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Schwere Kämpfe in Jemen

Ein kurzer Waffenstillstand im Jemen ist zusammengebrochen. Jetzt droht ein offener Bürgerkrieg zwischen pro-Regierungstruppen und aufständischen Stämmen…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 31. Mai 2011

Schwarzer Rauch stieg aus dem Hasaba-Viertel in der Hauptstadt Sana auf, wo die Familie des Hamid al Ahmar wohnt, dem stärksten Stamm und Opponenten des Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Der Präsident hat sich schon drei mal geweigert, nach 33 Jahren an der Macht seinen Rücktritt zu unterzeichnen. In der vergangenen Woche mussten Diplomaten per Hubschrauber aus einem Komplex evakuiert werden, wo sie zusammengekommen waren, um über Saleh und die Zukunft des Jemen zu beraten. Aufständische hatten den Komplex angegriffen.

In Hasaba liefern sich Stammeskämpfer und Regierungstruppen nahe dem staatlichen Fernsehgebäude Panzerschlachten. Am Montag wurde ein Hospital geplündert. Verletzte mussten woanders Hilfe suchen, während nach Angaben eines Arztes etwa 15 Soldaten die Krankenschwestern mit vorgehaltenen Gewehren in Schach hielten. Die Soldaten hätten Computer zertrümmert, Medikamente und Geräte gestohlen und einige Patienten festgenommen. „Sie haben sogar im Hospital geschossen“, wird der Arzt Abdulkafi Shamsan zitiert.

In der Stadt Taiz hat es angeblich 50 Tote gegeben, als Regierungstruppen eine Demonstration gegen Präsident Saleh auflösten.

In Zinjibar an der Südküste hatten am Freitag Kampfflugzeuge der Regierung Bomben auf Stellungen von El-Kaeda nahen Islamisten abgeworfen, die zuvor Banken und Regierungsgebäude in der Stadt eingenommen hätten. Hunderte seien aus der Stadt ohne Strom und Wasser geflohen. Ein Arzt konnte zunächst nur 20 Tote bestätigen. Zudem wurde eine Zeltlager von Demonstranten mit Molotowcocktails in Brand gesteckt, während Bulldozer die Zelte zerstörten und Sicherheitsleute in Zivil aus Hauseingängen auf die Demonstranten schossen. Gemäß unbestätigten Meldungen soll es in Zinjibar allein 70 Tote gegeben haben.

Nur spärliche und bruchstückhafte Informationen gelangen vom Jemen ins Ausland, nachdem angeblich die Telefongesellschaft Sabafone im Besitz von Seheich Sadeq al-Ahmar, dem Erzrivalen von Präsident Saleh, Auslandsgespräche gekappt hat.

Die Unruhen im Jemen brachen aus, als Präsident Saleh eine separatistische Rebellion im Süden und schiitische Eindringlinge im Norden niederschlagen wollte. Jeder zweite Mann unter den insgesamt 23 Millionen Jemeniten trägt eine Waffe. Der Jemen, südlicher Nachbar von Saudi Arabien und strategisch gegenüber dem Horn von Afrika gelegen, bereitet besonders den Saudis und Amerikanern große Sorgen. Der Jemen galt bisher als zuverlässiger Partner der Amerikaner im Kampf gegen Islamisten von El Kaeda. Die El Kaeda Gruppierungen im Jemen gelten bei den Amerikanern als „weltweit aktivsten Terrorzellen“, heißt es in einem Bericht der israelischen Zeitung Haaretz.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com