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Jetzt erst recht: Türkischer Tee zum Ehrenmord gefällig?

Die Zeitung „Die Welt“ hat nach den Anschlägen von Norwegen offenbar nichts Besseres zu tun, als genau da weiterzumachen, wo man vor den Anschlägen stehen geblieben ist. Oder wie erklärt man sich, dass die fremdenfeindlichen und islamkritischen (um mal bei dieser völlig falschen Vokabel zu bleiben) Artikel derzeit aus dem Boden sprießen wie Pilze?…

Von Ramona Ambs

Es ist natürlich gerade jetzt unglaublich aktuell den „Ehrenmord“ an Hatun Sürücü (sie wurde am 7. Februar 2005 in Berlin-Tempelhof ermordet) zu thematisieren. Wobei gegen das Thematisieren an sich nichts zu sagen wäre, aber die Art und Weise wie es passiert, ist äußerst widerlich:

„Der Mann, der seine Schwester mit drei Schüssen in den Kopf getötet hat, bereitet türkischen Tee zu… An der Wand hängt ein gewebter Teppich, auf dem das Heiligste aller Muslime zu sehen ist: Mekka, der Geburtsort des Propheten Mohammed.“

Das ist natürlich wichtig und informativ. Und Leute, die türkischen Tee trinken und gen Mekka beten, waren der Gesellschaft hier ja schon immer suspekt. Aber es wird noch schlimmer:

So-brachte-Ayhan-Sueruecue-seine-Schwester-Hatun-um.html

„Ayhan Sürücü richtet die Waffe auf seine Schwester – und schießt. Die Kugel trifft Hatun aus kürzester Distanz an der rechten Stirnseite. Ein sogenannter Steckschuss, der laut Obduktionsbericht Verletzungen des rechten (!) Scheitellappens und Brüche des Schädeldaches verursacht. Ayhan feuert noch zwei weitere Schüsse auf Hatuns Kopf ab; dabei steht er weniger als eine Armlänge von seinem Opfer entfernt.
Treffer zwei und drei verletzen das Großhirn, den Unterkiefer und die Zunge.
Hatun lässt die Kaffeetasse fallen. Taumelt einige Meter weiter. Sie bricht zusammen, bleibt auf dem Rücken liegen – stirbt auf dem Asphalt an der Bushaltestelle Oberlandstraße. Es ist 20.55 Uhr.
Neben ihrer Leiche liegt die zerbrochene Kaffeetasse, in ihrer Hand die erloschene Zigarette.“

Eine derartige Schilderung mag in einem Drehbuch sinnvoll sein. In einen Bericht über den Mord an einer jungen Frau haben diese Details nichts zu suchen. Im Grunde ist diese Art der Schilderung ein Missbrauch an Hatun Sürücü. Nicht ohne Grund ist das Abbilden von Toten untersagt. Eine beinah pornographisch anmutende, so ins Detail gehende Beschreibung der grausamen Hinrichtung einer Frau grenzt aber genau an dieses Problem. Sensationsbedürfnisse allein können ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit nicht begründen, heisst es im Pressekodex des Deutschen Presserats. Vielleicht sollte man da mal bei Gelegenheit einen Blick reinwerfen.

Es kommt aber noch übler. In einem anderen Artikel werden unter der Überschrift „Triebgesteuerte Männer gehören an die Leine“ ganz aktuell ein paar „politisch inkorrekte Fragen“ gestellt. Da heisst es dann beispielsweise:

„Warum gilt ein arabischer Mann, der sich einer Frau annährt, als kess, und eine arabische Frau, die sich einem arabischen Mann annähert, als hurenhaft?“
oder: „Warum heißt es von einem erfolgreichen arabischen Mann, er sei gescheit, von einer erfolgreichen arabischen Frau aber, sie würde sich nach oben schlafen? Warum gilt ein arabischer Mann, der lauthals lacht, als selbstbewusst, eine laut lachende arabische Frau aber als geschmacklos? Warum können arabische Männer in bequemen Klamotten auf der Straße laufen, während von arabischen Frauen erwartet wird, dass sie ihren Körper verhüllen?“

Wenn man mal davon absieht, dass hier pauschal Behauptungen aufgestellt werden, ohne diese zu belegen, fragt man sich, weshalb diese Fragen nur auf den arabischen Mann gemünzt sind…? Aber das meint die Autorin dann beantworten zu können:

„Falls die letzte Frage damit beantwortet werden soll, dass die Männer „nicht vom Anblick des weiblichen Körpers in Versuchung geführt werden sollen“, heißt dies, dass die Männer Tiere sind und ihre Triebe nicht kontrollieren können? Und wenn sie Tiere sind, die ihre Triebe nicht kontrollieren können, würde es nicht mehr Sinn machen, sie an die Leine zu nehmen, anstatt Frauen unter einem Tuch zu ersticken?“

Interessant, diese Triebhaftigkeit der arabischen Männer.
Wie Tiere. Diese Triebhaftigkeit.

Was sind denn das für Töne? Klingt eher ungut, aber, lassen wir das. Damit hat das alles ja auch natürlich nichts zu tun. Und falls irgendwer beim timing dieser Artikel an den englischen Hosenbandorden denkt, dem sei einfach gesagt: Honi soit qui mal y pense…