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Fragwürdige „Kreta-Feier“ 2011 in Bad Reichenhall

Der Vorsitzende der Soldatenkameradschaft Bad Reichenhall zitiert bei der „Kreta Gedenkfeier 2011“ in Anwesenheit des Kommandeurs der Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“, Johann Langenegger, und Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner aus den Erlebnisberichten des Kriegsverbrechers General Hubert Lanz…

Von E. Maly

Im Mai 2011 ist es 70 Jahre her, dass die nationalsozialistische Wehrmacht – in erster Linie Gebirgsjäger und Fallschirmjäger – die Insel Kreta überfielen und dort ihr völkisches Regime
errichteten. Seit einigen Jahrzehnten gedenken Soldatenkameradschaften unter Teilnahme der Bundeswehr ihren gefallenen Gebirgsjägern auf Kreta, die mit den anderen rund 4800 deutschen Soldaten auf dem Friedhof bei Maleme/Kreta beerdigt liegen.

Rücksichtlose Ausbeutung der Ressourcen mit folgenden Hungersnöten, Tötung tausender Einwohner, Vernichtung der Juden auf Kreta, Zwangsarbeit, Massenerschiessungen und gezielte Zerstörung vieler Dörfer waren die Folgen des mit hohen Eigenverlusten errungenen Sieges dieser Wehrmachtseinheiten gegen britische, neuseeländische Soldaten und deren kretische Verbündete.

Noch im Jahre 2003 griff der Vorsitzende der örtlichen Soldatenkameradschaft Manfred Held die Rede des stellvertretenden Bürgermeisters von Bad Reichenhall in der Jahreshauptversammlung Kameradschaft frontal an und distanzierte sich von den Hinweisen des stellvertretenden Bürgermeisters von Bad Reichenhall

-auf den geschichtlichen Irrsinn des zweiten Weltkrieges ,
-von der Klage über die stattfindende „Heldenverehrung an den Denkmälern“
-und dem kritischen Hinweis des Redners „auf fehlende Hinweise über zivile Opfer und gefallene Feinde“.

Das widerspreche seinem Verständnis von „in Ehre halten der Gefallenen“ und er stellte in Abrede, dass solche Aussagen zu einem Volkstrauertag passen und er distanzierte sich nachdrücklich von Teilen der gehaltenen Rede.

Das nun Manfred Held auf der „Kreta Gedenkfeier 2011“ die Gebirgsjäger bei der Einnahme Kretas als von einem verbrecherischen Regime missbraucht sieht, zeugt von einem grossen Sinneswandel, der aber schon mit seinem vorgetragenen Erlebnisbericht des mörderischen Wehrmachtsgenerals und verurteilten Kriegsverbrechers General Hubert Lanz wieder in Frage gestellt wird.

General Lanz, wie auch seine untergebenen Offiziere, haben den erwähnten Missbrauch organisiert und militärisch wie weltanschaulich untermauert. Wie viele andere Wehrmachtgrössen war er jahrelang im Kameradenkreis der Gebirgstruppe Ehrenvorsitzender und Vorsitzender, obwohl 1948 wegen Kriegsverbrechen zu 12 Jahren Haft verurteilt.

Neben seiner eigenen verheerenden Rolle und der seiner untergebenen Offiziere bei den Judenmorden in Lemberg war General Lanz und die ihm untergebenen Offiziere für die Tötung Tausender italienischer kriegsgefangener Soldaten verantwortlich. Sein Name zieht sich mit einer grossen Blutspur durch viele Gegenden Südost-Europas. Diese Art von Kameradengedenken scheint ein Markenzeichen des Kameradenkreises zu sein.

Warum neben dem immer noch existierenden Bad Reichenhaller Kasernennamen des Antisemiten und NS-Freundes General Konrad nun auch noch die Bundeswehr mit den Erlebnisberichten von General Lanz bei einer Kreta – Feier teilnimmt, ist kaum nachvollziehbar.

Dass der Soldatenkameradschaftvorsitzende gerade bei einer Kreta-Gedenkfeier darauf hinweisen kann, das Appeasement – Politik und Pazifismus in der Vergangenheit eher noch die politische Lage verschlimmert habe, ist geradezu makaber, da der Überfall mit Appeasement überhaupt nichts zu tun hat. Bei diesem Anlass auch noch die Opfer der Konzentrationslager in das Gedenken seiner Kreta-Feier mit einzuschliessen ist vollkommen unhistorisch und widersinnig.

Gerade der Angriffskrieg des Nationalsozialismus in Kreta mit seinen geopolitischen, rassistischen und völkischen Zielen hat dort unendlich viel Leid geschaffen. Mit dem Überfall auf Kreta haben die Gebirgsjäger nicht nur Terror und Mordbrennerei über viele Dörfer gebracht, sondern auch die Vorraussetzungen für die Auslöschung der Juden auf Kreta geschaffen.

Die „Helden“ von Kreta – die missbrauchten Soldaten – haben die Existenz bestehender Konzentrationslager in Europa verlängert und neue Konzentrationslager erst ermöglicht. Das ist die geschichtliche Wahrheit.

Die Verantwortlichen dafür sind damals nicht nur in Berlin und am Obersalzberg gesessen, sondern es waren die Offiziere und Generale der Wehrmacht, die persönliche Mitverantwortung tragen.

Obwohl die Wehrmacht angeblich nicht die Tradition der Bundeswehr begründet, werden laufend unter Anwesenheit der Bundeswehr durch Kameradschaftverbände der Gebirgsjäger die dunklen Kapital ausgeklammert und an fragwürdiger Heldenverehrung festgehalten, sowie mit den Erinnerungen und Aussagen der damaligen Verantwortlichen vollkommen kritiklos eine fragwürdige Traditionspflege betrieben. Das Sozialhilfswerk der deutschen Fallschirmjägerbundes ist z.B. heute noch nach General Student benannt, der für seine Massenerschiessungen und Zerstörungen ganzer Dörfer bekannt war und nie nach Griechenland ausgeliefert wurde.

Auch 2011 ist man mit dem Zitieren eines verurteilten Kriegsverbrechers und der Vermengung von Täter- und Opferperspektiven und -biographien dem Ziel eines angemessenen Gedenkens nicht näher gekommen.