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Um Palästinas Willen

So lange sie ihre Ressourcen, die sie für das Aufbauen eines eigenen Staates nutzen könnten, in Hoffnung auf Israels Untergang umwandeln, werden sie keinen Staat besitzen…

Von Einat Wilf

Wie im Vorfeld erwartet, hat Präsident Barack Obama in seiner Rede über die Politik im Nahen Osten die Palästinenser dazu aufgefordert, den Staat Israel anzuerkennen, jedoch nicht als das Heimatland des jüdischen Volkes. Es scheint, als würde der US Präsident glauben – wie einige andeuten -, dass die Aufforderung des Premierministers Benyamin Netanyahu, Israel als Heimatland der Juden anzuerkennen, lediglich ein durchdachter Trick sei. Ein Trick, um dem Verhandlungsprozess auszuweichen und gleichzeitig ein schwermütiges Zeichen von fehlendem Selbstvertrauen des Staates, als ob er ausgerechnet die Meinung der Palästinenser benötigt, um Israel zu sagen, was es ist.

Die Anforderung des Premierministers ist aber keines davon. Es ist die grundlegende Forderung, die bedeutet, sollte man ihr nachkommen, dass der Frieden wirklich möglich ist. In der Tat braucht Israel keine palästinensische Anerkennung seiner Identität als jüdischer Staat. Diejenigen, die es geträumt, gegründet und aufgebaut haben, hatten nur ein Ziel vor Augen: eine Heimat für das jüdische Volk zu erschaffen. Und das ist Israels raison d’être. Eher sind es die Palästinenser, die es sich selbst zuliebe und der eigenen Würde wegen einsehen sollten.

Zionismus war eine politische Bewegung der Selbstbestimmung für jüdische Menschen. Die palästinensische nationale Bewegung wehrte sich aber gegen den Zionismus und seine Hauptidee – Gründung eines Staates. In ihrem Widerstand mit kontinuierlichen Misserfolgen erzählten die Palästinenser sich selbst eine Geschichte, in der Zionismus eine Kolonialbewegung ist, die Fremde in ihr Land brachte. Fremde, die einmal dem entschlossenen Widerstand gegenüberstehend, das Land früher oder später verlassen müssen. Sogar wenn diese Erzählung als eine Geschichte der Hoffnung tröstlich sein mag, hätten sie diese besser verwerfen müssen, wenn sie je die Absicht besaßen, ihren eigenen Staat zu haben.

Hoffnung wird gewöhnlich mit einem positiven Sinn behaftet, nicht aber wenn sie an der Wahrnehmung der Realität hindert, während in einer aufgeschobenen Vorahnung irgendeiner Zukunft gelebt wird, die nie kommen mag. Eine solche Hoffnung ist weder positiv noch hilfreich, und diejenigen, die diese Hoffnung nähren und pflegen, begünstigen weder die Friedensprozessverhandlungen, noch die Chance der Palästinenser auf einen eigenen Staat.

Zionismus war, im Gegensatz zu den kolonialen Bewegungen, eine Bewegung der Menschen, die nach Hause gekommen sind. Deswegen ging es nicht um die Ausnutzung der (nicht-existierenden) Ressourcen eines fremden Landes, es ging nur um die Nutzung der einzigen Ressourcen, die das jüdische Volk je besaß – eigene Intelligenz und Erfindungsgabe, um einen Staat wörtlich aus dem Nichts zu schöpfen.

Die Gründung eines Staates erfordert Mobilisation der Individuen

So lange die Palästinenser fortfahren, ihre Ressourcen für den Aufbau eines eigenen Staates in die Hoffnung auf Israels Untergang zu investieren (und ja, darauf zu hoffen, dass Israel eines Tages ein Land mir einer Minderheit der Juden unter einer Mehrheit der Arabern wird, sprich, auf seinen Untergang zu hoffen), kann es keinen Frieden und auch keinen eigenen Staat geben.

Und jetzt, falls die Palästinenser endlich anerkennen würden, dass bei der Gründung des Staates Israel das jüdische Volk in seine Heimat zurückgekehrt ist, würden sie ein klares Signal an die Welt, an Israel und an sich selbst senden, dass sie sich entschlossen haben, den Widerstand abzulehnen und bereit sind, sich mit der bemerkenswerten, mühevollen und unermesslich dankbaren Aufgabe auseinanderzusetzen, einen Staat aufzubauen, den sie „ihren eigenen“ nennen könnten.

Die Autorin ist Knesset-Abgeordnete der Unabhängigen Partei und Mitglied des Komitees für auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung. Weitere Informtaionen: http://www.wilf.org. Der Artikel erschien zuvor in der Jerusalem Post.
Übersetzt aus dem Englischen: Ekaterina Vorobyeva