- haGalil - https://www.hagalil.com -

Die Ostpreußen und der Sex

Haben Sie in der letzten Zeit über die Ostpreußen nachgedacht? Und darüber, ob es vielleicht stimmen könnte, dass die Ostpreußen sexuell nicht zu befriedigende Monster sind, die sich notfalls mit Gewalt und ohne Rücksicht auf andere das nehmen, was ihnen nicht zusteht?…

Von Ramona Ambs

Nein? Darüber haben Sie nicht nachgedacht? Seltsam. Denn die Ostpreußen fallen doch immer wieder mit solchen Geschichten auf. Zum Beispiel Jörg Kachelmann, dessen Mutter ist Ostpreußin. Diesen kulturellen Hintergrund muss man natürlich kennen, wenn man über die Anschuldigungen gegen Kachelmann spricht. Denn schließlich ist er der Vergewaltigung angeklagt. Und das ist ja kein Kavaliersdelikt. Da sollte man den ostpreußischen Hintergrund des Täters schon mal thematisieren dürfen. Schließlich ist es ja interessant zu wissen, dass die Mutter aus Ostpreußen kommt. In dem Zusammenhang könnte das sogar nicht nur interessant, sondern auch von Bedeutung sein. Man hört ja auch immer wieder von Ostpreußen im Zusammenhang mit zügelloser Sexualität. Und deshalb gehört der Verweis auf diesen quasi ethnischen Hintergrund in jeden Medienbericht mit rein.

Außerdem sollte man mal überprüfen, ob Johann Schwenn, der Anwalt von Jörg Kachelmann nicht ebenfalls ostpreußische Wurzeln hat. Sollte dies so sein, müsste es ebenfalls unbedingt in der Berichterstattung berücksichtigt werden. Das gehört doch zur journalistischen Sorgfaltspflicht. Schließlich sollte den Lesern auch genügend Raum für eigene Spekulationen über Ostpreußen gegeben werden. Ostpreußen sind nämlich schon eine ganz spezifische Volksgruppe.

Hinzu kommt: Kachelmann ist Katholik. Und jeder weiss doch, dass die katholische Kirche insgesamt mit Mißbrauchsfällen zu kämpfen hat. Der Mann ist also einfach aufgrund seiner Herkunft doppelt vorbelastet. Anders gesagt: Medienberichte sollten zukünftig unbedingt erwähnen, dass Kachelmann ostpreußisch-katholischer Herkunft ist. Das ist wichtig. Das gehört einfach dazu.

Wie jetzt?
Sie finden die Idee seltsam?
Das erscheint Ihnen abwegig?

Dann empfehle ich Ihnen mal einen Blick auf die derzeitige Berichterstattung zum Fall Strauss-Kahn. In sämtlichen deutschsprachigen Medien wird auf seine -jüdische(!)- Herkunft verwiesen. Und in einigen Zeitungen auch auf den jüdischen Hintergrund seines Anwalts Benjamin Brafman. Überall heisst es, Strauss-Kahn sei jüdisch-marrokanischer Herkunft. Das ist zwar falsch (sein Vater ist aschkenasischer, seine Mutter russisch-tunesischer Herkunft), aber es wird von allen brav mitgeteilt. Offenbar ist es in diesem Zusammenhang wichtig.

Und weil die Herkunft von mutmaßlichen Vergewaltigern wichtig ist, sollte man das zukünftig auch bei allen erwähnen. Deshalb merke: Jörg Kachelmann ist ostpreußisch-katholischer Herkunft. Wer das verschweigt, macht sich verdächtig!