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Die Terroristen wissen jetzt, dass wir nicht zurückschlagen

Als Teil des makaberen Humors, der hier während des Yom Kippur-Krieges erblühte, hieß es, die Araber hätten von den Juden das Siegen gelernt, während die Juden von den Arabern das Lügen gelernt hätten. Seitdem haben wir drei oder vier weitere Kriege erlebt, wer zählt schon mit…

Von Hagai Segal

Und in der Zwischenzeit haben wir auch noch etwas anderes von unseren Gegnern gelernt: etwas zu versprechen und dann das Versprechen nicht zu halten.
Immer wieder haben wir geschworen, die Hamas zu vernichten, sollte sie es wagen, unsere südlichen Einwohner anzugreifen. Doch wir haben uns nur selten an den Schwur gehalten. Eigentlich haben wir uns nie daran gehalten. Sogar die Operation Cast Lead, das Kronjuwel unserer Vergeltungsschläge im von der Hamas regierten Gaza-Streifen, war ein eher sanfter Schritt. Aus diesem Grund war sein Erfolg auch so begrenzt.

Ismail Haniyeh ist am Leben geblieben, seine Kraftwerke operieren weiter normal, und die Philadelphi-Passage wurde nicht blockiert. Die Terroristen haben gelernt, dass wir im Moment der Wahrheit immer einen Waffenstillstand über den Sieg wählen. Daher haben Sie aufgehört, uns zu fürchten.
Wenn Israel den Beschuss eines Schulbusses mit einer Panzerabwehrrakete beantwortet, indem es eine neue Umgehungsstraße baut, wie es hier im Frühling geschehen ist, kann es seine Gegner nicht das Fürchten lehren. Den Gegnern ist auch heute noch bewusst, dass sie in einer direkten Konfrontation keine Chance haben. Doch sie wissen jetzt, dass Israel Willens ist, eine Million Erniedrigungen zu ertragen, um dieser direkten Konfrontation zu entgehen.

Sogar wenn Ehud Barak droht, Terroristen enthaupten zu lassen, zeigt seine Körpersprache immer noch, dass er eigentlich dringend eine Waffenruhe möchte. Er kümmert sich hauptsächlich um die Produktion neuer „Iron Dome“-Batterien und nicht um die Bestrafung im Gaza-Streifen. Schon vor einigen Jahren hat er den Willen zum Sieg verloren. Doch nun hat er auch den Willen verloren, für Abschreckung zu sorgen.

Es besteht kein Zweifel, dass unsere magere Antwort auf die Anschlagsserie von Beer Scheva und Ashdod im Gaza-Streifen als schreckliche jüdische Schwäche interpretiert werden wird. Man hat dort alle Hauptquartiere evakuiert, weil man eine besonders gewalttätige israelische Antwort auf die Raketeneinschläge tief auf unserem Gebiet erwartet hatte. Doch nun haben wir gezeigt, dass sogar besonders dreiste Provokationen uns nicht stören. Früher einmal hätten wir ohne Rücksicht auf Verluste zurückgeschlagen, wenn unser Blut vergossen wurde, doch heute entschuldigen wir uns auch noch dafür.

„Wenn irgendjemand denkt, dass der Staat Israel das hinnehmen wird, dann irrt er“, hat unser Ministerpräsident nach der schrecklichen Anschlagsserie nahe Eilat erklärt. Das sind nur hohle Worte. Der Staat Israel nimmt es absolut hin. Dass Netanyahu und Barak eine plötzliche Beruhigung der Lage nach allem, was hier in den letzten Tagen geschehen ist, einfach so hinnehmen, ist sicherheitspolitisch und psychologisch ein nationales Desaster. Sogar hochtechnologische Warnsysteme können nicht den fortschreitenden Verfall unserer Abschreckungskraft verdecken.

Quelle ynet Übersetzt f.d. Newsletter der isr. Botschaft. Die hier veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.