wollte dem einzigartigen Salzmeer zusätzliche Berühmtheit verschaffen.

Der genaue Ort des Fototermins blieb bis zuletzt geheim. Daran teilnehmen durfte nur, wer sich angemeldet und umgerechnet  etwa 30 Euro entrichtet hat. Die Teilnehmer des Nackedei-Termins waren aufgefordert, warme Kleidung und eigene Verpflegung mitzubringen. Die Organisatoren wollten nur Getränke bereitstellen und die Kleidung der Nackten bewachen, aber keine Verantwortung übernehmen, falls etwas abhanden kommt.

Busse sollten sie am Freitag Abend gegen 1 Uhr nachts abholen und dann zum Toten Meer fahren. Doch viele Busse verspäteten sich aus noch ungeklärten Gründen. Den auszieh-bereiten Teilnehmern war strikt verboten worden, eigene Kameras mitzubringen.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com