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An diesem 9 / 11 Jahrestag sind wir alle Amerikaner

Menschen auf der ganzen Welt haben das das World Trade Center mit New York, mit dem amerikanischen Traum und auch in vielerlei Hinsicht mit ihren eigenen Träumen assoziiert…

Haaretz Editorial, 11.09.2011

Am Sonntag vor zehn Jahren wurden die USA an zwei Standorten, die ihren Status als Supermacht symbolisierten, angegriffen. Das World Trade Center stand für ihre wirtschaftliche Macht und das Pentagon für seine militärische Macht. Menschen auf der ganzen Welt, darunter auch Menschen in Israel, haben die Twin Towers des World Trade Center mit New York assoziiert, und sie haben New York nicht nur als den amerikanischen Traum gesehen, sondern auch in vieler Hinsicht als ihren eigenen.

Daher erinnern Menschen fast überall auf der Welt an die Momente des Terrors, die sie am 11. September 2001 erlebten, als ob die Katastrophe auch ihre eigene Katastrophe war. Die Angriffe auf die Zentren der amerikanischen Macht können nicht von dem arabisch-israelischen Konflikt getrennt werden. Wie an jenem schrecklichen Tag vor zehn Jahren ist es auch jetzt möglich zu sagen, dass „wir alle Amerikaner sind.“

Der Angriff auf das Pentagon in Washington war weniger verheerend, destruktiv und spektakulärer als der Anschlag auf das World Trade Center, aber seine symbolische Bedeutung ist nicht kleiner als der Schlag, den New York erlitt, da die Kriege im Irak und in Afghanistan die Grenzen amerikanischer Macht aufgezeigt haben. Dies wurde durch wirtschaftliche und soziale Krisen, die ihren Tribut gefordert haben, in solchem Ausmaß verschärft, dass die USA offenbar nicht mehr die allmächtige Supermacht ist, die sie einmal war. Man hat den Eindruck, dass der Niedergang im Ansehen der USA in einer Reihe fortlaufender historischer Entwicklungen begründet ist, und die Menschen auf der ganzen Welt folgen ihnen mit Sorge.

In den vergangenen zehn Jahren investierte die USA riesige Summen in dem Bemühen, die „Achse des Bösen“ durch Waffengewalt zu vernichten. Im Juni 2009 kam jedoch US-Präsident Barack Obama nach Kairo, um zu versuchen, das zu stoppen, was bis dahin als Krieg zwischen Gut und Böse dargestellt worden war, zwischen den Mächten des Lichts und den Mächte der Finsternis. In einer mutigen Rede schlug Obama Versöhnung und Koexistenz zwischen den Grundwerten der Vereinigten Staaten und jenen der muslimischen Welt vor.

Es ist möglich, dass es eine Verbindung zwischen dieser Rede und den Protestbewegungen gibt, die später durch die arabische Welt wehten. Sie sind noch nicht zu dem erhofften „Arabischen Frühling“ geworden, aber die Tatsache, dass die amerikanische Regierung in der Lage war, sich von den Fesseln vorherigen Denkens frei zu machen, ist ein ermutigendes Zeichen.